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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.02.2026

Stille Literatur

Der stille Freund
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Ferdinand von Schirach besitzt die Gabe, ereignisreiches Geschehen mit Ruhe zu verbinden. "Der stille Freund" kommt still und dennoch spannend daher. Tragödien bilden einen Kontrast zu seiner unaufgeregten ...

Ferdinand von Schirach besitzt die Gabe, ereignisreiches Geschehen mit Ruhe zu verbinden. "Der stille Freund" kommt still und dennoch spannend daher. Tragödien bilden einen Kontrast zu seiner unaufgeregten Erzählweise. Besonders die erste Geschichte, bei der Erzähler einen Freund durch ein Flugzeugunglück verliert, unterstreicht das.

Die Menschen, denen er auf sämtlichen Reisen begegnet, wissen seine Empathie meist zu schätzen. Sie kann man nicht alle als ehrenhaft bezeichnen. Verbrecher behandelt der Erzähler stets ohne Wertung. Er will die Menschen nicht verändern; vielmehr will er sie kennen und verstehen lernen.

Schirachs Bücher beeindrucken, obwohl sie oftmals nach dem gleichen Schema ablaufen. Reisen, Freunde besuchen und intensive Gespräche führen. Besonders die Zufälle haben etwas Magisches an sich. Er verwebt Fiktion und Realität zu einem stimmigen Ganzen.

Ich denke, wir alle erleben magische Momente und haben oftmals verlernt, sie als solche zu erkennen. Ich empfehle, den stillen Freund zu lesen und die eigenen Begegnungen einmal Revue passieren zu lassen. Ihr werdet erstaunt sein, wie viele solcher Momente denen in diesem Buch gleichen. Natürlich anders, aber auch Zufälle, die für das weitere Leben entscheidend waren.

Eine klare Empfehlung. Danke, Ferdinand von Schirach. Es war mir wieder ein Fest.

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Ein Psychothriller, der mit leiser Spannung überzeugt

Das Signal
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Es geht um die Innenarchitektin Viola Decker, die bei einem Unfall im hauseigenen Weinkeller schwer verletzt wird, sodass ein Bein amputiert werden muss. Ihr Mann gibt sich fürsorglich, was ihm Viola ...



Es geht um die Innenarchitektin Viola Decker, die bei einem Unfall im hauseigenen Weinkeller schwer verletzt wird, sodass ein Bein amputiert werden muss. Ihr Mann gibt sich fürsorglich, was ihm Viola jedoch von Anfang an nicht abnimmt. Adam ist ein Perfektionist, der sich ausschließlich mit perfekten Dingen abgibt. Viola hat das Gefühl, ihrem Mann nun nicht mehr zu genügen. Es scheint ihm nicht daran gelegen, ihr gemeinsames Haus für Viola barrierefrei umzubauen. Er schenkt ihr statt Zuwendung teure Blumensträuße. Adam stellt eine Pflegerin für sie ein, die gewissenhaft ihre Arbeit verrichtet, aber kein einziges Mal mit ihr ein nettes Gespräch führt. Vielmehr scheint sie Viola den ganzen Tag zu überwachen und sie von anderen Menschen fernhalten zu wollen.

Adam ist die meiste Zeit beruflich unterwegs. Irgendwie hat Viola das Gefühl, er verschweigt ihr etwas. Mit winzigen GPS-Trackern verfolgt sie seine Aktivitäten und bemerkt, dass ihr Mann sie belügt.

Der Klappentext verspricht eine spannende Geschichte und der Inhalt hält sein Versprechen. Die Thematik hat mich sehr angesprochen und berührt. Mit der sympathischen Viola hat die Autorin eine Figur gezeichnet, die zu überzeugen weiß. Sie ist eine Kämpfernatur, die sich nicht unterkriegen lässt. Was sie in Erfahrung bringt, lässt ihr das Blut in den Adern gefrieren.

