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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.03.2026

Die Grauzonen des Erwachsenwerdens

Mein letztes Jahr der Unschuld
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Isabel Rosen hat noch ein Semester am Wilder College vor sich, doch nach einem Vorfall mit einem Kommilitonen gerät ihr Leben aus den Fugen und sie stürzt sich in eine komplizierte Affäre mit ihrem neuen ...

Isabel Rosen hat noch ein Semester am Wilder College vor sich, doch nach einem Vorfall mit einem Kommilitonen gerät ihr Leben aus den Fugen und sie stürzt sich in eine komplizierte Affäre mit ihrem neuen Professor für Kreatives Schreiben...

Mein letztes Jahr der Unschuld ist eine leise und doch intensive Geschichte über das Erwachsenwerden, über Grenzen und darüber, wie leicht sie überschritten werden können.

Nach einer nicht einvernehmlichen sexuellen Begegnung stürzt sich Isabel in eine unüberlegte Affäre mit einem verheirateten Professor. Er gibt ihr das Gefühl, gesehen zu werden, schön und talentiert zu sein. Doch die Beziehung ist komplex und die anfängliche Euphorie wandelt sich zunehmend in emotionale Verwirrung und Selbstverlust. Florin lässt die LeserInnen tief in Isabels Gedankenwelt eintauchen und schildert die Grauzonen dieser Verbindung mit großer Sensibilität, ohne vorschnelle moralische Urteile zu fällen. Besonders gelungen ist der Perspektivwechsel zwischen der jungen Isabel und ihren Rückblicken als Erwachsene, der ihre Entwicklung nachvollziehbar macht. Isabels innere Zerrissenheit und ihr Wunsch nach Anerkennung wirken glaubwürdig. Allerdings fehlt der Geschichte in Momenten, in denen Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen thematisiert werden, stellenweise die emotionale Wucht – was möglicherweise auch dem Zeitgeist der 1990er-Jahre geschuldet ist.

Alles in allem ein ruhiger und nachdenklicher Roman über subtile Machtstrukturen, gesellschaftliche Erwartungen und die Suche nach Selbstbestimmung, der dazu anregt, über die Komplexität menschlicher Beziehungen nachzudenken, ohne einfache Antworten zu liefern. Empfehlenswert für alle, die literarische, anspruchsvolle Romane mögen

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Spannende Fortsetzung der Reihe

Silberdrache – Das Geheimnis der Drachenkönigin (Silberdrache 2)
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Seit Joss in den Bergen ein silbernes Drachenei entdeckt hat, ist nichts mehr, wie es war. Aus dem Ei ist der Silberdrache Lysander geschlüpft und nur diese seltenen Drachen besitzen die Fähigkeit, die ...

Seit Joss in den Bergen ein silbernes Drachenei entdeckt hat, ist nichts mehr, wie es war. Aus dem Ei ist der Silberdrache Lysander geschlüpft und nur diese seltenen Drachen besitzen die Fähigkeit, die Grenzen zwischen den Welten zu durchbrechen, weswegen der skrupellose Clan der Lennix hinter ihm her ist. Allie, Joss und Sirin setzen alles daran, Lysander zu schützen, und begeben sich auf die gefährliche Suche nach einer verschollenen Quelle uralter Drachenmagie, die den finsteren Drachen Einhalt gebieten kann. Doch auch die Lennix sind der Quelle auf der Spur und schrecken vor nichts zurück …

Mit das Geheimnis der Drachenkönigin knüpft Jessica Khoury direkt an die Ereignisse des Auftaktbandes von Angie Sage an, erzählt die Geschichte aber deutlich düsterer, konfliktreicher und emotionaler weiter. Wo im ersten Band noch das Staunen über die Entdeckung Lysanders im Vordergrund stand, dominiert nun das Gefühl permanenter Bedrohung. Lysander ist der Schlüssel zu einer uralten Kraft, die ganze Welten verbinden kann und macht Joss und seine Freunde damit zur Zielscheibe eines gnadenlosen Gegners.

Joss ringt nicht nur mit äußeren Gefahren, sondern auch mit seiner Verantwortung gegenüber Lysander. Besonders die enge Bindung zwischen Junge und Drache verleiht der Geschichte eine berührende Tiefe. Die Freundschaft zwischen Joss, Allie und Sirin wird auf eine harte Probe gestellt und diese zwischenmenschlichen Momente sorgen für zusätzliche emotionale Spannung.

Die Suche nach der verlorenen Quelle der Drachenmagie folgt zwar dem klassischen Muster einer Quest, überrascht jedoch mit unerwarteten Wendungen und atmosphärisch dichten Schauplätzen.

