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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.03.2026

Außergewöhnlich und sehr lesenswert

Moosland
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Viele junge Frauen aus Deutschland machten sich kurz nach dem Krieg auf den Weg nach Island, um dort auf Bauernhöfen zu arbeiten. Auch Elsa gehört zu ihnen. Sie kommt im Sommer 1949 an, mit wenig Gepäck ...

Viele junge Frauen aus Deutschland machten sich kurz nach dem Krieg auf den Weg nach Island, um dort auf Bauernhöfen zu arbeiten. Auch Elsa gehört zu ihnen. Sie kommt im Sommer 1949 an, mit wenig Gepäck und mit einer Trauer, über die sie nicht spricht. Auf dem abgelegenen Hof trifft sie auf Menschen, deren Sprache sie nicht versteht, und auf eine Landschaft aus Wind, Licht und weiten Wiesen, die zunächst fremd wirkt.
Der Alltag auf dem Hof ist von Arbeit geprägt. Vieles läuft still und ohne viele Worte ab. Elsa versteht die Sprache der Menschen zunächst nicht, doch nach und nach entsteht ein vorsichtiges Miteinander. Mit der Zeit bekommt man beim Lesen ein klares Bild vom Leben auf diesem Hof und von dem einfachen Alltag dort. Auch die Landschaft spielt dabei eine große Rolle. Das weite Land, der Wind und das wechselnde Licht geben der Geschichte eine besondere Stimmung. Besonders im Mittelteil wird deutlich, wie der Alltag auf dem Hof aussieht und wie die Menschen miteinander umgehen.
Mit der Zeit wird spürbar, dass auf dem Hof nicht alles so ruhig ist, wie es zunächst scheint. Elsas Anwesenheit verändert das Zusammenleben, besonders im Umgang mit den beiden Bauernsöhnen. Erwartungen stehen im Raum, manche offen, andere unausgesprochen. Gleichzeitig liegt über der Familie ein Thema, über das niemand spricht. Die verschwundene Tochter des Hauses wird für Elsa immer mehr zu einer stillen Frage, die sich durch die Geschichte zieht.
Der Schreibstil wirkt am Anfang etwas ungewohnt. Die Sätze sind ruhig und oft knapp gehalten. Dadurch braucht die Geschichte etwas Zeit, bis man richtig hineinfindet. Nach und nach stellt sich jedoch ein ruhiger Lesefluss ein, der gut zu dieser Geschichte passt. Die Handlung entwickelt sich langsam und lässt Raum für die Gedanken und Gefühle der Figuren.
Die Geschichte lebt von leisen Momenten und von Menschen, die nach und nach greifbar werden. Zwischen Arbeit, Schweigen und vorsichtigen Annäherungen entsteht ein stilles Bild vom Leben auf dem Hof. Gleichzeitig bleibt die Frage nach der verschwundenen Tochter lange im Hintergrund spürbar. Am Ende bleibt eine ruhige und sehr stimmige Geschichte, die noch eine Weile nachklingt.
5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Das Leben am Fluss und seine dunklen Schatten

Der Fährmann
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Das Leben in den beiden kleinen Orten an der Salzach wirkt zunächst ruhig und vertraut. Die Menschen kennen sich, viele Wege führen immer wieder über den Fluss, und alte Regeln bestimmen den Alltag. Einer, ...

Das Leben in den beiden kleinen Orten an der Salzach wirkt zunächst ruhig und vertraut. Die Menschen kennen sich, viele Wege führen immer wieder über den Fluss, und alte Regeln bestimmen den Alltag. Einer, der dabei eine besondere Rolle spielt, ist der Fährmann. Er verbindet die beiden Ufer und damit auch die Menschen. Doch diese scheinbar feste Ordnung wird nach und nach spürbar unsicher.
Im Mittelpunkt steht Hannes Winkler. Als Fährmann hat er eine Aufgabe, die nicht ungefährlich ist. Nach alter Regel darf er keine Familie gründen. Denn falls ihm auf dem Fluss etwas zustößt, sollen keine Frau und keine Kinder zurückbleiben. Doch sein Herz gehört schon lange Elisabeth. Sie fühlt ähnlich, ist aber einem anderen versprochen. So entsteht eine schwierige Lage, die für alle Beteiligten schwer zu tragen ist und die die Geschichte ruhig, aber deutlich prägt.
Auch das Leben in den beiden Dörfern verändert sich langsam. Was früher selbstverständlich war, beginnt sich zu verschieben. Der Erste Weltkrieg bringt Unruhe in die kleine Gemeinschaft an der Salzach. Misstrauen wächst, alte Freundschaften geraten unter Druck und manche Entscheidungen werden plötzlich von Angst, Unsicherheit und auch von Wut begleitet. Besonders unter den jungen Leuten treten Gefühle wie Neid, Enttäuschung und verletzter Stolz stärker hervor.
Als schließlich ein Kind verschwindet, gerät alles aus dem Gleichgewicht. Die Suche nach der Wahrheit lässt lange verborgene Spannungen sichtbar werden. In den Dörfern breitet sich Unruhe aus und aus einzelnen Ereignissen entsteht Schritt für Schritt ein Drama, das immer weitere Kreise zieht.
Regina Denk beschreibt das Leben an der Salzach sehr anschaulich. Die beiden Orte wirken lebendig und glaubwürdig mit ihren Höfen, den Wegen zum Fluss und den vielen kleinen Begegnungen im Alltag. Besonders die Figuren bleiben im Gedächtnis, weil ihre Gedanken und Gefühle gut nachvollziehbar sind. Ihre Hoffnungen, ihre Fehler und ihre Entscheidungen wirken echt und machen die Geschichte berührend.
Der Roman entwickelt eine ruhige, aber stetig wachsende Spannung. Die Geschichte entfaltet sich nach und nach und zeigt, wie stark Liebe, Pflicht, Neid und Schuld das Leben der Menschen prägen können. Gerade die ernste Stimmung und die glaubwürdigen Figuren sorgen dafür, noch eine Weile nachklingt. So entsteht ein eindrucksvolles Familiendrama vor historischer Kulisse, das durch seine dichte Atmosphäre und seine menschliche Nähe besonders in Erinnerung bleibt.
Fazit:
Ein ruhiger, dichter Roman über Liebe, Pflicht und Schuld in einer kleinen Gemeinschaft an der Salzach zur Zeit des Ersten Weltkriegs.
5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Zwischen Liebe, Pflicht und dem Leben dazwischen

