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Veröffentlicht am 02.03.2026

Tolle historische Details, leider immer die gleiche Action (und davon zu viel)

Im Auftrag der Fugger - Teufelsreigen
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Ich mag gute historische (Kriminal-) Romane und so habe ich mich sehr auf "Im Auftrag der Fugger - Teufelsreigen" von Peter Dempf gefreut. Der Roman ist der zweite Teil einer Reihe. Es ist sicherlich hilfreich, ...

Ich mag gute historische (Kriminal-) Romane und so habe ich mich sehr auf "Im Auftrag der Fugger - Teufelsreigen" von Peter Dempf gefreut. Der Roman ist der zweite Teil einer Reihe. Es ist sicherlich hilfreich, den ersten Teil gelesen zu haben, aber ich habe auch gut in den zweiten Teil reingefunden, ohne den Vorgängerband gekannt zu haben. An einigen Stellen hätte ich mir allerdings doch mehr Details zu vorangegangenen Ereignissen gewünscht, statt vager Andeutungen.

Der Roman beginnt rasant: Die Ex-Diebin Afra und der Bote Herwart - beide handeln im Auftrag Jakob Fuggers - stoßen in Venedig auf eine Verschwörung. Und schon geht es los mit einer actiongeladenen Geschichte, die ich anfangs angenehm rasant fand.

Dempf hat einen angenehmen Schreibstil, der es mir leicht machte, immer weiterzulesen. Auch die historischen Details, die Dempf immer wieder einstreut, sind beeindruckend und haben mich bei der Stange gehalten. Das hat richtig Spaß gemacht.

Problematisch waren für mich angesichts der Länge des Romans allerdings die vielen Actionsequenzen - und zwar nicht wegen deren Häufung, sondern wegen des immer gleichen Musters. Dadurch ergab sich eine Vorhersehbarkeit, die ich recht schnell als langweilig empfand. Tatsächlich graute mir irgendwann vor der nächsten vorhersehbaren Actionsequenz. Die Häufung führte dazu, dass die Story an sich unnötig in die Länge gezogen wurde. Der Roman hätte locker 100 Seiten kürzer sein können und hätte dadurch meiner Meinung nach wenig verloren, dafür viel gewonnen.

Dass das Ermittlerpaar Afra-Herwart offenbar nicht fähig ist, selbst offensichtlichen Gefahren wenigstens versuchsweise aus dem Weg zu gehen oder gar dazuzulernen und stattdessen permanent von einem Hund namens Fugger gerettet werden muss, hat meinerseits auch nicht gerade zu Begeisterungsausbrüchen geführt.

Das Ende kam mir persönlich etwas zu plötzlich - vor allem wenn man bedenkt, dass der Roman vorher meiner Meinung nach künstlich aufgebläht worden ist. Ich empfand es als unbefriedigend.

Gut fand ich das Personenregister am Anfang sowie das Glossar am Ende des Romans. Das Nachwort fand ich auch gelungen, weil es noch einmal Realität und Fiktion erläutert.

Fazit: Ein alles in allem durchwachsenes Werk, das tolle historische Details bietet, im Verlauf aber viel Faszination einbüßt, weil zu viel der immer gleichen Action geboten wird. Schade.

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Veröffentlicht am 04.10.2025

Guter erster Überblick

Der Nahostkonflikt
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Gut für einen ersten Überblick, allerdings empfinde ich die Verharmlosung der PLO und insbesondere der Hamas als befremdlich.

Gut für einen ersten Überblick, allerdings empfinde ich die Verharmlosung der PLO und insbesondere der Hamas als befremdlich.

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Veröffentlicht am 30.12.2024

Schönes Geschenkbuch

Kintsugi
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Kintsugi ist ursprünglich eine japanische Reparaturmethode für Keramik, aus der sich im Lauf der Zeit aber auch eine Lebensphilosophie entwickelt hat. Diese Philosophie feiert die Schönheit des scheinbar ...

Kintsugi ist ursprünglich eine japanische Reparaturmethode für Keramik, aus der sich im Lauf der Zeit aber auch eine Lebensphilosophie entwickelt hat. Diese Philosophie feiert die Schönheit des scheinbar Unperfekten und kann dazu führen, die Widerstandsfähigkeit einzelner Personen zu steigern.

arsEdition hat dieser Lebensphilosophie einen kleinen Band gewidmet, der sich vor allem als Geschenkbuch oder als Coffee-Table-Buch eignet. Zwischen dem Softcover befinden sich etwas weniger als 100 Seiten, auf denen jeweils ein (wie ich finde schönes und gut gewähltes) Bild nebst einem kurzen Ratschlag oder einer kurzen Weisheit befinden.

Allzu viel sollte man von dem Buch nicht erwarten. Es ist vor allem ein Geschenkbuch, definitiv kein Sachbuch im herkömmlichen Sinne. Wer wirklich etwas über Kintsugi erfahren möchte, muss zu anderen Büchern greifen.

Insofern empfinde ich die Buchbeschreibung als etwas irreführend. Denn die Beschreibung lässt den Eindruck aufkommen, es handele sich um eine Art Ratgeber oder Lehrbuch zum Thema Kintsugi. Dafür ist das Buch aber viel zu oberflächlich.

