Ein Befreiungsschlag zwischen Lüneburger Heide und Oxford-Träumen
Dieser Sommer gehört mirWenn das Leben, das man über zwei Jahrzehnte sorgfältig, wie ein Kartenhaus aufgebaut hat, plötzlich durch einen einzigen Windstoß – oder in diesem Fall durch ein eiskaltes Scheidungs-Ultimatum beim Wildschweinbraten ...
Wenn das Leben, das man über zwei Jahrzehnte sorgfältig, wie ein Kartenhaus aufgebaut hat, plötzlich durch einen einzigen Windstoß – oder in diesem Fall durch ein eiskaltes Scheidungs-Ultimatum beim Wildschweinbraten – in sich zusammenfällt, bleibt oft nur die Leere. In ihrem neuen Roman „Dieser Sommer gehört mir“ wirft Claudia Schaumann ihre Protagonistin Charlotte genau in dieses emotionale Trümmerfeld und begleitet sie auf einem Weg, der ebenso schmerzhaft wie befreiend ist.
Die Geschichte ist weit mehr als eine klassische „Midlife-Crisis-Erzählung“. Schaumann verwebt meisterhaft zwei Generationen-Perspektiven: Während die 43-jährige Charlotte in der Lüneburger Heide versucht, die Rolle der „Rechtsanwaltsgattin“ abzustreifen und in einem Tiny House am See ihre eigene Stimme wiederzufinden, kämpft ihre Tochter Leni in Oxford mit den harten Lektionen der ersten großen Liebe und dem Verrat der besten Freundin. Dieser Doppel-Blickwinkel verleiht dem Buch eine besondere Tiefe; es ist eine universelle Geschichte über das Loslassen – von Kindern, von Erwartungen und von veralteten Versionen des eigenen Ichs.
Besonders atmosphärisch gelingt der Autorin der Kontrast der Schauplätze. Man riecht förmlich den feuchten Putz während der Renovierung der Bar „Endstation“, spürt die Freiheit beim nächtlichen Schwimmen im See und fühlt sich gleichzeitig in die ehrwürdigen, sandsteinfarbenen Straßen Oxfords versetzt. Die Charaktere sind dabei herrlich unperfekt gezeichnet. Charlotte, die gegen das Älterwerden kämpft, nur um festzustellen, dass wahre Lebendigkeit aus dem Inneren kommt, ist eine Identifikationsfigur par excellence. Ihr Gegenpart Mo, der geheimnisvolle Nachbar aus Neuseeland, bringt genau die richtige Portion knisternde Spannung und herben Charme in die Handlung, ohne die Geschichte in den Kitsch abgleiten zu lassen.
Was diesen Roman jedoch wirklich auszeichnet, ist sein Tempo und sein Herzschlag. Trotz schwerer Themen wie dem „Empty-Nest-Syndrom“ und toxischen Ehen behält das Buch durch schlagfertige Dialoge und einem punktgenauen Humor eine wunderbare Leichtigkeit. Die im Anhang beigefügte Playlist fungiert dabei als emotionaler Soundtrack, der das sommerliche Lebensgefühl perfekt untermalt.
Am Ende schließt sich der Kreis auf den letzten Seiten in einer Bar in Lüneburg. Es ist ein Finale, welches den Leser mit einem wohligen Seufzen zurücklässt: Ein Happy End, das sich Charlotte und Leni hart erarbeitet haben. Claudia Schaumann ist ein warmherziges, inspirierendes Buch gelungen, das Mut macht, auch mit Mitte vierzig noch einmal alles auf null zu setzen und nach dem eigenen Meer, dem eigenen Wohlfühlort zu suchen.
Fazit: Ein absolutes Lese-Highlight für den Sommer – klug, ehrlich und wunderschön erzählt. Dieser Roman gehört definitiv in jedes Urlaubsgepäck!