Profilbild von Tamagotchi

Tamagotchi

Lesejury Star
offline

Tamagotchi ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Tamagotchi über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.02.2026

Wenn die Vergangenheit die Gegenwart erreicht

Ungelöst – Die erste Zeugin
0

Luisa Menkhoff ist als 5-jährige entführt worden, wobei diese Tat ein gutes Ende nahm. Mittlerweile ist Luisa erwachsen und Medizinstudentin. Sie staunt nicht schlecht, als sie eines Tages eine Vermisstenmeldung ...

Luisa Menkhoff ist als 5-jährige entführt worden, wobei diese Tat ein gutes Ende nahm. Mittlerweile ist Luisa erwachsen und Medizinstudentin. Sie staunt nicht schlecht, als sie eines Tages eine Vermisstenmeldung in der Nähe der Universität entdeckt, womit eine Frau gesucht wird, die damals die Lebensgefährtin ihres Entführers war. Sie zögert nicht lange und will mehr erfahren, wendet sich schließlich an die Polizei.
Zeitgleich übernimmt Hauptkommissar Brunner von der Münchener Kripo ein neues Amt, er baut eine Cold-Case-Abteilung auf. Aber zuvor wird ihm der Vermisstenfall übertragen, wobei Luisa als Insiderin ihn unterstützt, denn sie hat ein eidetisches Gedächtnis und kann sich damit in Situationen versetzen, die lange zurückliegen. Die Situation spitzt sich weiter zu, als ein kleines Mädchen verschwindet und Parallelen zum damaligen Entführungsfall auftauche,
Dies ist der Auftakt einer neuen vielversprechenden Cold Case Reihe des Autors. Zunächst fand ich das Buch nicht sonderlich spannend, aber interessant. Es wurde dann aber zur Mitte hin deutlich spannender, besonders durch die eingeschobenen Rückblicke und die plötzlichen Wendungen. Ich denke, das erste Drittel des Buches dient einfach dazu, die Protagonisten und den Sachverhalt kennenzulernen, um sich hinein zu denken in das Geschehen. Dann jedoch nimmt das Buch deutlich an Fahrt auf, so dass ich mir dann schwer fiel, eine Pause einzulegen. Die Kapitel sind kurz, so dass man dann schnell noch ein Kapitel liest, und dann noch eins....usw.
Der Schreibstil des Autors ist wie immer intensiv, klar und bildhaft. Es entstehen schnell Bilder im Kopf, die einen durch das ganze Buch begleiten. Die Emotionen werden atmosphärisch beschrieben, so spürt man z.B. die Angst und die Unsicherheit, nicht nur der Opfer, sondern auch der Ermittler, die immer mehr unter Druck geraten.
Die beiden Ermittler Brunner und Grohmann sind mir sympathisch, auch wenn Grohmann zunächst als etwas unzuverlässig und unbeliebt gezeichnet wird. Aber ich finde die beiden sind ein gutes Team, und auch Tewes, der erst später dazukommt, imponiert mir mit seiner akribischen Arbeitsweise. Dass Luisa nun ständiger 'Gast' in dieser Reihe sein soll, erscheint mir irgendwie nicht nachvollziehbar. Denn in dieser Story hat ihr eidetisches Gedächtnis tatsächlich zur Lösung beigetragen, aber dies war ja auch ihrer eigenen Betroffenheit zuzuordnen. Ich frage mich, wie sie in anderen Fällen helfen kann, aber da lasse ich mich gern positiv überraschen. Aber bitte keine Love Story zwischen Ramin und Luisa!
Alles in allem hat mir das Buch gefallen, auch wenn die Spannung nicht überall zugegen war. Aber letztendlich wurden alle entstehenden Fragen geklärt, teilweise jedoch etwas unrealistisch. Trotzdem möchte ich eine Buchempfehlung aussprechen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.02.2026

Nichts ist so, wie es scheint

Die Housesitterin – Ein Traum von einem Job. Oder?
0

Cecilia verdient sich ihren Lebensunterhalt seit dem Tod ihrer Mutter mit Housesitting, und sie genießt es, sich dort in andere Lebensverhältnisse einzufühlen. Besonders liebt sie die Häuser der Familie ...

