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Veröffentlicht am 03.04.2026

Zusammen ist man weniger allein

Das Geheimnis des Geigenbauers
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„… eine Geige von seltener Schönheit und einer außergewöhnlichen, berauschenden Macht. Gebaut aus Vogelgesang und Versprechen und geschnitzt aus Holz und Knochen, weckt sie seit über zweihundert Jahren ...

„… eine Geige von seltener Schönheit und einer außergewöhnlichen, berauschenden Macht. Gebaut aus Vogelgesang und Versprechen und geschnitzt aus Holz und Knochen, weckt sie seit über zweihundert Jahren Verlangen in den Herzen von Musikern.“ (S. 5)
Devlin arbeitet im Flughafen Heathrow in der Gepäckabfertigung. Im dortigen Fundbüro erwirbt er eine alte Geige. Als er kurz darauf erfährt, dass bei Christie‘s eine unbezahlbare Violine gestohlen wurde, befürchtet er, dass es sich bei seinem Fund um eben dieses Instrument handeln könnte. Doch bevor er sie zurückgibt, will er Gewissheit, denn sie ist ihm bereits ans Herz gewachsen.
Er bittet seinen ehemaligen Lehrer Walter um Hilfe, der ihn stets gefördert hat. Walter zieht Gabrielle dazu, eine auf Geigen spezialisierte Instrumentengutachterin. Auch sie sieht sofort, dass es sich um ein außergewöhnliches Instrument handelt, kann es jedoch keinem bekannten Geigenbauer zuordnen. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach seiner Herkunft und stoßen dabei auf eine ganz besondere, magische Liebesgeschichte.

Mich fasziniert, wie Evie Woods in ihren Bücher spannende historische Erzählungen mit einem Hauch Magie verwebt.
Aus einer großen Liebe geboren, bringt die Violine über mehr als 200 Jahren hinweg immer wieder Liebende zusammen, veränderte Schicksale zum Guten oder wird zur Bestimmung ihrer Besitzer. Das spüren auch Devlin, Walter und Gabrielle, sobald sie das Instrument in die Hand nehmen. Plötzlich erscheinen ihre Sorgen kleiner oder weiter entfernt, alte Verletzungen und Narben verblassen, und ihre Seelen – manchmal sogar ihre Körper – beginnen zu heilen. Denn obwohl sie nach außen hin unauffällig erscheinen, tragen alle drei tiefe Wunden in sich und kämpfen mit einer Einsamkeit, die sie zum Teil selbst gewählt haben. Auf ihrer gemeinsamen Suche wachsen sie zusammen, lernen sich selbst besser kennen und finden schließlich den Mut, sich zu öffnen. Zum ersten Mal sprechen sie über das, was ihnen widerfahren ist, über das, was ihnen einst Lebensfreude und Zuversicht genommen hat. Die heilende Kraft der Musik lässt ihre Schutzmauern nach und nach zerbrechen. „Es gibt eine Macht, die über einfache Musik hinaus reicht. Diese Geige ist der Schlüssel dazu. Sie schließt etwas im Inneren auf.“ (S. 343)

Wie eine leise Geigenmelodie durchzieht ein Hauch von Magie das gesamte Buch. Die Protagonisten verbindet eine Reihe bewegender Schicksale; ihre Geschichten sind poetisch, oft traurig-schön und regen zum Nachdenken an. Ab einem bestimmten Punkt möchte man nicht, dass die Reise der Geige endet – und weiß doch, dass genau das geschehen muss, damit sich ihr Schicksal erfüllen kann.

Und vielleicht ist es genau das, was dieses Buch so besonders macht: die leise Erinnerung daran, dass selbst die größten Wunden heilen können, wenn wir den Mut finden, uns berühren zu lassen – von der Musik, vom Leben und voneinander. Denn am Ende ist man zusammen tatsächlich weniger allein.

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Neben der Spur

Einatmen. Ausatmen.
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Marlene hat eigentlich alles, was es braucht um die nächste Vorstandsvorsitzende des Aviola Konzerns zu werden – außer Empathie. Seit Jahren bringt sie der Firma hohe Gewinne ein, weiß genau, wer mit wem ...

