Eindrucksvolles Bild der gesellschaftlichen Verhältnisse um 1900
Tage aus Glas„Tage aus Glas“ spielt im Düsseldorf des Jahres 1901 und erzählt die Geschichte zweier Frauen aus völlig unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten. Bille ist die Tochter eines Glasmachers und erlebt ...
„Tage aus Glas“ spielt im Düsseldorf des Jahres 1901 und erzählt die Geschichte zweier Frauen aus völlig unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten. Bille ist die Tochter eines Glasmachers und erlebt hautnah, wie der Streik der Arbeiter das Leben ihrer Familie bestimmt. Leonie hingegen wächst als Tochter des Arztes der Glashütte in großbürgerlichen Verhältnissen auf, fühlt sich jedoch von den Erwartungen ihres Umfelds eingeengt.
Besonders eindringlich schildert der Roman die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter in der Glasfabrik und auch in der Weberei. Der Streik, der sich von Niedersachsen bis nach Düsseldorf ausbreitet, bildet den historischen Hintergrund der Handlung. Dabei wird deutlich, wie wenig die Arbeiter damals zählten und wie wenig ihr Schicksal die Verantwortlichen interessierte. Die starken sozialen Gegensätze zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum beziehungsweise der „besseren Gesellschaft“ werden sehr deutlich herausgearbeitet.
Der Einstieg in das Buch fiel mir allerdings recht schwer. Ich habe lange gebraucht, um in die Geschichte hineinzufinden, und auch im weiteren Verlauf empfand ich die Handlung teilweise als etwas langatmig. Trotzdem vermittelt der Roman ein eindrucksvolles Bild der gesellschaftlichen Verhältnisse um 1900 und greift wichtige Themen wie soziale Ungleichheit, Selbstbestimmung und persönliche Lebenswege auf.
Insgesamt ein historischer Roman mit interessanten Einblicken in die damalige Zeit, der vor allem durch seine gesellschaftlichen Themen überzeugt, auch wenn er mich persönlich nicht vollständig fesseln konnte.