Cecilia verdient sich ihren Lebensunterhalt seit dem Tod ihrer Mutter mit Housesitting, und sie genießt es, sich dort in andere Lebensverhältnisse einzufühlen. Besonders liebt sie die Häuser der Familie Waldner, denn diese gut situierte Familie hat jeden Luxus, den sie sich wünscht. Hier darf sie sogar ihre Freunde einladen, wenn sie sich einsam fühlt.
Aktuell wird sie auf einer kleinen Insel in der Ostsee abgesetzt, wo die Waldners eine Villa haben. Dort wird sie aber nicht lange allein bleiben, da auch Johannes Walter nachkommen wird, mit dem sie eine magische Liaison aufgebaut hat. Als ihm jedoch etwas dazwischenkommt, lädt sie ihre besten Freunde ein, ihr Gesellschaft zu leisten. Und damit beginnt ein perfides Spiel, das irgendwann außer Kontrolle gerät....
Gleich zu Beginn ist das Spannungslevel sehr hoch, denn im Prolog wird im Pool ein Toter gefunden, dessen Identität nicht bekannt wird . Man rätselt die ganze Zeit, wer dieses Opfer war, aber erst gegen Ende erfolgt die Lösung. Überhaupt rätselt man in diesem Thriller viel, denn es gibt immer wieder Überraschungen sowie Wendungen. Eine Spur verläuft im Sande, während sich eine neue auftut. Das Miträtseln gefällt mir sehr, und ich hatte hier viele Anlässe dazu.
Der Schreibstil ist flüssig und liest sich angenehm. Nur die Wortwahl könnte an einzelnen Stellen etwas gehobener sein (immer diese F-Wörter!). Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, was ich sehr gerne mag.
Auch gut gefallen hat mir die Beschreibung der Dynamik in der kleinen Gruppe, nachdem Cecilias Freunde mit Johannes zusammentreffen. Man kann die Anspannung und die Feindseligkeit deutlich spüren bzw. herauslesen. Da ist kein einziger, den man sympathisch findet, alle werden getrieben von Egoismus und Hinterhältigkeit.
Es ergeben sich immer wieder neue Fragen, und bis zum Ende werden die meisten auch beantwortet, zumindest die wichtigsten.
Weniger gut gefallen hat mir, dass vieles glatt läuft, wo man als gewöhnlicher Mensch Schwierigkeiten erwarten würde, wenn nicht sogar Versagen.Diese doch recht zahlreichen Stellen lassen die Handlung irgendwie unrealistisch erscheinen.
Aber auf jeden Fall war das Ende super spannend und nicht vorhersehbar, im Gegensatz zu anderen Geschehnissen in diesem Buch.
Alles in allem hatte ich eine spannende Lesezeit und kann das Buch empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.01.2026

Hochspannend, teilweise ausgesprochen brutal

Rostiges Grab
0

Dies ist der 3. Band der Reihe 'Leo Asker'. Obwohl ich die ersten beiden Bände nicht gelesen habe, konnte ich mich gut einfinden und das Lesen genießen.
Inhaltlich geht es um einen ungelösten Cold Case, ...

