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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.03.2026

Farbenfrohe Rezepte für herzhaftes und süßes Gebäck

Die Gemüsebäckerei
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Gemüse im Gebäck klingt zunächst ungewöhnlich – doch genau darum geht es in „Die Gemüsebäckerei“ von Lina Wallentinson. Sie kombiniert vermeintlich ungewöhnliche mit klassischen Zutaten und zeigt, wie ...

Gemüse im Gebäck klingt zunächst ungewöhnlich – doch genau darum geht es in „Die Gemüsebäckerei“ von Lina Wallentinson. Sie kombiniert vermeintlich ungewöhnliche mit klassischen Zutaten und zeigt, wie vielseitig Gemüse auch beim Backen eingesetzt werden kann. So entstehen farbenfrohe Rezepte für herzhaftes und süßes Gebäck.

Die Rezepte sind leicht verständlich beschrieben und wirken alltagstauglich, sodass man schnell Lust bekommt, sie selbst auszuprobieren. Besonders spannend ist dabei, wie unterschiedlich Gemüse eingesetzt wird – mal dezent im Hintergrund, mal als prägender Bestandteil eines Rezepts.

Auch die Gestaltung des Buches ist sehr ansprechend: Zu jedem Rezept gibt es ein Foto, das einen guten Eindruck vom Ergebnis vermittelt und zusätzlich zum Nachbacken motiviert.

Besonders profitieren dürften Hobby-Gemüsegärtner:innen von den Ideen in diesem Buch – vor allem dann, wenn im Sommer plötzlich mehr Zucchini geerntet werden, als man eigentlich verbrauchen kann.

Ein inspirierendes Backbuch für alle, die gerne backen, offen für neue Kombinationen sind – oder nach kreativen Ideen suchen, um überschüssiges Gemüse kreativ zu verarbeiten.

Veröffentlicht am 01.03.2026

Wissenschaftliche Kontroverse trifft auf Kurort-Ruhe

Einstein im Bade
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Im Jahr 1920 steht Bad Nauheim im Zeichen der Versammlung Deutscher Naturforscher. Über zweitausend Wissenschaftler reisen an – darunter Albert Einstein und sein schärfster Kontrahent Philipp Lenard. Ausgerechnet ...

Im Jahr 1920 steht Bad Nauheim im Zeichen der Versammlung Deutscher Naturforscher. Über zweitausend Wissenschaftler reisen an – darunter Albert Einstein und sein schärfster Kontrahent Philipp Lenard. Ausgerechnet im traditionsreichen, etwas in die Jahre gekommenen Hotel „Rastender Kranich“ treffen die beiden aufeinander. Hoteldirektor Kleeberger wittert eine einmalige Gelegenheit für sein Haus – und verliert dabei zunehmend die Kontrolle über die Ereignisse.

Auf das Buch aufmerksam geworden bin ich auch deshalb, weil mich der fachliche Hintergrund des Autors, den ich teile, neugierig gemacht hat. Besonders überzeugt hat mich jedoch die Atmosphäre: Der Roman fängt die Spannungen der Zeit ebenso ein wie die eigentümliche Mischung aus Kurort-Ruhe und wissenschaftlicher Aufbruchsstimmung. Zwischen Badehaus, Hotelflur und hitzigen Debatten entsteht ein lebendiges Bild einer Epoche im Umbruch.

Mit feinem Humor und erzählerischer Leichtigkeit verbindet Daniel Mellem historische Konstellation und literarische Freiheit. Die Figuren wirken plastisch, die Dialoge pointiert, und die wissenschaftlichen Kontroversen bleiben stets eingebettet in das menschliche Miteinander.

Ein klug komponierter, unterhaltsamer Roman, der historische Persönlichkeiten in einer dichten und zugleich augenzwinkernden Atmosphäre lebendig werden lässt – und mir sehr gut gefallen hat.

Veröffentlicht am 01.03.2026

Ungewöhnliche Erzählperspektive

Wo die Kaffeekirschen leuchten
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1953 folgt eine junge Deutsche ihrem Ehemann nach Kolumbien, wo er eine Stelle als Geologe antritt. Für diesen Schritt gibt sie ihr Musikstudium auf – ein zunächst selbstverständliches Opfer, dessen Tragweite ...

1953 folgt eine junge Deutsche ihrem Ehemann nach Kolumbien, wo er eine Stelle als Geologe antritt. Für diesen Schritt gibt sie ihr Musikstudium auf – ein zunächst selbstverständliches Opfer, dessen Tragweite sich erst allmählich zeigt. In Tunja begegnet sie einer deutschen Community, die von Dünkel und starkem Selbstbewusstsein geprägt ist. In diesem Umfeld sucht sie ihren eigenen Platz und ihre Rolle.

