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Veröffentlicht am 02.03.2026

Konflikte und Geheimnisse wohin man schaut

Kalt wie die Luft
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Der Roman von Orjan N. Karlsson ist ein spannender Thriller mit einem sehr interessanten Figurenensemble. Da dieser Thriller in Norwegen spielt und von einem norwegischen Autor stammt, kann man ruhigen ...

Der Roman von Orjan N. Karlsson ist ein spannender Thriller mit einem sehr interessanten Figurenensemble. Da dieser Thriller in Norwegen spielt und von einem norwegischen Autor stammt, kann man ruhigen Gewissens von einem Skandinavien-Thriller sprechen.

Die junge Kommissarin Noora erhielt die Versetzung von der Hauptstadt Oslo in die charmante Stadt Bodø, die nördlich des Polarkreises liegt. Diese Entscheidung traf man gegen den Willen des Leiters der Kriminalpolizei, der einen anderen Kandidaten für die Position favorisierte. Dennoch gab es überzeugende Gründe für den Einsatz der Kollegin aus Oslo an diesem Ort.

Doch bevor sich Noora überhaupt einarbeiten und mit den Kollegen bekannt machen kann, geht es mit einem vermissten Mädchen gleich an den ersten Kriminalfall. Die 19-jährige Iselin Hanssen kehrte von ihrer Joggingtour nicht zurück. Parallel dazu wird eine Leiche von einem Mädchen entdeckt welches schon seit fast 30 Jahren vermisst wurde. Kommissar Jakob und seine neue Kollegin Noora stoßen auf den Cold Case zu dieser Leiche. Doch schon jetzt zeichnen sich ähnliche Muster ab, wie bei der verschwundenen Iselin. Doch dann wird auf der nahegelegenen Insel Røst ein weiteres Mädchen vermisst. Bei diesem Mädchen handelt es sich um eine bekannte Influencerin, die die Medien auf sich zieht.

Jakob leitet die Ermittlungsgruppe, hat jedoch auch mit persönlichen Schwierigkeiten zu kämpfen und ist nicht immer ganz konzentriert. Die Situation eskaliert, als die Presse Wind von den verschwundenen Mädchen bekommt und die Öffentlichkeit sowie Zeugen panisch reagieren. Während sie alte Akten durchforsten, stoßen sie auf auffällige Parallelen zwischen den drei Fällen, die sie nicht ignorieren können. Der Druck steigt, und die Uhr tickt, während sie verzweifelt versuchen, die Mädchen lebend zu finden.

Der Autor Orjan N. Karlsson präsentiert in Bezug auf die Figuren ein breites Spektrum und nutzt gängige Figuren, wie man sie aus anderen Thrillern kennt, was für kommende Romane erhebliches Potenzial verspricht. Sei es in Form von Liebesbeziehungen oder familiären Konflikten, stets ergibt sich die Möglichkeit, den Roman mit zusätzlichen spannenden Elementen und Konflikten anzureichern. Das hat mir besonders gut gefallen.

Der Thriller weist eine klare Struktur auf, wobei jedes Kapitel den Namen der Figur trägt, aus deren Perspektive es erzählt wird. Gelegentlich treten Kapitel in einer anderen Schriftart auf, die die Sichtweise des Täters zeigen, jedoch ohne namentliche Kennzeichnung. Trotz dieser Abschnitte, in denen seine Gedanken und Handlungen nachvollzogen werden können, bleibt die Identität des Täters für den Leser gänzlich im Verborgenen.

Die Spannung entfaltet sich auf verschiedenen Ebenen. An erster Stelle steht das persönliche Leben der Protagonistin Noora, die aus bestimmten Gründen die Kriminalpolizei in Oslo verlassen musste. Dies führt zu einem Problem, als sie in die kleine Stadt Bodø versetzt wird. Weder ihre Kollegen noch die Leser erfahren zunächst den Grund für ihre Versetzung.

