Ihr nehmt euch alles. Und dann wundert ihr euch, dass nix mehr da ist.
EDEN - Wenn das Sterben beginntAls ich in “Eden” zum ersten Mal den Namen Piero Manzano las, kam er mir vage bekannt vor. “Eden” schließt gewissermaßen an “Blackout” an, wir treffen unseren italienischen IT-Helden von damals nun wieder. ...
Als ich in “Eden” zum ersten Mal den Namen Piero Manzano las, kam er mir vage bekannt vor. “Eden” schließt gewissermaßen an “Blackout” an, wir treffen unseren italienischen IT-Helden von damals nun wieder. Natürlich ist “Eden” aber keine Fortsetzung im engeren Sinn, alle Bücher von Marc Elsberg sind unabhängig voneinander lesbar.
Was seine Bücher allerdings gemeinsam haben - und was auch für “Eden” gilt - sind die unglaublich akribische Recherche, der große thematische Umfang und die Art der Erzählung, die jedes Mal einen Nerv trifft.
Basierend auf wissenschaftlichen Fakten und Analysen spinnt Elsberg ein sehr glaubhaftes Szenario: Läuft alles ungebremst weiter wie bisher, erodiert unser globales System möglicherweise an mehreren Stellen - und das zeitlich eng beisammen. Wird auf diese Zusammenhänge keine Rücksicht genommen, müssen wir vielleicht gar nicht auf das Ende der nicht erneuerbaren Energiequellen warten, bis es so richtig ungemütlich wird.
Mit dem Kniff, den zuerst eher oberflächlichen Sunnyboy-Influencer Linus Strand zu einer der Hauptfiguren zu machen, könnte hier auch wirklich die jüngere Generation eingebunden werden. Auch wenn es viele Seiten (760) zu lesen gibt, hoffe ich, dass sich auch die Digital Natives hier durchbeißen und ihre Gedanken dazu machen.
Social Media spielt in “Eden” eine nicht zu unterschätzende Rolle und auch wenn gezeigt wird, wie diese Industrie aus falschen Motiven missbraucht werden kann (und sicher wird), so dient sie hier gleichzeitig auch als Werkzeug der “Guten”. Aus belanglosen Marketing-Videos werden fundierte, tiefergehende Clips, die tatsächlich viel bewegen können.
Abgesehen von der Botschaft und dem Appell, wie wir mit unseren Ressourcen und der Umwelt umgehen sollten (und wie besser nicht), zeigt das Buch auch, wie man eine Onlinepräsenz und die Erstellung digitaler Inhalte dafür nutzen könnte, wichtige Inhalte auch an jene zu bekommen, die sich kaum oder nicht mehr über konventionelle Medien informieren. Dabei ist nicht nur der Verbreitungskanal wichtig, sondern vor allem der Inhalt. Überlassen wir radikalen Sichtweisen und egoistischen Motiven nicht das Internet. Fördern wir unsere “Linus Strands”.