Profilbild von EvaErl

EvaErl

Lesejury Profi
online

EvaErl ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit EvaErl über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.04.2026

Düster und anders

Mein zärtlicher Schatten
0

Mein zärtlicher Schatten ist ein Roman, der sich nur schwer in eine klare Schublade stecken lässt. Zwischen düsterer Atmosphäre, psychologischer Spannung und übernatürlichen Elementen entfaltet sich eine ...

Mein zärtlicher Schatten ist ein Roman, der sich nur schwer in eine klare Schublade stecken lässt. Zwischen düsterer Atmosphäre, psychologischer Spannung und übernatürlichen Elementen entfaltet sich eine Geschichte, die vor allem von ihren Figuren und deren inneren Konflikten lebt.

Im Mittelpunkt steht Roos, ein junges Mädchen, das seit ihrer Kindheit Geister sehen kann. Diese Fähigkeit ist jedoch alles andere als ein Geschenk, denn sie wurde in der Vergangenheit von ihrer Stiefmutter ausgenutzt, wodurch Roos prägende und belastende Erfahrungen machen musste. Schon früh wird deutlich, dass sie nie wirklich die Kontrolle über ihr eigenes Leben hatte und stark von Unsicherheiten geprägt ist. Sie wirkt verletzlich, verloren und gleichzeitig irgendwie gefangen zwischen Realität und dem, was andere als Wahnsinn abtun.

Die Handlung nimmt eine Wendung, als Agnes in Roos Leben tritt. Mit ihr verändert sich die Dynamik der Geschichte spürbar. Die Beziehung zwischen den beiden entwickelt sich langsam und auf eine Weise, die nicht unbedingt vorhersehbar ist. Gerade diese Entwicklung gehört zu den interessanteren Aspekten des Buches, da sie sowohl emotionale Tiefe als auch neue Perspektiven auf Roos’ Situation eröffnet.

Ein besonders prägnantes Element ist die Rolle der Geister. Ruth, die Roos begleitet, ist dabei eine der vielschichtigsten Figuren. Einerseits fungiert sie als Beschützerin und hilft Roos, sich in einer oft feindseligen Welt zurechtzufinden. Andererseits zeigt sie auch deutlich egoistische Züge und versucht, Roos stark an sich zu binden. Dadurch entsteht eine Beziehung, die unterschwellig toxisch wirkt und immer wieder Fragen nach Abhängigkeit und Kontrolle aufwirft. Im Kontrast dazu steht die Verbindung zwischen Agnes und dem Geist Peter, die deutlich weniger belastet erscheint und eine andere Form des Umgangs mit dem Übernatürlichen zeigt.

Auch Nebenfiguren wie Thomas und seine Schwester tragen zur Komplexität der Geschichte bei. Nach und nach werden ihre Hintergründe aufgedeckt, wodurch sich das Gesamtbild der Handlung erweitert und einzelne Zusammenhänge klarer werden. Diese langsame Enthüllung sorgt für eine gewisse Spannung, auch wenn sie stellenweise etwas zäh wirken kann.

Ein wiederkehrendes erzählerisches Mittel sind die Einschübe von Gesprächen zwischen Roos und einem Arzt. Diese Sitzungen dienen dazu, die Geschehnisse einzuordnen und werfen gleichzeitig Fragen nach Wahrheit, Wahrnehmung und Zurechnungsfähigkeit auf. Dadurch entsteht eine zusätzliche Ebene, die die Geschichte nicht nur als übernatürliche Erzählung, sondern auch als psychologisches Drama lesbar macht.

Der Schreibstil von Johanna van Veen ist insgesamt sehr zugänglich und angenehm zu lesen. Die Sprache ist klar, ohne dabei an Atmosphäre zu verlieren. Besonders das Worldbuilding gelingt in einem ausgewogenen Maß. Die übernatürlichen Elemente fügen sich organisch in die Geschichte ein, ohne überladen zu wirken. Gleichzeitig gibt es jedoch Passagen, die sich in die Länge ziehen und den Lesefluss etwas bremsen können.

Insgesamt ist Mein zärtlicher Schatten ein Buch, das interessante Ideen und starke Figuren bietet, aber nicht in jeder Hinsicht den Geschmack trifft. Die emotionale Tiefe, die ungewöhnlichen Beziehungen und die Mischung aus Realität und Übernatürlichem machen den Roman durchaus lesenswert. Dennoch können das stellenweise langsame Erzähltempo und einige ausgedehnte Passagen dazu führen, dass die Spannung nicht durchgehend gehalten wird.

