Profilbild von yellowdog

yellowdog

Lesejury Star
offline

yellowdog ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit yellowdog über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.02.2026

Gerechtigkeitsarbeit

Gerechtigkeit
0

Gerechtigkeit ist wichtig. Daher ist ein Essay darüber sehr zu begrüßen. Bernhard Schlink ist seit langen ein erfahrener und erfolgreicher Prosa-Autor, der weiß zu erzählen.
Daher war ich doch überrascht, ...

Gerechtigkeit ist wichtig. Daher ist ein Essay darüber sehr zu begrüßen. Bernhard Schlink ist seit langen ein erfahrener und erfolgreicher Prosa-Autor, der weiß zu erzählen.
Daher war ich doch überrascht, wie trocken das Essay über manche Strecken ist. Es ist mehr ein Text eines Juristen, der Schlink ja auch ist. Im Vorwort betont Schlink einen philosophischen Ansatz. Tatsächlich geht er auf Aristoteles zurück. Und dann vor allen auf den US-amerikanischen Philosophen John Krawalls und seiner Theory of Justice.
Gerechtigkeit hat mit Gleichheit und Gleichbehandlung zu tun.
Interessant ist Schlinks Aussage, das es keine Formel für Gerechtigkeit gibt, sehr wohl aber Strukturen für die Suche nach Gerechtigkeit.
Obwohl der Text relativ schwerbekömmlich ist, zweifle ich an Schlinks gut überlegten Ergebnissen (Wahlen, Demokratie, Rechtsstaat, soziale Gerechtigkeit) nicht.
Schließlich spricht Schlink auch noch über Generationsgerechtigkeit. Und am Schluss geht es um den Preis der Gerechtigkeit.
Es ist ein umfassendes, prägnantes Essay. Für mich ist es 3,5 von 5 Sterne wert.

Veröffentlicht am 25.02.2026

Über was nie gesprochen wurde

Ich möchte zurückgehen in der Zeit
0

Das neue Buch der Kultautorin Judith Hermanns ist schwer einzuordnen, aber das kennt man von ihr schon, zum Beispiel durch „Wir hätten uns alles gesagt“.
Das autobiografische Element ist prägend. Ausgangspunkt ...

Das neue Buch der Kultautorin Judith Hermanns ist schwer einzuordnen, aber das kennt man von ihr schon, zum Beispiel durch „Wir hätten uns alles gesagt“.
Das autobiografische Element ist prägend. Ausgangspunkt ist die Beschäftigung mit dem Großvater, der vor ihrer Geburt gestorben ist. Im Krieg war er bei der Waffen-SS und in Polen. Viel kann Judith Hermann, die schließlich selbst nach Polen reist, nicht recherchieren.
Ihre Unterhaltungen mit ihrer 80jährigen Mutter über den Großvater sind wenig ergiebig, lösen Spannungen aus und am Ende hat die Mutter eine vorübergehende Amnesie.
Es geht aber nicht nur um den Großvater. Judith Hermann reist schließlich auch nach Italien, wo ihre Schwester lebt.
Die geöffnete Tür auf dem Cover täuscht. Es bleiben mehr Fragezeichen als Erkenntnisse hängen und vielleicht muss man sich mehr als einmal mit diesem Buch beschäftigen. Dass das Buch sprachlich gut gestaltet ist, merkt man aber sofort.

Veröffentlicht am 20.02.2026

UN-Job im Irak

fundamentalös
0

Fundamentalös ist ein Roman mit brisanten Thema von Relevanz. Die Handlung ist im Irak angelegt.
Ich hatte anfangs so meine Probleme mit der jungen, unerfahrenen Protagonistin, die ihre Rolle der Deradikalisierung ...

Fundamentalös ist ein Roman mit brisanten Thema von Relevanz. Die Handlung ist im Irak angelegt.
Ich hatte anfangs so meine Probleme mit der jungen, unerfahrenen Protagonistin, die ihre Rolle der Deradikalisierung nur unzureichend ausfüllen kann.
Vielleicht wäre eine erfahrene, weniger naive Hauptfigur die bessere Wahl gewesen. Aber dann wäre es ein anderes Buch geworden. Nach einer Weile gewöhnt man sich an Nadia.

Es dauert eine Weile, bis der Plot in Fahrt kommt. Triebfeder für die Handlung ist Sara, die interessanteste Figur im Buch.

Sprachlich hat der Roman wenig zu bieten, ausser einer leichten Ironie und ordentlichen Dialogen. Immerhin schreibt Nussaibah Younis in einem leichten Ton. Auch die Plotgestaltung gelingt der Autorin.

Veröffentlicht am 19.02.2026

Porträts in knapper Form

Mischka
0



Mit Mischka setzt Barbara Honigmann ihre Reihe von Büchern über Familie und Bekannte fort. Sie schreibt in ihren gewohnten sachlichen Stil. Es ist mehr Porträt als Erzählung. Doch die Emotionen sind ...



Mit Mischka setzt Barbara Honigmann ihre Reihe von Büchern über Familie und Bekannte fort. Sie schreibt in ihren gewohnten sachlichen Stil. Es ist mehr Porträt als Erzählung. Doch die Emotionen sind da, nur nicht so offensichtlich im Vordergrund.
Mischka war für die 19490 geborene Barbara Honigmann eine mütterliche Freundin aus Russland, deren Leben von Gefangenschaft und Verbannung geprägt er, aber auch von ihrer Stärke. Honigmann zeigt ihr Leben in knapper, aber eindringlicher Form.
Es ist ein Leben, dass von den Repressionen der Sowjetunion erzählt. Damit wird es auf gewisse Art auch zu einem sehr zeitgenössischen Text.
Es folgen im Buch noch 2 weitere Porträts, aber Mischka ist das wichtigste.
Barbara Honigmann ist nicht umsonst eine vielfach preisgekrönte Autorin.

Veröffentlicht am 19.02.2026

Kleine, feinfühlige Geschichten

Du, hier
0

Kleine, feinfühlige Geschichten um Frauen in verschiedenen Rollen. Man erfährt von ihren Gedanken und Emotionen. Das ist ganz gut gemacht, aber nicht jede Story ist überwältigend.
Es geht viel um den Status ...

Kleine, feinfühlige Geschichten um Frauen in verschiedenen Rollen. Man erfährt von ihren Gedanken und Emotionen. Das ist ganz gut gemacht, aber nicht jede Story ist überwältigend.
Es geht viel um den Status von Beziehungen und der Überlegung, ob Veränderungen notwendig sind. Weibliche Leser werden sich vielleicht in manchen Situationen wiedererkennen, die männlichen Figuren sind hingegen leider überwiegend flach und eindimensional angelegt.
Auffällig die Erzählung „Ein schönes Paar“, da diese aus 10 Kapiteln besteht und so eine Beziehung über einen etwas längeren Zeitpunkt auch mehr in die Tiefe zeigt. Zu meinen favorisierten Stories gehören ansonsten die erste und die Titelgeschichte.