Wohnungsnot im Kaiserreich
Das Haus in CharlottenburgManchmal tue ich mich mit historischen Roman etwas schwer, aber dieser hier hat mich gleich in seinen Bann gezogen. Berlin um 1890, als viele Stadtteile noch gar nicht zu Berlin dazugehörten. Es herrscht ...
Manchmal tue ich mich mit historischen Roman etwas schwer, aber dieser hier hat mich gleich in seinen Bann gezogen. Berlin um 1890, als viele Stadtteile noch gar nicht zu Berlin dazugehörten. Es herrscht Wohnungsnot und Armut, geldgierige Investoren versuchen, mit billigen Mietskasernen möglichst viel Wohnraum zu schaffen, egal wie es drinnen aussieht.
Im Vordergrund stehen die Schneiderin Elise und der Architekt Johann, die gemeinsam ein Genossenschaftshaus bauen wollen, damit wenigstens ein paar Familien schöne Wohnungen haben. Ihnen werden dabei viele Steine in den Weg gelegt, aber sie haben auch zuverlässige Freunde.
Dies ist mein erstes Buch von Beate Sauer und ich war sehr begeistert. Sie beschreibt die Protagonisten sehr liebevoll und ausführlich, selbst die unsympathischen kommen glaubhaft und echt rüber. Da ich in Berlin wohne, kenne ich einige Gegenden, in denen das Buch spielt und konnte so noch besser nachvollziehen, wo ich mich beim Lesen befand. Wobei auch da die Beschreibung der Autorin völlig ausreicht, um sich alles gut vorstellen zu können.
Das Buch ist flüssig und interessant geschrieben und hat ein paar Überraschungen parat. So sollte ein Roman gestaltet sein. Was mir nicht gefallen hat, war der Klappentext. Wie in letzter Zeit schon häufiger erlebt, werden dort Sachen geschildert, die erst ganz weit hinten im Buch vorkommen. Ich weiß nicht, was der Verlag sich dabei denkt. Er nimmt damit zu viel vorweg!