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Veröffentlicht am 25.02.2026

Ein anarchisches Miami voller Irrsinn

Miami Punk
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Miami Punk entführt in ein alternatives Miami, in dem das Meer verschwunden ist und eine Wüste die Küste ersetzt hat. Die Stadt ist durch Klimakatastrophen, Konzernmacht und private Sicherheitsgruppen ...

Miami Punk entführt in ein alternatives Miami, in dem das Meer verschwunden ist und eine Wüste die Küste ersetzt hat. Die Stadt ist durch Klimakatastrophen, Konzernmacht und private Sicherheitsgruppen komplett transformiert. Ein Pizzalieferdienst übernimmt die Überwachung, Chemiekonzerne sponsern Bildung und Unterhaltung und ehemalige Ordnungskräfte wurden durch paramilitärische Wrestling-Teams ersetzt. Zwischen all dem agieren verschiedenste Figuren, allen voran Robin, eine junge Frau, die in der Gaming- und Digitalwelt brilliert und Realität und Computerspiele miteinander verschmilzt.

Juan S. Guse verwebt hier ein dichtes Netz aus Erzählsträngen, Perspektiven, Textformen und Anspielungen, von E-Sport-Turnieren über Glitches bis zu philosophischen Betrachtungen über das digitale Leben. Die Handlung selbst tritt oft hinter das Spiel aus Ideen, Experimenten und sozialen Beobachtungen zurück. Die Protagonistin Robin ist zudem faszinierend. Sie ist überqualifiziert für ihre Umgebung, kämpft mit den absurden Strukturen der Stadt und versucht gleichzeitig, die Leere hinter den Spielen zu überwinden. Wenn man sich auf die Welt von Miami Punk einlässt, erlebt man einen wilden Mix aus Cyberpunk, Postapokalypse, Gesellschaftskritik und absurdem Humor. Der Roman ist aber anspruchsvoll, mitunter sperrig, verlangt Aufmerksamkeit und Durchhaltevermögen. Er belohnt seine Leser aber auch mit originellen Perspektiven, einer dichten Atmosphäre und einem einzigartigen, experimentellen Stil.

Ein anarchisches, dichtes und ideenreiches Buch, wenn man Lust auf experimentellen Cyberpunk, digitale Realitäten und gesellschaftliche Satire hat. Miami Punk ist nicht leicht zugänglich, dafür aber extrem originell, herausfordernd und unterhaltsam auf eine sehr eigene Art.

Veröffentlicht am 25.02.2026

Zwischen Lavendelfeldern und Lichterglanz

The French Escape - Love & Lavender, Band 1
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Mit The French Escape beginnt Sarah Fleury eine glamouröse Romance-Reihe vor der traumhaften Kulisse Südfrankreichs. Im ersten Band treffen direkt zwei Welten aufeinander, wenn sich Amber, gefeierter Hollywoodstar, ...

Mit The French Escape beginnt Sarah Fleury eine glamouröse Romance-Reihe vor der traumhaften Kulisse Südfrankreichs. Im ersten Band treffen direkt zwei Welten aufeinander, wenn sich Amber, gefeierter Hollywoodstar, und Timothée, Erbe einer traditionsreichen Parfümdynastie, treffen. Während der Filmfestspiele in Cannes kreuzen sich ihre Wege und aus einem zunächst strategischen Deal entwickelt sich eine Verbindung, die weit über das Scheinwerferlicht hinausgeht.

Die Côte d’Azur wird im Roman mit viel Sinn für Details beschrieben, denn wir erleben Sonne auf der Haut, den Duft von Blüten in der Luft und das Glitzern des Meeres. Der französische Flair ist auf nahezu jeder Seite spürbar und verleiht der Geschichte eine schöne sommerliche Leichtigkeit. Der flüssige, warme Schreibstil sorgt dafür, dass sich die Kapitel rasch lesen lassen. Durch die wechselnden Perspektiven erhält man zudem intensive Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt beider Hauptfiguren. Amber und Timothée sind vielschichtig angelegt. Hinter Ruhm, Luxus und gesellschaftlichem Druck verbergen sich Zweifel, Ängste und persönliche Herausforderungen. Ihre Entwicklung im Verlauf der Geschichte wirkt nachvollziehbar und emotional stimmig. Gut gelungen sind auch die ruhigen, intimen Momente, in denen beide beginnen, sich selbst und einander ehrlicher zu begegnen. Die Mischung aus romantischer Spannung, leisen Zwischentönen und vereinzelten überraschenden Wendungen hält das Interesse dabei konstant aufrecht. Das Thema Parfüm und Duftkunst nimmt aber weniger Raum nimmt ein, als durch als erwartet. Statt einer intensiven Auseinandersetzung mit der Welt der Düfte rücken Glamour, Öffentlichkeit und High-Society-Dynamiken stärker in den Fokus.