Zudem besteht eine aufregende Erwartungshaltung hinsichtlich der Lösung der Kriminalfälle. Es handelt sich schließlich um eine erhebliche Anzahl von Verbrechen, die in diesem Thriller behandelt werden. Bei der Aufklärung arbeiten die Mitglieder der Kriminalpolizei sehr eng zusammen, und verschiedene Hinweise bringen sowohl die Protagonisten als auch die Leser auf falsche Fährten.

Im Schluss des Romans wird die zentrale Handlung zwar zufriedenstellend abgeschlossen, sodass sich die Leser entspannt zurücklehnen können, jedoch hat der Autor einen Cliffhanger eingefügt, der möglicherweise auf einen Fortsetzungsroman hindeutet oder in einem solchen weiter behandelt wird. Diese Herangehensweise halte ich für völlig gerechtfertigt. Übrigens wurde der zweite Teil dieser Reihe bereits für den Herbst 2026 von Pendragon angekündigt. Ob da allerdings der Cliffhanger aufgegriffen wird, entzieht sich meiner Kenntnis.

»Kalt wie die Luft« ist ein fesselnder Roman, der die Leser sofort in seinen Bann zieht. Die wundervollen und konfliktreichen Figuren sind so lebendig, dass man sich direkt mit ihnen identifizieren kann. Die parallelen Stränge und falschen Fährten halten die Spannung hoch und sorgen für unerwartete Wendungen. Besonders gefallen haben mir die kurzen Kapitel – perfekt, um immer wieder einen kleinen Cliffhanger zu erleben und schnell weiterlesen zu können. Ein zusätzlicher Pluspunkt sind die Einblicke in die Denkweise des Täters, die dem Leser das Gefühl geben, Teil des Rätsels zu sein. Ein absolutes Muss für alle Krimifans!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2026

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Ethan Cross und sein neuer bodenständiger Ermittler

Racheritual
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Dieser Thriller von Ethan Cross ist der erste Band der Baxter-Kincaide-Reihe. Neben seinem Protagonisten Francis Ackerman, der den Autor in die erste Liga der Beliebtheit in Sachen Thriller bei den Lesern ...

Dieser Thriller von Ethan Cross ist der erste Band der Baxter-Kincaide-Reihe. Neben seinem Protagonisten Francis Ackerman, der den Autor in die erste Liga der Beliebtheit in Sachen Thriller bei den Lesern schoss, wird die neue Reihe um den Privatdetektiv Baxter Kincaide ebenso erfolgreich sein. Dafür sorgt alleine schon dessen Partnerin im Job.

Baxter, genannt Bax, quittierte den Polizeidienst, nachdem bei einem verkorksten Fall von Serienmorden sein Partner Terry fast draufgegangen wäre. Nur losgelöst von der Polizei kann sich der unangepasste Ermittler. der sich gerne Mal eine Line reingezogen hatte, auf die perfiden Spiele der Täter einlassen. Das ist seine Methode, die Täter zur Strecke zu bringen. Seine ehemaligen Kollegen beim San Francisco Police Department wissen das und haben ihn noch nicht vergessen.

So wird Bax regelmäßig als »Berater« engagiert. Das Problem bei diesem neuen Fall ist allerdings, dass es sich immer noch um den alten Fall von vor zehn Jahren handelt. Er hatte damals den Ravenkiller zusammen mit Terry hinter Gitter gebracht. Und jetzt sieht es aus, als würde dieses Monster freigelassen werden.

Das Besondere an dem legendäre Ravenkiller, der vor zehn Jahren geschnappt wurde, ist, dass er sich durch blutige Markenzeichen einen Namen gemacht hatte. Er ritzte seinen grausam zugerichteten Opfern Runen aus der nordischen Mythologie in die Stirn. Ganz klar ein Fall für Baxter Kincaid, der auf Ritualmorde, Serienkiller und die dunkelsten aller Verbrechen spezialisiert ist.

Ethan Cross hat mit dem Protagonisten einen bodenständigen Ermittler geschaffen, der nicht über Superkräfte verfügt und gelegentlich kokst. Seine Liebe gilt Rockmusik und Vinyl-Platten, insbesondere die Erstpressung von „Dark Side Of The Moon“ von Punk Floyd hat es ihm angetan. Aber dazu mehr im Roman.

