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The Score of Our LifeIch bin über Social Media auf die Autorin aufmerksam geworden und habe die Leseprobe gelesen. Der Kontrast der Figuren und ihre Plastizität hat mich beeindruckt. Allerdings ist der Erzählstil eine Typfrage.
Worum ...
Ich bin über Social Media auf die Autorin aufmerksam geworden und habe die Leseprobe gelesen. Der Kontrast der Figuren und ihre Plastizität hat mich beeindruckt. Allerdings ist der Erzählstil eine Typfrage.
Worum geht es?
Im Text treffen Archivarin Eloise und Rocksängerin Anneli aufeinander. Beide suchen Veränderung und finden sie ineinander.
Wie hat mir das Buch gefallen?
Der Roman ist relativ kreativ, wenn es um einzelne Szenen geht. Die Kennelern-Szene ist ungewöhnlich, ein weiteres Date der beiden passte gut zum Thema und viele Leser:innen würden sich genau DAS wünschen.
Außerdem wird das Thema "Meer" auf viele Arten eingebaut, es zieht sich wundervoll durch den Roman, ohne langweilig zu sein.
Eine zentrale Rolle spielt Viginia Woolfs Essay "Ein Zimmer für sich allein" Das Werk steht für die Veränderung, die sich beide Figuen wünschen. Auch hier baut die Autorin das vielfältig ein, das Buch kreist um die Frage, ob das besagte Zimmer ein Schutzraum oder ein Gefängnis ist. Das war wirklich gut. Inwieweit der Essay insgesamt wirkt, kann ich nicht beurteilen, weil ich ihn nicht gelesen habe. Meinen Recherchen nach kommt aber die finanzielle Unabhängigkeit und die Abhängigkeit von einem Partner nicht vor. Der Text diente als Ausgangspunkt, aber aus meiner Sicht beschränkt sich der Liebesroman zu sehr auf einen Aspekt.
Die große Schwäche des Romans ist, dass er um das Thema "Veränderung" kreist, ohne voranzukommen. Immer wieder wiederholen die Figuren, wie gern sie ausbrechen wollen oder wie sehr sie sich lieben. Das liest sich nicht langweilig, aber langwierig; ich hatte das Gefühl, nicht voranzukommen.
Es gibt aber Leser:innen, denen das gefallen wird. Die sich darin verlieren und weitere Ebenen entdecken.
Die Figuren bleiben eindimensional - Eloises Liebe zu Büchern wird zwar erwähnt, aber als Figur wurde sie nicht plastisch. Annelis Leidenschaft für Musik wird deutlicher; ohnehin spielt Musik eine große Rolle im Roman und ich denke, dass wir in weiteren Werken der Autorin nochmehr davon lesen werden. Trotzdem scheint Anneli nur zu interessieren, dass sie ausbrechen will. Die Pros und Contras des Ruhms bleiben uns verborgen, die Band spielt nur eine kleine Nebenrolle.
Ich habe keine Beziehung zu den Figuren aufgebaut, weil jeder Moment bedeutsam scheint. Ich war irgendwann abgestumpft.
Auch die Dramaturgie kann nicht glänzen, weil die Figuren kein Ziel haben. In dem Moment, in dem sie sich gefunden haben, hätte man den Roman abbrechen können. Zwar baut die Autorin in der zweiten Hälfte ein paar Spannungspunkte ein, diese werden aber klischeemäßig gelöst und es hapert an der Logik.
Ich hätte gern gesehen, WIE sie sich verändern, welche Hürden auftauchen. Daraus macht der Roman nicht viel.
An Eloise hat mich gestört, dass hier wieder Angst und Introvertiertheit vermischt werden. Es wirkte auf mich, als müsse man ausbrechen und die Angst ist der Grund. Aber: Muss man nicht. Man kann sich auch weiterhin in Büchern verkriechen.
Ich habe mich bei den beiden gefragt, ob es die Anziehung nicht "nur" darauf beruht, dass sie das haben, was sie haben wollen. Anneli genießt Eloise' Stille, Eloise mag Annelis Leben. Was passiert mit den beiden, wenn diese Bedürfnisse erfüllt sind? Wirkt auf mich nicht stabil.
Im Text selbst sind mir keine Tippfehler, aber einige Wortwiederholungen aufgefallen.
Fazit
"The Score of our life" ist ein künstlerisch interessantes Werk, das mich emotional leider nicht gepackt hat. Ich erkenne den Ansatz und den Mühen und denke, dass es Leser:innen gefallen wird. Für mich passierte zu wenig und die Figuren schöpfen ihr Potiental nicht aus.