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Veröffentlicht am 05.12.2024

Leider sehr langatmig

Ein kalter Tod
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Als ich mir Stuart MacBrides "Ein kalter Tod" gekauft habe, wusste ich nicht, was mich erwartet, aber mir gefiel die Inhaltsangabe auf der Rückseite des Buches.

Anfangs gefiel mir der Thriller auch recht ...

Als ich mir Stuart MacBrides "Ein kalter Tod" gekauft habe, wusste ich nicht, was mich erwartet, aber mir gefiel die Inhaltsangabe auf der Rückseite des Buches.

Anfangs gefiel mir der Thriller auch recht gut: MacBride hat einen erfrischend anderen Schreibstil, der die LeserInnen zum Schmunzeln einlädt. Allerdings hat dieser Erzählstil auch seine Nachteile: Mit den ProtagonistInnen mitzufiebern fällt schwer, wenn praktisch alles in locker-flockigem, ironisch-sarkastischem Ton vorgetragen wird. Und das gilt, obwohl der Mord, der alles ins Rollen bringt, äußerst grausam vollzogen wurde.

Mitgelitten habe ich immerhin ein bisschen bei den Beschreibungen der winterlichen Kälte, die DC Edward Reekie nebst pausenlosem Schneefall, zu wenig Schlaf und permanentem Hunger zusetzen. Mitgefiebert habe ich aber zu keinem Zeitpunkt.

Der Erzählstil kann auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich inhaltlich über viele Seiten wenig bis nichts tut, wenn man davon absieht, dass DC Reekie einmal wieder durch Schnee stapft friert und das Wetter sowie den Ort verflucht. Das ist zwischendurch ganz nett, geschieht in "Ein kalter Tod" aber dermaßen oft und ausführlich, dass es recht schnell nervt.

Am Ende wollte ich nur noch fertig werden - nicht etwa, weil das Buch so spannend war und ich die Lösung nicht erwarten konnte, sondern weil mich die ewigen Wiederholungen nervten - und nach anfänglicher Begeisterung auch der Schreibstil, der spätestens ab der Hälfte des Buches nur noch nervt, weil zu wenig Wert auf die Handlung und die Entwicklung interessanter Persönlichkeiten gelegt wurde.

Alles in allem ist "Ein kalter Tod" ganz nett, eine etwas straffere Handlung hätte dem "Thriller" aber gut getan.

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Veröffentlicht am 20.07.2024

Mit Zitaten überfrachtet

Altern
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"Altern" ist das erste Hörbuch, das ich von Elke Heidenreich gehört habe. Sie hat es selbst eingesprochen, was dem Hörbuch gut tut, denn Frau Heidenreich ist eine gute Sprecherin - und zu ihrem eigenen ...

"Altern" ist das erste Hörbuch, das ich von Elke Heidenreich gehört habe. Sie hat es selbst eingesprochen, was dem Hörbuch gut tut, denn Frau Heidenreich ist eine gute Sprecherin - und zu ihrem eigenen Buch, das eigene Meinungen transportiert, passt sie natürlich perfekt.

"Altern" ist ein Meinungsbuch; es gibt ausschließlich die Perspektive Elke Heidenreichs wider - naja, und dank zahlreicher Zitate auch die Ansichten einiger anderer Autor*innen, die offenbar Eindruck bei Frau Heidenreich hinterlassen haben.

Nun bin ich nicht mit allem d'accord, was Frau Heidenreich im Lauf der knapp 3 Stunden Erzählzeit (112 Seiten Printausgabe) so von sich gibt. Interessant ist es durchaus trotzdem immer mal wieder.

Warum also nur drei Sterne? Nun, hauptsächlich bin ich relativ streng, was das Buch betrifft, weil es auf mich über weite Strecken den Eindruck hinterlassen hat, sowohl Autorin als auch Verlag wollten schnell viel Geld machen mit diesem Buch. Denn von den drei Stunden bzw. 112 Seiten geht noch einiges ab für meiner Meinung nach viel zu viele Zitate. Offenbar hat Frau Heidenreich versucht, das Buch etwas aufzupumpen.

Zitate können - geschickt gewählt - eine Bereicherung sein. Ohne Frage. Nur wurden in "Altern" dermaßen viele Zitate verwendet, dass man streckenweise meinen könnte, man höre (oder lese) eine Zitatensammlung.

Sympathisch war mir, dass Elke Heidenreich nie so tut, als habe sie die Weisheit mit Löffeln gefressen, als habe sie die Antwort auf alles. Sie weist immer mal wieder darauf hin, dass sie nur ihre Perspektive wiedergibt, dass sie nur ihre eigenen Erfahrungswerte, ihre eigene Lebensrealität einbringen kann, wenn es um ihre Beschäftigung und ihre Gedanken ums Alter geht. Leider ist dadurch aber auch eine gewisse Einseitigkeit gegeben. Man kann ihr das zum Vorwurf machen; ich tue das nicht, denn trotz aller Einseitigkeit stellt Frau Heidenreich immer wieder heraus, dass sie eben nicht allwissend ist und sie kein allgemeingültiges Rezept bieten kann.

Trotz all dessen, was man dieser Veröffentlichung vorwerfen kann, ist das Buch dank seiner Kürze durchaus unterhaltsam und ein bisschen was kann man für sich selbst trotzdem mitnehmen. Das ist schon einmal was.

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