Am Ende bleibt ein Werk, das vor allem durch seine Figuren und deren Beziehungen im Gedächtnis bleibt, auch wenn es nicht vollständig überzeugen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.02.2026

Starke Idee schwache Dynamik

Witch of the Wolves - Halbmond Erbe
0

Ganz überzeugen konnte mich Witch of the Wolves leider nicht, auch wenn der Einstieg vielversprechend war. Hexen und Wölfe sind für mich grundsätzlich eine starke Kombination, und das Buch bringt auch ...

Ganz überzeugen konnte mich Witch of the Wolves leider nicht, auch wenn der Einstieg vielversprechend war. Hexen und Wölfe sind für mich grundsätzlich eine starke Kombination, und das Buch bringt auch definitiv spannende Ansätze mit. Dennoch gab es immer wieder sehr lange Passagen, in denen kaum etwas passiert ist. Andere Entwicklungen waren dafür sehr vorhersehbar. Wiederum manche Wendungen hätten schockieren sollen, haben mich aber emotional nicht wirklich getroffen, da ich mich nicht stark genug mit den Figuren verbunden gefühlt habe.



Cordelia ist ohne Frage eine starke Frau und ein sehr präsenter Charakter, der mir von Anfang an gefallen hat. Gleichzeitig wirkt sie an manchen Stellen naiv und leichtsinnig. Besonders schade fand ich, dass sie sich recht schnell von ihrem eigenen Glauben abbringen lässt. Dem gegenüber stehen jedoch ihre mutige, loyale Seite und ihr klarer Wille, für das zu kämpfen, was ihr wichtig ist. Diese Gegensätze machen sie interessant, auch wenn sie nicht immer konsequent ausgearbeitet wirken.



Bishop ist für mich einer der spannendsten Charaktere der Geschichte. Gerade weil man ihn zu Beginn nur schwer einschätzen kann, bleibt er lange faszinierend. Dadurch, dass man die Handlung ausschließlich aus Cordelias Perspektive erlebt, weiß man nie genau, ob man ihm trauen kann oder nicht. Täuscht man sich in ihm oder sagt er die Wahrheit? Diese Unsicherheit hat mir sehr gefallen. Auch die Liebesgeschichte zwischen den beiden empfand ich als gut aufgebaut. Sie entwickelt sich langsam und wirkt nicht überstürzt. Dennoch hatte ich nie diesen einen klaren Moment, in dem ich wirklich verstanden habe, warum die beiden sich ineinander verlieben.



Nebenfiguren wie Julius, Felix oder Lenora haben der Geschichte viel Leben und Wärme verliehen. Sie haben für mich eindeutig zu den stärkeren Aspekten des Buches gehört. Die Gegenseite rund um Silas erfüllt ihre Rolle ebenfalls gut. Besonders Cordelias Vater war mir von Beginn an unsympathisch, und es war früh spürbar, dass mit ihm etwas nicht stimmt.



Das Worldbuilding fand ich angenehm dosiert. Die Welt ist nicht überladen, man kann sich alles gut vorstellen, ohne von Details erschlagen zu werden. Auch der Schreibstil ist insgesamt sehr angenehm. Die gewählte Perspektive erlaubt einen guten Einblick in Cordelias Gedanken und Gefühle und macht das Geschehen gut nachvollziehbar.



Die Handlung selbst empfand ich jedoch über weite Strecken als etwas langweilig. Es fehlte mir das Gefühl, wirklich überrascht zu werden. Während einzelne Details durchaus gelungen waren, war das große Ganze meist vorhersehbar. Zudem bleibt die Geschichte sehr lange an einem Ort, was auf Dauer eintönig wirkte und das Tempo zusätzlich ausgebremst hat.



Insgesamt ein Buch mit guten Ideen, starken Ansätzen und einzelnen sehr gelungenen Figuren, das mich aber emotional und spannungstechnisch nicht vollständig abholen konnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.02.2026

Nicht das Buch, das ich erwartet habe , aber eines, das bleibt

The Poet Empress
0

Dieses Buch hat mich überrascht, verunsichert und am Ende tief nachdenklich zurückgelassen. Ich bin mit vollkommen anderen Erwartungen an The Poet Empress Eine Ballade von Liebe und Tod von Shen Tao herangegangen ...

