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Veröffentlicht am 02.03.2026

Wehmütig, lyrisch und trotz all der Schrecken wunderschön geschrieben

Zugwind
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In Zugwind von Iryna Fingerova wird die Geschichte der jüdischen, aus der Ukraine stammenden Ärztin Mira Zehmann erzählt, deren Welt aus den Fugen gerät als in ihrer alten Heimat der Krieg ausbricht.

Mit ...

In Zugwind von Iryna Fingerova wird die Geschichte der jüdischen, aus der Ukraine stammenden Ärztin Mira Zehmann erzählt, deren Welt aus den Fugen gerät als in ihrer alten Heimat der Krieg ausbricht.

Mit schlichten, kraftvollen, gar poetischen Worten lässt Fingerova ihre Protagonistin Mira aus der Ich-Perspektive erzählen. Dabei wird schnell klar: Ein Wohlfühlroman wird das nicht. Und das ist auch absolut richtig und wichtig so.
Denn es ist ein Roman, der wichtigen, aktuelle Themen bespricht. Was ist zu Hause? Wie ist es wenn man sich nicht ganz zu Hause fühlt und zu Hause nicht sicher fühlen kann? Wie ist es, wenn man sich schuldig fühlt, weil man im sicheren Deutschland lebt und wie ist es, wenn der Zugwind bei einem einzieht und es aus allen Ritzen, Ecken und Löchern durch einen durch weht.
Mal beschreibt Fingerova die Ereignisse mit brillanter Klarheit. Lässt uns Ausschnitte aus den Leben der Patient:innen sehen, die zu Mira in die Hausarztpraxis kommen. Meist auch Ukrainer:innen, die froh sind über eine Ärztin die ihre Sprache spricht.
Dann wieder zaubert Fingerova durch eine bildhafte Sprache Szenen aufs Papier die mehr Gefühl als Wirklichkeit sind. Metaphern, Ideen und Emotionen werden so bildhaft dargestellt, dass man sich als Leser:in hier und da vielleicht mal fragt, was genau gemeint ist, aber das Gefühl sofort greifen kann.
Zu sensibel in Sachen Krankheiten sollte man nicht sein, denn Miras Alltag als Ärztin ist stellenweise detailliert beschrieben. Nicht als Schockmittel, sondern um klar zu zeigen was mit den Menschen passiert, die ihre Heimat verlassen müssen. Was unter Druck generell mit Menschen passieren kann.
Dabei ist mir besonders ein Kapitel im Gedächtnis geblieben, in dem Mosaik artig kurzer Absatz an kurzer Absatz gereiht wurde bei dem die verschiedenen Lebensrealitäten der Menschen gezeigt wurden. Die eine Familie will in Deutschland bleiben, die andere schnellstmöglich zurück, die nächste kann das alles kaum begreifen und überhaupt versteht man untereinander die Beweggründe der anderen kaum. Allein mit diesem Kapitel hat die Autorin es aus meiner Sicht geschafft einen Flickenteppich zu weben, in dem die diversen Ansichten meisterhaft miteinander verwebt wurden.

Mir hat der Roman, auch wenn ich öfter mal Pause machen musste, sehr gut gefallen. Die Pausen brauchte ich auch nur zum Durchatmen, denn wie gesagt, leichte Kost ist das hier sicher nicht. Dafür wehmütig, lyrisch und trotz all der Schrecken wunderschön geschrieben.

Ein Roman für alle die nicht nur Eskapismus, sondern auch andere Lebensrealitäten kennen wollen.

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Veröffentlicht am 10.01.2026

Ein Spiegel der (Internet)Gesellschaft

Die Unbußfertigen
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Hey, du!

Möchtest du einen Roman lesen/hören, der dich alles was du auf Social Media erlebst hinterfragen lässt? Der dir die bittere Wahrheit zeigt? Der dich überlegen lässt ob der vermeintliche „Segen“ ...

Hey, du!

Möchtest du einen Roman lesen/hören, der dich alles was du auf Social Media erlebst hinterfragen lässt? Der dir die bittere Wahrheit zeigt? Der dich überlegen lässt ob der vermeintliche „Segen“ der sozialen Medien nicht doch viel mehr ein Fluch ist? Eine Honigfalle in die du, wir alle, beinahe die gesamte Welt getappt sind ohne es zunächst zu bemerken?

Dann bist du hier genau richtig!

Denn Elina Penner ist mit „Die Unbußfertigen“ ein Glanzstück gelungen durch dessen Schein die Gesellschaft den Spiegel vorgehalten bekommt. Komm rein, schau dich um und hinterfrage dich selber.

