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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.03.2026

Eindrucksvolles Bild der gesellschaftlichen Verhältnisse um 1900

Tage aus Glas
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„Tage aus Glas“ spielt im Düsseldorf des Jahres 1901 und erzählt die Geschichte zweier Frauen aus völlig unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten. Bille ist die Tochter eines Glasmachers und erlebt ...

„Tage aus Glas“ spielt im Düsseldorf des Jahres 1901 und erzählt die Geschichte zweier Frauen aus völlig unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten. Bille ist die Tochter eines Glasmachers und erlebt hautnah, wie der Streik der Arbeiter das Leben ihrer Familie bestimmt. Leonie hingegen wächst als Tochter des Arztes der Glashütte in großbürgerlichen Verhältnissen auf, fühlt sich jedoch von den Erwartungen ihres Umfelds eingeengt.

Besonders eindringlich schildert der Roman die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter in der Glasfabrik und auch in der Weberei. Der Streik, der sich von Niedersachsen bis nach Düsseldorf ausbreitet, bildet den historischen Hintergrund der Handlung. Dabei wird deutlich, wie wenig die Arbeiter damals zählten und wie wenig ihr Schicksal die Verantwortlichen interessierte. Die starken sozialen Gegensätze zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum beziehungsweise der „besseren Gesellschaft“ werden sehr deutlich herausgearbeitet.

Der Einstieg in das Buch fiel mir allerdings recht schwer. Ich habe lange gebraucht, um in die Geschichte hineinzufinden, und auch im weiteren Verlauf empfand ich die Handlung teilweise als etwas langatmig. Trotzdem vermittelt der Roman ein eindrucksvolles Bild der gesellschaftlichen Verhältnisse um 1900 und greift wichtige Themen wie soziale Ungleichheit, Selbstbestimmung und persönliche Lebenswege auf.

Insgesamt ein historischer Roman mit interessanten Einblicken in die damalige Zeit, der vor allem durch seine gesellschaftlichen Themen überzeugt, auch wenn er mich persönlich nicht vollständig fesseln konnte.

Veröffentlicht am 24.02.2026

Leise und nachdenklich

Sunbirds
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„Sunbirds“ von Penelope Slocombe ist ein ruhig erzählter, literarischer Roman über Familie, Verlust und die Suche nach Orientierung. Die Mutter Anne reist gemeinsam mit ihrer Nichte Esther nach Indien, ...

„Sunbirds“ von Penelope Slocombe ist ein ruhig erzählter, literarischer Roman über Familie, Verlust und die Suche nach Orientierung. Die Mutter Anne reist gemeinsam mit ihrer Nichte Esther nach Indien, um ihren verschwundenen Sohn zu suchen – eine Ausgangssituation, die den Roman trägt, ohne dass äußere Spannung im Vordergrund steht.

Der Text setzt stark auf Atmosphäre und innere Entwicklungen statt auf Handlung und entfaltet dabei eine eher leise, nachdenkliche Stimmung. Trotz der sensiblen Themen habe ich keinen ganz unmittelbaren Zugang zur Geschichte gefunden; die zurückhaltende Erzählweise ließ mich emotional etwas auf Distanz, auch wenn die literarische Qualität spürbar ist.

Ein ruhiger, stimmungsvoller Roman, der mich jedoch nicht vollständig erreicht hat.

Veröffentlicht am 09.04.2025

Vorurteile und Machtmissbrauch

Joseph Süßkind Oppenheimer
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Joseph Süßkind Oppenheimer“ von Raquel Erdmann ist ein faszinierendes und zugleich erschütterndes Buch, das die Geschichte eines der größten Justizskandale des 18. Jahrhunderts aufgreift. Es geht um den ...

Joseph Süßkind Oppenheimer“ von Raquel Erdmann ist ein faszinierendes und zugleich erschütterndes Buch, das die Geschichte eines der größten Justizskandale des 18. Jahrhunderts aufgreift. Es geht um den jüdischen Finanzberater Joseph Süßkind Oppenheimer, der am Hof von Herzog Karl Alexander von Württemberg eine bemerkenswerte Karriere machte – und später in einer fragwürdigen Justizaffäre endete.

Die Autorin ist selbst Gerichtsreporterin und hat akribisch recherchiert. Das Buch konzentriert sich auf Oppenheimers Aufstieg und Fall, wobei Erdmann die historischen Fakten geschickt mit einer emotionalen Erzählweise verbindet. 1738 wurde Oppenheimer des Verrats und der Bestechung beschuldigt und angeklagt. Der Prozess basiert aber nicht nur auf rechtlichen, sondern auch auf politischen und antisemitischen Motiven. Der Richter, der das Verfahren leitete, war ein politischer Gegner Oppenheimers, der letztlich zum Tode verurteilt und öffentlich gehängt wurde.