Dieses Buch hat mich überrascht, verunsichert und am Ende tief nachdenklich zurückgelassen. Ich bin mit vollkommen anderen Erwartungen an The Poet Empress Eine Ballade von Liebe und Tod von Shen Tao herangegangen und musste diese schon sehr früh loslassen. Statt einer romantischen Geschichte bekam ich eine ernste, stellenweise harte und sehr ruhige Erzählung über Macht, Verlust und Menschen, die an der Verantwortung, die auf ihnen lastet, langsam zerbrechen.



Der männliche Protagonist Terren ist keine Figur, die man mögen muss und vielleicht auch gar nicht mögen soll. Doch mit jeder Seite versteht man ihn ein Stück mehr. Die Rückblicke in seine Vergangenheit zeigen eindrücklich, wie viel von ihm verlangt wurde und wie sehr ihn diese Erfahrungen geprägt, verhärtet und verändert haben. Besonders berührend fand ich die Beziehung zu seinem Bruder. Sie ist geprägt von unausgesprochenen Gefühlen, verpassten Möglichkeiten und einer Liebe, die nie den Raum bekommen hat, den sie gebraucht hätte. Gerade diese familiäre Tragik verleiht der Geschichte eine große emotionale Tiefe.



Auch Wei, unsere weibliche Hauptprotagonistin, hat mich mit der Zeit immer mehr überzeugt. Was anfangs vielleicht einfach oder sogar naiv wirkt, entpuppt sich nach und nach als große innere Stärke. Wei ist eine Frau, die nicht aufgibt. Sie will leben, kämpfen und etwas verändern für ihre Familie, ihr Dorf und letztlich auch für sich selbst. Dabei geht sie Wege, die ihr eigentlich verwehrt sind, lernt Dinge, die sie nicht lernen dürfte, und wächst über die Grenzen hinaus, die ihr gesetzt wurden.



Besonders beeindruckend fand ich ihre Entwicklung im Umgang mit Macht. Wei lernt nicht nur, was es heißt zu herrschen, sondern auch, wie grausam und komplex dieses Spiel sein kann. Sie versteht, wie Intrigen entstehen, wie man sie spinnt und welchen Preis man dafür zahlt. Sie macht Fehler, leidet, verliert beinahe alles und muss immer wieder erkennen, dass gute Absichten oft Opfer fordern. Gerade diese Vielschichtigkeit macht sie für mich zu einer sehr starken und glaubwürdigen Figur, die unglaublich viel durchgemacht hat.



Der Roman nimmt sich insgesamt sehr viel Zeit. Jede Entwicklung, jede Entscheidung und jede Beziehung wird ausführlich erzählt. Das kann stellenweise anstrengend sein, da man kaum etwas überfliegen kann, ohne Wichtiges zu verpassen. Gleichzeitig sorgt genau diese Detailverliebtheit dafür, dass die Geschichte lange nachhallt. Es ist kein Buch, das man nebenbei liest oder schnell wieder vergisst es fordert Geduld, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich auf schwere Themen einzulassen.



Was ich besonders geschätzt habe, ist die Tatsache, dass es sich um einen abgeschlossenen Einzelband handelt. Die Geschichte fühlt sich rund und vollständig an, ohne offene Enden oder das Gefühl, auf eine Fortsetzung warten zu müssen. In einer Zeit, in der viele Fantasygeschichten auf endlose Reihen ausgelegt sind, war das für mich sehr angenehm.



Am Ende war es nicht die Geschichte, auf die ich mich ursprünglich gefreut hatte. Aber es war eine, die mich überrascht, berührt und zum Nachdenken gebracht hat. Und manchmal ist genau das mehr wert als erfüllte Erwartungen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.11.2025

Zwischen Schatten, Macht und komplizierter Sprache

Solitude 1: Devour the Light
0


Devour the Light ist ein Buch, das mich mit seiner düsteren Atmosphäre und den spannenden Figuren neugierig gemacht hat, mich beim Lesen aber immer wieder ausgebremst hat. Die Grundidee ist interessant, ...