Ich fand die Geschichte um zehn Menschen, wie sie das Internet hervorgebracht hat sehr spannend und realistisch (in dem Sinne wie sie im Internet handeln). Klar, es ist alles überspitzt und jeder der zehn stellt einen Stereotypen dar und doch sind sie alle Charaktere für sich. Ich möchte nicht zu viel vom Inhalt verraten, denn ich habe das Buch vollkommen unvoreingenommen gehört und wurde dadurch an manchen Stellen selbst überrascht und das möchte ich auch dir gönnen.
Die Fragen die hier aufgeworfen werden sind Fragen die man sich beim lesen oder hören zum Teil selbst stellt. Selbst stellen sollte.
Vieles in dem Buch ist nicht neu, das ist klar. Aber die Art und Weise wie es erzählt wird ist großartig. Der Stil ist nüchtern und sachlich. Was die Geschehnisse nur umso deutlicher aufzeigt.
Viele der Zitate (besonders die von Natash) wollte ich herausschreiben um sie immer mal wieder lesen zu können. Was für mich zeigt: Das Buch ist ganz klar genial geschrieben.

Die Hörbuchversion, auf die ich hier zurückgegriffen habe, wird sehr passend vertont von Jana Kozewa, die es schafft für jede Szene einen angemessenen, stellenweise berichtend, neutralen Tonfall zu treffen, der die Geschehnisse im Buch perfekt unterstützt und somit nur noch stärker hervortreten lässt. Perfekte Wahl würde ich sagen.

Dies ist kein Roman, den man liest, zuklappt, ins Regal stellt und dann vergisst. Dies ist ein Roman der dich Dinge hinterfragen lässt. Der dich, im besten Fall, wach rüttelt. Es ist ein gesellschaftlicher, ein feminsitischer Roman der dich die Dinge eventuell neu bewerten lässt.
Solltest du dir natürlich vorher schon Gedanken zu den Themen gemacht haben die hier behandelt werden, dann ist sicher nicht alles neu, aber es lohnt sich dennoch.

Na los. Nicht so schüchtern. We`re all mad here!

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Grusel, Knistern, Spice auf Horrorinsel gefällig?

House of Rayne
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Herbstliche sapphic Romance mit Horror Elementen? Count me in!
Und dann spielt das ganze auch noch auf einer Insel mit religiösen Menschen? Wer „Midnight Mass“ kennt und liebt, weiß warum ich von der Idee ...

Herbstliche sapphic Romance mit Horror Elementen? Count me in!
Und dann spielt das ganze auch noch auf einer Insel mit religiösen Menschen? Wer „Midnight Mass“ kennt und liebt, weiß warum ich von der Idee so begeister war.

Harley Laroux entführt uns an der Seite von Salem und Rayne in eine düstere Welt voller Gehemnisse. Dabei findet sie für mich genau die richtige Mischung zwischen Suspense, Grusel und richtig gehenden Horrorelementen.
Die Spice Szenen sind genial gut geschrieben und absolut green flaggig (da es hier auch um Dominanzspielchen geht, für mich absolut wichtig zu erwähnen).
Die beiden Protagonistinnen aus deren Sicht abwechselnd berichtet wird sind beide auf ihre Art liebenswert und individuell interessant.
Es hat mir großen Spaß gemacht ihre jeweiligen Seiten zu lesen, ohne das ich sagen kann wen von den beiden ich favorisiere.
Der Schreibstil ist angenehm und lässt sich so weg suchten und es gibt sogar einen Hund! Warum als keine vollen 5 Sterne???
Wegen dem Pacing! Ganz ehrlich? Ich kann ja verstehen, dass die beiden es Treiben wie die Karnickel. Alles fein. Aber wenn da ständig eine Spice Szene kommt, die dann die Spannung bzgl des Horrorteils des Buches zerreißt, dann ist mir das dann doch zu viel. Ja, klar. Stressabbau ist wichtig. Gerade auf einer Insel auf der Menschen verschwinden und so. Aber mal ganz im Ernst, ich möchte schon wissen was mit diesen Leuten ist und nicht erst 12 Seiten lesen wie die Haut von wem schmeckt. Spice ist auch ok, sonst hätte ich das Buch ja nicht geholt, aber irgendwie war es mir zum einen einfach viel zu viel und zum anderen kam das immer an Stellen, an denen ich voller Anspannung darauf gewartet habe wie es denn nun weitergeht.
Ich muss zugeben, ich habe dann einige der ellenlangen Spiceszenen einfach quergelesen. Irgendwie schade. Denn gut geschrieben sind die definitiv. Nur an der falschen Stelle.
Und das hat mich halt leider so weit aus dem Lesefluss katapultiert, dass ich dem Buch einfach keine volle Punktzahl geben kann.

Es lohnt sich allerdings wirklich zu lesen. Also greift zu, wenn ihr euch gern ein wenig gruseln möchtet (und nicht nur das ;) )


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Veröffentlicht am 02.11.2025

Nordische Mythologie, Teenie-Probleme und ein Mörder

Ansuz – Das Flüstern der Raben (1)
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Puh, als meine Reado App „Ansuz“ vom SuB gewürfelt hat, hab ich doch erstmal geschluckt. 800 Seiten?
Was soll ich sagen? Die 800 Seiten verflogen wirklich wie im Flug!
Zunächst mal gefällt mir das „nordische ...

Puh, als meine Reado App „Ansuz“ vom SuB gewürfelt hat, hab ich doch erstmal geschluckt. 800 Seiten?
Was soll ich sagen? Die 800 Seiten verflogen wirklich wie im Flug!
Zunächst mal gefällt mir das „nordische Götterthema“ sehr gut. Dann sind die Haupt- und Nebencharaktere sympathisch und nahbar und zusätzlich der Schreibstil Bildhaft und locker. Alles allerbeste Voraussetzungen.
Die Idee der Autorin einen gewissen Crime-Aspekt mit einzubringen gefiel mir sehr gut und ich habe bis kurz vor Ende gerätselt wer denn nun der Mörder sein könnte.
Ich finde schon, dass man beim Lesen merkt, dass es sich um ein Buch eher für Jugendliche handelt. Daher konnte mich nicht alles ganz abholen, manches ging mir einfach zu schnell, manche Dialoge waren nicht meins, aber ich denke, hätte ich das Buch als Jugendliche gelesen wäre es sicherlich ein absolutes Highlight geworden.
So kann ich nur sagen, dass ich doch mittlerweile mehr bei Büchern hinterfrage und manches mir hier dann doch zu einfach war.
Dennoch konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen und hatte es in unter einer Woche durch. Die Art des Schreibens hat mich extrem in ihren Bann gezogen und unsere Protagonistin ebenso.
Von daher ein alles in allem solides 4 Sterne Buch für mich.

Ein Buch für alle die die nordische Mythologie lieben und sich einfach in eine spannende Geschichte mit einigen mythologischen Gestalten fallen lassen wollen.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Tolle Tierportraits und Tipps um sie zu finden

Tiere beobachten mit dem Wildtierguide
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Die Ratgeber von Kosmos können was und da ist dieser hier absolut keine Ausnahme. Der Autor Patrick Hundorf war mir vorab nicht bekannt und entsprechend neugierig bin ich an das Buch ran gegangen.
Zunächst ...

Die Ratgeber von Kosmos können was und da ist dieser hier absolut keine Ausnahme. Der Autor Patrick Hundorf war mir vorab nicht bekannt und entsprechend neugierig bin ich an das Buch ran gegangen.
Zunächst beschreibt Hundorf generell was es so für Tierbeobachtungen braucht, Ausrüstung und so weiter. Danach kommen auch schon die tollen Tierportraits im Detail: Von Säugetieren, über Vögel zu den Reptilien und Insekten ist alles mögliche vertreten was unsere Breitengrade so hergeben (naturülich nich alles, alles, aber stellvertretend einige sehr interessante Vertreter).
Die einzelnen Tierarten sind unterteilt in einen kurzen Steckbrief, Lebensraum, Details zum Verhalten, zu welcher Tageszeit sie am aktivsten sind, wann im Jahr welche Beobachtungen möglich sind und welche Ausrüstung zu empfehlen ist. Dazu ein paar schöne Fotos und immer ein Insider-Tipp. Die meisten Tiere werden auf einer Doppelseite vorgestellt, einige bekommen zwei.
Aufgelockert wird das ganze durch die ein oder andere Anekdote von Hundorf selbst, die ich persönlich sehr mochte.
Am Ende wartet noch ein Ausklappbarer „Datingkalender“ zur besseren Übersicht.

Das Buch ist nicht zu schwer um es sich in den Rucksack zu stecken und somit auch der ideale Begleiter für unterwegs.

Ich beschäftige mich schon lange mit der Natur vor der Haustür und vieles ist mir nicht neu, aber hier habe ich noch einiges Neues entdecken können. Manche Art war mir (gerade bei Vögeln und Insekten) gar nicht geläufig und auch mancher Fakt nicht (Dachse vererben ihre Bauten? Wie cool ist das denn?!)

Besonders gut: Hundorf teilt zwar seinen Enthusiasmus, aber nicht auf Kosten der Tiere. Er sagt ganz klar, dass man diese nicht stören soll und nur soweit beobachten wie es die Tiere selbst zulassen. Ein wichtiger Aspekt, der immer wieder betont werden muss, damit es jeder versteht.

Das Buch ist für jeden etwas, der sich gerne mit der Natur vor der Haustür beschäftigen möchte. Ob man jetzt direkt Unsummen ausgeben mag für ein Wärmebild-Fernglas sei mal dahin gestellt, aber ich bin mir sicher mit einem guten Fernglas kann man auch schon die ein oder andere schöne Entdeckung machen.

Einzige Kritk: Vielleicht hätte man die Aktivitätszeiten der einzelnen Tiere durch ein Symbol beim Steckbrief schnell darstellen können und somit noch mehr Platz gehabt für weitere tolle Fakten.

Ich für meinen Teil kann es gar nicht erwarten nun mit meinem Fernglas die ersten gezielten Beobachtungen mit dem Buch zu machen.

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