Spannend, gründlich recherchiert und voller beunruhigender Gedankenspiele
EDEN - Wenn das Sterben beginntDer Roman startet spektakulär mit einer Szene, die sofort klarmacht, wohin die Reise geht: In der Karibik taucht plötzlich ein Tiefseebewohner dort auf, wo er eigentlich nichts verloren hat. Gleichzeitig ...
Der Roman startet spektakulär mit einer Szene, die sofort klarmacht, wohin die Reise geht: In der Karibik taucht plötzlich ein Tiefseebewohner dort auf, wo er eigentlich nichts verloren hat. Gleichzeitig häufen sich weltweit seltsame Naturphänomene – tote Fische hier, verdorrte Böden dort. Was zunächst wie lokale Umweltprobleme wirkt, entpuppt sich nach und nach als Teil eines globalen Musters.
Genau dieses Muster entdeckt der Informatiker Piero Manzano mithilfe seiner Prognose-KI. Die Analyse ist ernüchternd: Wenn sich die Entwicklung fortsetzt, droht innerhalb weniger Monate ein Dominoeffekt in den Ökosystemen der Erde. Nahrungsketten geraten ins Wanken, Landwirtschaft und Wirtschaft gleich mit. Kurz gesagt: Es droht ein ökologischer Systemabsturz.
Elsberg baut daraus einen klassischen Wissenschaftsthriller – mit viel Tempo, kurzen Kapiteln und ständig wechselnden Schauplätzen rund um den Globus. Neben Manzano rücken eine junge Meeresbiologin und ein Social-Media-Influencer ins Zentrum der Geschichte. Letzterer wirkt zunächst wie ein Klischee aus der Instagram-Welt, entwickelt sich aber zum Sprachrohr für komplexe Zusammenhänge, die sonst nur in Fachstudien stehen würden. Dass ausgerechnet ein Influencer die Welt über den drohenden Kollaps aufklären soll, ist zugleich eine der ironischeren Ideen des Romans.
Inhaltlich lebt „Eden“ von Elsbergs typischer Mischung aus Fakten, Hypothesen und zugespitzten Szenarien. Der Autor verknüpft wissenschaftliche Daten zu Klima, Biodiversität und globaler Landwirtschaft zu einer Art ökologischer Kettenreaktion. Das wirkt oft erschreckend plausibel, manchmal aber auch etwas überladen. Die Katastrophen häufen sich im Eiltempo, was dramaturgisch für Spannung sorgt, gelegentlich jedoch leicht nach „Weltuntergang im Zeitraffer“ wirkt.
Interessant ist weniger die Frage, ob die Krise kommt, sondern wie Gesellschaft und Politik darauf reagieren. Und hier zeichnet Elsberg ein ziemlich authentisches Bild: Warnungen versanden in politischen Debatten, wirtschaftliche Interessen blockieren Maßnahmen, und manche Akteure sehen in der drohenden Katastrophe vor allem neue Geschäftsmöglichkeiten.
Trotz seiner über 700 Seiten liest sich der Roman erstaunlich schnell – auch weil Elsberg stark dialogorientiert schreibt und Szenen oft wie Drehbuchsequenzen funktionieren. Gleichzeitig merkt man dem Buch an, dass es nicht nur unterhalten, sondern auch wachrütteln will. Manchmal gelingt das subtil, manchmal mit dem Holzhammer.
Fazit: Unterm Strich ist „Eden“ ein typischer Elsberg: spannend, gründlich recherchiert und voller beunruhigender Gedankenspiele darüber, wie fragil unsere hochkomplexe Welt eigentlich ist. Wer Thriller mag, die einem nebenbei das Gefühl geben, gerade eine sehr düstere Zukunftsstudie gelesen zu haben, wird hier bestens bedient. Auch wenn man danach vielleicht kurz darüber nachdenkt, was eigentlich alles an einem einzigen Löffel Plankton hängt.