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Veröffentlicht am 23.02.2026

Spannende Geschichte mit fundiertem historischem Hintergrund

Die Stadt der Auserwählten
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Ein Roman über eine Bewegung, die bereits im Spätmittelalter gezeigt hat, was Propaganda und Manipulation mit Menschen anrichten können. Die Bewegung der Täufer sorgt für eine bürgerkriegsähnliche Atmosphäre, ...

Ein Roman über eine Bewegung, die bereits im Spätmittelalter gezeigt hat, was Propaganda und Manipulation mit Menschen anrichten können. Die Bewegung der Täufer sorgt für eine bürgerkriegsähnliche Atmosphäre, die Münster und seine Bewohner in Angst und Schrecken versetzt.

Jakob, der Leibwächter einer Schwester des Kaisers, soll eigentlich nur eine junge Frau aufspüren, die sich der Täuferbewegung angeschlossen hat. Doch stattdessen erlebt er das Abenteuer seines Lebens und muss erkennen, dass Menschen zu allem fähig sind, wenn sie manipuliert oder unter starken seelischen Druck gesetzt werden. Jakob ist ein furchtloser, zugleich aber sehr zielstrebiger Mann, der seinen Auftrag unbedingt erfüllen möchte.

Begleitet wird er von Benoît, einem Spaßmacher, der für mich ein absolutes Highlight der Geschichte darstellt. Zu Beginn wirkt er wie ein Gaukler, der nichts wirklich ernst nimmt. Doch hinter seiner Fassade verbirgt sich deutlich mehr, als man zunächst vermutet. Er war mein persönlicher Lieblingscharakter. Auch die weiteren Nebenfiguren tragen zu einer interessanten Mischung innerhalb der Erzählung bei.

Die Handlung ist eng an die historischen Ereignisse angelehnt. Dennoch gelingt es dem Autor, eine sehr spannende Geschichte rund um Jakob und die Täuferbewegung zu erzählen. Besonders im ersten Teil ist der Roman sehr lebendig beschrieben und mit einigen süffisanten Passagen unterlegt, was die Geschichte zusätzlich fesselnd macht.

Was mich besonders beeindruckt hat, sind die detailreichen Schilderungen der Propagandastrategien innerhalb der Täuferbewegung. Diese zeigen Parallelen zu späteren Entwicklungen in der deutschen Geschichte, die sich leider in ähnlicher Weise wiederfinden lassen.

Spannend, facettenreich und mit starken Figuren gezeichnet, hat mich dieser Roman mehr als überrascht. Ich hatte großartige Lesestunden und wurde zugleich sehr gut über diesen historischen Abschnitt informiert. Für alle, die eine spannende Geschichte mit fundiertem historischem Hintergrund lesen möchten, ist dieses Buch genau das Richtige.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Herausragendes Hörbucherlebnis und tief bewegende Geschichte

Lebensbande
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Für mich ist dieses Werk nicht nur ein herausragendes Hörerlebnis, sondern auch eine zutiefst bewegende Geschichte, die von Menschlichkeit und Freundschaft erzählt.

Es war mein erstes Buch beziehungsweise ...

Für mich ist dieses Werk nicht nur ein herausragendes Hörerlebnis, sondern auch eine zutiefst bewegende Geschichte, die von Menschlichkeit und Freundschaft erzählt.

Es war mein erstes Buch beziehungsweise Hörbuch von Mechtild Borrmann, und ich frage mich ehrlich, warum ich nicht schon viel früher zu dieser Autorin gegriffen habe – denn dieses Buch enthält alles, was ich so sehr liebe.

Drei Frauen, drei Leben, die miteinander verwoben sind und Freundschaft sowie Menschlichkeit über alles stellen. Mechtild Borrmann erzählt eine Geschichte, die bis in die 1930er-Jahre des Nationalsozialismus zurückreicht und sich bis zum Fall der Berliner Mauer und der deutschen Einheit erstreckt. Es ist ein wahres Stück Zeitgeschichte, erzählt anhand der Lebenswege von Lene, Nora und Liselotte.

Der Roman greift zahlreiche bewegende Themen auf – etwa die sogenannten „Reichsausschusskinder“, die für die Nationalsozialisten lediglich Forschungsobjekte waren, an denen Medikamente getestet wurden und die letztlich ermordet wurden, oder auch die Zwangsarbeit in einem sowjetischen Lager nach dem Zweiten Weltkrieg, einem sogenannten Gulag.

Kunstvoll verwebt die Autorin die beiden Erzählstränge miteinander, sodass sich nach und nach ein Puzzle zusammensetzt, das gleichermaßen faszinierend wie bedrückend ist. Über allem schwebt jedoch die besondere Kraft und Bedeutung dieser außergewöhnlichen Freundschaft.

Die beiden Sprecherinnen leisten großartige Arbeit und hauchen den erzählenden Figuren spürbar Leben ein. Besonders der Erzählstrang in den 1990er-Jahren hat mich persönlich sehr berührt, da ich die innere Zerrissenheit der Figuren förmlich spüren konnte – sie ging mir spürbar unter die Haut.

Die Figurenzeichnung ist dicht und facettenreich. Die Entwicklungen, die die Protagonistinnen im Verlauf der Handlung durchmachen, sind erschreckend und zugleich beeindruckend. Der Krieg hat die Menschen nachhaltig verändert, und nichts ist mehr so, wie es vor ihm war.

Für mich ist dieses Buch schon jetzt eine der Neuentdeckungen des Jahres, und ich bin mir sicher, dass das nächste Werk von Mechtild Borrmann nicht allzu lange auf sich warten lassen wird.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Der persönlichste Fall für Felix Bloom

Felix Blom - Mord an der Spree
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Eine spannende Jagd nach dem Mörder bringt Felix und Mathilde an ihre Grenzen. Es ist wohl der persönlichste Fall der Detektei Voss.

Für mich ist es der bisher beste und geheimnisvollste Fall für Felix ...

Eine spannende Jagd nach dem Mörder bringt Felix und Mathilde an ihre Grenzen. Es ist wohl der persönlichste Fall der Detektei Voss.

Für mich ist es der bisher beste und geheimnisvollste Fall für Felix und Mathilde. Besonders gut gefallen hat mir, dass man aktiv miträtseln kann und am Ende eine Auflösung von der Autorin präsentiert bekommt, auf die ich zumindest nicht gekommen wäre.

Aber der Reihe nach: Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt, einmal im Jahr 1879 und dann in einem Zeitstrang, der vor dem Verschwinden von Mathildes Freundin Agnes spielt. Agnes ist im Jahr 1870 plötzlich verschwunden. Die drei Freundinnen Mathilde, Charlotte und Antonia sind sich einig, dass nur ein Freier dahinterstecken kann. Alle vier arbeiten als Prostituierte in Berlin. Doch leider kann dem Verdächtigen nichts nachgewiesen werden.

Neun Jahre später werden Charlotte und Antonia ermordet. Mathilde wird durch kurze Nachrichten ihrer Freundinnen an die jeweiligen Tatorte gelockt und wird so schnell zur Hauptverdächtigen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn sie landet rasch im Gefängnis Moabit und wird verurteilt.

Fast perfekte Morde, so scheint es. Felix beißt sich gemeinsam mit Bruno Harting an diesem Fall die Zähne aus. Diese Zweckgemeinschaft hat mir sehr viel Freude bereitet. Zwei Menschen, die sich eigentlich überhaupt nicht ausstehen können, arbeiten für Mathilde zusammen.

Die psychologische Bedrohung ist deutlich spürbar und auch die Schnitzeljagd quer durch Berlin ist spannend angelegt. Ein großes Kompliment an die Autorin, die zudem ein wunderbares Sittengemälde der Stadt zeichnet und uns auf eine großartige Zeitreise mitnimmt.

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Das Ende ist mehr als gelungen, denn es kommt zu einem intensiven Showdown, bei dem alle Puzzlestücke an ihren Platz fallen. Dieses Buch hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich freue mich jetzt schon auf einen neuen Fall von Felix Blom.

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Veröffentlicht am 12.01.2026

Atmosphärischer Roman mit historischem Tiefgang

Sündflut 1784
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Ein Roman, der durch seine besondere Atmosphäre, aber auch durch seine authentische Sprache besticht. In Sündflut 1784 versucht der Amtmann Henrik van Venray, die ihm liebgewonnene Apothekerwitwe Anna ...

Ein Roman, der durch seine besondere Atmosphäre, aber auch durch seine authentische Sprache besticht. In Sündflut 1784 versucht der Amtmann Henrik van Venray, die ihm liebgewonnene Apothekerwitwe Anna Maria aus den Fängen eines Komplotts zu befreien. Dieses steht in Zusammenhang mit einem Mordfall, und Venray muss lernen, dass Cöln seine ganz eigenen Gesetze hat.

Venray ist trotz seines Adelsstandes ein Mann der Tat, der den Wunsch hegt, ein nach französischem Vorbild aufgebautes Kriminalsystem zu etablieren. Er hält wenig vom Adel und wirkt dadurch sehr nahbar. Sein Diener Wittib ist der heimliche Star der Geschichte, denn mit seiner sarkastischen, zugleich aber hilfsbereiten Art sorgt er immer wieder für heitere Momente.

Die Stadt und ihr Umland sind noch immer stark von der Flut gezeichnet, viele Menschen haben Hab und Gut verloren. Diese düstere, beinahe apokalyptische Atmosphäre versteht es der Autor sehr gut in die Handlung zu integrieren. Neben dem Mordfall geht es auch um das Verhalten der Menschen und darum, wie sie unter diesen schwierigen Bedingungen ihren Alltag bewältigen. Der Roman bietet einen facettenreichen Einblick in eine Zeit, die für viele Menschen eher von Entbehrungen als von Freude geprägt war.

Der Schreibstil ist atmosphärisch, sehr detailliert und anschaulich, zudem durchzogen von historischen Wortlauten. Der Autor baut erneut die damaligen Schreibweisen von Orten und Plätzen ein, was der Geschichte zusätzliche Authentizität verleiht. Spannend bis zum Schluss habe ich diesen Roman erneut verschlungen und hoffe sehr, dass es einen weiteren Fall von Henrik van Venray geben wird.

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Veröffentlicht am 12.01.2026

Ein toller Roman über die Historie des Praters und seiner Besonderheiten

Der Totengräber und die Pratermorde (Die Totengräber-Serie 4)
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Ein historischer Kriminalroman mit viel Dramatik und einem hervorragenden Einblick in das Schaustellerleben Wiens gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Oberinspektor Leopold von Herzfeldt hat es nicht leicht. ...

Ein historischer Kriminalroman mit viel Dramatik und einem hervorragenden Einblick in das Schaustellerleben Wiens gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Oberinspektor Leopold von Herzfeldt hat es nicht leicht. Private Probleme und ein äußerst komplizierter Mordfall beschäftigen ihn mehr, als ihm lieb ist. Dabei zeigt er erneut, dass er, obwohl er es oft nicht so meint, gerade bei seiner Herzensdame immer wieder ins Fettnäpfchen tritt, was ich persönlich sehr amüsant fand.

Neben seinen ermittelnden Kollegen von der Wiener Polizeidirektion und der Reporterin Julia Wolf, seiner angebeteten Herzensdame, ist erneut der eigenwillige, aber äußerst sympathische Totengräber Augustin Rothmayer als wichtiger Charakter hervorzuheben. Rothmayer zeigt immer deutlicher, wie viel wissenschaftliches Können in ihm steckt, und beweist, dass er weit mehr ist als ein einfacher Totengräber.

Neben der detailreichen Beschreibung der Atmosphäre rund um das Wiener Vergnügungsviertel Prater – auch Wurstelprater genannt – gehören die Einblicke in den damaligen technischen Stand der Kriminalistik zu den großen Stärken des Romans. Der Autor schildert die damaligen Möglichkeiten und Entwicklungen der Ermittlungsarbeit sehr tiefgründig, ohne dabei ausschweifend zu werden.

Der Roman lebt stark von seiner Atmosphäre, und ich tauchte tief in das Wien dieser Zeit ein. Die Täterfiguren sind geschickt verborgen, sodass ich lange einer falschen Fährte folgte. Der Schreibstil des Autors ist anschaulich und angenehm zu lesen. Immer wieder verwendet er Begriffe und Ausdrucksweisen aus jener Epoche, was dem Roman zusätzliche Authentizität verleiht.

Die Auflösung des Falls ist spannend gestaltet und erstreckt sich über mehrere Passagen. Ein rundum gelungener historischer Roman, der mir so viel Freude bereitet hat, dass ich traurig war, als er zu Ende war. Ich müsste mir Kritik regelrecht aus den Fingern ziehen, denn mir fällt keine ein. Augustin Rothmayer und Leopold von Herzfeldt sind ein unschlagbares Ermittlerduo. Ich mag sie beide sehr, vor allem, weil in Rothmayer so viel mehr steckt.

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