Zwischen Selbstfindung und Selbstsabotage
Die vierzehnjährige Lee Fiora aus der Mittelschicht in Indiana bewirbt sich, geblendet vom Glanz der Elite-Internate, für ein Stipendium an der Ault School in Boston. Als sie angenommen wird, scheint zunächst ...
Die vierzehnjährige Lee Fiora aus der Mittelschicht in Indiana bewirbt sich, geblendet vom Glanz der Elite-Internate, für ein Stipendium an der Ault School in Boston. Als sie angenommen wird, scheint zunächst ein Traum in Erfüllung zu gehen. Doch bald merkt Lee, dass sie in Ault weder durch ihre Leistungen noch durch ihre Persönlichkeit heraussticht. An der staatlichen Schule war sie es gewohnt aufzugfallen — hier ist sie schlicht ein Niemand. Zwischen ihren privilegierten, wohlhabenden Mitschülern fühlt sie sich wie eine Außenseiterin. Ihr oberstes Ziel: niemand soll erfahren, dass sie – im Gegensatz zu den meisten anderen – aus einfachen Verhältnissen stammt. So wird Lee zur stillen Beobachterin, während sie zugleich versucht, ihren Platz auf Ault und im Leben zu finden.
Prep bietet einen eindrucksvollen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt einer Jugendlichen an einem Eliteinternat. Curtis Sittenfelds Schreibstil ist angenehm und flüssig. Besonders gelungen ist, wie sie Lee Fiora authentisch und nahbar zeichnet, indem sie den Leser an ihren Wünschen, Unsicherheiten sowie ihren inneren und äußeren Konflikten teilhaben lässt.
An einigen Stellen empfand ich den Roman als etwas langatmig – eine Kürzung hätte der Geschichte stellenweise gutgetan. Dennoch hat mich Lees Weg bewegt, gerade weil er so ehrlich die Unsicherheiten des Erwachsenwerdens zeigt. Mir hat Prep insgesamt gut gefallen. Ich empfehle den Roman allen, die Coming-of-Age-Geschichten im Internatsmilieu schätzen.
Ein eindringlicher Blick auf das Erwachsenwerden im Schatten von Erwartungen und Selbstzweifeln.