Platzhalter für Profilbild

Kuckerneese

Lesejury Profi
offline

Kuckerneese ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Kuckerneese über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.03.2026

Kein klassischer Krimi

Giftiger Grund
0

Mit dem Buch „Giftiger Grund“ erzählt Thomas Knüwer einen Kriminalroman, der weniger auf klassische Ermittlungsarbeit setzt und stattdessen stark auf Atmosphäre und Figurenentwicklung fokussiert. Der Einstieg ...

Mit dem Buch „Giftiger Grund“ erzählt Thomas Knüwer einen Kriminalroman, der weniger auf klassische Ermittlungsarbeit setzt und stattdessen stark auf Atmosphäre und Figurenentwicklung fokussiert. Der Einstieg mit drei Fremden an einer verlassenen Tankstelle und einer Leiche im Kanalschacht ist vielversprechend und weckt zunächst große Erwartungen.

Im Mittelpunkt steht Joran, der nach seiner 7-jährigen Haft aus dem Jugendgefängnis entlassen wird und eigentlich nur einen Neuanfang wagen möchte. Doch statt seiner versteckten Beute findet er seinen Kumpel Aras tot in einem Schacht und gerät gemeinsam mit Edda und der Fotografin Charu in eine undurchsichtige Situation voller Geheimnisse. Joran ist mir theoretisch sehr sympathisch. Er hatte viel Pech im Leben und den falschen Umgang.

Alle Figuren sind zwar grundsätzlich interessant angelegt, doch nicht immer gelingt es dem Autor, ihre Motivationen klar und überzeugend darzustellen. Teilweise zieht sich die Handlung etwas in die Länge, und einige Passagen wirken unnötig ausführlich, wodurch der Spannungsbogen zwischendurch an Kraft verliert und etwas langatmig wird.

Trotz einer düsteren Grundstimmung und eines interessanten Ansatzes hätte der Roman insgesamt etwas straffer erzählt sein können. Wer ruhige, eher psychologisch angelegte Krimis mag, könnte dennoch Gefallen daran finden – Leser, die einen temporeichen Thriller erwarten, könnten hingegen etwas enttäuscht sein.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.01.2026

Ein Roman über Herkunft und Erinnerung

Halber Stein
0

Der Debütroman „Halber Stein“ von Iris Wolff erzählt die Geschichte von Friedesine, die nach dem Tod ihrer Großmutter in ihre siebenbürgische Heimat zurückkehrt. Die Reise in die Vergangenheit bringt viele ...

Der Debütroman „Halber Stein“ von Iris Wolff erzählt die Geschichte von Friedesine, die nach dem Tod ihrer Großmutter in ihre siebenbürgische Heimat zurückkehrt. Die Reise in die Vergangenheit bringt viele Erinnerungen und Begegnungen ans Licht und zeichnet ein stilles Bild von der eigenen Herkunft und dem Verlust von geliebten Menschen.

Der Roman ist sprachlich sehr ruhig und dennoch stark von ausführlichen Natur- und Ortsbeschreibungen geprägt. Für mich persönlich ist der Erzählstil dadurch stellenweise sehr langatmig, schwer und stellenweise uninteressant. Besonders Leserinnen und Leser mit persönlichem Bezug zur Geschichte der Siebenbürger Sachsen oder zur Nachkriegszeit dürften hier mehr Zugang finden.

Die historischen Einschübe zur siebenbürgisch-sächsischen Vergangenheit fand ich wiederum sehr interessant. Sie machen jedoch nur einen kleinen Teil des Romans aus. Insgesamt richtet sich das Buch eher an ein Publikum, das leise, nostalgische Erzählungen schätzt und sich gerne Zeit für Stimmungen nimmt. Unter dem Strich kam es mir vor, als hätte ich schon unzählige Bücher dieser Art gelesen. Negativ fand ich die äußerst günstige Buchaufmachung. Das Buch hat eine etwas hochwertigere Verarbeitung verdient. Dann würde auch das wunderschöne Bild auf dem Buchcover zur verdienten Geltung kommen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.01.2026

Psychologischer Roman mit historischem Einschlag

Sophie L.
0

Sophie L. ist ein etwas anderer Roman, der weniger auf Tempo als auf psychologische Tiefe setzt. Im Mittelpunkt steht Olivia, eine Psychotherapeutin, die nach einem rätselhaften Anruf der Polizei mit der ...

Sophie L. ist ein etwas anderer Roman, der weniger auf Tempo als auf psychologische Tiefe setzt. Im Mittelpunkt steht Olivia, eine Psychotherapeutin, die nach einem rätselhaften Anruf der Polizei mit der Vergangenheit ihrer Familie konfrontiert wird. Ihre hochbetagte Großmutter, eine zurückgezogen lebende Malerin, soll einen Mord gestanden haben – eine Anschuldigung, die kaum greifbar wirkt und doch alles infrage stellt.

