Highlight 2026 !
Der Fährmann"Fährmann, hol über !" - diese Worte prägen den Alltag von Hannes. Als Fährmann ist er die Verbindung zwischen Mensch und Natur, setzt mit seinem Floß die Naturgesetze außer Kraft und ist dazu da, Grenzen ...
"Fährmann, hol über !" - diese Worte prägen den Alltag von Hannes. Als Fährmann ist er die Verbindung zwischen Mensch und Natur, setzt mit seinem Floß die Naturgesetze außer Kraft und ist dazu da, Grenzen zu überwinden, die die Salzach geschaffen hat. Seit Kindheitstagen ist er mit Annemie und Elisabeth befreundet, doch für den jungen Mann kann es keine Hochzeit geben. Der Brauch schreibt vor, dass der Fährmann keine Familie haben darf, da sein Tun mit vielel Risiken behaftet ist. Je mehr die drei den Kinderschuhen entwachsen, desto mehr wird ihre Freundschaft auf die harte Probe gestellt. Denn Hannes' Herz schlägt für Elisabeth, während sich Annemie fast vor Sehnsucht nach ihm verzehrt. Doch das Leben hat seine eigenen Pläne, denn nicht nur eine arrangierte Ehe beeinflusst den Lauf der Dinge, auch Hass, Neid, Gewalt und Missbrauch prägen den Lebensweg, bis der Krieg seine Schatten auf beiden Seiten des Flusses wirft...
Es gibt historische Romane, die zwar eindrucksvoll geschreieben sind, jedoch das Herz nicht wirklich berühren. Und dann gibt es die Bücher von Regina Denk, die mit einer ungeahnten Wucht die Leser:innen mit dem tosenden Lauf der Salzach fortreißen und sie vergessen lassen, dass sie im Hier und Jetzt ein Buch lesen. Es ist, als würde mit dem Übersetzen von der einen Seite des Flusses auf die ansere Seite ein Tor in die Vergangenheit geöffnet werden, durch das die Leser:innen schreiten, um die Menschen wahrhaftig vor Ort zu erleben.
"Der Fährmann" ist eine eindringliche Erzähung, die sich weit weg vom Mainstream bewegt und gerade deswegen so unter die Haut geht. Die Worte hinterlasen beim Lesen tiefe Spuren, tun physisch als auch psychisch weh und zeigen in sehr realen Bildern, was Menschen bereit sind zu ertragen, wenn es einen Rückhalt gibt, der sich Freundschaft nennt.
Denk scheut sich nicht, auch die unbequemen Wahrheiten auszusürechen, die das Leben ihrer Hauptfiguren prägen: Härte, physische und psychische Gewalt, (Macht-)Missbrauch , Entbehrungen, Hilflosigkeit und die Stellung der Frau in der dörfllichen Gemeinschaft werden von ihr mit kraftvollen Worten zu einer Erzähung zusammengefügt, die mehr ist als nur eine Geschichte.
Während Hannes, Elisabeth und Annemie den Kinderschuhen entwachsen und sich den Traditonen und Verpflichtunge beugen müssen, werden ihre Charaktereigenschaften nicht nur durch äußere Einflüsse, sondern auch durch starke Gefühle geformt. Aufbegehren und sich zur Wehr setzen sind einfach nicht an der Tagesordnung und wer sich trotzdem den gängigen Gepflogenheiten widersetzt, der bekommt am eigenen Leib zu spüren, wer das Sagen hat.
Denk gelingt es, die Leser;innen mit ihren Beschreibungen direkt an die Ufer der Salzach zu führen - das Tosen des Wassers trägt die Geschichte, während der Geruch von Harz, Moos, und frischem Heu die Schönheit der Gegend betont. Doch unter diesem vermeintlich idyllischen Deckmantel schwelt es. Die dunkle Seite der Seele, von Hass, Neid und Gier zerfressen, schwört auf Rache und die Autorin scheut sich nicht, verstörende und provokative Wesensveränderungen mit der Sehnsucht nach Harmonie und Liebe zu zu verbinden. Es ist kein Heimatroman und doch spielt Heimatverbundenheit in diesem Drama eine große Rolle. Dazu tragische, melancholische Momente und am Ende die Gewissheit, dass Freundschaft das Band ist, das alles zusammenhält.
Der Roman lebt von seiner Authentizität, die sich nicht nur in Figuren und Schauplätzen widerspiegelt, sondern auch das Leben so beschreibt, wie es wirklich gelebt worden ist. Es entsteht ein Erzählkunstwerk, das sich sprachlich und inhaltlich auf höchstem Niveau befindet und ein echter Stern am Bücherhimmel ist.
Eine starke Geschichte, die berührt, lange nachlinkgt und schon jetzt d a s Lesehighlight 2026 ist !