Fly Girl – Die Liebe eines Lebens
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Jolene lebt als Mutter, Ehefrau und Soldatin mit viel Verantwortung. Als Helikopterpilotin muss sie im Einsatz funktionieren, auch wenn es ihr innerlich schwerfällt. Während sie versucht, ihre Familie ...

Jolene lebt als Mutter, Ehefrau und Soldatin mit viel Verantwortung. Als Helikopterpilotin muss sie im Einsatz funktionieren, auch wenn es ihr innerlich schwerfällt. Während sie versucht, ihre Familie zu halten, zieht sich ihr Mann Michael immer mehr zurück. Ein Streit zeigt, wie angespannt alles geworden ist, und lässt offen, wie es mit ihrer Beziehung weitergehen kann.
Im Mittelpunkt der Handlung steht Jolenes Weg zwischen Pflichtgefühl, Angst und dem Wunsch nach Nähe. Sie liebt ihre Familie, fühlt sich aber auch ihrem Beruf verbunden. Gedanken an ihre Ehe begleiten sie, auch wenn sie nicht immer ausgesprochen werden.
Der Einsatz als Helikopterpilotin gehört zu Jolenes Alltag im Krieg, ohne dass die Geschichte sich auf Einzelheiten des Geschehens konzentriert. Wichtiger ist, wie diese Situation ihr Leben verändert und welche Spuren sie in ihrem Denken und Fühlen hinterlässt.
Michael wird als Mensch mit eigenen Gründen gezeigt. Sein Verhalten wirkt nachvollziehbar, weil die Geschichte andeutet, welche Erfahrungen und Sorgen dahinterstehen. Dadurch bleibt die Beziehung zwischen beiden Seiten glaubwürdig.
Beim Lesen entsteht das Gefühl, eine Lebensgeschichte zu begleiten, die sich Zeit für ihre Figuren nimmt. Liebe, Vertrauen und das langsame Entfernen zweier Menschen werden ohne große Dramatik erzählt. Vieles wirkt stärker durch das, was zwischen den Zeilen spürbar ist.
Jolenes Zweifel, ihre Verantwortung als Mutter und Soldatin und ihre Sehnsucht nach Geborgenheit stehen dicht beieinander. Die einfache Sprache unterstützt den natürlichen Eindruck der Geschichte.
Der Roman zeigt, wie schwierig Liebe sein kann, wenn sich Menschen verändern oder unterschiedliche Wege gehen. Gerade die ausgewogene Darstellung der Figuren passt gut zu dieser Geschichte.
Am Ende bleibt das Bild einer Frau, die zwischen Familie, Beruf und der Angst vor einer ungewissen Zukunft ihren eigenen Weg finden muss. Die Geschichte berührt durch ihre Nähe zu den Menschen und durch die zurückhaltende Art, über große Themen zu erzählen.
Der Roman wirkt ehrlich und ohne künstliche Effekte. Liebe, Angst und Verantwortung werden nicht übertrieben dargestellt. Wer sich auf eine Lebensgeschichte über Liebe, Verantwortung und Entscheidungen einlassen möchte, findet hier eine passende Lektüre. Besonders für Leserinnen und Leser, die gefühlvolle Romane mit klarer, unaufgeregter Sprache mögen, ist die Geschichte geeignet.
5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Eine Geschichte, die berührt

Vergiss nicht zu tanzen, Hanna
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Die Geschichte fängt ruhig an und zieht langsam hinein. Hanna steht sofort im Mittelpunkt und ihre Erinnerungen wirken echt. Es entsteht schnell Nähe zu dem, was sie erlebt hat und was sie verloren hat. ...

Die Geschichte fängt ruhig an und zieht langsam hinein. Hanna steht sofort im Mittelpunkt und ihre Erinnerungen wirken echt. Es entsteht schnell Nähe zu dem, was sie erlebt hat und was sie verloren hat. Der Text liest sich leicht und flüssig und bleibt dabei klar. Erzählt wird aus Hannas Sicht, was der Geschichte Tiefe gibt und vieles nah wirken lässt.
Besonders fesselnd ist, wie sich Hannas Kindheit in Westpommern entfaltet. Die enge Bindung zwischen den Schwestern wird spürbar. Auf der Flucht geht Rosa verloren, und Hanna gibt sich die Schuld dafür. Die Ereignisse werden ruhig geschildert und nicht ausgeschmückt. Gerade dadurch sind viele Passagen sehr ergreifend.
Die Geschichte bleibt konzentriert und nachvollziehbar. Hannas Gedanken, ihre Angst und ihre Hoffnung wirken echt. Krieg, Verfolgung und Flucht werden ernst und respektvoll behandelt, ohne zu übertreiben. Vieles passiert zwischen den Zeilen, was die Geschichte noch berührender macht.
Der Aufbau ist sehr gelungen. Die Handlung bleibt überwiegend in der Vergangenheit und springt nicht ständig zwischen Zeiten hin und her. Nur am Anfang und am Ende öffnet sich der Blick in die Gegenwart. Das passt gut und sorgt dafür, dass der Lesefluss erhalten bleibt. Die Geschichte kann sich entfalten, ohne dass etwas hektisch wirkt.
Am Ende passt alles zusammen. Die Geschichte bleibt im Kopf und lässt einen nicht sofort los. Es bleibt ein ruhiges, zugleich schmerzhaftes Gefühl zurück, das noch eine Weile anhält.
Eine klare Leseempfehlung für alle, die ruhige, fesselnde und sehr ergreifende Romane mit historischem Hintergrund mögen. 5 wohlverdiente Sterne.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Wenn das Erwachsenwerden früh beginnt

Das Ende vom Lied
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Ein dreizehnjähriger Junge steht zwischen Kindheit und einer Welt, die ihn viel zu früh erwachsen macht. Westberlin im Jahr 1969 wirkt rau und eng, und doch liegt in jeder Straßenecke ein Versprechen von ...

Ein dreizehnjähriger Junge steht zwischen Kindheit und einer Welt, die ihn viel zu früh erwachsen macht. Westberlin im Jahr 1969 wirkt rau und eng, und doch liegt in jeder Straßenecke ein Versprechen von Freiheit. In der Belziger Straße lernt er schnell, dass Zugehörigkeit Schutz bedeutet und Liebe ein Wagnis sein kann.
Der Umzug in die neue Wohnung bringt keine Erleichterung. In den Zimmern liegt eine Schwere. Der Vater ist vom Krieg gezeichnet. Die Mutter wirkt müde und oft abwesend. Zwischen den Eltern steht vieles unausgesprochen im Raum. Der Junge spürt, dass zu Hause etwas zerbricht.
Draußen auf der Straße ist alles direkter. Dort gelten klare Regeln. Wer stark ist, wird respektiert. Die Nähe zu Körschi gibt ihm Halt. Gleichzeitig fühlt er sich zu Alina hingezogen. Diese ersten Gefühle sind neu und verwirrend. Man merkt, dass diese Zeit ihn verändert.
Der Roman zeigt ein Westberlin, das hart wirkt und zugleich lebendig ist. Straßen, Hinterhöfe und Wohnungen werden so beschrieben, dass sie greifbar werden. Nichts wird beschönigt. Es gibt Gewalt, aber auch Nähe. Beides steht dicht nebeneinander.
Die Geschichte bleibt nah bei dem Jungen. Vieles erklärt sich aus dem, was er erlebt. Dadurch wirkt alles echt. Die Spannung entsteht nicht nur durch das, was passiert, sondern durch das, was er entscheiden muss. Es geht darum, dazuzugehören und nicht allein zu sein.
Der Roman bleibt ehrlich und klar. Er zeigt ein Westberlin, das eng und rau ist und doch voller Leben steckt. Große Worte braucht es dafür nicht. Die Zeit wird nicht verklärt, sondern so gezeigt, wie sie für den Jungen war.
Seine Unsicherheit, sein Wunsch dazuzugehören und seine ersten starken Gefühle stehen im Mittelpunkt. Die Spannungen in der Familie, die Nähe zu Körschi und die Beziehung zu Alina führen Schritt für Schritt zu einer Entscheidung, die Folgen hat.
Am Ende bleibt das Bild einer Jugend, die früh Verantwortung tragen muss. Die Geschichte zeigt sich vor allem durch das, was der Junge erlebt und fühlt.
Mein Fazit:
Eine eindringliche Geschichte, die von einem Jungen im Westberlin der späten 60er Jahre erzählt. Wer klare, ehrliche und unaufgeregte Romane über das Erwachsenwerden mag, wird dieses Buch gern lesen. Die Geschichte bleibt im Gedächtnis und fühlt sich sehr nah und echt an.
5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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