Dies ist der 3. Band der Reihe 'Leo Asker'. Obwohl ich die ersten beiden Bände nicht gelesen habe, konnte ich mich gut einfinden und das Lesen genießen.
Inhaltlich geht es um einen ungelösten Cold Case, denn Jahre zuvor wurde die Leiche einer jungen Frau entdeckt, brutal getötet, deren Ehemann schnell unter Verdacht gerät, aber seitdem verschwunden ist. Man vermutet, dass er sich im Rostskogen versteckt hält, einem großen Wald- und Sumpfgebiet, in dem früher Torf abgebaut wurde. Dort steht auch noch die alte Torffabrik, mittlerweile ein Lost Place und abgeriegelt. Eines Tages jedoch erhält ein junges YouTuber-Paar einen Schlüssel zugeschickt mit den Koordinaten der alten Fabrik und hofft auf außergewöhnliches Filmmaterial. Dort treffen sie auf eine verwirrt wirkende Frau, die ihnen mit geheimnisvollen Kommentaren einen Finger übergibt, der sich als Ringfinger der getöteten Frau herausstellt. Leo Asker zögert zunächst, weil eine Beförderung für sie ansteht, aber dann übernimmt die Kommissarin des 'Dezernats für Verlorene Seelen' der Polizei in Malmö mit ihren Leuten den Fall.
Leo ist eine taffe junge Frau, die in ihrer Kindheit und Jugend gelernt hat, sich zu verteidgen, koste es, was es wolle. Sie hat etwas von einer 'Wonderwoman', mit Superkräften, befreundet sein möchte ich mit ihr nicht. So nimmt sie es auch mit schwierigen Gegnern auf, die in Überzahl erscheinen und trotzdem vor ihr kapitulieren müssen. Das gönnt man ihr zwar, aber bisweilen erscheinen diese Szenen etwas unrealistisch. Ich weiß nicht mehr, wie viele gebrochene Nasenbeine im Buch vorkommen....Aber sie ist ein aufrichtiger Charakter, der für seine Prinzipien steht und sich nicht davon abbringen lässt.
Diese 'Nahkampfszenen' sind teilweise sehr brutal, aber noch viel schlimmer sind ein paar Seiten mit Tierquälerei, die in mir ein fürchterliches Grauen ausgelöst haben. Ich möchte nicht näher darauf eingehen, aber man sollte darauf gefasst sein.
Auch die anderen Protagonisten finden nicht meine uneingeschränkte Sympathie, da sie entweder total korrupt sind oder irgendetwas verheimlichen oder vertuschen wollen.
Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven und auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt, so dass man peu à peu immer mehr erfährt und sich ein Gesamtbild erstellen kann. Das Ganze wird begleitet von einer bedrohlichen Atmosphäre, die sich beständig hält.
Der Schreibstil ist flüssig, abwechslungsreich und konnte mich bis zum Ende fesseln, denn der Autor Anders de la Motte versteht es, Spannung aufzubauen und diese auch logisch zu steigern bis zu der Auflösung und einem rasanten Showdown. Immer wieder schiebt er neue Spannungselemente ein, so dass man das Buch nicht weglegen möchte. Immer wenn ich eine Pause einlegen wollte, habe ich zunächst in das neue Kapitel hineingelesen....
Das Cover ist übrigens beeindruckend gestaltet, der Titel in rostähnlicher Prägung und darunter ein präparierter Totengräberkäfer, der im Buch auch eine Rolle spielt. Die Grundfarbe ist natürlich schwarz.
Ich habe das Buch gern gelesen (bis auf die Tierquäler Szenen) und möchte es jedem empfehlen, der nervenaufreibende Thriller mag.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.11.2025

Ambivalenz in Leben und Gedanken

Dius
0

Diese Ambivalenz zeichnet beide Hauptprotagonisten in diesem Buch aus und durchzieht auch ihre Freundschaft.
Diese Freundschaft ist ungewöhnlich, denn sie besteht zwischen einem Kunststudenten und seinem ...

Diese Ambivalenz zeichnet beide Hauptprotagonisten in diesem Buch aus und durchzieht auch ihre Freundschaft.
Diese Freundschaft ist ungewöhnlich, denn sie besteht zwischen einem Kunststudenten und seinem Dozenten und zwar auf Betreiben des Studenten hin. Egidius de Blaeser, genannt Dius, steht eines Tages vor der Tür seines Dozenten Anton und wirbt um seine Freundschaft. Er lockt ihn, indem er ihm einen großartigen Arbeitsplatz anbietet, um seine Dissertation zu schreiben. Er bietet ihm ein atmosphärisches Plätzchen nahe einem Gutshaus, im sogenannten Dorfhaus, abgeschieden, ruhig und umgeben von viel Natur.
Der Leser erlebt die Geschichte aus Antons Perspektive, der sich über seine Bereitschaft, auf Dius Vorschlag einzugehen, selber wundert. Aber wider Erwarten ist er sehr angetan von dem neuen Arbeitsplatz und auch von den nun folgenden häufigen Kontakten zu Dius. Die beiden Männer verbringen viel Zeit miteinander und führen tiefgehende Gespräche, wobei das Hauptthema die Kunst ist. Wen wundert das?
Verschiedene Themenbereiche der Kunst werden dann auch intensiv in diesem Buch behandelt. Dies ist mit Sicherheit sehr spannend für Leser, die sich dafür interessieren. Ich fand diese Seiten recht langatmig und habe sie meist nur überflogen, weil ich teilweise überhaupt keinen Zugang dazu habe. Es zeigte jedoch die enge Verbundenheit zwischen Anton und Dius in ihren Gedanken und Wertschätzungen. Mein großer Respekt geht hier an den Autor, der diese Ausführungen sehr detailreich gestaltet.
Der Schreibstil insgesamt ist intensiv und anschaulich. Manche Sätze musste ich mehrmals lesen, um ihren Sinn zu ergründen.
Diese Freundschaft zwischen den Männern hat viele Facetten, erstreckt sich von vollem Vertrauen bis hin zu bitterer Enttäuschung. Sie ist aber stärker als beider Verbindung zu ihren Lebenspartnerinnen. Man gewinnt den Eindruck, dass nur die Männerfreundschaft Bestand hat.
Überzeugend finde ich die Verbundenheit der Männer mit der Natur. Sie erleben tief betroffen aus nächster Nähe, wie und wofür ein Stück heile Natur zerstört wird. Ebenso sind die Beschreibungen der Natur im Polderdorf detailliert und atmosphärisch.
Alles in allem ein Buch mit Tiefgang, das den Leser animiert, über eigene Freundschaften nachzudenken.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.10.2025

