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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.03.2026

Ein kleines literarisches Kunstwerk

Wir Töchter
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Wenn man erst die Autorin trifft und sie einen auf Anhieb sooo sympathisch ist und erst danach den Roman liest, der auch noch ihr Debüt ist, dann sind die Erwartungen ziemlich hoch.

So ging es mir mit ...

Wenn man erst die Autorin trifft und sie einen auf Anhieb sooo sympathisch ist und erst danach den Roman liest, der auch noch ihr Debüt ist, dann sind die Erwartungen ziemlich hoch.

So ging es mir mit Oliwia Hälterlein, die in Rahmen einer C.H. Beck Programmvorschau ihr neues Buch bzw. ihren ersten Roman vorgestellt hat. Dass sie nicht zum ersten Mal schreibt, merkt man bereits auf den ersten Seiten. Das ist hohe Qualität (sage ich als Lesende. Nicht als Literaturexpertin).
So gar nicht sanft. Landen wir direkt in einer harten Realität als Frau. Nämliche in der, wenn gesundheitlich eben nicht alles stimmt und ein Stück des Frauseins operativ entfernt werden muss. Was tut Frau/Tochter danach? Sie fährt zu ihrer Mutter.

Und Srück für Stück lernen wir über die Mütter bzw. die Großmütter. Die Töchter kennen. Leben zwischen Anpassung und Aufbegehren, mit Aufbrüchen und Neusnfängen. Mir gefällt, dass die Frauen hier ganz viel Raum bekommen. Ich musste zwar manchmal etwas zurückblättern und mir zu vergegenwärtigen in welcher Zeit ich mich beim Lesen befinde und ich habe auch etwas gebraucht. Im in die Geschichte zu finden, aber Oliwia Hälterlein schafft es, dass ich dran bleiben will.

Spätestens ab dem Zeitpunkt des Aussiedelns aus Polen nach (West) Deutschland war ich vollkommen drin. So authentisch wird das Leben beschrieben, auch die Suche der jüngsten Tochter nach ihren eigenen Werten und dem Auseinandersetzen mit den verschiedenen Generationen fand ich so spannend zu lesen. Beim Lesen musste ich oft innehalten und mich fragen, welche transgenerationale Traumata wohl in meiner Familie noch nicht aufgearbeitet wurden. Die turbulenten Leben von Mama und Omi bieten da so einiges an Zündstoff.

Oliwia Hälterlein ist ein kluges, feministisches Buch gelungen, dass einerseits nüchtern und sachlich ist, aber dann doch auch wieder mitten ins Herz trifft. Einen großen Anteil daran, haben die lyrischen Durchbrechungen, die sich durch den Roman ziehen.
Sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 03.03.2026

Stand by me in Neufundland

Sommer auf Perigo Island
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Mit Büchern dorthin reisen, wo ich noch nie war, ist einer der Dinge, die mich am Lesen faszinieren und wenn es dann eine so rauhschöne Landschaft, wie die Neufundlands ist, verliebe ich mich sofort.

So ...

Mit Büchern dorthin reisen, wo ich noch nie war, ist einer der Dinge, die mich am Lesen faszinieren und wenn es dann eine so rauhschöne Landschaft, wie die Neufundlands ist, verliebe ich mich sofort.

So hat mich das Setting von 'Sommer auf Perigo Island' allein schon in seinen Bann gezogen. Da konnte bei diesem Jugend- oder Coming-of-Age Roman nicht mehr viel schief gehen.
Und das tat es auch nicht. Aus der Perspektive des Jungen Pierce lernen wie die Insel, die örtlichen Gegebenheiten und seine Freunde kennen. Wir lernen etwas über Kabeljauzungen und den Problemen des Fischfangs, der dem stetigen Rückgang der Bestände voraus geht.
Mich hat begeistert wie Autor Perry Chafe das Heranwachsen mit der Entwicklung der Fischerei auf der Insel verknüpft. Als Kind ist alles noch rosig und voller Hoffnung und mit der Älter werden tritt immer mehr die Realität in den Vordergrund.

Spannung wird in dem Buch erzeugt, durch das Verschwinden eines Mädchens und den Geheimnissen um einen alten Mann, der Pierce und seinen Freunden nicht ganz geheuer ist. So vereint die Geschichte vieles, Krimi, Romanze, Klimarealismus und Meeresbiologie.

Beim Lesen hatte ich sehr starke 'Stand by me' Vibes. Wer das Buch (und/oder vor allem den Film) kennt, wir vielleicht ein bisschen nostalgisch, aber wird dieses Buch mögen.

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Highlight 2026

Die Riesinnen
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Die anfängliche Stimmung hätte vermuten lassen können, dass wir uns sehr weit in der Vergangenheit befinden, aber es ist 'nur' das letzte Jahrhundert. Die Sechziger. Da beginnt dieser gut beobachtete Roman, ...

Die anfängliche Stimmung hätte vermuten lassen können, dass wir uns sehr weit in der Vergangenheit befinden, aber es ist 'nur' das letzte Jahrhundert. Die Sechziger. Da beginnt dieser gut beobachtete Roman, der in dem kleinen fiktiven Ort Wittenmoos im Schwarzwald spielt.

Es ist ein generationenumspannender Roman. Der die Leben dreier Frauen beschreibt. Erst Liese, dann ihre Tochter Cora und zuletzt deren Tochter Eva. Ich fand es faszinierend, wie geschickt Hannah Häffner jedes Mal den Übergang zur nächsten Protagonistin schafft. Schleichend und zart wechseln die Perspektiven und wie selbstverständlich bewegen wir uns in den Leben der kommenden Generationen.

Drei Frauen, jede steht für eine ganz eigene Stärke, selbst in ihrem Scheitern. Und selbst wenn die Ferne ruft, ist da immer diese Heimat, die so rauh daher kommt und mit ihren Wäldern doch so viel Verbindung schafft, dass sie wie ein Magnet alle drei Frauen immer wieder zu sich zieht.

Reale Ereignisse werden mit den Biografien der Frauen verwoben. Ich habe das ein oder andere Mal gegoogelt um zu erfahren, was erfunden und was tatsächlich passiert ist.

Jede der drei Frauen in mein Herz geschlossen, habe gejubelt über Befreiungsschläge, habe geweint bei verpassten Chancen. Das Jahr startete mit solch einer tollen Neuerscheinung starten. Das kann nur ein gutes Omen für das Literaturjahr 2026 bedeuten.

Taucht ein, wenn ihr Familiengeschichten mögt, die Kanten haben und bis in die kleinsten Nebenrollen gut gezeichnet sind. Ein wunderbares Buch, dass mich umarmt.

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Veröffentlicht am 07.02.2026

Eine Liebe und ihre Nachwehen in Zeiten des Zypern-Konfliktes

Das Flüstern der Feigenbäume
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Elif Shafak ist dür mich eine Garantie für gut geschriebene und gut recherchierte Romane, daher habe ich mich auch auf dieses Buch sehr gefreut.

Diesmal 'entführt' sie uns nach Zypern. Damit hat sie mich ...

Elif Shafak ist dür mich eine Garantie für gut geschriebene und gut recherchierte Romane, daher habe ich mich auch auf dieses Buch sehr gefreut.

Diesmal 'entführt' sie uns nach Zypern. Damit hat sie mich gleich besonders in Beschlag genommen. Vor 21 Jahren habe ich dort einige Zeit als Reiseleiterin verbracht. Diese Zeit ist bis heute mit vielen besonderen Momenten in meinem Gedächtnis verankert. Wir waren damals im griechischen Teil Zyperns. Die geteilte Stadt Zyperns gehörte für unsere Reisegruppen zum Pflichtprogramm aber die Geschichte wurde nur sehr einseitig und sporadisch vermittelt.

Erst durch dieses Buch ist mir das Ausmaß des Konfliktes wirklich bewusst geworden und ich bedaure es zutiefst, dass ich nicht einmal in meinen privaten Freizeiten den türkischen Teil besucht habe. Das möchte ich irgendwann gern nachholen. Und wer weiß, vielleicht ist es auch Zypern irgendwann möglich aus einer Trennung wieder eine Einheit zu erzielen.