Marlene hat eigentlich alles, was es braucht um die nächste Vorstandsvorsitzende des Aviola Konzerns zu werden – außer Empathie. Seit Jahren bringt sie der Firma hohe Gewinne ein, weiß genau, wer mit wem am effektivsten zusammenarbeitet, doch sobald es um zwischenmenschliche Beziehungen geht, versagt sie auf ganzer Linie. „Sie wusste schlicht nicht, wie man es anstellte, sich mit anderen Menschen zu verbinden.“ (S. 37) Freunde braucht sie keine, an der Spitze ist es ohnehin einsam. Auch privat vermisst sie keinen Partner. „…, wenn irgendwann der Tag kommen sollte, an dem ihr ein Mann wichtiger war als ihre Arbeit, dann wäre das doch vor allem ein Zeichen dafür, dass sie sich dringend einen neuen Job suchen müsste.“ (S. 8) Den CEO-Posten, auf den sie jahrelang hingearbeitet hat, bekommt sie jedoch nur, wenn sie ihre Kompetenzen in der Mitarbeiterführung unter Beweis stellt. Also lässt sie sich widerwillig auf ein zweiwöchiges Achtsamkeitsseminar auf einem Schloss in Brandenburg, geleitet von DEM Guru Alex Grow, zu dem ihr Chef sie schickt.

Doch auch bei Alex ist längst nicht alles so perfekt, wie es nach außen wirkt. Seine Academy ist in den letzten Jahren rasant gewachsen, doch der Erfolg fordert seinen Preis. Alex versucht, allen Kunden und Angestellten gerecht werden, verliert dabei aber zunehmend die Kraft, die ihn einst ausgezeichnet hat. „Ihm fehlte die positive Energie, die vermutlich sein wichtigstes Betriebskapital gewesen war.“ (S. 18) Nach zwei Zusammenbrüchen läuft das Geschäft schlechter, die Einnahmen sinken. Deshalb geht er einen Deal mit Marlenes Chef gemacht. Wenn er sie fit für die Führungsposition macht, wird künftig die gesamte Belegschaft des Unternehmens zu seinen Seminaren geschickt.
Schon bei ihrer ersten Begegnung merkt Alex jedoch, dass Marlene kein gewöhnlicher Fall ist, und vor allem nicht gewillt, sich helfen zu lassen. „Wie sollte er dieser Frau helfen, die offenkundig gar nicht nach seiner Hilfe verlangte?“ (S. 31)

In „Einatmen. Ausatmen.“ lässt Maxim Leo zwei Figuren aufeinandertreffen, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Alex ist einfühlsam, will, dass es allen gutgeht, und glaubt fest an seine Methoden – auch wenn sie bei ihm längst nicht mehr wirken.
Marlene hingegen hält Achtsamkeit für „Hokuspokus“. Sie meidet Nähe, flüchtet vor ihren Problemen und erschrickt vor jeder Form von Berührung. Ihre Mutter hat ihr schon als Kind eingeredet, sie sei seltsam und Gefühle seien etwas, das nur andere Menschen haben. Diese Überzeugung hat Marlene tief verinnerlicht.
Erst durch Alex‘ Hausmeister kennen. Günther Mattissen, der ihr in vielerlei Hinsicht ähnelt und Tiere Menschen vorzieht, beginnt sich etwas zu verändern. Als Günther einen schweren Schicksalsschlag erleidet, empfindet Marlene zum ersten Mal echte Empathie. Sie tröstet und unterstützt ihn – und stößt dabei auf ihre eigenen verdrängten Gefühle und die Ursachen ihres Verhaltens.
Das Achtsamkeitsseminar wird für sie zu einer schmerzhaften, aber auch heilsamen Reise. Sie begibt sich auf die Suche nach sich selbst, ihren Wurzeln und nach einem Gefühl von Heimat. Unterstützt wird sie dabei von unerwarteten Begleitern: einem jungen Mädchen und einem verletzten Wildschwein, die plötzlich im Park des Schlosses auftauchen und das Leben der Seminarteilnehmer durcheinanderbringen.

Maxim Leo erzählt diese Sinnsuche bildhaft, gefühlvoll und mit feinem Humor. Besonders gelungen beschreibt er Marlenes innere Leere und ihre vorsichtige Annäherung an andere Menschen. Allerdings empfand ich das letzte Drittel des Romans als etwas unausgewogen, da darin einige für mich eher unrealistische Ereignisse vorkommen.

Trotzdem bleibt Einatmen. Ausatmen. ein ungewöhnlicher Roman über Selbstfindung, emotionale Blockaden und die Frage, ob und wie sehr Menschen sich wirklich verändern können – eine Geschichte, die nachdenklich macht und noch eine Weile nachhallt.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Ein Internatsroman, der unter die Haut geht

Was wir nicht sagen können
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„Ich will hier einfach nur Lennox sein.“ (S. 89)
Lennox will sein letztes Schuljahr möglichst unauffällig und unerkannt verbringen. Genau deshalb ist er extra an ein Schweizer Eliteinternat gewechselt. ...

„Ich will hier einfach nur Lennox sein.“ (S. 89)
Lennox will sein letztes Schuljahr möglichst unauffällig und unerkannt verbringen. Genau deshalb ist er extra an ein Schweizer Eliteinternat gewechselt. Doch dort zählen vor allem der (Familien)Name, das Vermögen und der Einfluss und die Macht, die Geld mit sich bringen. Natürlich sorgt es für Aufsehen, wenn plötzlich ein völlig Unbekannter auftaucht, dessen Namen niemand kennt, der auf Social Media nicht existiert und auch sonst nicht besonders gesprächig ist.

Lennox lässt niemanden an sich heran, nicht mal seinen Zimmergenossen Jesper, der sich ehrlich bemüht, Freundschaft zu schließen. Erst als er seine Mentorin Katharina kennenlernt, beginnt sich etwas zu ändern. Sie spielt nicht nur sagenhaft gut Klavier, sie komponiert auch eigene Stücke. Ihre Musik berührt Lennox tief. Wenn er ihr zuhört, kommt er endlich zur Ruhe. Die Geräusche in seinem Kopf verstumme und das Unvergessliche tritt kurz in den Hintergrund. Sie kommen sich näher, schließlich verlieben sie sich. Doch wie nah kann man sich wirklich kommen, wenn man seine Geheimnisse um jeden Preis bewahren will?
Katharina merkt schnell, dass Lennox auf laute Geräuschen mit Panikattacken reagiert und dann kaum noch ansprechbar ist. Gleichzeitig haben sie noch mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen: Katharinas Exfreund Dexter, der Kapitän des Ruderteams, will sie unbedingt zurückgewinnen. Außerdem versucht er verzweifelt, den Erwartungen seiner Familie gerecht zu werden. Sein Vater und sein Bruder waren beide Jahrgangsbeste – und dasselbe wird nun von ihm erwartet. Um dieses Ziel zu erreichen, schreckt er vor nichts zurück. „Dexters Währung sind Informationen. Er kennt so viele Geheimnisse. Über Mitschüler, Lehrer, Ehemalige, Eltern.“ (S. 148)

Lennox ist so sehr seinem eigenen Geheimnis beschäftigt, dass er lange nicht erkennt, was sich hinter den Fassaden seiner Mitschüler verbirgt. Denn der Druck ist bei für alle enorm. Die Schule allein ist schon anspruchsvoll genug, doch die Erwartungen ihrer Eltern sind oft kaum zu erfüllen. Eigene Wünsche und Träume müssen hinter den Vorstellungen ihrer Familien zurückstehen. „… hier lernt der Elitenachwuchs der Elite für ihr Leben in der Elitegesellschaft. Geschenkt kriegst du hier nichts.“ (S. 33)
Auch Katharina steht vor dieser Entscheidung. Sie soll später ins Familienunternehmen einsteigen, obwohl sie viel lieber Pianistin wäre. Die Stunden am Klavier sind ihre Zuflucht und gleichzeitig schmerzhaft. „Jedes Mal, wenn ich hier spiele, ist es wie ein Abschied. Jeder Tag, der vergeht, lässt meine Musik leiser werden. Bis sie irgendwann nur noch eine Erinnerung sein wird.“ (S. 215)
Dexter hingegen nutzt die Geheimnisse anderer, um seine Stellung zu sichern. Mit Angst, Loyalität und Gefälligkeiten bindet er die Menschen an sich. Nach außen gibt er sich als harter, aber auch großzügiger Anführer.

Adriana Popescu versprüht in Was wir nicht sagen können dank Schuluniformen, Internatsalltag und komplexen Beziehungen zwar ein wenig Maxton-Hall-Vibes, doch ihr neuestes – und wahrscheinlich leider auch letztes – Jugendbuch geht deutlich tiefer. Es geht um die Freiheit, selbst entscheiden zu dürfen, welchen Weg man im Leben gehen will, ohne ständig Rücksicht auf familiäre Erwartungen nehmen zu müssen. Es geht um den Wunsch, Träume wenigstens ausprobieren zu dürfen. Die wichtigste Botschaft des Buches ist jedoch, dass man um Hilfe bitten darf, wenn man überfordert oder gestresst ist, und dass Hilflosigkeit nicht an anderen ausgelassen werden sollte.
Popescues Coming-of-Age-Roman ist emotional, spannend und voller unvorhersehbarer Wendungen. Besonders beeindruckend ist ihr sensibler Umgang mit einem bedrückenden, aber wichtigen Thema.

Ein berührendes Lesehighlight, das zur Pflichtlektüre an Schulen werden sollte.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Das kann uns keiner nehmen

Alt genug
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„Die Lebensmitte ist überschritten, ich habe geliebte Menschen, etliche Illusionen, häufig den Mut und zweimal mein Portemonnaie, inklusive sämtliche Papiere verloren. … aber ich bin immer noch da.“ (S. ...

„Die Lebensmitte ist überschritten, ich habe geliebte Menschen, etliche Illusionen, häufig den Mut und zweimal mein Portemonnaie, inklusive sämtliche Papiere verloren. … aber ich bin immer noch da.“ (S. 7)
Ildikó von Kürthy spricht mir mit diesem Buch aus der Seele. Als Frau über 50 scheine ich eine magisch Grenze überschritten zu haben, bei der man für viele plötzlich unsichtbar geworden zu sein scheint. Das ist einerseits oft befreiend, andererseits manchmal aber auch sehr schmerzhaft.

Das Buch ist eine selbstironische, selbstkritische und humorvolle Abrechnung mit ihrem Leben und unserer Gesellschaft. Sie schreibt ehrlich über ihre diversen Ängste, Panikattacken, Sehnsüchte und Süchte und wie sie die überwunden oder sich zumindest damit arrangiert hat. In „Neuland“ hat sie versucht, sich neu zu erfinden, in „Alt genug“ ist sie endlich angekommen und hat sich mit all ihren Macken, Fehlern und Eigenheiten akzeptiert. Das Schöne am Älterwerden ist ja auch, dass man plötzlich mit einer gewissen Altersweisheit, Erfahrung, Distanz, Mut und Ruhe auf Dinge hinab- oder zurückblickt, die einen früher aufgeregt hätten.

Es ist wieder eine sehr persönliche Geschichte. Sie schreibt von unzähligen Auftritten, die ihr irgendwann zu viel wurden, von Festivals, einem Schreibseminar, ihrer Bewerbung bei GNTM und ihrem ersten Urlaub allein in New York. Sie erzählt vom Verlust ihrer Eltern, den Todesfällen im Freundes- und Bekanntenkreis und der kleinen Gruppe ihrer engsten Freundinnen, die wirklich immer füreinander da sind und um die ich sie beneide.
Ildikó von Kürthy plädiert dafür, nicht so zu leben, als wäre jeder Tag der letzte, sondern als wäre er der erste – mit Neugier, Dankbarkeit, Gelassenheit und der Bereitschaft, sich selbst wichtig zu nehmen.

