Profilbild von Alrik

Alrik

Lesejury Star
online

Alrik ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Alrik über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.02.2026

Wenn Planeten plötzlich im Kinderzimmer schweben

Science & Kids – Unser Sonnensystem
0

Zwischen funkelnden Sternen, staunenden Kinderaugen und raschelnden Bastelbögen entstand bei uns zu Hause ein ganz besonderes kleines Universum. Science & Kids – Unser Sonnensystem von Lauren Fairgrieve, ...

Zwischen funkelnden Sternen, staunenden Kinderaugen und raschelnden Bastelbögen entstand bei uns zu Hause ein ganz besonderes kleines Universum. Science & Kids – Unser Sonnensystem von Lauren Fairgrieve, übersetzt von Marcus Schenk und illustriert von Anja Sušanj, erschienen im arsEdition Verlag, hat uns nicht nur Wissen vermittelt, sondern echte Begeisterung entfacht.

Gemeinsam mit meiner Nichte habe ich Seite für Seite die Planeten erkundet, ihre Eigenheiten bestaunt und mich selbst dabei ertappt, wie sehr mich Saturns Ringe und die gewaltigen Stürme auf Jupiter noch immer faszinieren. Die Texte sind klar, verständlich und dennoch gehaltvoll, sodass auch ich Neues mitgenommen habe. Die Illustrationen wirken freundlich und lebendig, ohne überladen zu sein – genau richtig für neugierige Kinder ab zehn Jahren.

Das absolute Highlight war jedoch das Bastelprojekt am Ende. Mit erstaunlich stabilen, vorgestanzten Bögen entstand Stück für Stück unser eigenes 3D-Sonnensystem. Kein Kleber, kein Frust – nur konzentriertes Werkeln, Lachen und dieses stolze Strahlen, als das Mobile schließlich über dem Schreibtisch meiner Nichte schwebte.

Wissen und Kreativität greifen hier wunderbar ineinander. Insgesamt ist dieses Buch ein liebevoll gestaltetes Gesamtpaket, das Lernen zu einem echten Erlebnis macht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.02.2026

Wenn drei Zeilen mehr sagen als 300 Seiten

Das Buch der klassischen Haiku. Japanische Dreizeiler
0

Zwischen Kirschblüte und Frostknistern liegt manchmal nur ein Atemzug – und genau den fängt dieses Buch ein. Fast 1000 Haiku, sortiert nach Jahreszeiten, und plötzlich sitzt man nicht mehr auf dem Sofa, ...

Zwischen Kirschblüte und Frostknistern liegt manchmal nur ein Atemzug – und genau den fängt dieses Buch ein. Fast 1000 Haiku, sortiert nach Jahreszeiten, und plötzlich sitzt man nicht mehr auf dem Sofa, sondern mitten im Frühling, hört Sommerzirpen oder spürt diese stille, klare Winterluft, die alles ein bisschen ehrlicher macht.

Was für eine Wucht in drei Zeilen passt, ist ehrlich gesagt fast unverschämt. Bashō, Buson, Issa – diese alten Meister hauen dir mit wenigen Silben mehr Gefühl um die Ohren als so mancher 400-Seiten-Roman. Und während ich lese, merke ich, wie laut mein Kopf sonst ist. Hier wird er leise. Sehr leise.

Jan Ulenbrook hat da kein trockenes Literaturdenkmal gebaut, sondern eine Sammlung, die lebt. Seine Übersetzungen wirken klar, ungekünstelt, manchmal fast überraschend modern. Kein Staub, kein akademisches Geklapper – nur Momentaufnahmen, die sitzen. Und plötzlich ertappe ich mich dabei, wie ich beim Spaziergang eine Pfütze anstarre und denke: Das ist jetzt mein Haiku-Moment.

Natürlich ist so eine Anthologie nichts für schnelle Konsumenten. Man liest nicht 200 Stück am Stück, sonst rauscht alles vorbei. Dieses Buch will genossen werden wie ein guter Schluck Sake – langsam, bewusst, mit einem leichten Lächeln. Manchmal auch mit einem Stich im Herzen.

Unterm Strich ist Das Buch der klassischen Haiku aus dem Reclam Verlag ein Schatz für alle, die Sprache lieben und Stille aushalten. Kein lautes Spektakel, sondern feine Kunst in Reinform. Und ja, ein bisschen fühlt man sich danach wirklich wie dieses drei Fuß große Kind, von dem Bashō sprach.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.02.2026

Showdown im Netz der Götter

Otherland. Band 4
0

Ein Finale, das nicht leise geht, sondern mit einem digitalen Donnerschlag alles niederreißt, was sich ihm in den Weg stellt. Otherland Band 4 ist kein gemütlicher Abschluss, sondern ein Showdown mit brennenden ...

Ein Finale, das nicht leise geht, sondern mit einem digitalen Donnerschlag alles niederreißt, was sich ihm in den Weg stellt. Otherland Band 4 ist kein gemütlicher Abschluss, sondern ein Showdown mit brennenden Sicherungen – und genau so muss das sein.

Tad Williams dreht hier noch einmal komplett auf. Die Gralsbruderschaft zieht die Schrauben an, Dread läuft Amok wie ein schlecht programmierter Albtraum mit Gottkomplex, und irgendwo dazwischen kämpfen Figuren, die mir über vier Bände hinweg verdammt ans Herz gewachsen sind. Dieses Gefühl, wenn man merkt: Gleich ist es vorbei. Gleich verlässt man diese Welt. Und man will eigentlich noch nicht.