Insgesamt ist Silberdrache 2 ein spannendes, temporeiches und fantasievolles Fantasy-Abenteuer. Der Autorenwechsel gibt der Geschichte eine neue Dynamik, ohne die zentralen Themen Freundschaft, Mut und Verantwortung aus dem Blick zu verlieren. Empfehlenswert für LeserInnen, die Drachen, Magie und Abenteuer lieben.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Eine berührende & lebensbejahende Geschichte

Dieses schöne Leben
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Nachdem sie ihre Eltern bei einem Unfall verloren hat, lebt Clover bei ihrem Großvater in New York. Als auch er unerwartet stirbt, während sie verreist ist, trifft sie die Entscheidung Sterbebegleiterin ...

Nachdem sie ihre Eltern bei einem Unfall verloren hat, lebt Clover bei ihrem Großvater in New York. Als auch er unerwartet stirbt, während sie verreist ist, trifft sie die Entscheidung Sterbebegleiterin zu werden. Mit ihrer ruhigen und mitfühlenden Art ist Clover hervorragend in ihrem Beruf. Doch während sie andere durch ihre letzten Stunden begleitet, droht ihr eigenes Leben zwischen Arbeit und einsamen Abenden stillzustehen. Das ändert sich schlagartig, als die quirlige Sylvie nebenan einzieht. Anders als die meisten Menschen begegnet sie Clovers Beruf nicht mit Befangenheit, sondern mit ehrlicher Neugier. Gleichzeitig übernimmt Clover eine neue Klientin, die sie auf die Suche nach ihrer verlorenen großen Liebe schickt – und Clover damit zwingt, sich auch mit den eigenen Sehnsüchten auseinanderzusetzen.

Dieses schöne Leben ist eine berührende und warmherzige Geschichte vom Abschiednehmen und davon, wie wichtig es ist, das eigene Leben nicht zu vergessen. Nach dem Tod ihres Großvaters hat sich Clover vorgenommen, alles dafür zu tun, dass niemand einsam sterben muss. Sie sammelt die letzten Worte ihrer Klientinnen und Klienten, reflektiert deren Reue und unerfüllte Wünsche und vernachlässigt dabei ihr eigenes Leben. Ihre Abende verbringt sie allein mit romantischen Filmen und während sie beruflich große Nähe zulässt, hält sie privat Abstand. Clover ist keine perfekte Heldin, sondern eine Figur mit Ecken, Ängsten und einem großen Herzen für andere, aber wenig Fürsorge für sich selbst.

Die lebensfrohe Sylvie bildet einen starken Gegenpol zur introvertierten Clover. Mit ihrer offenen Art bringt sie Bewegung in Clovers streng geordneten Alltag. Auch die resolute Claudia fordert Clover heraus und reißt sie aus ihrer Komfortzone, indem sie sie auf die Suche nach ihrer verlorenen großen Liebe schickt.

Mikki Brammer zeichnet ihre Figuren lebensnah und mit großem Feingefühl für deren Sorgen und Sehnsüchte. Trotz der schweren Themen ist der Roman nie erdrückend, leiser Humor und eine sanfte Melancholie halten sich die Waage und Clovers Geschichte erinnert daran, dass es nie zu spät ist, sich selbst wichtig zu nehmen und das Leben bewusst zu leben.

Dieses schöne Leben ist ein ebenso tröstlicher wie inspirierender Roman über den Tod und das Leben und über die Frage, wie wir unsere begrenzte Zeit sinnvoll gestalten können. Eine emotionale, nachdenkliche und zu Herzen gehende Geschichte, die trotz ernster Themen Hoffnung schenkt und positiv nachwirkt.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Ein einfühlsamer Roman über das Suchen

Taumeln
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Wo ist Hannah? Seit zwei Jahren wird sie vermisst. Während das Dorf allmählich zur Tagesordnung übergeht, ist für ihre Schwester Luisa die Zeit stehen geblieben. Unermüdlich organisiert sie weitere Suchtrupps ...

