Zwischen düsterer Distanz und Hoffnung
Von Beginn an hat mich dieses Buch in seinen Bann gezogen und nicht wieder losgelassen. Es lebt nicht von sonderlich viel Handlung, sondern von dem Zwischenmenschlichen, Philosophischen und Nicht-Greifbaren. ...
Von Beginn an hat mich dieses Buch in seinen Bann gezogen und nicht wieder losgelassen. Es lebt nicht von sonderlich viel Handlung, sondern von dem Zwischenmenschlichen, Philosophischen und Nicht-Greifbaren. Eine düstere Atmosphäre und Ungewissheit sind permanent präsent. An manchen Stellen ist diese kaum auszuhalten, ließ das Buch aber trotz wenig Handlung sehr kurzweilig erscheinen. Ich wollte immer weiterlesen und konnte das Buch kaum aus der Hand legen - nur um mehr Klarheit zu erlangen. Gerade die Unklarheit des Buches sehe ich als seine größte Stärke.
Trotzdem wirkt die Erzählung nicht nur beklemmend, sondern wird auch von lauter kleinen Lichtblicken und Hoffnung durchzogen.
Im zentralen Fokus steht die Frage, was Menschlichkeit bedeutet. Was macht Leben aus? Hier wurde versucht, der Sinnhaftigkeit der menschlichen Existenz auf den Grund zu gehen, grob angerissen, ohne zu einer abschließenden Schlussfolgerung zu gelangen. Die Erzählung steht für sich, ohne dabei allgemeingültig sprechen zu wollen. Vielmehr wird Raum gelassen, selbst zu eigenen Schlüssen und Interpretationsansätzen zu kommen.
Der Schreibstil ist schlicht und wahrt eine gewisse Distanz zum Geschehen. Damit ist dieser auch passend zur Perspektive der Ich-Erzählerin gewählt - wie sich im Laufe der Erzählung herausstellt. Feinfühlige, detailreiche Schilderungen lassen die beschriebenen Charaktere lebendig wirken, zutiefst menschlich und nachvollziehbar.
Diese einzigartige Erzählung ist mehr ein abstraktes Gedankenspiel. Sie scheint realitätsfern zu sein, während sie zeitgleich den tiefsten philosophischen Fragen nachgeht, die den Menschen ausmachen. Für alle Fans offener Enden möchte ich hiermit meine Empfehlung aussprechen, aber auch darüber hinaus ist es eine durchaus lohnenswerte Lektüre.