Was Williams kann, ist Atmosphäre. Dieses Netz aus virtuellen Realitäten fühlt sich an wie ein fiebriger Traum zwischen Cyberpunk, Mythologie und bitterer Gesellschaftskritik. Man spürt die Bedrohung, die Verzweiflung, aber auch diese trotzige Hoffnung. Und ja, manchmal ist es komplex, manchmal verliert man fast den Überblick – aber genau das passt zu einer Welt, die selbst kurz vor dem Kollaps steht.

Dread als Gegenspieler? Pures Chaos. Unberechenbar, irre, erschreckend plausibel. Der Gedanke, dass die reale Welt vielleicht einfach abgeschaltet wird, jagt einem beim Lesen einen kalten Schauer über den Rücken.

Nicht jede Szene trifft mit maximaler Wucht, ein paar Passagen ziehen sich minimal – deshalb keine glatten fünf Sterne. Aber das hier ist großes Science-Fiction-Kino. Episch, klug, emotional. Und als ich die letzte Seite zugeschlagen habe, war da dieses leise Gefühl von Abschiedsschmerz.

Otherland endet nicht einfach. Es brennt sich ein.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.02.2026

Europa ruft – und wir packen schon im Kopf die Taschen

LONELY PLANET Bildband Legendäre Roadtrips in Europa
0

Reisen beginnt manchmal einfach auf dem Sofa – und endet mit drei Leuten, die gleichzeitig „Da fahren wir hin!“ rufen. Genau das ist mit LONELY PLANET Bildband Legendäre Roadtrips in Europa passiert.

Schon ...

Reisen beginnt manchmal einfach auf dem Sofa – und endet mit drei Leuten, die gleichzeitig „Da fahren wir hin!“ rufen. Genau das ist mit LONELY PLANET Bildband Legendäre Roadtrips in Europa passiert.

Schon nach den ersten Seiten war klar: Das hier ist kein schnöder Bildband, das ist Benzin fürs Fernweh. Während ich noch die Routenskizzen studiere und innerlich Tankstopps plane, tippt meine Tochter auf ein Foto aus Island und sagt: „Papa, da sieht’s aus wie in einem Fantasyfilm!“ Meine Frau blättert weiter zur Amalfiküste und murmelt nur trocken: „Da gibt’s bestimmt gutes Essen.“ Prioritäten im Hause geklärt.

50 Reportagen, die sich nicht wie Reiseführer lesen, sondern wie Geschichten von Leuten, die wirklich losgefahren sind. Mit nassen Schuhen, platten Reifen und diesem einen perfekten Sonnenuntergang, für den man alles in Kauf nimmt. Dazu 150 weitere Ideen – was ehrlich gesagt leicht überfordert. Zwischen spontaner Wochenendtour durch Frankreich und Vanlife in Norwegen war ich innerlich schon beim Camper-Ausbau.

Besonders stark: die „Wegweiser“-Infos. Kein trockenes Blabla, sondern handfeste Antworten. Straßenzustand? Beste Reisezeit? Realistische Dauer? Genau das Zeug, das man braucht, wenn aus Träumerei Ernst werden soll.

Im Buddyread wurde viel gelacht. „Wenn wir das alles fahren, sind wir 80“, kam von der Couch. Stimmt wahrscheinlich. Aber selten hat ein Buch so klar gezeigt, dass Europa direkt vor der Haustür legendär sein kann.

Dieses Buch stellt keine Reise vor. Es schiebt dich auf die Straße.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.02.2026

Zwischen Sturm und göttlicher Führung

Die Ufer der Zeit
0

Wenn die Nordsee tost und der Himmel sich über Helgoland verdunkelt, beginnt eine Reise, die nicht nur durch Jahrhunderte führt, sondern tief ins Herz und in den Glauben hinein. Die Ufer der Zeit von Thomas ...

Wenn die Nordsee tost und der Himmel sich über Helgoland verdunkelt, beginnt eine Reise, die nicht nur durch Jahrhunderte führt, sondern tief ins Herz und in den Glauben hinein. Die Ufer der Zeit von Thomas Franke verbindet historische Spannung mit einer leisen, tragenden Botschaft von Hoffnung und göttlicher Führung.

Jan Petersens Sturz in die Fluten ist wie ein Riss im Gefüge der Welt – und zugleich wie ein Ruf. Plötzlich finde ich mich mit ihm im Jahr 1792 wieder, spüre das einfache, entbehrungsreiche Leben eines friesischen Fischerdorfes und ahne, dass hinter all dem mehr steht als Zufall. Von dort aus führen ihn die Zeitsprünge ins Mittelalter, in die napoleonische Ära und bis in die dunklen Jahre des Dritten Reiches. Jede Epoche ist atmosphärisch dicht und glaubwürdig gezeichnet.

Besonders berührt hat mich die geistliche Dimension. Zwischen Angst, Verlust und Sehnsucht schimmert immer wieder die Frage nach Gottes Plan auf. Alva ist dabei weit mehr als nur eine Begleiterin – sie wird zu einem Zeichen von Treue, Hoffnung und einer Liebe, die ihren Ursprung in etwas Größerem hat als menschlicher Kraft.

Manche Übergänge hätten noch etwas sanfter sein dürfen, doch die emotionale Tiefe und die klare christliche Botschaft tragen die Geschichte kraftvoll. Zurück blieb in mir nicht nur Staunen über Raum und Zeit, sondern auch ein stilles Vertrauen, dass kein Weg zufällig ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere