Unschärfe als Methode
Ernst VollandMartin Luther King steht da. Hält eine Rede. Erkennbar ist er nur schemenhaft, das Bild ist unscharf. Der Künstler Ernst Volland hat das Bild verfremdet. Seine Methode: die Unschärfe. In dem Band „Eingebrannte ...
Martin Luther King steht da. Hält eine Rede. Erkennbar ist er nur schemenhaft, das Bild ist unscharf. Der Künstler Ernst Volland hat das Bild verfremdet. Seine Methode: die Unschärfe. In dem Band „Eingebrannte Bilder“ findet sich ein Querschnitt aus Ernst Vollands künstlerischem Werk. Versehen ist das Ganze mit umfangreichen Erläuterungen, sei es als Sekundärliteratur, Interview oder persönlicher Annäherung.
In seinen jüngsten Werken lässt Volland die Bilder sprechen. In einem Interview sagt er selbst dazu: „Ich brauche keinen Text, im Gegensatz zu anderen Künstlern, die als Bildtitel daneben schreiben, was der Betrachter sehen soll. Aufgabe des Künstlers ist es, ein Bild
herzustellen. Ich gebe ein Bild vor und lasse mich davon überraschen, was der Betrachter wahrnimmt. Der Betrachter bleibt allein mit der Frage, warum sich bestimmte Bilder in das Gehirn einbrennen, wieso man sie nicht vergessen kann.“
Volland arbeitet sich also an Bildmotiven ab, an die man sich erinnert, die einem bekannt vorkommen, die in die Geschichte eingegangen sind. Ob Drittes Reich, Hitler oder Hiroshima: Vollands Weg der Verfremdung ist die Unschärfe. Und der Betrachter stellt sich die Frage: Was macht das Bild aus? Auf Bildtitel verzichtet Volland weitgehend, ein H steht für Hitler, ein MM für Marilyn Monroe.
Freilich sind in „Eingebrannte Bilder“ auch ältere Bilder Vollands abgedruckt mit Bildtiteln, die daneben stehen, mit klaren Aussagen. Die Bildcollagen etwa, wo auf der linken Seite die Aufnahme eines Profilbilds eines Häftlings zu sehen ist mit der Nummer 78056, ihm steht auf der rechten Seite das Bild eines Soldaten gegenüber, das einem Ehrenmal entstammt. Beide blicken sich in die Augen. Oder: drei Bilder, links und rechts Leichenberge aus den Konzentrationslagern des Dritten Reiches, dazwischen das Ehrenmal für gefallene Soldaten.
Dem gegenüber wirken die politischen Bilder Vollands, die den 70er Jahren entstammen, weit weg und wenig professionell. In unnötiger Ausführlichkeit werden juristische Auseinandersetzungen wie z.B. mit Jägermeister dargestellt, aber auch die Ausführungen zu Volland und der RAF wirken heute doch sehr angestaubt. Hier hätte man sich doch eher eine historische Einordnung gewünscht als ausführliche Darstellungen juristischer Auseinandersetzungen. Schließlich ist nicht mehr alles so aktuell wie das Bild „Freiheitsstatue“ von 1983, das auch als Titelbild abgedruckt ist.
Lächerlich wirkt im Vergleich zum anfänglich gezeigten jüngeren Werk der „Fotocomic Hitler“ (Hitler auf dem Weg zum Einkaufen…) und die Aktion, wie Gott und wie der Teufel aussieht. Volland schickt ein selbst gezeichnetes „Kinderbild“ an kirchliche Stellen und fragt (als ratlose Eltern) an, wie Gott, wie der Teufel aussehe. Die Antworten sind (leider) auch noch abgedruckt. Für mich hat da mein Bild von Volland sehr gelitten. Dagegen hätte ich mir gewünscht, dass die Buntstiftbilder Vollands mehr gewürdigt würden.