Besonders eindrucksvoll ist das Spiel mit Erinnerung und Wahrheit. Die Demenz der Großmutter wirft die Frage auf, ob hier Verwirrung spricht oder ob sich jahrzehntelang Verdrängtes Bahn bricht. Gleichzeitig trägt Olivia selbst alte Verletzungen mit sich, die sich langsam, fast schmerzhaft, aus der Tiefe lösen. Vergangenheit und Gegenwart verweben sich zunehmend und machen deutlich, wie trügerisch Erinnerungen sein können.

Der Roman entfaltet seine Spannung leise. Statt rasanter Wendungen lebt die Geschichte von Andeutungen, Perspektivwechseln und einer stetig wachsenden Unruhe. Erst nach und nach wird klar, wie eng die Schicksale der Frauen miteinander verknüpft sind. Gegen Ende fügen sich die einzelnen Erzählstränge zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen, das noch lange nachwirkt.

Sophie L. ist kein klassischer Thriller, sondern eher ein psychologischer Roman mit historischem Einschlag. Wer sich auf die ruhige Erzählweise einlässt und Geduld mitbringt, wird mit einer dichten, nachdenklichen Geschichte belohnt, die zeigt, wie tief Familiengeheimnisse reichen können. So richtig hat das Buch mich nicht begeistert, aber es war dennoch ein Vergnügen in die Story einzutauchen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.01.2026

Neuer Ermittler mit aktuellen Bezug

Minnesota
0

Mit dem Bob Oz eröffnet der Autor Jo Nesbø ein neues Kapitel und stellt einen Ermittler vor, der von Anfang an viele Ecken und Kanten hat. Gezeichnet vom Tod seiner Tochter arbeitet Oz mehr aus innerem ...

Mit dem Bob Oz eröffnet der Autor Jo Nesbø ein neues Kapitel und stellt einen Ermittler vor, der von Anfang an viele Ecken und Kanten hat. Gezeichnet vom Tod seiner Tochter arbeitet Oz mehr aus innerem Zwang als aus Pflichtgefühl. Er ist kein Held im klassischen Sinn, sondern jemand, der gegen seine eigenen Dämonen ankämpft – und genau das macht ihn interessant.

Der Fall, der ihn nach Minneapolis führt, ist düster und politisch aufgeladen. Gewalt, Waffen, Drogen und Machtinteressen greifen ineinander, während der Täter der Polizei stets einen Schritt voraus zu sein scheint. Nesbø versteht es, eine beklemmende Atmosphäre zu schaffen, in der man sich nie sicher sein kann, wer tatsächlich die Fäden zieht.

Der Einstieg verlangt etwas Geduld, da er sehr langatmig und zäh ist. Die Perspektivwechsel und die zunächst lose wirkenden Szenen sorgten bei mir eher für Verwirrung als Orientierung. Doch wer über die Hälfte des Buches durchhält, wird belohnt: Nach und nach fügt sich das Puzzle zusammen, und gerade im letzten Teil entfaltet die Geschichte ihre volle Wirkung. Plötzlich ergibt vieles Sinn, was zuvor rätselhaft erschien.

Nesbøs nüchterner, knapper Stil passt hervorragend zur düsteren Grundstimmung. Ohne große Ausschweifungen bringt er die Dinge auf den Punkt und lässt viel Raum für eigene aktuelle Gedanken. Bob Oz ist kein leichtgängiger Thriller, sondern ein forderndes, vielschichtiges Buch – und der Auftakt zu einer Figur, von der man gern noch mehr lesen möchte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.05.2025

Historische Seiten des Gardasees

Was am Ufer lauert
0

Im zweiten Band mit dem Titel “Was am Ufer lauert” von Autor Lenz Koppelstätter ist die Polizeireporterin Gianna Pitti auf Spuren mit geschichtlichem Hintergrund unterwegs.

Sie findet am vereinbarten ...

Im zweiten Band mit dem Titel “Was am Ufer lauert” von Autor Lenz Koppelstätter ist die Polizeireporterin Gianna Pitti auf Spuren mit geschichtlichem Hintergrund unterwegs.

Sie findet am vereinbarten Treffpunkt ihre Informantin ermordet am Ufer des Gardasee auf. Mit ihrem aufgetauchtem Vater, ihrem Onkel und ihrer Chefredakteurin versucht sie dem Geheimnis der toten Informantin auf die Spur zu kommen. Eine wichtige Rolle spielt ihr verstorbener Großvater sowie der britische Geheimdienst.

Die zu lösenden historischen Geheimnisse halten die gesamte Familie Tag und Nacht unaufhaltsam auf Trapp.

Die Kapitel sind kurz gehalten und im Erzählmodus der Hauptperson geschrieben. Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und erzählt sehr viel über die wunderschöne Landschaft und Menschen rund um den Gardasee. Dieses Buch könnte durchaus auch als Touristenführer benutzt werden.

Man sollte den ersten Band gelesen haben, denn der zweite Band ist nicht unbedingt selbsterklärend. Ich hatte große Probleme mich in die einzelnen Personen hineinzufinden. Die stetigen Abschweifungen des eigentlichen Themas des Buches fand ich für mich ein bisschen zu viel.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere