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Veröffentlicht am 30.03.2026

Um jeden Preis

Tödliches Angebot
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Das Cover ist durch die Farbwahl definitiv auffällig gestaltet. Das im Mittelpunkt der Handlung stehende Haus kommt darauf vor, aber auf eine sehr vereinfachte, abstrakte Weise. Dadurch kann sich jede:r ...

Das Cover ist durch die Farbwahl definitiv auffällig gestaltet. Das im Mittelpunkt der Handlung stehende Haus kommt darauf vor, aber auf eine sehr vereinfachte, abstrakte Weise. Dadurch kann sich jede:r ein eigenes Bild davon machen, was ein Haus zum Traumhaus macht.

Margo hat einen Ehemann, der aus halbwegs gut situierten Verhältnissen stammt und eine nette Familie hat und einen Job im PR-Bereich. Allerdings gehören zu ihrem Lebensentwurf auch ein repräsentatives Haus und ein Kind und bei beiden hinkt sie ihrem selbst gesteckten Zeitplan hinterher. Was Häuser angeht, ist der Markt um Washington sehr angespannt und immer wieder wurden sie und ihr Mann durch höhere Gebote ausgestochen, obwohl sie ihr Limit bis zur Schmerzgrenze erhöht haben. Nun hat sie durch einen Insider-Tipp erfahren, dass ein absolutes Traumhaus bald zum Verkauf steht und versucht zunächst mit Hilfe von Stalking und einer vorgetäuschten Freundschaft zu den Besitzern, dieses Immobilie kaufen zu können, bevor sie offiziell auf den Markt kommt. Als sie damit nicht erfolgreich ist, greift sie zu immer extremeren Methoden, um den Zuschlag für das Haus zu bekommen und steigert sich mehr und mehr in ihre Obsession hinein, was weder gut für ihre Beziehung noch für ihre Arbeit ist.

Mir hat die Geschichte gut gefallen, auch wenn es vielleicht kein klassischer Psychothriller ist. Trotz ihres Wahnsinns konnte ich mich mich gut in Margo hineinversetzen, wie sie sich nach den vielen Misserfolge immer mehr hineinsteigert, nun dieses Haus bekommen wollen. Dabei ist sie dann nicht mehr wirklich vernunftgesteuert und Moral spielt keine Rolle mehr. Wie genau alles ausgeht, war für mich nicht vorhersehbar, dass die Protagonistin am Ende erklärt, warum sie genau so handeln musste, wie sie es getan hat, obwohl es anders eigentlich logischer gewesen wäre, empfand ich als stimmige Abrundung. Auch grundsätzlich empfand ich den Charakter von Margo mit ihrer Familiengeschichte und den damit verbundenen Komplexen als sehr stimmig ausgestaltet. Die Nebenfiguren blieben dagegen etwas blass, aber das war wahrscheinlich auch die Absicht. Der Schreibstil der Autorin war gut verständlich und die Hörbuchsprecherin war zur Geschichte und ihrer Hauptperson passend gewählt. Man konnte sich so von der Story fesseln lassen beim Zuhören.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Was uns verbindet

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Bei diesem Roman handelt es sich um den dritten Teil einer Reihe um drei Generationen von Frauen. Die Titel und auch die Covergestaltung aller drei Teile ähneln sich und dienen so als verbindendes Element. ...

Bei diesem Roman handelt es sich um den dritten Teil einer Reihe um drei Generationen von Frauen. Die Titel und auch die Covergestaltung aller drei Teile ähneln sich und dienen so als verbindendes Element. Allerdings ist es nun schon wieder einige Zeit her, dass der zweite Teil erschienen ist, sodass ich mich nicht mehr besonders detailliert an die darin beschriebenen Geschehnisse erinnere.