Devour the Light ist ein Buch, das mich mit seiner düsteren Atmosphäre und den spannenden Figuren neugierig gemacht hat, mich beim Lesen aber immer wieder ausgebremst hat. Die Grundidee ist interessant, die Welt ist komplex aufgebaut und es gibt definitiv viele emotionale und dramatische Momente, aber gerade sprachlich und strukturell fand ich das Ganze manchmal zu schwerfällig.


Ein großer Stolperstein waren für mich die vielen fremdartigen Namen und Begriffe. Manchmal wusste ich ehrlich gesagt gar nicht, wie ich manche Sachen aussprechen oder einordnen soll. Arzaé, Blut-Arzaé, Litíje da hätte ich mir deutlichere Erklärungen oder zumindest ein bisschen weniger “Wortneuschöpfung” gewünscht. Ich musste mich oft zwingen, weiterzulesen, weil ich immer wieder das Gefühl hatte, dass ich den Überblick verliere, obwohl ich eigentlich in der Handlung bleiben wollte.


Louve als Hauptfigur mochte ich grundsätzlich sehr gern. Sie ist stark, lässt sich nichts gefallen, hat ihre Meinung und geht ihren Weg, auch wenn er schwer ist. Was mir allerdings etwas gefehlt hat, war ein klareres Bild ihrer Wahrnehmung. Da sie blind ist, nimmt sie ihre Welt natürlich anders wahr, aber ich fand das nicht immer nachvollziehbar beschrieben. Mal hatte ich das Gefühl, sie spürt und erkennt sehr viel, dann wieder war unklar, was sie mitbekommt. Auch optisch blieb sie für mich vage, ich weiß bis heute nicht wirklich, wie sie eigentlich aussieht. Das macht es schwer, sich richtig mit ihr zu verbinden.


Bei den Nebenfiguren gab es für mich einige positive Überraschungen. Besonders Enean fand ich als Charakter sehr stark. Seine Entwicklung, seine Zerrissenheit, sein Wille, Louve zu beschützen all das hat mich berührt. Man merkt, wie wichtig sie ihm ist und wie viel er bereit ist, für sie aufzugeben. Auch sein Umgang mit Ru fand ich schön geschrieben, das hat eine menschliche, fast zärtliche Seite in ihm gezeigt. Wren dagegen war mir zwar nicht unsympathisch, aber irgendwie war die Chemie zwischen ihm und Louve für mich einfach nicht spürbar. Diese Beziehung fühlte sich eher wie eine Pflicht an als wie echte Liebe.


Die Handlung hat einige starke Wendungen, etwa die Enthüllung rund um Gria oder die Identitätsverwechslung mit Decan. Es gibt emotionale Schocks, düstere Bedrohungen und epische Kämpfe, keine Frage. Trotzdem hat sich das Lesen für mich oft zäh angefühlt, einfach weil ich sprachlich nicht gut durchkam. Es war weniger der Inhalt, sondern die Art, wie er präsentiert wurde, die mich immer wieder aus der Geschichte herausgeholt hat.


Trotz allem sehe ich viel Potenzial in der Geschichte. Die Welt ist groß, voller Geheimnisse, die Figuren tragen viel Tiefe in sich, und ich bin neugierig, wie es in Band zwei weitergeht. Besonders hoffe ich darauf, dass Louve die Wahrheit über ihre Vergangenheit vollständig erfährt und dass es für sie und Enean noch eine echte Chance gibt.


Für mich war dieser erste Band ein durchwachsenes Erlebnis. Viele gute Ansätze, interessante Figuren, aber in der Ausführung manchmal unnötig kompliziert und sprachlich nicht ganz rund. Wer sich an fremdartigen Begriffen und einer düsteren Atmosphäre nicht stört, findet hier sicher einen spannenden Reihenauftakt. Ich persönlich hätte mir eine flüssigere Lesbarkeit und etwas mehr Klarheit gewünscht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.08.2025

Zwischen Spannung und Schatten – mitreißend, aber nicht ganz überzeugend

Immortal Consequences – Die Blackwood Academy Trials
0

Ich muss sagen: Dieses Buch war für mich ein wenig schwierig. Einerseits fand ich viele Stellen wirklich spannend, andererseits zog es sich stellenweise unendlich in die Länge.

Der Schreibstil war an ...

Ich muss sagen: Dieses Buch war für mich ein wenig schwierig. Einerseits fand ich viele Stellen wirklich spannend, andererseits zog es sich stellenweise unendlich in die Länge.

