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Veröffentlicht am 05.03.2022

Umwerfend komisch

Einatmen, ausrasten
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Gerade habe ich ein deutsches „Frauenbuch“ um das Älter-und Unsichtbarwerden von Frauen nach der Menopause gelesen. Und jetzt „einatmen-ausrasten“, das im Original mal schon deutlich mehr Wortwitz verströmt ...

Gerade habe ich ein deutsches „Frauenbuch“ um das Älter-und Unsichtbarwerden von Frauen nach der Menopause gelesen. Und jetzt „einatmen-ausrasten“, das im Original mal schon deutlich mehr Wortwitz verströmt ( Woman of a certain rage). Es sind kolossale Unterschiede. Wo bei Georgie Hall eine Fünfzigjährige echten Witz und Mut zur Selbstkritik und Selbstliebe entwickelt, bleibt die deutsche Version in kümmerlichen Schenkelklopfplatitüden stecken, ohne lesenswerte Erkenntnisse.
Der englischen Autorin gelingt, was so typisch ist für den berühmten Humor der Briten. Eine Leichtigkeit mit Tiefe.
Die erfolglose Schauspielerin Eliza, Mutter von drei Kindern und Gewinnerin einer absolut obskuren Trophäe ( ein Pokal in Lippenform für die beste Vorleserin erotischer Romane) hat es schwer: der ehemals sehr geliebte Paddy weckt keine erotischen Gefühle mehr in ihr, die Familie fordert viel und gibt zu wenig, die Wechseljahre machen sie zu einer reizbaren, hitzigen Tigerin, das autistische Nesthäkchen wird wohl bis ans Ende ihrer Tage Extrapflege brauchen und mit dem Geld passt es hinten und vorne nicht. Da kommt ein italienischer, Komplimente und glutvolle Blicke um sich werfender Gastwirt doch gerade recht. Aber nicht er hilft Eliza, zu sich zu finden. Es ist ein Trip mit dem Boot durch die Kanäle und Schleusen derWasserwege von London, der ihr die Augen öffnet für den eigenen Wert.
Dabei bleibt der Blick auf Frausein, Mannsein, Jungsein, Älterwerden, Behinderung und Familie durchgehend liebevoll, ohne kitschig zu sein.
Auch die Beziehung zu ihrer siebzehnjährigen Influencer-Tochter hat großen Charme. Es gelingt Eliza die Parallelen zu eigenen Jugend zu erkennen und damit ein großes Mitgefühl mit Ohnmacht und Erkenntnis, mit der naiv-klugen Summer und gleichzeitig mit sich selbst, zu verknüpfen.
Das Beste an der Lektüre aber war, dass sie umwerfend komisch ist. Ich habe oft laut gelacht. Ein absolutes Must-Read in diesen Zeiten.

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Veröffentlicht am 07.02.2022

Hinreißend

Abgegeben
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Der dritte Gedichtband von Steffi Steenken mobilisiert auch in mir, die ich so gar keine Poetin bin, den Drang zum Dichten.

So auf dem Punkt, so schnörkellos echt, so ehrlich und klar:

Gänsehaut, Tränen, ...

Der dritte Gedichtband von Steffi Steenken mobilisiert auch in mir, die ich so gar keine Poetin bin, den Drang zum Dichten.

So auf dem Punkt, so schnörkellos echt, so ehrlich und klar:

Gänsehaut, Tränen, Lächeln und tiefe Freude, alles dabei. So muss Poesie.

Auch Menschen, die sonst keine Gedichte lesen, werden sich wiedererkennen und staunen, welche Kraft die Sprache haben kann. Nicht laut und pathetisch sondern leise und doch voller Kraft.

Wunderschön passend die Bilder der Künstlerin Heike Niderehe.

Ein Buch zum mehrmals lesen, vorlesen, weitergeben, verschenken.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Düster und blutig

Flut aus schwarzem Stahl
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Ein dicker Fantasy-Wälzer und -wie im Genre üblich- ein Mehrteiler. Im ersten Band der neuesten Reihe um Blut und Ehre lernen wir im bekannten Ascarlia-Universum vier Protagonisten kennen. Ruhlin, das ...

