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Veröffentlicht am 05.03.2026

Sie lieben und lieben.

The Score of Our Life
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Ich bin über Social Media auf die Autorin aufmerksam geworden und habe die Leseprobe gelesen. Der Kontrast der Figuren und ihre Plastizität hat mich beeindruckt. Allerdings ist der Erzählstil eine Typfrage.

Worum ...

Ich bin über Social Media auf die Autorin aufmerksam geworden und habe die Leseprobe gelesen. Der Kontrast der Figuren und ihre Plastizität hat mich beeindruckt. Allerdings ist der Erzählstil eine Typfrage.

Worum geht es?

Im Text treffen Archivarin Eloise und Rocksängerin Anneli aufeinander. Beide suchen Veränderung und finden sie ineinander.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Der Roman ist relativ kreativ, wenn es um einzelne Szenen geht. Die Kennelern-Szene ist ungewöhnlich, ein weiteres Date der beiden passte gut zum Thema und viele Leser:innen würden sich genau DAS wünschen.

Außerdem wird das Thema "Meer" auf viele Arten eingebaut, es zieht sich wundervoll durch den Roman, ohne langweilig zu sein.

Eine zentrale Rolle spielt Viginia Woolfs Essay "Ein Zimmer für sich allein" Das Werk steht für die Veränderung, die sich beide Figuen wünschen. Auch hier baut die Autorin das vielfältig ein, das Buch kreist um die Frage, ob das besagte Zimmer ein Schutzraum oder ein Gefängnis ist. Das war wirklich gut. Inwieweit der Essay insgesamt wirkt, kann ich nicht beurteilen, weil ich ihn nicht gelesen habe. Meinen Recherchen nach kommt aber die finanzielle Unabhängigkeit und die Abhängigkeit von einem Partner nicht vor. Der Text diente als Ausgangspunkt, aber aus meiner Sicht beschränkt sich der Liebesroman zu sehr auf einen Aspekt.

Die große Schwäche des Romans ist, dass er um das Thema "Veränderung" kreist, ohne voranzukommen. Immer wieder wiederholen die Figuren, wie gern sie ausbrechen wollen oder wie sehr sie sich lieben. Das liest sich nicht langweilig, aber langwierig; ich hatte das Gefühl, nicht voranzukommen.

Es gibt aber Leser:innen, denen das gefallen wird. Die sich darin verlieren und weitere Ebenen entdecken.

Die Figuren bleiben eindimensional - Eloises Liebe zu Büchern wird zwar erwähnt, aber als Figur wurde sie nicht plastisch. Annelis Leidenschaft für Musik wird deutlicher; ohnehin spielt Musik eine große Rolle im Roman und ich denke, dass wir in weiteren Werken der Autorin nochmehr davon lesen werden. Trotzdem scheint Anneli nur zu interessieren, dass sie ausbrechen will. Die Pros und Contras des Ruhms bleiben uns verborgen, die Band spielt nur eine kleine Nebenrolle.

Ich habe keine Beziehung zu den Figuren aufgebaut, weil jeder Moment bedeutsam scheint. Ich war irgendwann abgestumpft.

Auch die Dramaturgie kann nicht glänzen, weil die Figuren kein Ziel haben. In dem Moment, in dem sie sich gefunden haben, hätte man den Roman abbrechen können. Zwar baut die Autorin in der zweiten Hälfte ein paar Spannungspunkte ein, diese werden aber klischeemäßig gelöst und es hapert an der Logik.

Ich hätte gern gesehen, WIE sie sich verändern, welche Hürden auftauchen. Daraus macht der Roman nicht viel.

An Eloise hat mich gestört, dass hier wieder Angst und Introvertiertheit vermischt werden. Es wirkte auf mich, als müsse man ausbrechen und die Angst ist der Grund. Aber: Muss man nicht. Man kann sich auch weiterhin in Büchern verkriechen.

Ich habe mich bei den beiden gefragt, ob es die Anziehung nicht "nur" darauf beruht, dass sie das haben, was sie haben wollen. Anneli genießt Eloise' Stille, Eloise mag Annelis Leben. Was passiert mit den beiden, wenn diese Bedürfnisse erfüllt sind? Wirkt auf mich nicht stabil.

Im Text selbst sind mir keine Tippfehler, aber einige Wortwiederholungen aufgefallen.

Fazit

"The Score of our life" ist ein künstlerisch interessantes Werk, das mich emotional leider nicht gepackt hat. Ich erkenne den Ansatz und den Mühen und denke, dass es Leser:innen gefallen wird. Für mich passierte zu wenig und die Figuren schöpfen ihr Potiental nicht aus.