Erdtmann lässt das Leben von Oppenheimer und die Zeit, in der er lebte, lebendig werden. Der Schreibstil ist an manchen Stellen etwas schwer zugänglich und zeigt auch immer wieder Längen, ist aber zugleich einfühlsam und fesselnd.

„Joseph Süßkind Oppenheimer“ regt zum Nachdenken an und zeigt, wie Vorurteile und Machtmissbrauch das Leben eines Menschen zerstören können.

Veröffentlicht am 22.02.2024

Einblick in eine Welt, die man normalerweise nicht kennenlernen würde

Tahara
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Marcel Klein ist ein berühmter Filmkritiker und steht in Konkurrenz mit vielen Kollegen. Um seinen Ruf zu wahren, sieht er sich gezwungen, immer spektakulärere Enthüllungen zu schreiben - so auch beim ...

Marcel Klein ist ein berühmter Filmkritiker und steht in Konkurrenz mit vielen Kollegen. Um seinen Ruf zu wahren, sieht er sich gezwungen, immer spektakulärere Enthüllungen zu schreiben - so auch beim Filmfestival in Cannes, anlässlich dessen er an die Côte d'Azur gereist ist. Als beim Interview mit einer gefeierten Schauspielerin etwas schief läuft, verlässt er gemeinsam mit der schönen Héloïse, die er im Hotel kennengelernt hat, den Ort des Geschehens.

Emanuel Bergmann gelingt es, die Atmosphäre des Filmfestivals authentisch einzufangen. Der Wettstreit und die Rivalität der Filmkritiker ist ganz deutlich zu spüren. Die Geschichte nimmt schnell Fahrt auf, der Spannungsbogen entwickelt sich rasant. Aber an irgendeinem Zeitpunkt der Flucht von Marcel und Héloïse kippt das Ganze - die Erzählung wird langatmiger. Plötzlich stört mich auch, dass Marcel, der alternde Journalist und die schöne, geheimnisvolle Héloïse eine Affäre haben. Trotzdem ist "Tahara" lesenswert. Der Autor gibt humorvoll und mit einem Augenzwinkern Einblick in eine Welt, die man normalerweise nicht kennenlernen würde.

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Veröffentlicht am 20.01.2024

Tolle Geschichte mit leichten Schwächen

Ich hätte da ein paar Fragen an Sie
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Bodie Kane war selbts Schülerin in Granby. Jahre später kehrt sie mit gemischten Gefühlen als Dozentin an das Internat zurück - hatte sie dort doch nicht die besten Erfahrungen gemacht. In ihrem Podcasting-Kurs ...

Bodie Kane war selbts Schülerin in Granby. Jahre später kehrt sie mit gemischten Gefühlen als Dozentin an das Internat zurück - hatte sie dort doch nicht die besten Erfahrungen gemacht. In ihrem Podcasting-Kurs widmet sich eine Schülerin dem Mord an Thalia, Bodies Zimmergenossin zu Collegezeiten, der damals die ganze Schule in Aufregung versetzte und zur Verhaftung und Verurteilung von Omar Evans führte.

"Ich hätte da ein paar Fragen an Sie" ist Krimi, Collegegeschichte und Gesellschaftsstudie in einem. Bodies gemeinsame Recherchen mit ihren Schülerinnen und Schülern führt sie immer wieder zurück in ihre Vergangenheit der 1990er Jahre. In Rückblenden lässt Rebecca Makkai Bodie sich an ihre Schulzeit erinnern, dabei kommen ihr immer mehr Zweifel, ob wirklich der Richtige für den Mord büßt. Sie hat einen Verdacht und führt einen inneren Dialog mit "ihrem" Täter. An mancher Stelle ist es schwierig, auf Anhieb zu erkennen, ob es gerade um Vergangenheit, Gegenwart oder das Zwiegespräch mit Bodies Verdächtigen geht. Das erschwert den Lesefluss etwas.

Die Protagonisten sind detailreich gezeichnet. Dennoch fehlt mir insbesondere bei Bodie die Authentizität. Ihre Entwicklung von der Einzelgängerin, unbeliebten Schülerin und dem Mobbingopfer zur bekannten und beliebten Podcasterin und Influencerin vermag mich wenig überzeugen.

"Ich hätte da ein paar Fragen an Sie" ist insgesamt trotz dieser Schwächen eine tolle spannende und mitreißende Geschichte, gespickt mit Überraschungen.

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