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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.03.2026

Der Mann, der Bücher las

Der Buchhändler von Gaza
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Der Roman ist aus dem Französischen von Andreas Jandl übersetzt.
Buchhandlungen wie Cafés bieten zur Zeit in der Literatur gerne warmherzige Healing Fiction. Ob das auch im Gaza funktioniert? Vermutlich ...

Der Roman ist aus dem Französischen von Andreas Jandl übersetzt.
Buchhandlungen wie Cafés bieten zur Zeit in der Literatur gerne warmherzige Healing Fiction. Ob das auch im Gaza funktioniert? Vermutlich nur aus einem Blickwinkel aus der Ferne.
Der Französische Fotograf trifft in Gaza 2014 auf einen Buchhändler Mitte 60, der sich auch in Zeiten der Zerstörung zuversichtlich und den Büchern verpflichtet gibt. Sein Name ist Nabil al Jaber. Seine Lebensgeschichte wird dann das Zentrale der Handlung, durchaus überzeugend. Seine Mutter war Muslimin, sein Vater Christ. Dadurch nahm er eine Sonderstellung ein. Schon wenige Wochen nach seiner Geburt 1948 mussten seine Eltern mit ihm flüchten. 1967 der 6-.Tage-Krieg, das bedeutete erneut Verluste. 1987 die erste Intifada. Nabil beteiligte sich und musste dafür für Jahre ins Gefängnis.

Alles wird ein wenig zu knapp abgehandelt, obwohl man als Leser vom Erzählten beeindruckt bleibt.

Zitate aus der Literatur durchziehen das Buch: Mahmud Darwisch, Victor Hugo, Primo Levi, Jean Genet, Mohammed Dib und andere.

Das kurz gehaltene Buch ist wirklich nicht schlecht, aber man liest es unter dem Eindruck der Verheerung und Hoffnungslosigkeit in Gaza der letzten zwei Jahre und das schwingt einfach mit und bildet den Epilog.

Veröffentlicht am 27.02.2026

Frei und selbstbestimmt

Alt genug
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Die 58jährige Ildikó von Kürthy hat ein Thema gefunden. Sie schreibt überzeugt, eindringlich und häufig pointiert über den Wert des Alters. Viele Stellen sind mit Elementen der Popkultur unterlegt. Das ...

Die 58jährige Ildikó von Kürthy hat ein Thema gefunden. Sie schreibt überzeugt, eindringlich und häufig pointiert über den Wert des Alters. Viele Stellen sind mit Elementen der Popkultur unterlegt. Das kennt man von der Autorin und bei ihr funktioniert es.

Überraschend gibt es Passagen in Wacken und bei Germany Next Top Model. Zum Glück nehmen diese Passagen nicht so viel Raum ein.
Mehr überzeugt haben mich die Rückblicke, ie es gelegentlich gibt und den Mut, sich zu Ängsten zu bekennen. Sie hat gelernt, mit ihren Angststörungen umzugehen.

Alt genug ist kein Roman. Es ist autobiografisch und es gibt sehr viel privates. Man könnte sagen, Chick-Lit wird erwachsen.
An manchen Stellen wirkt das Buch wie ein Essay. Stolz vermittelt sie einen Trotz gegen Einschätzungen gegen das Altern und bleibt selbstbewusst.
Es ist ein interessantes Buch.

Veröffentlicht am 27.02.2026

Zu zweit im Truck

Wir Königinnen
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Wir Königinnen ist ein Roman über die Begegnung zweier Frauen.
Das Buch hat einen besonderen, beeindruckenden Anfang. Die Protagonistin befindet sich völlig alleine in einem Dorf in den Bergen. Das sind ...

Wir Königinnen ist ein Roman über die Begegnung zweier Frauen.
Das Buch hat einen besonderen, beeindruckenden Anfang. Die Protagonistin befindet sich völlig alleine in einem Dorf in den Bergen. Das sind leicht beklemmende Szenen.
Was sie umtreibt, ist nicht ganz klar.
Dann begegnet sie einer Truckfahrerin, die Rinder transportiert und sie mitnimmt. Es gibt eine Sprachbarriere, aber durch Handyübersetzerin kommt es zum Austausch in Englisch. Die Dialoge sind überwiegend in Englisch. Das funktioniert zwar und zieht sich konsequent durch das Buch, es nervt aber auch.

Das Buch zieht die Spannung aus der Beziehung, aber auch Gegenüberstellung der zwei Protagonistinnen. Während die Icherzählerin ganz von ihrer inneren Krise gefangen ist, sind es bei der toughen LKW-Fahrerin Anna reale Probleme. Der Job ist ihr stolz, aber er ist auch hart und schwierig.
Der Plot ist nicht unbedingt neu. Es entschädigt aber, dass die Autorin viel Stimmungen und Atmosphäre erzeugt.

Veröffentlicht am 27.02.2026

Die Bar hieß Tangerinn

Tangerinn
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Das Buch der italienischen Schriftstellerin Emanuela Anechoum lebt von der Erzählstimme der Protagonistin Mina und ihrer Situation. Sie lebt zur Zeit eigentlich in London, kehrt aber nach dem Tod des Vaters ...

Das Buch der italienischen Schriftstellerin Emanuela Anechoum lebt von der Erzählstimme der Protagonistin Mina und ihrer Situation. Sie lebt zur Zeit eigentlich in London, kehrt aber nach dem Tod des Vaters nach Kalabrien zurück. Ihr Vater Omar stammt aus Marokko, daher ist die Suche nach ihrer Identität ein großes Thema.
Zurück blieben ihre Schwester und die labile Mutter, um die man sich kümmern muss, genau wie um die Migrantenbar Tangerinn ihres Vaters. Dabei war es ihr so wichtig, dem Leben in Kalabrien zu entkommen.
Man kann Minas Situation gut verstehen, obwohl sie keine einfache Hauptfigur ist. Immer wieder geht sie innerlich ins Gespräch mit dem verstorbenen Vater. Erst spät im Buch, im vierten Teil, hat Omar auch einen Auftritt, als ein Freund Mina von früheren gemeinsamen Zeiten erzählt.

Mina muss sich entscheiden: Will sie bleiben oder wieder gehen? Mit dieser richtungsweisenden Entscheidung schließt das Buch.

Veröffentlicht am 20.02.2026

Gerichtsdrama

Der Horizont der Nacht
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Der Horizont der Nacht von Gianrico Carofiglio ist aus meiner Sicht wirklich ein guter Roman. Es ist ein fast klassisches Anwalts- und Gerichtsdrama.
Eine Frau hat den gewalttätigen Freund ihrer Schwester ...

Der Horizont der Nacht von Gianrico Carofiglio ist aus meiner Sicht wirklich ein guter Roman. Es ist ein fast klassisches Anwalts- und Gerichtsdrama.
Eine Frau hat den gewalttätigen Freund ihrer Schwester erschossen und muss sich jetzt vor Gericht verantworten. Icherzähler und Hauptfigur ist ihr Anwalt Avvocato Guerrier. Er ist 57 Jahre alt und gewissermaßen in einer Lebenskrise. Er sucht häufig einen Psychologen auf und diese Gespräche nehmen einen wichtigen Teil im Buch ein und das psychologische Moment wertet den Roman auf. Gianrico Carofiglios intelligenter Schreibstil ist zugänglich und eindringlich zugleich.
Höhepunkt des Buches ist dann das lange Gerichtsverfahren, das auf mich fast filmisch wirkte.