Platzhalter für Profilbild

Alesia

Lesejury Star
offline

Alesia ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Alesia über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.03.2026

Fremdes Island

Moosland
0

Elsa kommt im Sommer 1949 in Island an. Der isländische Bauernverband hat junge Frauen aus Deutschland angeworben, um dort mindestens ein Jahr als Landarbeiterinnen oder Haushaltshilfen zu arbeiten. Elsa ...

Elsa kommt im Sommer 1949 in Island an. Der isländische Bauernverband hat junge Frauen aus Deutschland angeworben, um dort mindestens ein Jahr als Landarbeiterinnen oder Haushaltshilfen zu arbeiten. Elsa findet sich nur schwer ein, ist sprachlos und kann die Erwartungen der Familie, die sie aufgenommen hat, kaum erfüllen.

Moosland von Katrin Zipse ist kein leichtes Buch. Man spürt die Sprachlosigkeit der Protagonistin, die schwer auf der Geschichte lastet. Nicht nur die fremde Sprache lässt Elsa verstummen, sondern auch das Kriegstrauma, das sie in sich trägt. Ihre Vergangenheit wird jedoch nur bruchstückhaft beleuchtet. Vielmehr konzentriert sich die Geschichte auf Elsas Gefühl, fremd zu sein. Einen Zugang zu den Figuren habe ich nicht gefunden, vermutlich, weil die Autorin stark auf das Stilmittel des Schweigens setzt. Dialoge sind selten, stattdessen erhält man tiefe Einblicke in Elsas Gedankenwelt. Die harte Arbeit der Familie wird eindrücklich geschildert und auch die Differenzen und Unzulänglichkeiten die Elsa fühlt. Gut gefallen haben mit die eindrücklichen Landschaftsbeschreibungen und der interessante historische Hintergrund, über Frauen die nach Island zogen um den Trümmern und der Armut der Nachkriegszeit in Deutschland zu entfliehen. Insgesamt verläuft die Handlung eher ruhig. Das Buch ist zwar interessant zu lesen, wirkt durch Elsas Perspektive aber stellenweise auch unangenehm. Es bleibt einfach zu viel ungesagt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.03.2026

Resümee einer unglücklichen Ehe

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
0

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen von Christien Brinkgreve ist ein sehr persönlicher, autobiographisch geprägter Roman, in dem die Autorin versucht, ihre Ehe zu analysieren und Teile ihrer Vergangenheit ...

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen von Christien Brinkgreve ist ein sehr persönlicher, autobiographisch geprägter Roman, in dem die Autorin versucht, ihre Ehe zu analysieren und Teile ihrer Vergangenheit aufzuarbeiten. Das Ausmisten des gemeinsamen Hauses nach dem Tod des Ehemannes nimmt sie dazu als Anlass. Nicht alles war schlecht in der Ehe, aber vieles wird durch die Depression des Ehemannes überlagert. Nicht zu Unrecht fragt sich Christien, warum sie A ( der Name des Ehemannes wird lediglich in abgekürzter Form verwendet) nicht verlassen hat. Nach einer Phase der Verliebtheit, in der man vielleicht glaubte, sich gegenseitig heilen zu können, folgte Entfremdung und ein Nebeneinander, statt einem Miteinander. Schon zu Beginn der Beziehung ist klar, dass Christien zu dem etwas älteren A aufblickt und ihn bewundert. Trotz ihrer beruflichen Karriere, bleibt ihr Rollenbild in der Familie klassisch. Sie lässt sich von ihrem Mann klein halten und versucht wenig Raum einzunehmen. Aufgrund ihres Berufes als Soziologin ist dies für mich fast ein Paradoxon. Ab einem gewissen Punkt im Buch, wiederholen sich Christiens Gedanken und Erzählungen. Es ist kein leichtes Buch, weder vom Stil noch inhaltlich. Teilweise muss ich mich doch bemühen, den Reflexionen zu folgen. Gleichzeitig ist die Stimmung teilweise so bedrückend und beklemmend, wie das Haus, das Christien versucht auszumisten. Hineinversetzen konnte und wollte ich mich in diese Familie nicht wirklich. Trotzdem hat das Buch es geschafft, mich nachdenklich zu stimmen, vor allem darüber, wie langjährige Beziehungen nicht verlaufen sollten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.02.2026

Vogelflügel

Starminster - Stadt in den Wolken
0

Die elfjährige Astrid wird schon ihr ganzes Leben lang von ihrer Mutter in einem Gartenschuppen eingesperrt. Selbst ein kurzes Entkommen ist ihr nicht möglich. Eines Tages wird sie jedoch von einer geflügelten ...

Die elfjährige Astrid wird schon ihr ganzes Leben lang von ihrer Mutter in einem Gartenschuppen eingesperrt. Selbst ein kurzes Entkommen ist ihr nicht möglich. Eines Tages wird sie jedoch von einer geflügelten Frau gefunden, die Astrid nach Überlondon bringt. Eine Stadt für Librae, Menschen mit Vogelflügeln. Astrid soll dort unterrichtet werden. Währenddessen verschwinden in London weitere Kinder.