Was ist damals passiert?

Mörderische Brise - Der Tote am Sandstrand
4

Das ist die Frage, die sich durch dieses Buch zieht, von Anfang an bis zur Aufklärung am Schluss. Damals ist nämlich eine junge Frau aus Hannahs Clique bei einem Bootsunglück ums Leben gekommen. Dieses ...

Das ist die Frage, die sich durch dieses Buch zieht, von Anfang an bis zur Aufklärung am Schluss. Damals ist nämlich eine junge Frau aus Hannahs Clique bei einem Bootsunglück ums Leben gekommen. Dieses Unglück ist noch bei vielen Bewohnern von Ostersande in trauriger Erinnerung, auch nach über 20 Jahren.
Hannah Bülow zieht nach dem plötzlichen Unfalltod ihres Mannes zurück in ihr Heimatdorf an der Ostsee. Sie war Kommissarin in Münster, möchte aber nun einen Neustart, zumal ihre Töchter erwachsen sind und nicht mehr bei ihr leben. Sie hat durch Vermittlung ihrer Freundin Constanze eine Stelle in der örtlichen Polizeidirektion bekommen. Zunächst zieht sie mit Tobby, ihrem Hund, zu ihrem Vater, der etwas Unterstützung brauchen kann.
Nach einem spannenden und ergreifendem Prolog, in dem eine Frau ihren Suizid auf einem Boot angeht, senkt sich das Spannungslevel enorm ab, denn nun wird auf ca. 80 Seiten das Dorfleben in Ostersanden beschrieben und man wird sehr detailliert mit den Protagonisten bekannt gemacht. Das fand ich recht langatmig, denn da ist vieles redundant und man hat ja schließlich einen Krimi lesen wollen. Aber dann steigt die Spannung wieder an, und man kann endlich miträtseln, was bis zum Schluss anhält, denn es gibt immer wieder Überraschungen und plötzliche Wendungen.
Nach und nach erschließen sich dem Leser Details aus der Vergangenheit, die bei den damaligen Ermittlungen nicht bekannt waren. Dabei bleibt die Spannung bis zur Auflösung am Ende komplett erhalten, da die Rückblicke stets zu neuen Theorien anregen, aber nie zu viel verraten. Das finde ich gelungen.
Der Schreibstil ist flüssig und liest sich angenehm. Alles wird sehr detailliert dargestellt, so dass man im Kopf Bilder von Personen und Situationen hat. Allerdings sind dann auch manchmal Umstände beschrieben, die eher unwichtig erscheinen, z.B. wie viele Fischbrötchen welcher Art die einzelnen Personen essen. Das sind Seitenfüller, die ich unwichtig finde.
Die Charaktere sind überwiegend sympathisch. Am besten gefallen mir Kommissar Grewe, seine Assistentin Mara und der Psychologe Fleming. Hannah ist mir zu dominant, sowohl im privaten Umfeld als auch in der Polizeistelle. Sie ist mutig, hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, erscheint mir aber zu perfekt.
Sehr unrealistisch finde ich die enge und andauernde Zusammenarbeit zwischen Hannah und der Kriminalpolizei. Oft sind sie zu dritt unterwegs, was wohl im wahren Leben nicht denkbar wäre. Und es gibt auch noch andere Begebenheiten, die man unter dichterischer Freiheit verbuchen sollte.
Alles in allem hat mir die Krimihandlung in diesem Buch gut gefallen, als sie dann so richtig in Schwung kam, und ich kann das Buch jedem empfehlen, der leichte Kriminalliteratur bevorzugt, die zum Miträtseln einlädt.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung