Die Kraft von Freundschaften
Der Fährmann
Hohenwart und Siegering, Anfang des 20. Jahrhunderts
Es geht um die drei Kinder Hannes, Elisabeth und Annemarie, die durch eine wunderbare Freundschaft miteinander verbunden sind. Hannes Winkler wäre ...
Hohenwart und Siegering, Anfang des 20. Jahrhunderts
Es geht um die drei Kinder Hannes, Elisabeth und Annemarie, die durch eine wunderbare Freundschaft miteinander verbunden sind. Hannes Winkler wäre als kleiner Bub beinahe gestorben, so krank war er, nach einem Sturz in die Salzach. Die kleine Elisabeth hatte ihn regelmäßig am Krankenbett besucht und mit ihrem Liebreiz maßgeblich dazu beigetragen, dass der Hannes wieder gesund geworden ist. Die Elisabeth stammt aus einem reichen Hof, während der Hannes nicht so gut betucht ist, da seine Eltern nur einen kleinen Bauernhof bewirtschaften. Als er älter wird, muss er in die Fußstapfen von seinem Onkel Georg treten, der Fährmann ist. Ein Fährmann darf nicht heiraten, da der Beruf zu gefährlich ist. Hannes ist unheimlich traurig, da er unsterblich in Elisabeth verliebt ist.
Die dritte im Bunde ist die Annemarie Stiegler, deren Eltern ein Wirtshaus betreiben. Die Annemarie schuftet von jeher schon in dem Wirtshaus mit und muss sich allerlei von den betrunkenen Männern gefallen lassen, die ihre Hände nicht bei sich lassen. Beschweren darf sie sich nicht, weil die Eltern keine Gäste verlieren wollen. Als sie einmal arg in Bedrängnis gerät, hilft ihr der Josef Steiner. Es soll sich Jahre später herausstellen, dass der Josef, der aus einem reichen Bauernhof stammt, überhaupt nicht von edler Gesinnung ist. Er wird Schuld daran sein, dass Annemarie einen schlechten Ruf hat.
Jahre später ist es beschlossene Sache von den Eltern, dass der Josef und die Elisabeth heiraten werden. Elisabeth ist verzweifelt, da sie unsterblich in Hannes verliebt ist.
Auch Annemarie ist unglücklich, da sie in Hannes verliebt ist und einem anderen Mann zu Willen sein muss, der auch Stammgast im Gasthaus ist ...
Was, bitte schön, ist das für eine traumhaft schöne Geschichte? Sie kommt traurig daher und vermag dennoch, die Seele zu streicheln.
Regina Denk hat wunderbare Figuren gezeichnet, die verschiedene Emotionen beim Lesen erzeugen. Ich war von der ersten Silbe an gefesselt und habe meinen E-Book-Reader nur ungern zur Seite gelegt. Mal verspürte ich Zorn, dann wiederum wurde mir warm ums Herz.
Der Schreibstil unterstreicht die damalige Zeit an der deutsch-österreichischen Grenze und die harten Zeiten, die der 1. Weltkrieg mit sich brachte. Das Kriegsgeschehen bekommt man nur am Rande mit, da der Fokus überwiegend auf der Freundschaft von Hannes, Elisabeth und Annemarie beruht, die alle Krisen überdauert.
Der Josef ist der Bösewicht in der Steiner-Familie, der seiner Frau Elisabeth das Leben zur Hölle macht.
Besonders schlimm fand ich, wie wenig Mitspracherecht Kinder zu dieser Zeit hatten, was die Wahl ihres Berufes oder des Ehepartners betraf. Frauen traf es besonders schwer, da sie noch nicht einmal Hilfe von den eigenen Eltern bekamen, egal wie brutal sie vom Ehemann behandelt wurden.
Die Spannung steigt kontinuierlich und ist ab einem bestimmten Zeitpunkt kaum mehr auszuhalten. Das Setting spiegelt die Salzach wider, was ich sehr passend finde, da ich bei einigen Geschehnissen ziemlich nah am Wasser gebaut habe. Das Geschehen wird aus der Sicht der verschiedenen Figuren erzählt. Am Ende hatte ich sogar ein bisschen Mitleid mit Josef. Mehr erzähle ich jetzt nicht mehr, da ihr diese Geschichte unbedingt selbst entdecken solltet.
Eine klare Empfehlung! Ein großes Dankeschön, Regina Denk. "Der Fährmann" ist eins der besten Bücher, die ich bisher gelesen habe.