Die leise Spannung steigt mit jeder Seite kontinuierlich. Viola ist mir sehr nahe gegangen, da eine Amputation wirklich kein Spaziergang ist und sie eigentlich Adam an ihrer Seite gebraucht hätte. Mit bewundernswerter Disziplin arbeitet sie an ihrer Beweglichkeit, um ihr selbstständiges Leben wieder aufnehmen zu können. Als Leser bekommt man gute Einblicke über Therapien nach einer Beinamputation, was ich sehr interessant finde.

Die GPS-Tracker erweisen sich als Segen für Viola, da sie verschwundene Dinge und ihren Mann orten kann. Es gibt jedoch noch andere Menschen in ihrem Umfeld, die ein falsches Spiel mit ihr spielen.

Aus der Sicht von Viola erfahren wir das Geschehen, das mich mit seinem bildlichen Schreibstil an die Seiten gefesselt hat. Alle Figuren wirken authentisch und wissen zu überzeugen. Das Einzige, was für mich nicht nachvollziehbar ist: Wieso hat Viola erst nach ihrem Unfall an ihrem Mann gezweifelt? Das sogar schon im Krankenhaus. Da wusste sie ja noch gar nichts von seinem falschen Spiel! Oder doch?

Insgesamt konnte mich "Das Signal" überzeugen. Von mir eine klare Empfehlung.

Danke Ursula Poznanski. Ich hatte spannende Lesestunden.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Ein wichtiges Thema, in eine berührende Geschichte verpackt

Da, wo ich dich sehen kann
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Es geht um die neunjährige Maja, die für ihre tote Mutter den Rettungsdienst anruft. Sie kann die Tatsache, dass ihre Mutter nicht mehr lebt, nicht verarbeiten und wartet auf Hilfe. Noch weniger kann ...

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Es geht um die neunjährige Maja, die für ihre tote Mutter den Rettungsdienst anruft. Sie kann die Tatsache, dass ihre Mutter nicht mehr lebt, nicht verarbeiten und wartet auf Hilfe. Noch weniger kann sie später verarbeiten, dass ihr Vater die Mutter umgebracht hat. Der Vater, der immer liebevoll und großzügig ist, und die Mutter ständig auf ihre Fehler hingewiesen hatte. Wenn die Mutter ihr etwas verbat, wurde es ihr vom Vater erlaubt. Kann so ein toller Vater wirklich böse sein?

Bei den Großeltern mütterlicherseits lebt sie nun vorläufig. Brigitte und Per bitten die beste Freundin ihrer Tochter und Patentante von Maya, mit ihrer Schäferhündin Chloé bei ihnen zu wohnen. Sie haben bemerkt, wie gut Maya der Umgang mit der Astrophysikerin Liv bekommt und der Hund ihr dabei hilft, die gefährlichen Ranken, die ihr die Luft abschnüren, fernzuhalten.

Jasmin Schreiber hat ein sehr wichtiges Thema aufgegriffen und mit sehr viel Empathie zu Papier gebracht.

Was es mit einem kleinen Mädchen macht, dessen Vater die Mutter umgebracht hat, wird sehr feinfühlig aufgezeigt und ist beim Lesen nicht spurlos an mir vorbeigegangen. Besonders die Rettungsdienstszene ging mir durch und durch.

Per und Brigitte machen sich große Vorwürfe, nicht bemerkt zu haben, in welch auswegsloser Situation ihre Tochter gesteckt hatte.

Liv vermisst ihre beste Freundin und macht sich große Vorwürfe, nicht energischer auf das veränderte Verhalten von ihr reagiert zu haben. Der Umgang mit Maya wirkt unerwartet gut auf ihren Gemütszustand. Sie schaut mit dem Mädchen in den Sternenhimmel und zusammen mit Chloé machen sie herrliche Spaziergänge.

Die Großeltern väterlicherseits bleiben überwiegend im Hintergrund.

Der magische Schreibstil und die Thematik Femizid haben für mich dieses Buch zu einem ganz besonders emotionalen Erlebnis gemacht. Es steckt so viel Kummer, Verzweiflung und dennoch Herzenswärme zwischen den Seiten. Das Leben geht ganz normal weiter, ohne Rücksicht auf das Drama, das sich ereignet hat. Vor allem die Schuldgefühle, die – wie so oft – die falschen Menschen haben, kommen sehr gut zum Ausdruck. Der Mörder selbst findet in der Geschichte wenig Beachtung, was mir total gut gefällt. Der hat schließlich schon genug kaputtgemacht und bei sämtlichen Menschen einen Scherbenhaufen hinterlassen.

"Da, wo ich dich sehen kann" ist nach "Marianengraben" das zweite Buch, mit dem mich die Autorin überzeugen konnte. Bei ihren Geschichten bin ich mit vollem Herzen dabei. In dieser habe ich stellenweise sehr viel Wut empfunden, da ich aktuell eine Frau kenne, die in Gefahr schwebt. Am Ende des Buches gibt es viele Adressen und Telefonnummern für betroffene Frauen. Die Spalte für Männerhilfe fällt vergleichsweise gering aus. Was sagt uns das? Es besteht noch viel Handlungsbedarf. Wir Frauen kommen schließlich nicht auf die Welt, um von Männern misshandelt und getötet zu werden. Wenn ich so lese und mitbekomme, was mit vielen Frauen passiert, bin ich wieder einmal sehr dankbar um meinen Ehemann.

Eine klare Empfehlung. Danke, Jasmin Schreiber

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Veröffentlicht am 05.02.2026

Krönender Abschluss der Mercedes-Trilogie

Mind Control
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Das Finale konnte mich komplett überzeugen und somit habe ich auch dieses Hörbuch wieder sehr geliebt. Brady Hartsfield hat mich schon im 1. Band das Fürchten gelehrt und ich hätte niemals gedacht, dass ...


Das Finale konnte mich komplett überzeugen und somit habe ich auch dieses Hörbuch wieder sehr geliebt. Brady Hartsfield hat mich schon im 1. Band das Fürchten gelehrt und ich hätte niemals gedacht, dass dieser Psychopath im 3. Band zu einer Höchstform aufläuft, die alles Bisherige in den Schatten stellt.

Detective Bill Hodges hat mich zu Tränen gerührt. Warum solltet ihr aber am besten selbst erkunden. Zusammen mit Holly und Jerome hat der empathische Detective Horror pur erlebt.

Stephen King hat in der Mercedes-Trilogie wunderbare Figuren geschaffen und eine Geschichte erzählt, die ich bitte niemals in der Realität erleben möchte. Ich habe jetzt noch Gänsehaut vom Zuhören.

Mein nächstes Hörbuch wird der Outsider. Ich weiß jetzt schon, mir wird eine Person fehlen. Kann es überhaupt ohne weitergehen? Ich bin gespannt!

Dank, Stephen King

Danke, David Nathan

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Verlorene Seelen, auf der Suche nach ein bisschen Glück

Der andere Arthur
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Eines gleich mal vorweg: Diese Geschichte ist völlig anders als „Der Gott des Waldes“. Das finde ich sehr positiv, da die Autorin damit ihrem Ideenreichtum Ausdruck verleiht. Abwechselnd wird die Geschichte ...


Eines gleich mal vorweg: Diese Geschichte ist völlig anders als „Der Gott des Waldes“. Das finde ich sehr positiv, da die Autorin damit ihrem Ideenreichtum Ausdruck verleiht. Abwechselnd wird die Geschichte aus der Sicht von Arthur Opp und dem jungen Kel Keller erzählt.

Der adipöse Arthur verlässt seit vielen Jahren seine Wohnung nicht mehr. Seine Nahrung bestellt er im Internet, und sein längster Spaziergang besteht vom Sofa bis zur Haustür. Der Literaturprofessor pflegt über Jahre hinweg Briefkontakt mit der ehemaligen Studentin Charlene. Sie belügen sich gegenseitig, was ihr Leben betrifft. Arthur unterrichtet längst nicht mehr und erzählt Charlene dennoch von seinem beruflichen Alltag und den Reisen, die er unternimmt. Dann beantwortet Charlene lange Zeit seine Briefe nicht mehr.

