Eine Leseempfehlung!
Zwei Leichen zum ProseccoUm ihre Außendiensttauglichkeit nach der schweren Verletzung, die sie im Dienst erlitten hat, zu beweisen, muss Chefinspektorin Lotta Meinich ein Training absolvieren. Als sie Bruchteile von Sekunden, ...
Um ihre Außendiensttauglichkeit nach der schweren Verletzung, die sie im Dienst erlitten hat, zu beweisen, muss Chefinspektorin Lotta Meinich ein Training absolvieren. Als sie Bruchteile von Sekunden, da es den Anschein hat, ein Kind erschießen zu müssen, erklärt Klaus Waggler, der Ausbildungsleiter, die Nachschulung für nicht bestanden. Für Lotta heißt das weiterhin Innendienst, während ihr Kollege Daniel Prischko auf Fortbildung beim BKA in Wien ist.
Nur wenig später, Lotta und ihr Vater Gustav, pensionierter Kriminalbeamter, drehen auf dem Kürnbergwald eine ausgedehnte Hunderunde, findet der Labdrador Johann Strauss die Leiche des Juweliers Martin Froschberger. Obwohl formell nicht einsatzbereit, wird Lotta, bis Prischko aus Wien zurück ist, die Ermittlungsarbeit übertragen. Gustav, mit Leib und Seele Polizist, reißt dessen Rolle als Lottas Partner an sich. Nun befragen Vater und Tochter die Witwe. Trauer sieht ein wenig anders aus. Als Prischko und Lotta das Alibi der Witwe überprüfen, platzen sie in ein Party mehrerer Frauen, die, so scheint es, mit Prosecco auf den Tod des Juweliers anstoßen, hinein. Wird hier das unfreiwillige Ableben eines fremdgehenden Ehemanns gefeiert?
Die Tauglichlichkeitsprüfung, die Waggler am Sonntag angesetzt hat, fällt ins Wasser, weil Lotta abermals zum Kürnbergwald gerufen wird, wieder eine männliche Leiche. Auch diese Witwe scheint nicht wirklich um ihren Mann zu trauern ...
Handelt hier ein Rächer gedemütigter, misshandelter und betrogener Ehefrauen? Oder ist alles ganz anders? Es gibt kaum Erkenntnisse, ob und wie die Morde zusammenhängen könnten. Zudem hat Lotta den ehrgeizigen Polizeischüler Tim Waggler (ja, den Sohn des Ausbildungsleiters) am Hals und ihr alleinstehender Vater scheint Interesse an Elke Froschberger zu haben.
Meine Meinung:
Eva Reichl ist mit ihrem zweiten Krimi rund um Lotta Meinich einen spannenden Krimi geschaffen, der die Arbeit der Kriminalpolizei von mehreren Seiten zeigt. Zum einem stellt sie den Alltag der Ermittler vor, der nicht immer so glamourös ist, wie sich der kleine Waggler das so vorstellt und zum anderen zeigt sie an Hand der Gerichtsmedizinerin Ilse die Probleme von arbeitenden Müttern auf, wenn die Betreuung von Kindern nicht immer klappt. Dass Gustav auf Ilses Kinder aufpasst, eröffnet möglicherweise ein neues Betätigungsfeld als Leihopa. Ich denke, nach dem Showdown mit Elke hat er wenig Lust, abermals auf eine lustige Witwe zu treffen.
Lotta muss neben ihrer Dienstfähigkeitsüberprüfung noch die eine oder andere spitze Bemerkung in der Dienststelle über sich ergehen lassen. Zudem scheint es gleich drei Männer zu geben, die Interesse an ihr haben: Da ist zunächst der Ex-Ehemann, dem sie als Anwalt eines Verdächtigen wieder begegnet sowie die Kollegen Prischko und Gsteinhauer, der immer wieder versucht Lotta ans Bein zu pinkeln.
Schmunzeln musste ich über die Gespräche, die Lotta und ihrem Vorgesetzten, dem Landespolizeidirektor Jusuf Schmettenthaler führen. Ein Beispiel gefällig:
„Ich rede mit meiner Frau beim Abendessen auch über die Erlebnisse im Dienst, aber meine Frau ist noch nicht auf die Idee gekommen, dem Landespolizeidirektor zu sagen, was er tun soll und warum. Ich hoffe, das bleibt auch so.“
Der Schreibstil ist erfrischend natürlich. Die Charaktere sind authentisch beschrieben.
Mir hat dieser Krimi wieder sehr gut gefallen, zeigt er doch verschiedene Facetten des Polizeialltags auf. Wir treffen gemeinsam mit den Ermittlern auf mehrere Personen, die etwas zu verbergen haben wie zum Beispiel die Beschäftigung von Schwarzarbeitern oder eine Indoor-Hanfplantage. Auch die lästige Büroarbeit wie Berichte schreiben oder elendslange Telefonlisten vergleichen, bleibt nicht unerwähnt.
Ob Tim Waggler Teil des Teams wird? Bei seinem Vater hat Lotta von nun an mindestens einen Stein im Brett. Das Warum, müsst ihr schon selbst lesen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem 2. Fall für Lotta Meinich & Team, der mich sehr gut unterhalten hat, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.