Ein dicker Fantasy-Wälzer und -wie im Genre üblich- ein Mehrteiler. Im ersten Band der neuesten Reihe um Blut und Ehre lernen wir im bekannten Ascarlia-Universum vier Protagonisten kennen. Ruhlin, das Feuerblut, der sich selbst das größte Rätsel ist, Thera, eine starke Frau, die für die Schwesternköniginnen für „Gerechtigkeit sorgen soll, Felnir ihr Bruder, ungestüm und verschuldet, als Söldner im Dienst seines ungeliebten Vaters und schließlich Elvine, die am wenigsten durchschaubar, einem alten Glauben anhängt und ebenfalls in den Dienst der Königinnen verpflichtet wird. Die Welt, die Anthony Ryan zeichnet ist gewalttätig und unerfreulich. Es gilt das Recht des Stärkeren, die Mythen und Gebräuche sind nah an derzeit populären Wikingerdramen angesiedelt. Natürlich gibt es auch Magie. Es dauerte lange, bis ich mich in diesem düsteren Universum zurechtgefunden hatte, denn bis zur Hälfte des Romans hat die Geschichte nicht so recht Fahrt aufgenommen. Dann aber ging es Schlag auf Schlag, es wurde richtig spannend und ich möchte nach 600 Seiten immer weiterlesen.

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Veröffentlicht am 11.07.2025

Ehrlich und ungeschönt

Die Frau des Farmers
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Helen Rebanks ist „ die Frau des Farmers“, eine Engländerin, die auf einem Bauernhof aufgewachsen ist und Kunst studiert hat. Ihr Mann James, ebenfalls vom Lande, hat auch studiert, wollte sein ganzes ...

Helen Rebanks ist „ die Frau des Farmers“, eine Engländerin, die auf einem Bauernhof aufgewachsen ist und Kunst studiert hat. Ihr Mann James, ebenfalls vom Lande, hat auch studiert, wollte sein ganzes Leben aber nie etwas anderes sein als Landwirt. Zusammen meistern sie das Leben als Farmer, haben 4 Kinder, Schafe, Kühe, Hunde und einen Hof, der nachhaltig bewirtschaftet wird. In diesem -ganzen Leben an einem Tag- beschreibt Helen sehr offen und wenig glamourös wie es ist, jeden Tag den Haushalt am Laufen zu halten, für die Kinder zu sorgen, zu renovieren, zu kochen, zu putzen und 1000 Kleinigkeiten auf einem Hof gleichzeitig zu jonglieren. Da bleibt kaum Zeit, um nachzudenken. Die Corona-Zeit gab ihr den Anlass, das, was sie jeden Tag tut zu hinterfragen und aufzuschreiben. Da sich viel im Leben einer Farmersfrau ums Essen dreht, hat sie ihren Bericht mit zahlreichen, deftigen und recht konservativ anmutenden Klassikerrezepten angereichert.
Ich fand die Lektüre sowohl interessant, als auch ermüdend. Die Autorin sagt einmal, sie möchte sich nicht dafür rechtfertigen, die Mutter von 4 Kinder zu sein und Hausfrau, bzw.“die Frau des Farmers“, aber dennoch klingt sie dabei etwas trotzig. Sie tut das, was ihr entspricht und es macht sie zufrieden. Dennoch klingt darin auch Erschöpfung, Frustration und mangelnde Würdigung ihrer selbst. Ganz sicher ist es hart in der heutigen Zeit, genau so zu sein. Umso schöner, wenn das eine Stimme bekommt.
Was mir fehlte, war eindeutig eine Prise Humor, ansonsten solides, sättigendes Lesefutter.

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Veröffentlicht am 18.07.2024

Auch Täter sind Opfer

Dunkler Abgrund
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Ich mochte das Setting: Justizministerin bewegt sich auf Pfaden völlig abseits der Legalität. Clara Lofthus, Schwedens frisch ernannte Ministerin begegnet ihrem schlimmsten Alptraum: Ihr Zwillinge sind ...

Ich mochte das Setting: Justizministerin bewegt sich auf Pfaden völlig abseits der Legalität. Clara Lofthus, Schwedens frisch ernannte Ministerin begegnet ihrem schlimmsten Alptraum: Ihr Zwillinge sind verschwunden und es gibt eine mysteriöse Entführerforderung. Dabei ist Claras Leben sowieso schon äußerst kompliziert, sie hat ihren Mann verloren, ihre Mutter ist psychisch krank, der Vater kriegstraumatisiert. Gut, dass ihr neuer Chauffeur nicht nur Auto fahren kann. Ich fand die Geschichte spannend, wenn auch teilweise etwas unglaubwürdig. Mir fehlte immer wieder der innere Bezug zu Claras Handlungen. Womöglich würde ich die Protagonistin besser verstehen, hätte ich den ersten Teil gelesen? So oder so, der Roman hat einen Spannungsbogen mit hypnotischem Drive, der Stil ist flüssig und gefällig. Unterhaltsam, aber nicht packend. Ich weiß nicht, ob ich Teil Drei lesen werde.

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