Starminster - Stadt in den Wolken von Megan Hopkins ist der erste Teil einer Fantasy-Reihe für Kinder ab ca. 11 Jahren. Mir hat die Idee der geflügelten Menschen, die in einer geheimnisvollen, für normale Menschen unsichtbaren Stadt über London leben, gut gefallen. Die Geschichte selbst ist auch spannend. Irgendwie habe ich mich mit Astrids Situation unwohl gefühlt. Zuerst hält ihre Mutter sie gefangen, in Überlondon ist sie, bis auf ihre neue Freundin Pent, ziemlich auf sich alleine gestellt. Auch der Antagonist der Geschichte ist leicht zu identifizieren. Insgesamt haben mir harmonische Szenen tatsächlich gefehlt. Trotzdem denke ich, dass die Altersangabe betreffend Schreibstil und Inhalt passend ist.

Fazit: Trotz interessanten Konzept ein eher durchschnittliches Kinderbuch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.02.2026

Mögest du lieben und geliebt werden

Love and be loved
0

Love and be loved von Cleo Wade ist ein 48-seitiges Buch voller kleiner und großer Wünsche zum Selberlesen und Verschenken. Mir gefällt die Idee, ein Buch voller Wünsche zu verschenken, sehr gut, und man ...

Love and be loved von Cleo Wade ist ein 48-seitiges Buch voller kleiner und großer Wünsche zum Selberlesen und Verschenken. Mir gefällt die Idee, ein Buch voller Wünsche zu verschenken, sehr gut, und man spürt die Herzlichkeit der Autorin, die dieses Buch für ihre Töchter geschrieben hat. Gerade die Wünsche auf den ersten und letzten Seiten haben mich berührt. Ein paar andere, wie zum Beispiel "Möge Merkwürdigkeit deine Superkraft sein", würde ich so nicht unbedingt wünschen. Begleitet werden die Wünsche von bunten Zeichnungen wie Biene, Blumen Sterne, Herzen, die kindlich wirken. Jedem Wunsch ist ein entsprechendes Motiv zugeordnet. Auch hier finde ich vieles niedlich und passend, hätte bei dem ein oder anderen Wunsch dennoch etwas anderes gewählt. Ein Zelt als Symbol für Geborgenheit oder eine schiefe Castingbühne für Entschlossenheit trifft für mich den Sinn des Wunsches nicht. Irritiert hat mich auch die Schrift des Textes, da viele Buchstaben ausgemalt sind. Für mich selbst habe ich festgestellt, dass ich dieses Buch , trotz der guten Idee, nicht verschenken würde, da für mich hier einfach zu viel nicht passt.

Fazit: Eine schöne Geschenkbuchidee, die in der Umsetzung nicht ganz meinen persönlichen Geschmack trifft.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.01.2026

Die Leistungsturnerin

Die Routinen
0

Leistungsturnerin Amik steht vielleicht stellvertretend für alle Geräteturnerinnen und die Schattenseiten dieser Sportart. In der Gegenwart erlebt sie, bereits aus dem Leistungkader ausgeschieden, einen ...

Leistungsturnerin Amik steht vielleicht stellvertretend für alle Geräteturnerinnen und die Schattenseiten dieser Sportart. In der Gegenwart erlebt sie, bereits aus dem Leistungkader ausgeschieden, einen schweren Sturz ihrer Team- und Zimmerkameradin. Gegenwart und Vergangenheit vermischen sich dann. Amik kommt auf ihre Anfänge zu sprechen. Wir begleiten sie durch Zeiten des Erfolgs bis hin zu ihrem altersbedingten Abstieg. Eine Kindheit und Jugend, dominiert von Leistungsdruck, denn nur "unter Druck entstehen Diamanten", Konkurrenzdenken und Selbstzweifel. Eine Kindheit, in der viel verpasst wurde, ein körperliches Erwachsenwerden, das nicht sein darf: Mädchen bleiben zu müssen, nicht Frau werden zu dürfen. Machtmissbrauch (emotional und körperlich), Schikane, Erniedrigung, Training trotz Verletzungen und Essstörungen sind alltäglich. Freundschaften entstehen zumindest für Amik fast nicht. Zu groß ist der Konkurrenzdruck und der Vergleich, zu leicht wird man ersetzt.

Das Thema rund um die Schattenseiten des Leistungssports fand ich sehr interessant, aber auch erschreckend. Amiks Charakter selbst empfand ich als schwierig, vielleicht auch, weil ihr Leben und Selbstbild auf ihre Routinen in der Trainingshalle und den vordergründigen Glanz der Turniere beschränkt sind. Zwischendurch wird auf berühmte Turnerinnen wie Nadia Comăneci, Olga Korbut und Simone Biles eingegangen. An diesen Stellen wird das Buch konkreter. Hiervon hätte ich mir tatsächlich mehr gewünscht. Der Sprachstil ist außergewöhnlich, bildhaft, sich regelmäßig wiederholend, verschlüsselt, teils schon poetisch, aber auch manchmal sehr direkt. Irgendwie nicht das, was ich erwartet hatte, aber trotzdem eindringlich.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere