Bittersüß und zwiegespalten
Träume aus SalzDieses Buch ist das zweite, das ich von der Autorin lese. Nach der Lektüre bin ich zugegebenermaßen etwas zwiegespalten. Nachdem mir die erste Hälfte mit der flirrenden Atmosphäre heißer Sommertage wirklich ...
Dieses Buch ist das zweite, das ich von der Autorin lese. Nach der Lektüre bin ich zugegebenermaßen etwas zwiegespalten. Nachdem mir die erste Hälfte mit der flirrenden Atmosphäre heißer Sommertage wirklich ausgesprochen gut gefallen hat, lässt mich die zweite Hälfte leider etwas ratlos zurück. Der Schreibstil und insbesondere die Beschreibung der Schauplätze, der Gefühle, Gedanken und Beziehung der Figuren gefällt mir sehr gut. Ich fühle mich selbst als stiller Beobachter in dieser Urlaubskulisse. Flo und Matty sind das perfekte Paar. Frisch verliebt und glücklich verbringen sie ihren ersten gemeinsamen Urlaub auf einer griechischen Insel. Da begegnet ihnen die junge Sofia. Auch ihre Figur gefällt mir gut. Sie ist vielschichtig, etwas geheimnisvoll und leider auch sehr einsam. Insbesondere Flo und Sofia kommen sich näher. Was zunächst wie eine erotische Anziehung wirkt, entpuppt sich zu einem tiefen Verständnis für die Gefühle und die Einsamkeit der jeweils anderen. Soweit so gut. Auch das Einbinden griechischer Mythologie und der Tarotkarten finde ich sehr originell. Dennoch kann ich die verschiedenen Überschriften, die Tarotkarten gewidmet sind, nicht so richtig dem Inhalt des jeweiligen Kapitel zu ordnen. Es wird auch kein Bezug zu den konkreten Karten wie dem Narren, dem Hohepriester und dem Tod genommen. Das verwirrt mich und wirkt etwas konstruiert. Eine Wendung, die mich gar nicht anspricht und die für mich auch nicht wirklich in die Handlung passt, ist der Genuss von Pilzen kurz vor Abreise von Flo und Matty. Ich frage mich, warum die Autorin dies so explizit in den Vordergrund stellt. Für mich hätte es das für den weiteren Verlauf der Handlung gar nicht gebraucht. Flo hätte ihr Geheimnis meiner Meinung nach auch ohne Drogen offenbaren können. Vielleicht fehlt mir da ja auch der persönliche Zugang. Jedenfalls kann ich mich in diesen Teil der Geschichte nicht hineindenken. Was mich wiederum sehr berührt, ist der Blick in die Vergangenheit. Insbesondere die Beziehung zwischen Flo und ihre Schwestern Nadine. Die große Entfremdung finde ich erschreckend und sehr traurig. Das tiefe Band zwischen den Schwestern ist sehr gut eingefangen, der Riss daher umso erschütternder. Warum Flo so viel vor ihrem Freund verbirgt, erklärt sich in ihrer zerrütteten Familiengeschichte. Ob die Liebe der beiden Bestand hat, wird sich zeigen. Ebenso wie es mit Sofia weitergeht. Mich lässt der Roman mit verschiedenen Gefühlen zurück, dennoch möchte ich die Lektüre nicht missen.