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Veröffentlicht am 04.02.2026

Gutes Thema, gewohnte Umsetzung

Menschen wie wir
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Ich bin über eine Ausstellung in Leipzig auf das Thema aufmerksam geworden und wollte mich nun näher damit beschäftigen. Denn auch wenn die erste und zweite Generation der Vertragsarbeiter:innen in meiner ...

Ich bin über eine Ausstellung in Leipzig auf das Thema aufmerksam geworden und wollte mich nun näher damit beschäftigen. Denn auch wenn die erste und zweite Generation der Vertragsarbeiter:innen in meiner Stadt präsent ist, wird erstaunlich wenig darüber gesprochen. Allerdings finde ich das Buch als literarisches Werk nicht optimal.

Worum geht es?

Erzählt wird in drei Zeitebenen die Geschichte der Vietnamesin Thao. Als sie drei Jahre alt war, ging der Vater als Vertragsarbeiter in die DDR. Aber anstatt nach drei Jahren wieder zu kommen, bleibt der Vater in der BRD und holt nach insgesamt zehn Jahren Frau und Tochter nach, später wird eine zweite Tochter geboren. Das Buch stellt eine Aufarbeiterung und Aussöhnung der Familiengeschichte dar.

Kurze Einführung

Überspitzt ausgedrückt waren "Vertragsarbeiter" billige Arbeitskräfte u.a. aus Polen, Ungarn und Vietnam, die niedere Tätigkeiten verrichteten. Sie waren in Wohnheimen untergebracht und der Deutschkurs reichte nur für das Nötigste; eine Integration war nicht gewünscht. Allerdings durften in bestimmten Grenzen Geld und Waren in die Heimatländer geschickt werden, was u.a. Konflikte befeuerte. Ein großes Problem war der Aufenthaltsstatus: Sie konnten bei Schwangerschaft oder anderen Vergehen zurückgeschickt werden, nach der Wende war lange unklar, unter welchen Bedingungen sie bleiben durften. Erst 1997 konnten sie eine unbefristete Aufenhaltserlaubnis bekommen.


Wie hat mir das Buch gefallen?

Ich habe mich über weite Strecken durch das Buch gequält, weil es sehr langsam erzählt ist und erst am Ende mit der Geschichte des Vaters interessant wurde. Die Erzählerin arbeitet oft mit Liedern und Gedichten aus ihrer Kindheit, die in Vietnamisisch und deutscher Übersetzung widergegeben werden. Das war für mich oft schwierig.

Außerdem ist die Stimmung im Buch etwas düster. Und es fehlt dem Buch an Spannung, denn eine wirkliche Geschichte gibt es nicht. Aber einen roten Faden.

Leser:innen, die mit diesem Genre vertraut sind, werden damit aber keine Probleme haben. In diesem Punkt erfüllt das Buch die Erwartungshaltungen, für mich war's einfach ungewohnt.

Interessant fand ich die Geschichte um Thaos Jugendfreund Thien. Diesen musste sie in Vietnam zurück lassen, später ging er ins Gefängnis. Thien stellt die Verbindung aus Vergangenheit und Gegenwart dar, hinterfragt diese aber auch. Für Thao ist der Kontakt mit ihm ein erster Schritt zur Heilung, später folgt das Gespräch mit dem Vater, in dem erklärt wird, warum er die Familie zurückgelassen hat.

Thao steht gleich mehrfach zwischen den Stühlen: Sie ist Übersetzerin für ihre Eltern, kümmert sich ständig um ihre Belange, dazu kommt der unsichere Aufenthaltsstatus der Mutter. Zu ihrer Schwester, die in Deutschland geboren ist, hat sie ein distanziertes Verhältnis, weil der Generationenkonflikt dazu kommt und die Schwester ihre Eltern teilweise nicht versteht. Sozialkontakte hat Thao wenige. Es hat mir Spaß gemacht all diese emotionalen Puzzelteilchen zu betrachten. Aber es macht auch wütend. Durch ihre Zeit in Deutschland verliert Thao ihre vietnamesisichen Wurzeln, die sie erst durch Thien wiederfindet.

Inhaltlich gibt das Buch einen tollen, literarischen Einblick in den Einsamkeit, in die Thao aufgrund ihrer Geschichte gerät.

Das Thema Rassismus wird übrigens nur an wenigen Stellen gezeigt, dafür aber prägnant.

Fazit

Wer gern auto-fiktionale Literatur liest und/oder für die geschichtlichen Aspekte interessiert, findet hier einen guten Ansatzpunkt. Man kann sich wundervoll in all die Episoden und Gefühle des Textes fallen lassen. Menschen, die Spannung und Handlung haben wollen, sollten zu einem andern Werk greifen.

