Cover-Bild Ich, die ich Männer nicht kannte
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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Klett-Cotta
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 224
  • Ersterscheinung: 14.03.2026
  • ISBN: 9783608966701
Jacqueline Harpman

Ich, die ich Männer nicht kannte

Roman
Luca Homburg (Übersetzer)

»Ein wahres Wunder« New York Times

Der internationale Sensationserfolg

Tief unter der Erde werden neununddreißig Frauen gefangen gehalten. Während das elektrische Licht Tag und Nacht verschwimmen lässt, sitzt ein junges Mädchen – die vierzigste Gefangene – allein und ausgestoßen in der Ecke. »Ich, die ich Männer nicht kannte« ist so feministisch wie »Der Report der Magd« und so existentiell wie »Die Wand«: Ein moderner Klassiker, internationaler Verkaufserfolg und BookTok-Hit in neuer deutscher Übersetzung.

In einem unterirdischen Gefängnis sitzen neununddreißig Frauen. Was übertage geschehen ist, wissen sie nicht: Wurde die Welt verlassen, von einem Virus verwüstet? Die Frauen können sich nicht erinnern, wie sie in den Käfig gelangt sind, haben jegliches Zeitgefühl verloren und nur eine vage Ahnung von ihrem alten Leben. Ihre Aufseher, sechs schweigsame Männer in Uniform, sprechen nicht mit ihnen und berühren sie nur, um sicherzustellen, dass keine von ihnen versucht, sich das Leben zu nehmen. Eines Tages ertönt ein Alarm, und die Wachen verschwinden; die Tür steht offen. Als erste wagt jene vierzigste Gefangene den ersten Schritt, die nichts als das Gefängnis kannte. Doch anders als erhofft, finden die Frauen draußen nicht die Freiheit, sondern eine Welt, die sie nicht wiedererkennen und in der sie lernen müssen, sich gemeinsam zurechtzufinden.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.02.2026

Zeit im Keller

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„Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman, erschienen 2026 bei Klett-Cotta, ist eine Wiederentdeckung, die das Lesen unbedingt los. Die Originalausgabe erschien schon 1995 – doch das Buch ...

„Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman, erschienen 2026 bei Klett-Cotta, ist eine Wiederentdeckung, die das Lesen unbedingt los. Die Originalausgabe erschien schon 1995 – doch das Buch ist mit seiner beklemmend misogyn-dystopischen Atmosphäre leider nur zu passend platziert in unserer Zeit, in der fast alle Staaten wieder rückwärts schreiten, wenn es um Frauenrechte, FLINTA-Rechte, Menschenrechte und Freiheit geht.

Die schon 1929 geborene belgische Schriftstellerin nimmt uns mit auf eine Reise in den Untergrund, ganz wortwörtlich. In einem Keller im Nirgendwo leben sie, 40 Frauen, eingesperrt in einem engen Käfig, bewacht von drei wechselnden männlichen Wächtern. Und keine weiß, wie sie dort hingekommen sind, was genau in ihrem Leben geschehen ist, was der Auslöser war. Sie heißen Thea, Dorothee, Annabelle, Emma, Marie, Bernadette usw., es sind altertümliche Namen für Frauen, die sich schon in der Mitte des Lebens befinden – auch wenn keine ihr konkretes Alter benennen kann, denn das Zeitgefühl ist verloren gegangen im Keller, in dem es nur künstliches Licht und zwei Mahlzeiten am Tag als Struktur gibt. Nur die Protagonistin und Ich-Erzählerin des Romans ist deutlich jünger und bleibt namenlos – kam sie doch schon als Kind in den Keller und erinnert sich kaum noch an das davor. Der Keller hat sie zu einem zutiefst isolierten Menschen gemacht, nicht nur setzt ihre Pubertät nie richtig ein, sie hat vor allem kaum Zugang zu Emotionen, kann Nähe nicht ertragen und ihr fehlt es an Wissen über viele Dinge der alten Welt.

Die Frauen leben in einem merkwürdigen Vakuum. Komplett von der Außenwelt abgeschottet, vegetieren sie vor sich hin, leben von Mahlzeit zu Mahlzeit, von Tag zu Nacht, ihren Bewachern ausgesetzt, die willkürliche Regeln festgesetzt haben. Niemand weiß, was der Hintergrund ist. Die Frauen haben aufgehört zu spekulieren. Anders die Protagonistin, die im Heranwachsen immer mehr Fragen stellt. Sie hinterfragt dabei nicht nur das Leben im Keller, sondern, ohne echten Kontakt zu Männern aufgewachsen, Konzepte wie Liebe und Romantik, Beziehungen, Hierarchien, letztlich jegliche Interaktion. Und langsam zeigen ihre Fragen Wirkung, zumal sie die Einzige ist, die versucht, ein Zeitsystem zu etablieren, anhand dessen die Frauen zunehmend feststellen, dass sie nicht entlang eines normalen Tag-/Nacht-Rhythmus leben. Was nur ist der Sinn hinter dieser Inhaftierung? Sämtliche Analysen scheitern, bis eines Tages etwas Unvorhergesehenes geschieht und der Begriff von Freiheit noch einmal eine ganz neue Dimension bekommt. Was in der Folge geschieht, war nicht erwartbar und entwickelt zunächst einen starken Sog – läuft allerdings irgendwann auch etwas ins Leere.

Der Roman ist dicht und atmosphärisch geschrieben und verfolgt durchaus schriftstellerischen Witz – so startet er mit einer literaturästhetischen Diskussion über das Schreiben von Vorworten beim: Schreiben eines Vorwortes. Die Frauen bekommen wenig Kontur, Harpman scheint es um etwas Größeres zu gehen als die Einzelperson – mit Ausnahme der Protagonistin. An vielen Stellen musste ich an den Roman „Die Wand“ von Marlen Haushofer aus dem Jahr 1963 denken – vielleicht durchaus eine Inspiration. Auch hier bleibt das System bis zum Ende rätselhaft.

Wie wenig wir unsere Möglichkeiten und Freiheiten alltäglich schätzen, macht Harpman plastisch. Wie schnell ein System kippen kann und dass SINN entscheidend ist, um Dasein und Vegetieren zu Leben zu machen, wie unsinnig es ist zu überleben, wenn der Sinn sich nicht finden lässt, das ist sehr eindrücklich zu spüren. Leise Spuren feministischen Denkens weben sich durch den schmalen Band und doch wird auch deutlich, dass die reine Anwesenheit von Frauen noch nicht zu Feminismus führt.

Es ist eine spannende Lesereise, die jedoch viel offenlässt, sehr viel, für mich am Ende zu viel. Worauf auch immer der Roman sich sicherlich parabelhaft bezieht, ist nicht unbedingt zu identifizieren. Und so bleibt er bei sich, in sich – wie die Hauptfigur. Dennoch ein starkes Stück Literatur, das ich auf jeden Fall empfehle.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Düster

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Die düstere Atmosphäre im Roman „Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Es geht um vierzig Frauen, die unter der Erde gefangen gehalten und ...

Die düstere Atmosphäre im Roman „Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Es geht um vierzig Frauen, die unter der Erde gefangen gehalten und von Wärtern werden. Eines Tages verschwinden die Wärter und die Frauen müssen sich inmitten einer öden Landschaft ein neues Leben aufbauen. Erzählt wird alles aus der Sicht der Jüngsten der Gruppe, die schon als kleines Kind im Gefängnis aufgewachsen ist und keine Erinnerung an ihr vorheriges Leben hat.

Besonders gefallen hat mir die Sogwirkung des Romans. Da viel im Unklaren bleibt, wollte ich immer weiterlesen, um zu erfahren, was es mit der Situation der Frauen auf sich hat. Die Übersetzung von Luca Homburg ist dabei sehr gelungen und transportiert die kühle, präzise Sprache.

Ein bisschen hat mich der Roman an „Die Wand“ von Marlen Haushofer erinnert, da auch hier Isolation, weibliche Perspektiven und ein Leben jenseits der bekannten Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Allerdings ist bei Haushofer aus meiner Sicht die feministische Dimension noch stärker ausgeprägt. Das Ende des Romans hat mich zwiespältig zurückgelassen. Insgesamt ist „Ich, die ich Männer nicht kannte“ damit eine sehr düstere und durchaus deprimierende Dystopie, die weniger Antworten liefert als Fragen stellt.

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