Nun zurück zum Buch. Es ist die Geschichte von Defne und Kostas, die eine Türkin, der anderen Grieche. Schon allein das macht ihre Verbindung eigentlich unmöglich. Sie finden dennoch zueinander. Wenn auch mit Hürden und am Ende auf eine Art, die mich mit Tränen zurückgelassen hat

Elif Shafak verbindet historische Fakten mit fiktiven Elementen, mit ein wenig Mystik und ganz viel Naturwissen. Die verschiedenen Zeit-Ebenen werden teilweise poetisch, teilweise bedrückend klar miteinander verwoben. Rund um Defne und Kostas bildet sich ein Wurzelwerk an Charakteren, die so vielfältig sind und die mich bis ins Tiefste angerührt haben. Da ist Ada, die 16jährige Tochter der beiden, die ihre eigenen biografischen Wunden zu heilen sucht. Da ist Meryem, Defnes Schwester, zwischen Tradition und Schwesternliebe. Da sind Yusuf und Yiorgos, die beiden so wunderbaren Wirte der 'Glücklichen Feige', die fast schon eine eigene Geschichte verdient haben. Und eben jene Feige kommt immer wieder selbst zu Wort. Sie schließt die erzählerischen Lücken und zeigt, wie wir alle, Menschen, Pflanzen, Tiere miteinander verbunden.

Die Schönheit Zyperns hat sich für mich schnell offenbart. Die Wunden blieben im verborgenen. Jetzt ergibt sich in meinem Kopf ein anderes Bild. Ich sehe jetzt den Schmerz der Insel, der Menschen, des ganzen Organismus, den Schmerz, den alle erdulden mussten. Und der dennoch den Reichtum der Insel nicht geschmälert hat und ein gewaltiges Erbe hinterlassen hat.
Dieses Buch ist eine Bereicherung.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Eine packend verwobene Familiengeschichte

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Obwohl die beiden Vorgängerromane bei mir zuhause liegen, ist dies das erste Buch von Alena Schröder, das ich lese. Ihr Schreibstil hat mich sofort begeistert und eingesogen in die Geschichte.

Auf zwei ...

Obwohl die beiden Vorgängerromane bei mir zuhause liegen, ist dies das erste Buch von Alena Schröder, das ich lese. Ihr Schreibstil hat mich sofort begeistert und eingesogen in die Geschichte.

Auf zwei Zeitebenen lernen wir Frauen kennen, die in ihrer jeweiligen Zeit irgendwie zurecht kommen müssen. Das tun sie. Aber es tun sich teilweise Abgründe und Ereignisse auf, die das Leben durcheinanderwirbeln und Entscheidungen verlangen, die herausfordernd sind.

Ab 1945 begleiten wir Marlen, ein junges Mädchen, dass ihre Familie auf tragische Weise verloren hat. Es folgt zwar ein Leben in relativer Sicherheit, aber doch voller Entbehrungen und Geheimnisse. Leser*innen des ersten Romans von Alena Schröder, werden jedoch hinter das Geheimnis des lang gesuchten Gemäldes kommen.

2023 sieht sich Hannah nicht nur mit einem neuen Mitbewohner sondern auch mit einem plötzlich präsenten Vater konfrontiert. Hannah, die in allen Romanen vorkommt, ist wie eine rote Linie. Die Vater-Tochter-Konstellation war für mich sehr vorhersehbar und manchmal etwas klischeebehaftet, aber das tat meinem Lesereiz können Abbruch.

Einige historische Ereignisse werden in Alena Schröders Romanen auch eingeflochten. Hier ist es zum Beispiel der Aufstand in der DDR am 17. Juni 1953. Und es ist nun ein Muss, dass ich mir bei Gelegenheit den 'Schwebenden' im Güstrower Dom anschauen muss.

Ich bin durch das Buch geflogen und was soll ich sagen, ich habe direkt danach mit Teil 2 begonnen. Ich lese die Reihe rückwärts und ich stelle fest, dass ist gut machbar.

Eine Leseempfehlung für dieses wunderbare Buch an alle die Familiengeschichten mit symphatischen aber auch kontroversen Charaktern, kleine Geheimnisse und verschiedene Zeitebenen mögen.

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