Entgegen den damaligen Konventionen beschränkt sie sich jedoch nicht auf die Rolle der Ehefrau und Haushaltsführenden. Ihr musikalisches Talent weist ihr den Weg zu einem Gegenentwurf: Als Kammermusikerin schafft sie sich einen Raum, in dem sie mehr ist als nur „die Frau von …“. Zugleich ermöglicht ihr die Musik eine subtile Abgrenzung von der Überheblichkeit der Community. Sie wird zur leisen, aber konsequenten Form der Selbstbestimmung.

Nicola Denis lässt in Wo die Kaffeekirschen leuchten die Tochter die Geschichte ihrer Eltern erzählen – und zwar so, als sei sie selbst dabei gewesen, beinahe wie eine allwissende Erzählerin. Diese ungewöhnliche Konstruktion erzeugt eine besondere, leicht schwebende Atmosphäre und unterstreicht den Charakter des Erinnerns und Rekonstruierens.

Der Erzählstil ist von langen, fließenden Sätzen geprägt, was dem Roman eine ruhige, getragene Wirkung verleiht und gut zu dieser Form der rückblickenden Annäherung passt.

Ein fein komponierter, klug erzählter Roman über Selbstbehauptung und Identität, der mich sehr überzeugt hat.

Veröffentlicht am 24.02.2026

Scheinbar ziellos

Grüne Welle
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Nach einem Kinobesuch mit der Freundin fährt die Frau los. Eine Umleitung zwingt sie, den gewohnten Weg zu verlassen. Plötzlich findet sie sich auf einer unbekannten Straße. Sie fährt immer weiter und ...

Nach einem Kinobesuch mit der Freundin fährt die Frau los. Eine Umleitung zwingt sie, den gewohnten Weg zu verlassen. Plötzlich findet sie sich auf einer unbekannten Straße. Sie fährt immer weiter und nimmt sich vor, an der nächsten roten Ampel zu wenden.

In "Grüne Welle" beschreibt Esther Schüttpelz wie die Frau scheinbar ziellos durch die Nacht fährt, sich dabei immer weiter von ihrem Mann entfernt und gleichzeitig sich selbst immer näher kommt. Die Figuren bleiben namenlos, ebenso die Orte. Gerade diese Reduktion verleiht dem Roman eine starke Allgemeingültigkeit. Die Frau steht für viele andere Frauen an einem beliebigen Ort - für Frauen, die in einer Beziehung leben, aus der sie sich lösen müssten.

Der Stil ist eindringlich und zugleich distanziert. In der dritten Person erzählt, wirkt der Roman über weite Strecken wie ein inneres Selbstgespräch, das sich während der Fahrt immer weiter verdichtet. Diese konsequent durchgehaltene Perspektive erzeugt eine Sogwirkung, die lange nachhallt.

Mich hat diese stille, konzentrierte Erzählweise sehr beeindruckt. „Grüne Welle“ ist ein dichter Roman über Bewegung, Stillstand und das vorsichtige Ausloten von Möglichkeiten.

Veröffentlicht am 20.02.2026

Verbindung aus Familiengeschichte und gesellschaftspolitischer Relevanz

Die Erbin der Wut
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In „Die Erbin der Wut“ erzählt Heidi Metzmeier von Hanna, einer sehr engagierten Klimaaktivistin der Letzten Generation. Ihre Großmutter Monika lädt Tochter Yvonne und Enkelin Hanna nach Kreta ein. Dort ...

In „Die Erbin der Wut“ erzählt Heidi Metzmeier von Hanna, einer sehr engagierten Klimaaktivistin der Letzten Generation. Ihre Großmutter Monika lädt Tochter Yvonne und Enkelin Hanna nach Kreta ein. Dort entdecken die drei Frauen die Insel jeweils auf ihre eigene Weise und werden zugleich mit einer überraschenden Entwicklung konfrontiert.

Die kurzen Kapitel erzeugen Tempo und verleihen dem Roman von Beginn an Spannung. Metzmeier greift ein hochaktuelles Thema auf und nimmt die öffentliche Debatte um die Letzte Generation in den Blick. Dabei wird auch der politische Vergleich mit der RAF aufgegriffen – allerdings nicht, um ihn zu bestätigen, sondern um seine Fragwürdigkeit offenzulegen. Gerade im Verlauf der Geschichte wird spürbar, wie überzogen und vereinfachend solche Gleichsetzungen sind. Der Roman setzt hier ein deutliches Fragezeichen und regt dazu an, genauer hinzuschauen: auf Formen des Protests, auf gesellschaftliche Verantwortung und auf den Umgang mit der Klimakatastrophe.

„Die Erbin der Wut“ ist eine Geschichte über Beziehungen. Vor allem aber ist der Roman eine kritische Auseinandersetzung mit dem Umgang mit der Klimakatastrophe – seitens der Aktivist*innen, der Politik und der Gesellschaft.

Ein aktueller, kluger Roman, der wichtige Fragen stellt und lange nachwirkt.