Ein gefühlvoller, atmosphärischer Reihenauftakt mit sommerlichem Flair, luxuriösem Setting und sensibler Figurenentwicklung und gut geeignet, wenn man sich nach Sonne, Lavendelduft und einer Geschichte über Selbstfindung und Liebe sehnt.

Veröffentlicht am 25.02.2026

Wenn Geheimnisse zum Einsatz werden

Spiel des Lügners
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Mit Spiel des Lügners eröffnet Jessica S. Olson eine düstere Romantasy-Dilogie voller Intrigen, Magie und gefährlicher Wahrheiten. Im Zentrum steht die 19-jährige Lola St. James, die im legendären Casino ...

Mit Spiel des Lügners eröffnet Jessica S. Olson eine düstere Romantasy-Dilogie voller Intrigen, Magie und gefährlicher Wahrheiten. Im Zentrum steht die 19-jährige Lola St. James, die im legendären Casino des Lügners an einem besonderen Würfelturnier teilnimmt. Doch hier wird nicht um Geld gespielt, sondern um das eigene dunkelste Geheimnis. Für Lola steht dabei weit mehr auf dem Spiel als nur der Sieg: Als totgeglaubte Tochter eines Gangsters riskiert sie ihre Tarnung, ihr Leben und ihr Herz.

Das Setting ist ohne Frage eines der großen Highlights des Romans. Ein magisches Casino im Stil der 1920er Jahre, ein Turnier mit tödlichen Konsequenzen und ein Würfel, der Lügen unwiderruflich wahr machen kann. Diese Mischung sorgt für eine intensive Atmosphäre und konstant hohe Spannung. Das psychologische Kräftemessen zwischen Lola und dem geheimnisvollen Casinobesitzer Nic entfaltet dabei eine besonders starke Dynamik. Die wechselnden Perspektiven vertiefen den Einblick in ihre Motive und verstärken das Knistern zwischen Misstrauen und Anziehung. Auch die moralischen Grauzonen sind reizvoll gestaltet. Loyalität, Manipulation und Macht verschieben sich im Verlauf der Handlung immer wieder, sodass lange unklar bleibt, wem wirklich zu trauen ist. Die romantische Komponente fügt sich zudem stimmig ein und man bekommt eine spürbare, aber spicefreie Liebesgeschichte zwischen Hass, Faszination und verbotener Nähe, die besonders in der zweiten Hälfte an Intensität gewinnt. Weniger überzeugend wirkt jedoch stellenweise das Worldbuilding. Begriffe und Hintergründe zu Göttern, Gruppierungen und magischen Regeln bleiben teilweise vage, was gelegentlich für Verwirrung sorgt. Auch einige Figuren erscheinen nicht durchgehend so vielschichtig, wie es das komplexe Setting vermuten ließe. Manche Entwicklungen lassen sich zudem erahnen, auch wenn das dem Unterhaltungswert kaum schadet.

Ein spannender, origineller Auftakt mit starkem Setting, psychologischer Spannung und romantischem Prickeln. Trotz kleiner Schwächen im Weltenbau bietet der Roman packende Unterhaltung und ein reizvolles Spiel zwischen Wahrheit und Lüge.

Veröffentlicht am 25.02.2026

Magie im Tal der Könige

Im Zeichen der Kobra
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Mit Im Zeichen der Kobra - Der Raub der Totenmaske startet Fabian Lenk eine abenteuerliche Kinderbuchreihe, die Geschichte und Fantasie sehr schön miteinander verbindet. Gemeinsam mit Illustrator Thilo ...

Mit Im Zeichen der Kobra - Der Raub der Totenmaske startet Fabian Lenk eine abenteuerliche Kinderbuchreihe, die Geschichte und Fantasie sehr schön miteinander verbindet. Gemeinsam mit Illustrator Thilo Krapp entführt er seine jungen Leser nach Ägypten, wo die Zwillinge Yana und Yamon mit ihrer Schwester Anouk und ihrem Onkel Professor Klawitter eine spektakuläre Entdeckung machen. In einer verborgenen Grabkammer stoßen sie auf eine geheimnisvolle Formel, mit der sie sich in heilige Tiere des alten Ägyptens verwandeln können und geraten damit mitten in ein gefährliches Abenteuer rund um einen geplanten Kunstraub.