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Veröffentlicht am 13.12.2025

Gute Idee, nicht ganz geglückte Umsetzung

Wir sind anders!
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Mir ist das Buch wegen seines knalligen Titels aufgefallen und da Thema "Frauen in der DDR" auch in den Medien präsenter wird, habe ich reingelesen. Ich finde den Titel ein bisschen irreführend, denn ich ...

Mir ist das Buch wegen seines knalligen Titels aufgefallen und da Thema "Frauen in der DDR" auch in den Medien präsenter wird, habe ich reingelesen. Ich finde den Titel ein bisschen irreführend, denn ich habe die Frauen im Buch nicht kämpferisch als "anders" empfunden, sondern als Menschen, die Umbrüchen ausgesetzt sind. Für mich hat das Buch deswegen vor allem eine melancholische Note.

Worum geht es?

Das Buch verzeichnet 13 Porträts verschiedenener Frauen, die einen Bezug zur DDR haben und aus Ostdeutschland stammen. Die meisten sind in den 60er geboren, wenige sind Ende der 80er bzw. in den 20ern geborgen und haben die DDR eher durch ihre Folgen miterlebt.

Das Buch orientiert sich dabei an einer "oral history", die Autorin hat die Personen also frei erzählen lassen und das dann unter der zentralen Fragestellung zusammengefasst und eingeordnet.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Eine Bewertung fällt mir schwer, denn wie so oft: Das Thema ist gut und wichtig, mit der Gestaltung bin ich nicht ganz glücklich.

Die Autorin hat es geschafft, sehr unterschiedliche Frauen zu vereinen. Manche Geschichten und Gedanken haben mich bewegt. Ich fand faszinierend, wie sehr "der Osten" auch in der jüngeren Generation nachwirkt und wieviel aufgearbeitet werden muss. Das Buch kann ein guter Ansatz sein, mit anderen ins Gespräch zu kommen.

Besonders erstaunt hat mich das Rollenbild. Denn auch in der DDR hat sich die Frau um Haus, Herd und Kinder gekümmert - und es wurde erwartet, dass sie Vollzeit arbeitet. Auch der Zusammenhalt innerhalb des Betriebes wurde deutlich. Und es fällt auf, dass die Eltern der Frauen den Staat oder Teile davon kritisch sahen, aber gern darin liebten. Sie gaben an ihre Kinder eine teils kritische Meinung wider, aber auch das Bewusstsein, dass man manche Dinge nur im Privaten sagen durfte.

Die Autorin hat es gut geschafft, den Frauen Raum zu geben, aber immer wieder auf das zentrale Thema zurückzukommen.

Mein großes Problem ist der Erzählstil. Die Autorin lässt die Frauen nicht in der Ich-Form erzählen, sondern sie erzählt nach. Manchmal sind direkte Zitate eingefügt oder Worte in Anführungszeichen gesetzt, wenn die Frauen etwas als besonders ungewöhnlich empfanden. Fragen der Autorin an die Porträtierten werden ohne Anführungszeichen gesetzt. Das lässt die Autorin als Fragestellerin unauffälliger wirken, verschleiert aber auch ein Stück ihren Einfluss. Ich spürte beim Lesen einen klaren Tonfall, der weniger sachlich war, sondern eher Mitgefühl zeigte. Das hat dazu geführt, dass ich die Portätierten eher als Leid-Tagende ihrer Vergangenheit empfand. Ich fand das sehr traurig. Ich vermute, dass die Dankbarkeit gegenüber den Personen war und der Wunsch, ihre Geschichte mit Respekt zu behandeln.

Dieser Respekt wird positiv deutlich, wenn die Autorin bei einem Gefängnisaufenthalt und einer Krankenschwester im Altenheim auf schlimme Details verzichtet, um dem Voyeurismus keinen Raum zu geben. Das fand ich wirklich gut, denn das hätte abgelenkt.

Ein weiteres Problem des Buches ist, dass es Ähnlichkeiten der Frauen gibt: Viele haben ein problematisches Verhältnis zu den Eltern, oft zum Vater, die besonders Leistung fordern. Sie sind ein Stück gefangen in ihrem Umfeld. Viele Frauen fanden die DDR grundsätzlich gut, nur die Umsetzung und Ungleichheit nicht. Hier überschneiden sich die DDR und das Zeitgeschehen - was war System, was war gesellschaftlicher Konsens, in Ost und West? Die Frauen wollten oft weg, aber nicht wirklich ausreisen. Sie empfanden den "Westen" als zu laut und sind selten dort geblieben. Sie haben mit ihrem Beruf gehadert - sie haben ihn gern gemacht, hatten aber Probleme. Die meisten Frauen sind Arbeiterinnen, es gibt nur zwei Künstlerinnen. Ich hätte mir Frauen gewünscht, die gern im "Westen" lebten, die politisch engagiert oder "alternativ" waren. Es sind 13 sehr unterschiedliche Frauen, aber mir fehlten Gegengewichte, Gegensätze.