Doch wenn der erste Protagonist schon keine Superkräfte hat, dann hat er wenigstens eine Partnerin in seiner Detektivfirma Baxter Kincaide International. Corin ist nur ein Meter und fünfzig groß, trägt eine Beinprothese und trainiert regelmäßig mit berühmten Mixed Martial Arts Kämpfern. Ihr sollte sich keiner in den Weg stellen.

Schließlich wird den beiden Detektiven noch eine Spezialagentin vom FBI an die Seite gestellt. Sie ist vom Dienst suspendiert und soll auf Befehl ihres Chefs Baxter eigentlich nur im Auge behalten. Was schief geht und ratzfatz scheint sie zum Team zu gehören. Zwar mit Widerwillen, aber die Situation erlaubt ihr nicht auszubrechen.

Ethan Cross hat in »Racheritual«ein umwerfendes Ermittlerteam aufgestellt, bei dem auch der Humor nicht zu kurz kommt.

Die Szenerie mit den Verschwörungstheoretikers und den Möchtegern-Wikingern schafft zusätzlich ein sehr interessantes Umfeld im Rahmen der Ermittlungen. Zwar spielt sich alles in einem Handlungsstrang ab, aber das heißt ja nicht, dass es keine Wendungen und Überraschungen gibt. Die gibt es zur Genüge bei der Aufklärung und der Jagd der Gegner als auch in der privaten Sphäre, um die Sympathie für die Figuren zu gewinnen.

Nicht nur bei Francis Ackerman junior müssen die Leser den Atem anhalten, denn auch der neue Ermittler Baxter Kincaide und sein Team legen eine rasante Jagd auf einen extrem perfiden Serienkiller hin und ich kann diesen Thriller nur empfehlen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2026

Veröffentlicht am 25.02.2026

Samson und Delilah – ein himmlisches Duo

Rendezvous mit Todesfolge
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Dies ist der erste Band der Krimireihe um die Dales Detectives, die in der faszinierenden Landschaft der Yorkshire Dales spielt. Diese Landschaft ist z.B. auch aus Der Doktor und das leiebe Vieh bekannt, ...

Dies ist der erste Band der Krimireihe um die Dales Detectives, die in der faszinierenden Landschaft der Yorkshire Dales spielt. Diese Landschaft ist z.B. auch aus Der Doktor und das leiebe Vieh bekannt, weshalb der Tierarzt in diesem Roman auch den Spitznamen Herriot erhielt. Julia Chapman ist keine unbekannte Autorin in Deutschland. Als Julia Stagg hat sie die überaus humvorvolle Reihe der Fogas-Chroniken um Monsieur Papon geschrieben, die allerdings in Frankreich spielt.

Samson O’Brien arbeitete bei der Londoner Metropolitan Police undercover in Gangs. Doch dann wurde er von diesem Dienst supendiert. Er kehrt daraufhin in seinen Heimatort Bruncliffe zurück, um dort eine Detektivagentur zu gründen. Eigentlich leuchtet es keinem Menschen ein, dass in diesem ablegenen Nest ein Privatdetektiv seinen Lebensunterhalt bestreiten könnte. Und schon gar nicht Samson O’Brien, der das Dorf vor vierzehn Jahren ohne einen besonderen Hinweis verließ und so manchen Freund und Nachbarn brüskierte.

Deshalb wird er nun auch äußerst argwöhnisch beäugt von den Dorfbewohnern, nicht zuletzt von Delilah Metcalfe! Diese hat eh schon alle Hände voll zu tun, ihre Dating-Agentur am Leben und ihren Hund Tolpuddle unter Kontrolle zu halten. Dabei bestand zwischen Samson und Delilah mal eine unzertrennliche Freundschaft.

Doch das Blatt ändert sich schnell, nachdem Samson den angeblichen Selbstmord eines Einheimischen untersuchen soll und eine Spur ihn direkt zu Delilah führt. Die beiden streitbaren Nachbarn müssen sich notgedrungen zusammentun, um den wahren Mörder zu finden. Doch die Spurenlage ist nicht so klar und deutlich, besonders nachdem weitere „Unfälle“ passieren und die örtliche Polizei schon mal gar nicht an irgendwelche Verbrechen glauben will. Verbrechen stören die Ruhe im Dorf.

