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Veröffentlicht am 24.02.2026

Ein Buch, das Eltern stärkt

Wut, Trotz und Tränen
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Manchmal fühlt sich der Familienalltag an wie ein Drahtseilakt zwischen Mitgefühl und Überforderung. Genau hier setzt dieses Buch an: Es lädt dazu ein, kindliche Gefühlsausbrüche nicht als Provokation ...

Manchmal fühlt sich der Familienalltag an wie ein Drahtseilakt zwischen Mitgefühl und Überforderung. Genau hier setzt dieses Buch an: Es lädt dazu ein, kindliche Gefühlsausbrüche nicht als Provokation zu deuten, sondern als Entwicklungsschritt zu begreifen. Kleine Kinder stehen erst am Anfang ihrer emotionalen Reise – sie müssen erst entdecken, was in ihnen vorgeht und wie sie mit starken Impulsen umgehen können. Dabei geraten sie naturgemäß immer wieder an ihre Grenzen.

Was dieses Werk für mich besonders macht: Es wirkt fundiert, ohne mit Fachvokabular zu überfrachten. Statt komplizierter Theorien begegnen mir alltagsnahe Beispiele, die ich sofort mit unserem Familienleben verknüpfen konnte. Vieles davon praktiziere ich bereits aus dem Bauch heraus, doch die Lektüre hat mir gezeigt, warum diese Wege sinnvoll sind. Dieses Verständnis hat mir vor allem Sicherheit gegeben.

Sehr gelungen finde ich die Struktur. Zunächst werden grundlegende Zusammenhänge erklärt - etwa, weshalb vermeintlicher „Trotz“ häufig Ausdruck von Überforderung ist. Darauf aufbauend folgen typische Alltagsszenen, die wohl jede Familie kennt: das morgendliche Anziehen, Diskussionen beim Zubettgehen oder das leidige Zähneputzen. Die Kapitel sind klar aufgebaut: Situation, Hintergrund, konkrete Handlungsideen. Dadurch fühlt man sich weder belehrt noch allein gelassen, sondern begleitet.

Beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl: Genau so sieht es bei uns auch aus. Und gleichzeitig entstand Zuversicht. Zusammenhänge werden verständlich erklärt. Wer begreift, was hinter einem Gefühlssturm steckt, kann gelassener reagieren und lernt dabei auch die eigenen Emotionen besser kennen.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Mut trifft Angst – Eine einfühlsame Geschichte über Balance

Fritzi Furchtlos
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Dieses Bilderbuch widmet sich sensibel dem Thema Angst. Im Mittelpunkt steht ein Ziegenmädchen, das furchtlos durchs Leben geht und damit innerhalb seiner Herde aneckt. Ihre Unbekümmertheit wirkt bewundernswert, ...

Dieses Bilderbuch widmet sich sensibel dem Thema Angst. Im Mittelpunkt steht ein Ziegenmädchen, das furchtlos durchs Leben geht und damit innerhalb seiner Herde aneckt. Ihre Unbekümmertheit wirkt bewundernswert, führt jedoch zu Konflikten und wirft Fragen nach Zugehörigkeit und Akzeptanz auf.

Erst durch die Begegnung mit einem ängstlicheren Gefährten erkennt sie, dass Angst nicht nur Schwäche ist, sondern auch Fürsorge und Verantwortung bedeuten kann. Diese Entwicklung wird warmherzig und kindgerecht erzählt.

Besonders überzeugen die ausdrucksstarken Illustrationen, die Gefühle klar transportieren und viel Raum zum Entdecken lassen.

Insgesamt ist das Buch eine liebevolle Geschichte über Freundschaft, Anderssein und die wichtige Erkenntnis, dass Mut und Vorsicht gemeinsam am stärksten sind.

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Eine Reise durch Tirol – zwischen Bergen und Genuss

Meine Tiroler Welt
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Im Vorwort begegnet man einer Autorin, die mit großer Offenheit und Herzlichkeit von sich und ihrer Heimat erzählt. Ihre Worte wirken ehrlich, warm und nahbar. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, einer Person ...

Im Vorwort begegnet man einer Autorin, die mit großer Offenheit und Herzlichkeit von sich und ihrer Heimat erzählt. Ihre Worte wirken ehrlich, warm und nahbar. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, einer Person zu begegnen, die tief verwurzelt ist, in sich ruht und ihre Umgebung mit großer Achtung betrachtet. Diese Haltung zieht sich spürbar durch das gesamte Buch.

Besonders begeistert hat mich der Aufbau: Die Reise durch Tirol folgt den Jahreszeiten und verbindet Rezepte mit Begegnungen, Landschaften und Geschichten.

Die Rezepte fügen sich stimmig in diese Reise ein. Sie wirken bodenständig und zugleich liebevoll ausgewählt, reichen von herzhaft bis süß und machen sofort Lust aufs Nachkochen. Besonders gefallen hat mir, dass vieles unkompliziert gehalten ist und Raum für eigene Anpassungen lässt – egal ob vegetarisch, vegan oder klassisch. Die Vielfalt, vor allem bei den Knödeln, hat mein Herz im Sturm erobert.

Abgerundet wird das Buch durch stimmungsvolle Fotografien, die sowohl Gerichte als auch Menschen, Höfe und Landschaften zeigen. Alles wirkt harmonisch, ruhig und authentisch.

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Eine fröhliche Zugreise voller Farbe und Reime

Henri-Jette-Sausebahn
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Ich bin ohne Vorwissen an Henri-Jette-Sausebahn herangegangen und hatte daher keinerlei Erwartungen an die Geschichte. Umso schöner war es, wie schnell mich das Bilderbuch für sich gewinnen konnte. Schon ...

Ich bin ohne Vorwissen an Henri-Jette-Sausebahn herangegangen und hatte daher keinerlei Erwartungen an die Geschichte. Umso schöner war es, wie schnell mich das Bilderbuch für sich gewinnen konnte. Schon beim ersten Durchblättern wurde klar, dass hier viel Liebe zum Detail und ein sehr stimmiges Gesamtkonzept zusammenkommen.

Im Mittelpunkt stehen die beiden kleinen Lokomotiven Henri und Jette, die gemeinsam einen Zug ziehen und dabei eine bunte Gruppe aus Kindern, Erwachsenen und Tieren an ihr Ziel bringen. Die Reise führt ans Meer und wird von vielen kleinen, fröhlichen Momenten begleitet. Nach getaner Arbeit dürfen auch die beiden Loks selbst Urlaub machen – eine einfache, aber sehr kindgerechte Handlung, die Ruhe und Freude ausstrahlt.

Besonders beeindruckt haben mich die Illustrationen. Sie sind farbenfroh, lebendig und laden zum genauen Hinschauen ein. Auf jeder Seite gibt es kleine Details zu entdecken, die die Geschichte visuell erweitern. Für mich sind genau solche Bilder essenziell in einem guten Bilderbuch, da sie Gefühle transportieren und Kinder dazu animieren, sich länger mit den Seiten zu beschäftigen. Auch mein Sohn war sofort fasziniert und hat sich die Bilder mit großer Begeisterung angesehen – teilweise sogar länger als dem Text zugehört.

Der Text selbst ist sehr kurz gehalten und besteht aus kleinen Reimen. Diese sind leicht verständlich und gut zum Vorlesen geeignet. Gerade für jüngere Kinder ist das angenehm, da die Geschichte nicht überfordert und die Aufmerksamkeit gut gehalten werden kann.

Insgesamt hat mich Henri-Jette-Sausebahn positiv überrascht. Auch ohne Bezug zu früheren Geschichten funktioniert das Buch wunderbar für sich allein. Es wirkt hochwertig, durchdacht und liebevoll gestaltet. Für mich ist es ein gelungenes Bilderbuch, das Kindern Freude bereitet und sich gut in den Vorlesealltag integrieren lässt – ganz unabhängig davon, ob man das Original kennt oder nicht.

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Gemeinsam durch das Unvorstellbare

Solito
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Solito von Javier Zamora hat mich tief berührt und noch lange nach der letzten Seite nicht losgelassen.

Was dieses Memoir für mich so außergewöhnlich macht, ist nicht allein die Härte der geschilderten ...

Solito von Javier Zamora hat mich tief berührt und noch lange nach der letzten Seite nicht losgelassen.

Was dieses Memoir für mich so außergewöhnlich macht, ist nicht allein die Härte der geschilderten Reise, sondern die Perspektive, aus der sie erzählt wird: durch die Augen eines Neunjährigen, der ohne Eltern unter fremden Erwachsenen überlebt. Beim Lesen musste ich mir immer wieder bewusst machen, wie jung Javier damals war – ein Kind, das sich vor Situationen fürchtet, die Erwachsene als banal empfinden, und das dennoch gezwungen ist, Unvorstellbares auszuhalten. Besonders als Mutter hat mich das Lesen an meine Grenzen gebracht und ich habe oft Wut auf die Erwachsenen verspürt, die dieses Risiko zugelassen haben.

Sprachlich ist das Buch eindrucksvoll, ruhig und zugleich poetisch, ohne jemals beschönigend zu wirken. Wiederholungen im Erzählfluss empfand ich nicht als Schwäche, sondern als Spiegel der endlosen Monotonie und Erschöpfung dieser Reise. Hunger, Durst, Angst, skrupellose Schleuser – all das zeigt, wie verzweifelt Menschen sein müssen, um sich auf einen solchen Weg einzulassen.

Trotz aller Grausamkeit bleibt am Ende vor allem eines: Hoffnung. Hoffnung auf Menschlichkeit, auf Mitgefühl unter Fremden und auf das Wiedersehen mit den Eltern. Solito ist kein reißerisches Migrationsdrama, sondern ein ehrlicher, schmerzhafter und zugleich zutiefst menschlicher Bericht. Für mich ist es ein Buch, das gelesen werden sollte.

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