Mir fehlten im Buch auch manche Erklärungen; Infokästchen oder weiterführende Informationen wären schön gewesen. Besonders, wenn man der jüngeren Generation angehört. Man versteht das Buch, aber ich hatte einige Stellen, die ich gern ausführlicher gehabt hätte. Z.B. die Unterschiede im Theaterbetrieb, oder anderes. Allerdings ist jedes Porträt ca. 20 Seiten lang, ich denke, dass es nicht ins Konzept gepasst hätte, manchen Frauen deutlich mehr Platz zu geben.

Ich begrüße auch, dass es keine aktuellen Bilder der Porträtierten gibt, sodass die Anonymität gewahrt ist. Kinderfotos sind enthalten. So kann man sich wundervoll auf die Geschichten konzentrieren. In einem Fall geht die Anonymität aber so weit, dass kaum Fakten zur Familie oder andere Ankerpunkte vorhanden sind. Bei dieser Person hatte ich große Problem, sie greifen zu können.

Fazit

Das Buch ist keine schlechte Wahl und man kann viel mitnehmen. Es ist aber auch nicht so umfassend, wie ich gedacht habe. Wirkliche Erkenntnisse habe ich wenige gewonnen.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Ausführlich, aber wenig Drama

Christmas, Love and other Disasters
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Ich habe das Buch angefordert, weil ich noch kein Buch mit einer Figur gelesen habe, die Feiern veranstaltet. Tatsächlich wird im Buch viel erklärt. Für mich ein bisschen zuviel.

Worum geht es?

Elle ...

Ich habe das Buch angefordert, weil ich noch kein Buch mit einer Figur gelesen habe, die Feiern veranstaltet. Tatsächlich wird im Buch viel erklärt. Für mich ein bisschen zuviel.

Worum geht es?

Elle hat ein betriebswirtschaftliches Studium absolviert, kommt von Eltern, die sich lieber selbst verwirkliche, und muss ihre Wohnung in New York finanzieren. Letzten Chance ist die Bewerbung bei einem großen Unternehmen. Doch Elle wird abgelehnt, weil sie im Schneegestöber zu spät kommt. Doch dann stellt sich heraus, dass der CEO ein alter Schulfreund ist.

Ein Wort zum Cover und Titel

Den Titel finde ich wieder unnötig kompliziert und nichtssagend. Das Cover ist bunt und fröhlich, irritiert aber mit den fehlenden Augen. Ich guck es gern an, finde es aber etwas überladen und schwer greifbar. Andere Bücher der Autorin sind aber ähnlich gestaltet, daher verstehe ich die Wahl.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Man merkt, dass die Autorin schon einige Bücher geschrieben hat, denn der Stil ist sehr flüssig, sehr konstistent, keine Stolpersteine oder Wörter, die nicht hineinpassen.

Allerdings beschreibt die Autorin sehr gerne Orte. Und manchmal sind die Sätze SO lang und vollgepackt mit Informationen, dass ich den Faden verloren habe z.B. "Die herausgefilterte Quintessenz der unschönen Nebenwirkungen meines Verhaltens war bitter, und es gab nichts, womit sie sich versüßen ließ." (17 %) oder "Wären meine Wangen gefühlt nicht schon maximal von der klirrend kalten Luft gerötet gewesen, hätte meine Verlegenheit dafür gesorgt." (65 %) Letztlich ist das eine Geschmacksfrage: Wer's ausführlich mag und sich gern in Beschreibungen hineinfallen lässt, wird hier Spaß haben.

An anderen Stellen gibt es aber auch tolle Perlen z.B. "[...] und die Luft roch nach frisch gewaschener Wäsche mit Schneeweichspüler [...]" (17 %)

Die Handlung ist dafür relativ simple, der Ausgang klar. Die Anfangsszene ist tatsächlich am stärksten, weil ich das auslösende Moment nicht kommen sah und weil die Figur herrlich skurill wirkt. Danach übernehmen leider die Klischees das Kommando: Die Probleme sind klein, werden schnell gelöst. Der Mann himmelt die Frau an und übernimmt die Initivative; eigentlich muss Frau nichts tun, nur am Ende.