Arthur kann sich kaum noch bewegen und fristet sein einsames Leben vor dem Fernseher. Sein wunderschönes Haus verkommt immer mehr. Erst als Charlene sich wieder meldet und ihn um Hilfe bittet, erwacht Arthur aus seiner Lethargie. Charlene möchte, dass Arthur ihren Sohn Kel—von dem er zum ersten Mal hört—unterrichtet. Sie telefoniert mit Arthur, der sofort bemerkt, dass irgendwas mit der zierlichen Frau nicht stimmt.

Arthur lässt von der blutjungen Yolanda sein Haus auf Vordermann bringen, damit er Besuch empfangen kann. Nur, was werden Charlene und Kel denken, wenn ihnen der adipöse Arthur die Tür öffnet?

Niemals zuvor ging mir die Einsamkeit von Menschen so unter die Haut wie in dieser Geschichte. Arthur lebt in Brooklyn und ist nur 30 Kilometer von seiner großen Liebe Charlene entfernt. Aber, das weiß er ja nicht. Die zierliche Frau ist eine große Meisterin, wenn es darum geht, plötzlich zu verschwinden. Auch sie führt ein sehr trauriges Leben und verlässt ihr Haus ebenfalls nicht mehr. Ihr 17-jähriger Sohn Kel strebt eine Karriere als Baseballspieler an und ist ein mittelmäßiger Schüler. Seine Mutter besteht darauf, dass er auf der Pells Highschool einen guten Abschluss macht, um anschließend aufs College zu gehen. Kels Vater hat sie verlassen, als der Junge vier Jahre alt war. Charlene sucht Trost im Alkohol, wofür ihr Sohn sie hasst. Kel muss sich um alles kümmern. Fast jeder kennt seine Mutter, da sie vor ihrem Absturz als Sekretärin auf der Pells Highschool gearbeitet hat. Einzig die Briefe von Arthur bescheren ihr ein paar glückliche Momente.

Arthur hat mein Herz besonders berührt. Der gutmütige Mann hat jedes bisschen Zuwendung aufgesaugt wie ein Schwamm ein paar Tropfen Wasser. Er hat Hilfe bekommen und Hilfe gegeben.

Kel musste durch die Hölle gehen, als er seine Mutter bewusstlos im Haus fand. Er schämt sich wegen ihres Verhaltens und hat sich nie für ihre Probleme interessiert. Erst als es zu spät ist, begreift er, wie seine Mutter gelitten hat. Er erinnert sich an die Zeiten, als er mit seiner Mutter glücklich war. Der beliebte Junge findet Hilfe bei guten Freunden und deren Familien.

Insgesamt hatte ich das Gefühl, mitten in einem Drama zu stecken und dennoch ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Der Schreibstil ist flüssig zu lesen und kommt ungewöhnlich daher. Es finden keine Dialoge zwischen Arthur und Kel statt, obwohl sie die beiden Hauptfiguren sind, die zueinander finden sollen. Das war für mich eine ganz neue Leseerfahrung.

Die Geschichte erzählt von zufälligen Begegnungen und schweren Verlusten. Sie zeigt, wie wichtig es ist, Hilfe anzunehmen.

Liz Moore hat wichtige Themen aufgegriffen und genial umgesetzt. Sie hat fett- und alkoholsüchtigen Menschen eine Stimme gegeben.

Mehr will ich nicht mehr verraten, da jeder diese Geschichte unbedingt selbst entdecken sollte. Die wunderbar gezeichneten Figuren haben mein Herz berührt und mir feuchte Augen beschert. Die Szenen in der Highschool und die Baseballspiele wirken wie aus einem Jugendbuch, was dem Geschehen eine besondere Note gegeben hat.

Von mir eine klare Empfehlung.

Ein großes Dankeschön an Liz Moore und dem C.H. Beck Verlag.

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