Julia Chapman hat ihren Humor behalten und ähnlich der Dorfgeschmeinschaft in Frankreich baut sie in dieser Krimireihe ein unglaubliches Figurenensemble von skurilen Einwohnern auf. Alleine schon die Namen der beiden Protagonisten Samson und Delilah sprechen für sich. Hinzu kommen die Bezeichnungen ihrer beiden Firmen. Jeder besteht auf seine Abkürzung DDA. Das steht für Dales Dating Agency und auch für Dales Detective Agency. Leser dürfen sich auf sehr viel ähnlich feinsinnigen Humor gefasst machen.

Die Spannung in »Rendezvous mit Todesfolge« wird natürlich mit der Verknüpfung der verschiedenen Toten und Unfälle erzeugt. So wie die Protagonisten haben die Leser immer wieder neuen Fährten zu folgen und können rätseln, wer der Täter ist. Unterstützt wird das noch mit einzelnen Kapiteln, in denen ausschließlich der Täter bzw. die Täterin agiert. Natürlich verrät die Autorin aber auch absolut gar nichts in diesen Kapiteln und auch, wenn man als Leser weiß, was der Täter vorhat, hat man keinen Schimmer, wer von den skurillen Dorfbewohnern dahintersteckt.

»Rendezvous mit Todesfolge« ist ein Cosy Crime der feinsten Art. Viele rätselhafte Verbrechen, viel Ratespannung und jede Menge schräge Figuren, die die Leser zuzm Schmunzeln bringen. Zusätzlich erfährt man viel über Yorkshire und seine Landschaft und bekommt vielleicht Lust, statt nach Cornwall mal nach Yorkshire zu reisen. Ich empfehle jeden dieser Romane sehr gerne.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2026

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Die spannenden Geheimnisse von Locksburg warten!

What about the bodies
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Der Kriminalroman von Ken Jaworoski war für mich der absolute Überraschungs-Hammer. Er hat mich überrascht in Sachen Spannung, in Sachen Humor und in Sachen Aufbau der Geschichte. Doch zunächst alles der ...

Der Kriminalroman von Ken Jaworoski war für mich der absolute Überraschungs-Hammer. Er hat mich überrascht in Sachen Spannung, in Sachen Humor und in Sachen Aufbau der Geschichte. Doch zunächst alles der Reihe nach. Eine einfache Kurzbeschreibung lässt sich gar nicht geben. Ich versuche es troitzdem ohne zu spoilern.

Es gibt drei Protagonisten: Carla, Reed und Liz. Alle leben in dem kleinen Örtchen Locksburg, Pennsylvania. Hier gab es einst viel Kohlebergbau, doch mittlerweile sind fast alle Wohnungen leer, die Einwohnerzal nur noch ein Drittel wie damals. Offenbar ein verschlafenes Städchen inmitten der USA.

Carla ist die Mutter von Billy, der mittlerweile am MIT in Computerwissenschaften studiert. Billy stottert. Je stressiger es für ihn wird, umso mehr stottert er. Und es ist stressig für ihn, denn auf seinem Heimatbesuch drängt es ihn, seiner Mutter zu beichten, dass er vor einem Jahr eine weibliche Leiche im Garten vergraben hat.

Reed hingegen ist Autist. Er nimmt alles wörtlich. Meist zu wörtlich. Gerade ist seine Mutter verstorben. Es war ein Unfall. Sein Bruder Greg kümmert sich um diie Beisetzung. Ihm hat Reed aufgetragen, eine selbstgenähte Puppe bei der Mutter mit in den Sarg legen zu lassen. Als Reed in der dritten Klasse war, hatte er sie genäht und der Mutter geschenkt. Die war damals sehr erfreut darüber und wollte die Puppe immer bei sich haben. Reed sollte darauf aufpassen, dass ihr die Puppe nicht abhanden kam. Er hatte es ihr versprochen. Doch sein Bruder Greg sah keinen Sinn darin, die Puppe in den Sarg legen zu lassen. Also musste sich Reed darum kümmern, sein Versprechen der Mutter gegenüber einzuhalten.

Liz ist Mitte Zwanzig und hat nur eines im Sinn: Country- und Folkstar in Nashville zu werden. In verschiedenen Orten hat sie schon gejobt und sich von einem zum nächsten schlecht oder gar nicht bezahlten Gig durchgehangelt. Bestimmt hat sie schon mehr als zwanzig Tapes an Produzenten in Nashville geschickt, aber nie etwas savon gehört. Seit einiger Zeit ist wieder in Locksburg. Da erhält sie den einen Anruf aus Nashville, der ihr ganzes Leben verändern soll. Sie soll in vierzehn Tagen einen Auftritt und Probeaufnahmen in einem Studio haben.

Mehr kann nicht zum Inhalt von »What About The Bodies« gesagt werden, ohne zu spoilern. Ich hoffe, diese kurzen Zitate voller Humor wecken Euern Appetit, denn dieser Roman hat es verdient.

Die drei Geschichten werden jeweils aus der Ich-Perspektive der Hauptfiguren präsentiert. Die Kapitel sind kurz, und die Reihenfolge folgt einem klaren Muster: Carla – Ree – Liz – Carla – Ree – Liz und so weiter. Da die Geschichten anfangs stark variieren, benötigt man eine Weile, um dieses Muster zu erfassen und sich bei den Kapitelwechseln mental auf die jeweilige Erzählung umzustellen. Keine Sorge: Einfach weitermachen. Das klappt schon.

Erst nach der ersten Hälfte des Romans zeigen sich Hinweise darauf, dass die drei Erzählstränge miteinander verbunden sind. Ein und derselbe Polizist erscheint unerwartet auch in einer der anderen Geschichten. Doch bis zu diesem Punkt gab es bereits zahlreiche Gelegenheiten zum herzlichen Lachen. Ein einfaches Schmunzeln genügte mir nicht mehr. Die Dialoge und Situationen sind so amüsant beschrieben, dass man einfach nicht widerstehen kann.

Ken Jaworoski ist es in »What About The Bodies« gelungen, die Figuren auf faszinierende Weise zu gestalten. Die kleinen Eigenheiten von Billy und Reed bieten ihm zahlreiche Möglichkeiten und Freiräume. Besonders beeindruckend ist, wie authentisch die Figuren wirken. Ihre Entwicklungen sind nachvollziehbar und fesseln die Leser bis zur letzten Seite. Die Verbindung der Erzählstränge entfaltet sich geschickt und hält die Spannung bis zum Schluss. Jaworoski versteht es meisterhaft, Humor und Drama miteinander zu verweben, sodass »What About The Bodies« nie an Intensität verliert.

Die Spannung für die Leser resultiert aus dem Geschehen in den einzelnen Geschichten. Schnell ist man auf der Seite dieser Protagonisten und bedauert ihr Leben. Keiner lebt auf großem Fuß, sie haben Probleme noch und nöcher und man wünscht ihnen nur, dass alles gut ausgehen wird. Und natürlich wartet man bereits in der ersten Hälfte darauf, dass die Stränge zusammenlaufen. Damit kann man den Roman nicht einfach loslassen.

Wird das alles gut enden? Überzeugt euch selbst von »What About The Bodies« und lasst euch überraschen. Ein echtes Highlight in diesem Jahr!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2026

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Technik trifft Psychothriller

Das Signal
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Dieser Roman von Ursula Poznanski ist ein fesselnder Technologiethriller, der Elemente des Psychothrillers kombiniert. Die Geschichte dreht sich um ein altes Gebäude, eine Frau mit einer Behinderung und ...

Dieser Roman von Ursula Poznanski ist ein fesselnder Technologiethriller, der Elemente des Psychothrillers kombiniert. Die Geschichte dreht sich um ein altes Gebäude, eine Frau mit einer Behinderung und ein digitales Spiel, das die Grenzen zwischen Realität und Wahn verschwimmen lässt.