Der letzte Teil spielt auf zwei Zeitebenen und an zwei Orten. In Güstrow ab Mai 1945 und in Berlin 2023. 1945 versteckt sich die damals 14-jährige Marlen vor den Russen in einer Kommodenschublade und findet dort ein Gemälde, das eine junge Frau zeigt. Marlen bleibt in Güstrow und wird von der Künstlerin Wilma nicht ganz uneigennützig unter ihre Fittiche genommen.

Im Jahr 2023 lebt die 34-jährige Hannah Borowski in Berlin und wird von ihrer besten Freundin und Mitbewohnerin verlassen, da diese schwanger ist. Zugleich meldet sich plötzlich Hannahs Erzeuger bei ihr, der sich bisher nicht für sie interessiert hat. Sie versucht mehr darüber rauszufinden, was damals zwischen ihm und ihrer Mutter vorgefallen ist, was aber nicht so leicht ist, weil sowohl ihre Mutter als auch ihre Oma tot sind.

Ich empfand den Roman als gut lesbar und fesselnd. Hannah war mir auf jeden Fall sehr sympathisch und auch Marlens Geschichte, wie sie zu Beginn der DDR bei einer Künstlerin aufwuchs, war sehr interessant. Allerdings hatte ich erwartet, dass die beiden Handlungsstränge am Ende noch etwas mehr miteinander verwoben werden und, dass das titelgebende Bild noch einmal eine gewichtigere Rolle einnimmt. Der Schreibstil der Autorin war aber gewohnt gut lesbar und auch die Sprecherin des Hörbuchs war passend gewählt, ihre Stimme passte zur Atmosphäre des Romans und man konnte ihr gut folgen.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Grenzüberschreitung

Hazel sagt Nein
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Nur vom Cover von "Hazel sagt nein" ausgehend, dachte ich zunächst, es ginge um eine amerikanische Hausfrau, die beschließt ihr Leben umzukrempeln. Ganz unpassend ist die Covergestaltung aber auch, was ...

Nur vom Cover von "Hazel sagt nein" ausgehend, dachte ich zunächst, es ginge um eine amerikanische Hausfrau, die beschließt ihr Leben umzukrempeln. Ganz unpassend ist die Covergestaltung aber auch, was die wirkliche Handlung des Romans angeht, nicht. Denn die Familie Blum, die im Mittelpunkt der Geschichte steht, zieht aus New York in die Kleinstadt Riverburg, weil Vater Gus dort eine Professur angeboten bekommt. Dort können sie sich auch direkt ein Einfamilienhaus kaufen, da Gus nun wesentlich mehr verdient und zugleich die Preise viel niedriger sind als in New York. Die 18-jährige Hazel und ihr jüngerer Bruder Wolf sind jedoch weniger begeistert über den Umzug.

Dann wird Hazel an ihrem ersten Schultag auch noch ins Büro des Direktors gerufen, der ihr mitteilt, dass er sich jedes Jahr eine Schülerin der Abschlussklasse aussucht, um mit ihr Sex zu haben und dieses Jahr sei seine Wahl auf Hazel gefallen. Hazel verweigert dies, obwohl er ihr damit droht, ihr den Weg an ihr Wunsch-College zu verbauen. Dieser Vorfall führt dann zu einer Menge an Ereignissen, die das Leben von Hazel und ihrer Familie auf den Kopf stellen.

Ich habe den Roman sehr gerne gelesen, auch wenn ich ansonsten eher europäische Handlungsorte bevorzuge. Die Autorin schreibt in einem modernen, angenehm lesbaren Stil und es ist auch zwischen den Zeilen eine Menge Gesellschaftskritik vorhanden. Die Protagonist:innen, allen voran Hazel, die sich selbst treu bleibt, sind überzeugend ausgestaltet und auch die Atmosphäre in der amerikanischen Kleinstadt wird von Jessica Berger Gross, die selbst in der Gegend lebt, sehr gut eingefangen.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Marias Einsatz für die ledigen Mütter

Die Berghebamme – Zeit der Kinder
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Hierbei handelt es sich um den dritten und letzten Teil der Trilogie um Berghebamme Maria, die vor gut 100 Jahren als Hebamme in einem kleinen oberbayerischen Dorf tätig ist.

Mittlerweile ist sie mit ...

Hierbei handelt es sich um den dritten und letzten Teil der Trilogie um Berghebamme Maria, die vor gut 100 Jahren als Hebamme in einem kleinen oberbayerischen Dorf tätig ist.

Mittlerweile ist sie mit dem Arzt des Dorfes verheiratet und wird von den Bewohner:innen mehr oder weniger gut akzeptiert, weil sie sehr gute Arbeit leistet. Als sie und ihr Mann jedoch ein Heim für ledige Mütter im Dorf gründen wollen, bekommen sie den Widerstand vieler Einheimischer nicht nur durch Worte zu spüren.

Auch dieser letzte Band schildert wieder sehr eindrucksvoll, welche Bedingungen und Vorbehalte damals noch herrschten. Marias Arbeit wird sehr anschaulich beschrieben und sie gewinnt dabei viele Sympathiepunkte. Auch die weiteren Charaktere um Maria und Simon sind sehr liebenswert und so ist es sehr schade, dass dies nun bereits der letzte Teil dieser Reihe ist. Gerne hätte ich Maria und ihre Lieben noch weiter begleitet.

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Mit dem Kriegsende war noch lange nicht alles gut

Die weiße Nacht
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Ich mag die "Fräulein Gold"-Reihe von Anne Stern sehr, daher war ich auch auf diese neue historische Krimireihe der Autorin neugierig. Der erste Band "Die weiße Nacht" spielt im Berliner Hungerwinter 1946, ...

Ich mag die "Fräulein Gold"-Reihe von Anne Stern sehr, daher war ich auch auf diese neue historische Krimireihe der Autorin neugierig. Der erste Band "Die weiße Nacht" spielt im Berliner Hungerwinter 1946, kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Covergestaltung passt sehr gut dazu, zeigt sie doch das vermeintlich Gegensätzliche, ein Kettenkarussell mit Menschen, die sich amüsieren, vor dem vom Krieg zerstörten Berliner Stadtschloss. Das Ganze wird durch das Objektiv einer Kamera betrachtet, passend zur Protagonistin Lou Faber, die mit ihrer Leica, die sie anscheinend von einem amerikanischen Liebhaber bekommen hat, auf der Suche nach der Schönheit zwischen all der Zerstörung ist.

Die zweite Hauptperson, Kriminalkommissar Alfred König, war während der Herrschaft der Nationalsozialisten inhaftiert und hat davon auch körperliche Schäden zurückbehalten. Durch diese schrecklichen Erlebnisse gilt er den Allierten als unbelastet und wurde daher nach kurzer Vorbereitung auf diesen Posten gesetzt.

Als Fotografin Lou auf einem ihrer Streifzüge zufällig eine Frauenleiche vor der Linse hat, wird Alfred König zum Fundort der Leiche gerufen. Lou lässt der Fall aber nicht kalt und so kreuzen sich die Wege von ihr und dem Kriminalkommissar immer wieder.

Anne Stern schildert die prekäre Situation im Nachkriegs-Berlin sehr anschaulich mit wirklich vielen sprachlichen Bildern. Es wird sehr deutlich, wie alle unter Hunger und dem Mangel an vielen anderen überlebenswichtigen Dingen leiden, selbst die Polizei ist weiter sehr dürftig ausgestattet. Dazu kommen Revierkämpfe zwischen den einzelnen Siegermächten, wer in Berlin wofür zuständig ist, was für zusätzliches Durcheinander sorgt. Lou ist mir als Protagonistin sehr sympathisch, in sie konnte ich mich sehr gut hineinversetzen, während mir Alfred König noch etwas fremd blieb, in mancher Hinsicht. Der Fall selbst passt natürlich in diese Zeit, tritt aber fast etwas in den Hintergrund bei all den weiteren Problemen, die die Menschen damals zu bewältigen hatten.

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