„Alt genug“ ist eine warmherzige, kluge und tröstliche Ode an das Leben und die Freundschaft, an das Älterwerden und das Ankommen bei sich selbst. Es erzählt von wachsender Gelassenheit und dem Mut, Dinge endlich auszusprechen, statt sie still hinzunehmen, und davon, für die eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Träume einzustehen. Zugleich erinnert es uns daran, dass uns unsere gesa

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Veröffentlicht am 27.12.2025

Katz und Maus

Die MörderMitzi und der eiskalte Tod
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… spielt der Mörder mit den Teilnehmern des von Mitzis Psychotherapeuten Dr. Rannacher organisierten Retreats im Dachsteingebirge. Geplant waren acht Tage in der Tannenzapfenhütte, ohne Telefon und Internet, ...

… spielt der Mörder mit den Teilnehmern des von Mitzis Psychotherapeuten Dr. Rannacher organisierten Retreats im Dachsteingebirge. Geplant waren acht Tage in der Tannenzapfenhütte, ohne Telefon und Internet, zurück zur Natur und dem einfachen Leben, damit alle zur Ruhe kommen und zu sich selbst finden. Stattdessen stolpert Mitzi schon beim ersten Spaziergang über eine Leiche, die sie aber auf Bitten von Dr. Rannacher den anderen gegenüber verschweigen soll. Da das Satelliten-Telefon nicht funktioniert und der Schneefall immer heftiger wird, können sie auch die Bergwacht nicht informieren. „Der Mann im Wald und der Satelliten-Messenger – beide waren ohne Leben.“ (S. 69)
Für Mitzi steht fest: Das kann kein Zufall sein! Jemand will den Toten so lange wie möglich geheim halten. Einer der anderen Teilnehmer? Sie ist überzeugt davon und versetzt sich gedanklich in ihre beste Freundin, Revierinspektorin Agnes Kirschnagel, mit der sie schon einige Fälle gelöst hat. Wie würde Agnes ermitteln?
Zur Gruppe gehören neben Dr. Rannacher und Mitzi dessen Assistentin, zwei Männer und drei Frauen. Doch wer von ihnen hatte Motiv und Gelegenheit, den Mann im Schnee zu töten?

„Mit jedem Tag, eher mit jeder Stunde, trudelten die Anwesenden tiefer in eine Geschichte, für die es keine Erklärung gab. Keiner schien mehr sicher zu sein, und nur einer unter den Anwesenden konnte wissen, welche Spiel sich oben nach und nach entfaltete.“ (S. 177)
Die durch die Wetterlage ohnehin schon angespannte Stimmung schaukelt sich immer weiter hoch. Alle Teilnehmer tragen ihre eigenen (psychische) Probleme mit sich herum, leben auf engstem Raum und müssen miteinander klarkommen. Nachts quietschen Türen, die eigentlich verschlossen sein sollten, und ständig hat jemand das Gefühl, aus den Schatten heraus beobachtet zu werden. Dann kommt es zu einem Todesfall in der Hütte, und einer der Teilnehmer dreht völlig durch. Auch anderen geht es plötzlich unerklärlich schlecht. Treibt jemand ein perfides Spiel mit ihnen? Und wie so oft kann Mitzi das Ermitteln nicht lassen und bringt sich damit erneut in Lebensgefahr.

„Die MörderMitzi und der eiskalte Tod“ ist für mich einer der besten Teile der Reihe von Isabella Archan. Die Handlung ist unglaublich dicht, spielt sich fast ausschließlich in der Hütte und ihrer näheren Umgebung ab und erinnert in ihrer Intensität an ein Kammerspiel. Man taucht tief in die Charaktere ein und weiß dennoch nie, wer hier ein doppeltes Spiel treibt. Die anfängliche Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung kippt rasch, als sie von der Außenwelt abgeschnitten werden und ungewöhnliche Dinge geschehen.
Besonders spannend fand ich, wie Dr. Rannacher immer mutloser und verzweifelter wird, weil ihm die Situation entgleitet. Mitzi hingegen blüht geradezu auf, sobald sie einen Mord wittert – ihren ungeliebten Spitznamen trägt sie nicht umsonst. Sie spürt Verbrechen fast, noch bevor sie geschehen.

Ein atmosphärisch dichter, nervenaufreibender Fall, der die Stärken der Reihe voll ausspielt und bis zum Schluss in Atem hält.

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