Besonders von Elle, aus deren Perspektive alles erzählt wird, hatte ich mehr erwartet. Anfangs wirkte sie taff und frech, aber irgendwann kickte die Verliebtheit und sie zweifelte an allem. Ihr "Talent", sämtliche Probleme mit Love-Interest Keane falsch zu interpretieren, wird manchen Leser:innen den Nerv rauben. Ich konnte auch ihre Bindungsängste schwer nachvollziehen, auch wenn mir ihre Familiengeschichte einleuchtet. Das Problem war zu eindimensional gestaltet. Besonders schade finde ich, dass Elle vielleicht (!) neurodivergent ist - sie ermahnt sich ständig, fokussiert zu sein (obwohl sie ziemlich fokussiert arbeitet und spricht) und sie arbeitet, wenn's kreativ wird, gern in ihrer Wohnung, weil sie ruhiger ist. Das wird aber von dem Liebesthema überdeckt, sodass Elle leider keine Figur ist, die ich mit ihren Besonderheiten geliebt habe.

Das Buch enthält auch einige Passagen aus der Vergangenheit der beiden - nett, aber leider lernt man nur wenig über die Figuren. Auch hier liegt der Fokurs mehr auf der Handlung, weniger den Charakteren.

Es gibt eine ausführliche Liebesszene, die kurz vor dem Orgasmus ausfadet. Klischeehaft, nichts besonders, kann man überlesen. Ich fand den Ort passend, allerdings hatte ich mit der Logik Probleme. Trotzdem: Wer keinen Overload an nackten Tatsachen haben will, für den ist das Buch keine schlechte Wahl.

Elles Freundinnen als Nebenfiguren fand ich cool, das Gartenhäuschen, in dem sich die drei Treffen, klingt sehr gemütlich. Auch wenn ich die beiden nicht auseinander halten konnte, bringen sie Harmonie in Elles Gefühlschaos und das fand ich erfrischend. Möglichkeiten für ein Spin-Off bieten sich.

Weihnachten und New York werden ausführlich behandelt, auch wenn viele Orte fiktiv sind, fühlt man sich wohl in der Stadt und das weihnachtliche Flair wird in viele Fascetten beleuchtet. Auch hier: Auf mich ist der Funke nicht übergesprungen, ich glaube aber, dass das vielen Leser:innen gefällt.


Sehr nett finde ich, dass es am Ende ein kleines Glossar und eine Liste der fiktiven Orte gibt.

Einen Pluspunkt gibt es für das Thema "Einsame und arme Senioren", das mehrfach aufgegriffen wird - finde ich wichtig und sehr toll! Auch die Organisation der Veranstaltung wird sehr ausführlich dargestellt, ich kann leider nicht nachprüfen, ob das real ist.

Fazit

Ich hab das Buch gern gelesen und werde die Autorin auf dem Schirm behalten. Das Buch ist gekonnt geschrieben und verbreitet weihnachtliches Flair. Für mich waren zuviele Beschreibungen und zuwenig Drama enthalten.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Ohne Zoom

Mama kommt gleich
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Ich fand das Cover des Buches sehr schön und hatte mich auf eine lockere Komödie eingestellt. Letztlich war es das. Aber irgendwie hat's nicht gezündet.

Worum geht es?

Autor Josch hat eine Schreiblockade, ...


Ich fand das Cover des Buches sehr schön und hatte mich auf eine lockere Komödie eingestellt. Letztlich war es das. Aber irgendwie hat's nicht gezündet.

Worum geht es?

Autor Josch hat eine Schreiblockade, doch das ändert sich, als er infolge einer Verwechslung in die Praxis Toni Meiers gerät und in ihren Unterlagen stöbert. Unbemerkt von Toni schreibt er einen Text, immer in der Angst entdeckt zu werden. Weitere Probleme sind Joschs Sohn Freddy und Tonis dementer Vater.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Das Buch macht vieles richtig: Der Schreibstil ist locker und gekonnt - nicht brachial lustig, sondern mit vielen skurillen Details. Man kann sich dort gut reinkuscheln. Auch die Demenz mit ihren lustigen und tragischen Seiten wird gut dargestellt, sie wirkt nicht wie Beiwerk, sondern durchdacht. Freddy bringt Humor mit rein.

Letztlich war die Handlung aber nicht so spannend, sondern eher vorhersehbar. Toni ist ziemlich blass, Josch die Hauptfigur. Von den skurillen Patientengeschichten hatte ich mir mehr erhofft, doch das verschwindet nach dem ersten Drittel.

Fazit

Ein gut gemachter, humoriger Roman für eine kurze Zugfahrt.

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