Die Geschichte nimmt schnell Fahrt auf und kombiniert Archäologie, Magie und Action zu einem temporeichen Mix. Besonders spannend ist dabei die Idee der Tierverwandlung, die dem Abenteuer eine fantasievolle Note verleiht. Gleichzeitig fließen zahlreiche Informationen über das alte Ägypten, das Tal der Könige und das Ägyptische Museum ein. Dadurch entsteht ein spannender Hintergrund mit historischem Flair, der neugierig macht und Wissen vermittelt. Der Schreibstil ist lebendig und gut verständlich, sodass junge Leser leicht in die Handlung eintauchen können. Die schwarz-weißen Illustrationen lockern den Text auf und unterstreichen die Dynamik der Geschichte. Actionreiche Szenen und Verfolgungsjagden sorgen zudem für durchgehende Spannung. Die zahlreichen historischen Begriffe setzen allerdings ein gewisses Vorwissen oder zusätzliche Erklärungen voraus, was den Lesefluss gelegentlich verlangsamen kann.

Ein rasanter Reihenauftakt voller Magie, Geschichte und Abenteuer., der besonders geeignet ist für Kinder, die sich für das alte Ägypten begeistern. Dieser Band bietet eine unterhaltsame Mischung aus Wissensvermittlung und Fantasy und macht neugierig auf eine Fortsetzung.

Veröffentlicht am 25.02.2026

Blutrote Türen, flüsternde Geister und ein Fluch, der nicht ruhen will

The House Saphir
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Mit The House Saphir - Der blutige Schlüssel greift Marissa Meyer das düstere Märchen von Blaubart auf und mit einem verfluchten Anwesen, einem rastlosen Geist und einer jungen Frau mit einer ungewöhnlichen ...

Mit The House Saphir - Der blutige Schlüssel greift Marissa Meyer das düstere Märchen von Blaubart auf und mit einem verfluchten Anwesen, einem rastlosen Geist und einer jungen Frau mit einer ungewöhnlichen Gabe sind die Zutaten für eine atmosphärische Gothic-Romantasy definitiv vorhanden. Im Mittelpunkt steht Mallory, die zwar keine echte Hexenmagie besitzt, dafür aber Geister sehen kann. Als sie den Auftrag erhält, das Haus Saphir von einem uralten Fluch zu befreien, beginnt ein Spiel aus Täuschung, Vergangenheit und dunkler Magie.

Die Ausgangsidee macht einen sofort neugierig. Eine Neuinterpretation von Blaubart, kombiniert mit Spukhaus-Atmosphäre und einer Protagonistin, die zwischen Betrug und echter übernatürlicher Gabe steht, klingt vielversprechend. Gut gelungen ist auch das Setting. Das alte Anwesen wirkt lebendig, düster und stellenweise herrlich unheimlich. Die Mischung aus Geistern, Fluch, Magie und leichtem Humor sorgt zudem für eine unterhaltsame Grundstimmung. Mallory bringt mit ihrer schlagfertigen, teilweise etwas überstürzten Art Dynamik in die Handlung. Ihre Fähigkeit, Geister zu sehen, ist ein spannender Ansatz, auch wenn ihre Entscheidungen nicht immer nachvollziehbar wirken. Die Nebenfiguren, insbesondere einige der übernatürlichen Gestalten, stechen teilweise stärker hervor als die romantische Komponente der Geschichte. Die Beziehung zwischen Mallory und Armand entwickelt sich solide, bleibt emotional jedoch etwas auf Distanz. Die Handlung selbst bewegt sich größtenteils auf vorhersehbaren Pfaden, gegen Ende zieht die Spannung jedoch spürbar an und liefert ein rundes, zufriedenstellendes Finale ohne übermäßige Cliffhanger. Als Märchenretelling bleibt die Interpretation eher zugänglich als tiefgründig und ist vor allem atmosphärisch stark.

Eine solide, stimmungsvolle Romantasy mit Gothic-Elementen, die vor allem durch ihr Setting und ihre Grundidee überzeugt. Man wird hier gut unterhalten mit Spukhaus-Vibes, Hexenflair und einer Prise Humor.