Erfrischend neu, jedoch fehlte mir die angekündigte Satire
Kurz vor Paris„Kurz vor Paris – Der kuriose Weg zur Freiheit“ von Agga Kastell erzählt von einer ungewöhnlichen Reise in einer postapokalyptischen Welt. 15 Jahre zuvor hat die große Menge der Weltbevölkerung für Erdbeben ...
„Kurz vor Paris – Der kuriose Weg zur Freiheit“ von Agga Kastell erzählt von einer ungewöhnlichen Reise in einer postapokalyptischen Welt. 15 Jahre zuvor hat die große Menge der Weltbevölkerung für Erdbeben gesorgt, welche Atomkraftwerke zerstört hat und somit die Atomkraftunfälle. Insekten wurden so groß wie Menschen, liefen auf Beinen und mit Hilfe von Translatorchips hinterm Ohr können alle miteinander sprechen
Der junge Mensch Stinker reist gemeinsam mit der Fliege Flymo und dem Schmetterling Meiling Richtung Paris, um persönliche Träume zu erfüllen. – doch ihre Pläne ändern sich, als sie der schwangeren Wespe Puck begegnen, die vor einer rassistischen Gemeinschaft auf der Flucht ist. Aus dem zunächst skurrilen Roadtrip entwickelt sich eine Geschichte über Freundschaft, Zusammenhalt und den Mut, sich gegen Ausgrenzung und faschistische Ideologien zu stellen.
Der Roman hat eine originelle Idee und eine ungewöhnliche Figurenkonstellation. Die Beziehung zwischen Menschen und Insekten wirkt überraschend selbstverständlich und verleiht der Geschichte Wärme und Humor. Die Autorin verbindet witzige Dialoge, kuriose Begegnungen und emotionale Momente mit gesellschaftskritischen Themen wie Rassismus, Machtmissbrauch und Verfolgung, ohne dabei belehrend zu wirken.
Besonders die Dynamik zwischen den Hauptfiguren sowie Pucks Entwicklung von Misstrauen zu Vertrauen verleihen der Handlung Herz und Dramatik.
Wir erfahren zwar kleine Infos, wie die speziellen Sitze in der Bahn für Schmetterlinge, Menschen, oder auch breite Sitze für Wespen. Aber darüber hinaus, bleibt leider viel an Informationen zurück, wenn es um die Umwelt geht und die politischen Hintergründe werden nur angerissen und die Gruppe der Nordos hätten mehr Tiefe vertragen können. Wir erfahren zwar am Rande, wie diese Kommune ähnlich einer Sekte handelt, aber dennoch blieb es hier oberflächlich. Ebenso habe ich leider nicht ganz die Satire in der Geschichte gefunden, womit das Buch jedoch wirbt. Ich schaue gerne Politische Satire und weiß daher, wie diese aussieht, hier sind es aber nur minimal Seitenhieb und zu wenig Humor und zu wenig Schlagseite.
Die Geschichte ist mit weniger als 300 Seiten schnell gelesen und es zeigt eine Welt, wo Insekten untereinander genauso Rassismus ausgesetzt sind wie Insekten von Menschen und Menschen Rassismus durch Insekten erfahren. Es bringt aktuelle Themen auf und zeigt das trotz dieser Diversität ein Miteinander möglich ist und man Freunde und Familien darauf aufbauen kann. Ganz ausgereift ist die Geschichte für mich leider nicht gewesen, aber es war dennoch erfrischend neu.