Der Schreibstil war an sich angenehm und leicht zu lesen. Es gab mehrere Perspektiven, was grundsätzlich spannend sein kann – allerdings fand ich es hier manchmal zu viel. Man hatte kaum Gelegenheit, sich wirklich in einzelne Figuren hineinzuversetzen, da die Sichtweisen so schnell wechselten.

Laut Klappentext gibt es zwei Hauptcharaktere: Wren und August. Rückblickend hatte ich jedoch nicht das Gefühl, dass es überhaupt wirkliche Hauptfiguren gab. Stattdessen standen alle sechs Teenager mehr oder weniger gleichberechtigt im Fokus.

Positiv hervorheben möchte ich, dass es einige Wendungen gab, mit denen man so nicht gerechnet hätte – besonders im Hinblick auf den Demien-Orden und die Akademie an sich. Schon zu Beginn entsteht das Gefühl, dass an dieser Schule etwas nicht stimmt. Das verleiht der ganzen Geschichte einen düsteren, beklemmenden Ton. Vor allem der Direktor Silas sorgt mit seiner geheimnisvollen Art für Misstrauen.

Im Verlauf der Handlung wird deutlich, dass jeder der Schülerinnen ein eigenes Geheimnis mit sich trägt – manche schlimmer, andere weniger dramatisch. Besonders die Enthüllungen rund um August fand ich sehr gravierend. Und was man über Lou erfährt, ist auch nach dem Ende des Buches noch voller Fragezeichen.

Zu den einzelnen Charakteren:
Wren wirkt zu Beginn vielleicht unsympathisch, vor allem wegen ihres starken Wettbewerbsdrangs. Doch dahinter steckt in Wahrheit viel Unsicherheit und der Wunsch, zurückzubekommen, was ihr einst genommen wurde. Allerdings macht sie über weite Strecken kaum eine Entwicklung durch – vielleicht in den letzten sechzig Seiten ein wenig. Davor bleibt sie eher ignorant und emotional verschlossen.

August hingegen hat mir als Charakter gut gefallen. Er wirkt rebellisch, nicht auf den Kopf gefallen, und ist sehr fleißig – besonders bei der Ernte. Sein Image ist das des Schlägers, dem man besser aus dem Weg geht, aber dahinter steckt ein weicher Kern und definitiv ein großes Geheimnis. Seine Entwicklung ist deutlich spürbar.

Emilio und Oliver – ein wildes Duo. Emilio ist klug und ehrgeizig, aber nicht besonders talentiert im Praktischen. Das gleicht Oliver aus. Die Beziehung zwischen den beiden wird im Laufe der Geschichte immer intensiver, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass sie sich etwas schneller entwickelt. Ihre Geschichte ist auf jeden Fall noch nicht auserzählt.

Irene und Masika sind zwei komplett gegensätzliche Figuren. Irene ist impulsiv, neidisch und flirtet gefährlich mit der dunklen Seite der Demions. Masika hingegen ist ehrlich, talentiert und versucht, eine echte Freundin zu sein. Sie riskiert nicht nur für sich selbst etwas, sondern auch für die, die sie liebt. Während mir Irenes Entwicklung überhaupt nicht gefallen hat – sie wurde mir zunehmend unsympathischer – war Masika mein absolutes Highlight und ist definitiv mein Lieblingscharakter.

Und dann ist da noch Louise … ein Mysterium für sich. Warum kam sie so früh? Warum war ihre Ankunft so anders als die der anderen? Was hatten die Schatten zu bedeuten, die aus ihr kamen? Einige dieser Fragen wurden beantwortet, viele bleiben offen.

Insgesamt:
Das Worldbuilding hat mir grundsätzlich gefallen – man konnte sich die Welt gut vorstellen. Allerdings war mir die gesamte Atmosphäre auf Dauer zu düster. Der Vibe war sehr theatralisch, fast bedrückend, was mir persönlich nicht ganz zugesagt hat.

Was mir hingegen richtig gut gefallen hat, waren die Spiele selbst. Sobald es um die Wettkämpfe ging, war die Spannung da, und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Danach flachte es leider wieder ab, und mein Interesse ließ etwas nach. Besonders beim ersten Wettkampf hatte ich stark das Gefühl, eine Nacherzählung von Harry Potter und der Feuerkelch zu lesen. Klar, es gibt immer mal wieder Parallelen – aber hier war es für mich einfach zu offensichtlich.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere