Romantasy zum einfach Weglesen!
Loki − Her Twisted HeartSchreibstil:
Franka Neubauer schreibt wirklich wirklich schön. Ich war sofort von der Handlung gefangen, konnte mir die Welt und die Wesen super vorstellen und fand auch, dass die das Zwielichte von Loki ...
Schreibstil:
Franka Neubauer schreibt wirklich wirklich schön. Ich war sofort von der Handlung gefangen, konnte mir die Welt und die Wesen super vorstellen und fand auch, dass die das Zwielichte von Loki und den anderen Göttern und Wesen sehr gut rübergebracht hat. Ich habe mich gefühlt wie in einer alten Welt und gleichzeitig war es aber auch so modern gehalten, dass ich gut mitkam und mich einfach fallen lassen konnte.
Ein ganz bisschen ist mir vielleicht aufgefallen, dass die Figuren viel in den Augen der anderen lesen können. Manchmal vielleicht etwas zu viel. Keine Ahnung, wie es euch so geht, aber bei Leuten, die ich nicht so gut kenne, kann ich nicht sofort alles direkt an den Augen ablesen.
Die Geschichte: Junge Kriegerin, vom Blut einer Verräterin trifft auf den Gott der Lügen und des Chaos
Die Welt, in der die Handlung spielt, hat relativ wenig mit den tatsächlichen Mythen der griechischen, römischen und nordischen Götter gemein. Einfach, weil hier alles vermengt ist. So steht Odin neben Mars und Artemis und sie alle haben sich in ihre Welt eingefügt. Haben geklärt, wer was übernimmt. Die Autor:in hat aber auch nie beabsichtigt, die Mythen korrekt darzustellen. Stattdessen geht es um eine eigene Welt und das ist ihr gelungen. Ich mochte die Mischung, fand die erstellte Welt interessant, hatte Spaß daran zu entdecken, welche Wesen übernommen wurden und auf welche Art. So gab es einfach mehr zu entdecken und auch die Geschichte konnte sich natürlich sehr viel freier entwickeln.
Auch cool fand ich, dass die Hauptfigur Harlow, eine Agrai ist. Eine Kriegerin, die im Namen der Göttin Artemis handelt, aber doch irgendwie völlig ahnungslos ihren Auftrag ausführt. Schon durch ihre Geschichte, ihre Vergangenheit und Gegenwart, kamen viele Fragen auf und die Handlung konnte schnell ihren Lauf nehmen.
Harlow – im Kampf für die Götter, im Geiste der Hass auf die Götter
Harlow möchte auf jeden Fall eine sehr starke Protagonistin sein. Sie ist die stärkste Kriegerin unter den Agrai und ganz tief drin in ihr steckt göttliches Blut, denn ihre Mutter hat sie mit einem Gott gezeugt. Etwas, das in ihrer Welt unter Höchststrafe steht. Dementsprechend wird Harlow trotz ihres Platzes und ihrer Fähigkeiten als Aussätzige behandelt. Etwas, was sehr in ihr schwelt und sie innerlich beherrscht. Noch mehr beherrscht sie aber ihre Loyalität zu ihrer Freundin, mit der dann schließlich alles seinen Lauf nimmt.
Ich schreibe ein bisschen bewusst, sie möchte die stärkste Kriegerin sein, weil sie in diesem Buch tatsächlich nur begrenzt ihre Künste präsentiert. Stattdessen ist sie eher auf der Suche nach sich selbst. Nach ihrem Platz in der Welt und dem Wissen um ihre Herkunft, was dazu führt, dass sie eher ahnungslos durch die Welt tappt. In Begleitung Lokis natürlich.
Ich persönlich fand es so ganz gut, weil wir Leser:innen die Welt so auch einfach mit viel Neugierde kennenlernen können und es auf mich sehr authentisch wirkte, dass sie oft einfach überfordert mit dem war, was um sie passierte. Denn: Nicht nur Loki scheint zu lügen.
Loki – ein Gott mit einem klaren Charakter. Vordefiniert und durchschaubar – oder etwa nicht?
Loki kennt man natürlich schon und so hatte ich auch direkt ein Bild von ihm im Kopf. Ich war total gespannt, wie die Autorin ihn darstellen würde, denn ich finde immer, dass er ziemlich komplex als Figur ist. Schließlich lügt er, sehnt sich aber auch nach Anerkennung. Will das Richtige tun, aber ist doch der Gott der Lügen. Eine Zwickmühle, die immer wieder in seiner Figur zu erkennen ist. Und auch hier wird dies eingebaut.
Harlow lernt ihn aber natürlich erstmal so kennen, wie er sich konkret präsentiert und das ergibt dann ziemlich lustige Situationen, in denen Loki so richtig zeigen kann, was seinen Charakter so besonders macht. Ich persönlich fand, dass die Autorin es wirklich gut hingekriegt hat, ihn lügen zu lassen, ohne ihn unsympathisch zu machen. Und auch die Beziehung der beiden bekam immer genau so viel Wahrheit ab, dass man es glauben konnte.
Was aber besonders ausgeklügelt an ihm war, waren seine Geheimnisse. Hauptsächlich wird die Geschichte aus der Perspektive Harlows erzählt. Ab und zu gibt es aber auch mal ein Kapitel aus Lokis Sicht. Statt dass man ihn in diesen kurzen Passagen aber komplett durchschauen kann, zieht sich seine Geheimnistuerei weiter hindurch. Wird vielleicht sogar noch mehr angestachelt, durch lose Fäden, die er aufzeigt, oder Andeutungen, die er macht. Ich fand es sehr gelungen, wie der Zwiespalt in ihm dargestellt wurde und wie er seine Beziehung zu Harlow konkret betrachtet. Es passte einfach, dass man ihn bis zuletzt nicht durchschauen konnte. Etwas, was ich beim Gott der Lügen niemals erwarten würde.
Eine verbotene Beziehung – kann man den Gott der Lügen wirklich lieben?
Die Annäherung zwischen Harlow und Loki funktioniert irgendwie ganz einfach. Wie Amor es sagen würde: man erkennt früh, wenn da etwas ist. Dadurch, dass die beiden ab ihrem ersten Treffen ständig zusammen sind, beschleunigt sich alles nur noch. Sie müssen sich aktiv miteinander auseinandersetzen. Und lernen den anderen dabei immer besser kennen.
Ich mochte es, wie sie sich ein bisschen angiften, Loki aber gleichzeitig immer die Oberhand hat und sich überhaupt nicht beeindrucken ließ. Es war ein bisschen, als wäre es Vorsehung gewesen. Was vielleicht anfangs etwas dramatisch dargestellt wurde, war Harlows Hass auf Loki. Ich würde es eher als gesunde Skepsis beschreiben und das wiederum passte dann ganz gut, während der Hass etwas übertrieben wirkte.
Tatsächlich lässt sich Harlow aber einfach nicht lange beeindrucken, sondern macht sich ihr eigenes Bild, was ich super gut fand. Ich glaube, wer Loki kennenlernen will, muss ihm echt einen Vertrauensvorschuss geben, sonst wird das nichts.
Was mir dann aber echt etwas zu schnell ging, war der Übergang von Anziehung zu Liebe. Ich dachte erst, da wird noch zurückgerudert, aber plötzlich ist es echt ernst. Das war mir dann etwas zu viel, zumal die ganze Handlung über echt noch einiges nicht richtig geklärt ist.
Aber nun gut, die beiden haben mich gut unterhalten. Ich hatte grundsätzlich nichts gegen die schnelle Entwicklung ihrer Beziehung und fand es auch gut, wie Harlow ihre Gefühle ihm gegenüber beschrieb. Lassen wir es dann auch mal durchgehen, dass sie danach eine ziemlich rosarote Brille aufhat und ihr deshalb vielleicht ein wenig was entgeht^^. Das konnte man natürlich vorausahnen.
Ein Abenteuer – auf der Suche nach den drei Relikten und der Rettung aller
Der Aufbau des Handlungsverlaufs ist relativ einfach gehalten: Harlow kommt in eine fremde Welt und geht auf eine Mission, die die Beschaffung dreier Dinge umfasst. Sowas kennt man schon von typischen Fantasiebüchern, sodass ich mich einfach zurückgelehnt habe und gespannt darauf war, wie schwer, wie abenteuerlich und wie gefährlich es werden würde. Mein Fazit: es ist alles relativ seicht, aber einfach schön erzählt. Loki und Harlow haben genug Zeit, sich währenddessen kennenzulernen und überall finden sich Hinweise auf noch mehr Geheimnisse und vor allem auf das große Ganze. Denn: drei plus zwei ergibt eins und die Rettung ist da, funktioniert hier natürlich nicht. Das war mir schnell klar. Schließlich ist Loki im Spiel.
Das Ende wurde dann nochmal richtig spannend, weil alle Vorausahnungen plötzlich nichts mehr wert sind UND Harlow wieder klar denken kann. So würde ich es mal nennen^^. Mir hat es auf jeden Fall gefallen, dass die Welt da nochmal eine ganz andere Seite von sich zeigte. Ich kann mir vorstellen, dass da im nächsten Band noch so einiges kommt und kann es gar nicht erwarten, weiter zu lesen.
Fazit:
Ein wirklich sehr schnelllesiges Buch, dass sich relativ einfach hält, aber viele Verstrickungen für den Folgeband schafft. Die Figuren sind sympathisch und gut zugänglich. Ich mochte es, wie sich die Beziehung zwischen den beiden entwickelte, auch, wenn es an einigen Stellen einen Tick zu schnell passierte. Die Welt an sich war außerdem super spannend und mal was anderes, dadurch, dass sie sich relativ frei von den tatsächlichen Mythen bewegt. Einfach ein Buch, in das man sich gerne hineinfallen lässt und erst mit dem letzten Wort wieder losgelassen wird.
5 von 5 Sterne von mir.
Liebe Grüße