Bei einem Unfall im noch nicht fertiggestellten Weinkeller erleidet die junge Innenarchitektin Viola Decker den Verlust eines Beins. Ihre Realität besteht nun ausschließlich aus Herausforderungen. Ihr Ehemann Adam verspricht, sich um alles zu kümmern und sämtliche Hindernisse aus ihrem Leben zu entfernen. Auf den ersten Blick scheint er dieses Versprechen rührend zu erfüllen. Doch beim barrierefreien Umbau ihres abgelegenen, alten Hauses zeigt er sich nicht besonders eilig. Zudem ist sein übertriebenes Kümmern eher belastend für Viola, da sie buchstäblich im Erdgeschoss gefangen ist, immer in der Gesellschaft einer schweigsamen Pflegerin, die sie ständig überwacht. Viola hat das Gefühl, in einem Gefängnis zu leben. Ihre Isolation wird immer deutlicher.

Und immer wieder verschwinden wichtige Dinge aus Violas Reichweite – Rollstuhl, Krücken, Computer. Sie kommt auf die Idee, die Geräte mit winzigen GPS-Trackern auszustatten, um nicht lange danach suchen zu müssen. Aber nicht nur die Gräte. Als Adams Verhalten sich zu verändern beginnt und er immer häufiger spät nach Hause kommt, beginnt sie heimlich, auch ihn zu tracken, und entdeckt schon bald beunruhigende Muster. Offensichtlich belügt er sie über seinen Tagesablauf – und nicht nur er. Warum? Mit jedem Tag und jeder Lüge wächst in Viola ein furchtbarer Verdacht und sie beschließt, dem Verhalten ihres Mannes etwas entgegenzusetzen.

Ursula Poznanski hat einen ganz perfiden, um so spannenderen Psychothriller geschrieben, der voller Überraschungen und schließlich auch Wendungen strotzt. Die im Roman zum Einsatz gelangende Technikl sollte so manchen Leser ins Grübeln bringen, wenn er es nicht schon längst gemacht hat. Die Technik und ihre Funktionsweise ist faszinierend. Die Rückschlüsse, die die Protagonistin daraus zieht sind immer wieder einleuchtend und plausibel.

Davon abgesehen, dass man als Leser gespannt sein darf, wie die ganze Situation am Ende gelöst wird, ist es auch interessantz zu erleben, wie die Protagonistin mit ihrem fehlenden Bein umgeht und wie sie auch mit dieser Situation umgeht.

Das Figurenportfolio ist so angelegt, dass man als Leser ganz klar gut und böse voneiner unterscheiden kann und nach wenigen Seiten weiß – oder der Meinung ist zu wissen – für wen man Sympathie und für wen Abneigung hegen soll. Meine Lieblungsfigur bei allem ist allerdings Benno, der Sohn der Nachbarn. Ihr dürft euch auf die Begenung mit ihm freuen.

„Das Signal“ von Ursula Poznanski ist ein fesselnder Psychothriller, der moderne Technik geschickt einsetzt, um die Spannung zu steigern und an Hitchcock zu erinnern. Die Charaktere sind klar in gut und böse unterteilt, jedoch mit überraschenden Wendungen, die die Geschichte lebendig halten. Besonders beeindruckend sind die Geheimnisse, die nicht nur von den Bösewichten ausgehen, sondern auch die liebenswerten Figuren betreffen. Die kurzen Kapitel von 4 bis 5 Seiten sorgen für einen schnellen Lesefluss und erhöhen die Spannung.

Das Buch ist äußerst unterhaltsam und empfehlenswert für Leser, die psychologische Thriller und technische Raffinesse schätzen. Allerdings hatte ich manchmal das Gefühl, dass Hinweise auf Wendungen zu deutlich erschienen, was die Überraschung etwas mindern kann.

Insgesamt ist „Das Signal“ jedoch ein gelungenes Werk, das sowohl Technikliebhaber als auch Thriller-Fans begeistern wird.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2026

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