Wo ist Hannah? Seit zwei Jahren wird sie vermisst. Während das Dorf allmählich zur Tagesordnung übergeht, ist für ihre Schwester Luisa die Zeit stehen geblieben. Unermüdlich organisiert sie weitere Suchtrupps und zieht mit einer stetig kleiner werdenden Gruppe in den Wald – dorthin, wo Hannah vielleicht sein könnte. Oder auch nicht …

„Taumeln“ von Sina Scherzant ist ein einfühlsamer Roman über Verlust, Hoffnung und Verbundenheit. Die Suchgruppe ist auf wenige Menschen geschrumpft: Frank, der seinen Herzschmerz hinter Schweigen verbirgt, die tatkräftige Inge, Amaka mit ihrem kaum greifbaren inneren Schmerz sowie Emma, Enrico, Christina und Hartmut. Jede Figur bringt ihre eigene Verletzlichkeit mit und alle schwanken zwischen Solidarität und Egoismus, zwischen Hoffnung und dem Wunsch, endlich loszulassen.
Luisa lebt als die Schwester, die „noch da ist“, im Schatten der Vermissten. Ihre Verzweiflung, ihre Wut und ihre Erschöpfung sind greifbar und man spürt, wie sehr das Nichtwissen zermürbt und Beziehungen verändert.

Mit großer Sensibilität und einem feinen Gespür für Zwischentöne erzählt Sina Scherzant vom Weitersuchen – nach Antworten, nach Halt, nach Sinn. Jede Figur trägt ihre eigene Last und gerade die unterschwelligen Brüche und unausgesprochenen Konflikte verleihen dem Roman seine leise, anhaltende Spannung.

„Taumeln“ ist ein Roman über Verlust und das Weiterleben im Ungewissen. Über die Frage, wie lange Hoffnung trägt und wann sie zur Bürde wird. Berührend, atmosphärisch und lange nachhallend.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Zwischen Glamour und Selbstverleugnung

Das Flüstern des Mondfalters
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Kalkutta, 1931: Die 19-jährige Estelle Thompson liebt das Kino. Nur im Schutz des dunklen Zuschauerraums kann sie für wenige Stunden vergessen, dass sie als »Mischling« weder zur britischen noch zur indischen ...

Kalkutta, 1931: Die 19-jährige Estelle Thompson liebt das Kino. Nur im Schutz des dunklen Zuschauerraums kann sie für wenige Stunden vergessen, dass sie als »Mischling« weder zur britischen noch zur indischen Gesellschaft gehört. Ihr Leben verändert sich grundlegend, als sie einen Amerikaner mit Verbindungen nach Hollywood kennenlernt – aus Estelle Thompson wird die Leinwandgöttin Merle Oberon. Sie verwirklicht ihren Traum vom Filmstar, doch stets begleitet sie die Angst, dass ihre indische Herkunft ans Licht kommen und alles zerstören könnte.

Das Flüstern des Mondfalters zeichnet den außergewöhnlichen Lebensweg der Schauspielerin nach, die unter schwierigen gesellschaftlichen Bedingungen in Indien aufwächst und früh erfährt, wie sehr Herkunft über Chancen entscheidet. Mit großer Entschlossenheit und dem Traum von einem selbstbestimmten Leben verlässt sie ihre Heimat, geht zunächst nach England und schließlich nach Hollywood. Dort steigt sie zum gefeierten Filmstar auf und muss ihre wahre Identität verleugnen.

Lindsay Jayne Ashford erzählt diese Geschichte als einfühlsamen, emotionalen Roman, der die inneren Konflikte seiner Protagonistin in den Mittelpunkt stellt. Ihre Heldin ist gleichermaßen mutig wie verletzlich – keine idealisierte Ikone, sondern eine Frau, die Kompromisse eingeht, Schuld auf sich lädt und dennoch unbeirrbar ihren Weg verfolgt. Auch die Nebenfiguren sind vielschichtig gezeichnet und spiegeln die Machtstrukturen der Filmindustrie ebenso wie die Hierarchien einer kolonial geprägten Gesellschaft wider.

Der Stil ist ruhig und bildhaft. Ashford gelingt es, sowohl das koloniale Indien als auch das glamouröse Hollywood der 1930er-Jahre atmosphärisch lebendig werden zu lassen. Dabei thematisiert sie offen Rassismus, gesellschaftliche Zwänge und rigide Schönheitsideale.

Das Flüstern des Mondfalters ist ein sensibler, tiefgründiger Roman über eine außergewöhnliche Frau in einer Epoche, die gleichermaßen von Glanz und Ausgrenzung geprägt war. Ashford zeichnet Merle Oberons Lebensweg glaubwürdig nach und nutzt zugleich literarische Freiheiten, um Fragen von Herkunft, Identität und Selbstverleugnung eindringlich zu beleuchten. Empfehlenswert für Leser:innen historischer Romane, die starke Frauenfiguren, emotionale Tiefe und biografisch inspirierte Geschichten mögen.

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