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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.03.2026

Ein schönes Buch, aber etwas überladen

Flora Brimble und der verlorene Frühling
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Jedem Kind wünsche ich Bücher, in denen die Sprache so überzeugt wie hier. Kein Satz zuviel, aber jeder davon randvoll.

Die Geschichte von Flora Brimble, ihrer Freundin Harriet, dem Eichhörnchen Parzival ...

Jedem Kind wünsche ich Bücher, in denen die Sprache so überzeugt wie hier. Kein Satz zuviel, aber jeder davon randvoll.

Die Geschichte von Flora Brimble, ihrer Freundin Harriet, dem Eichhörnchen Parzival und dem stets à la mode gekleideten Kobold Grisold Gänsereiter bleibt bis zum Ende unvorhersehbar und platzt vor Phantasie. Laufend werden die Grenzen der Physik außer Kraft gesetzt. Mal springen die kleinen Helden in einen Wandteppich, dann stürzen sie sich in einen Brunnen, der auf dem Erdboden steht. Bemerkenswert sind diese Erkenntnisse: Die Zeit schmeckt nach Stachelbeerkompott, Felsgnome riechen nach Kartoffeln und der Tod ist eine Pfütze. Das bleibt im Kopf. Ebenso wie die die Wertschätzung für die Anrede „Sie“ als zivilisatorische Errungenschaft.

Nicht so überzeugend ist die episodenhafte Aneinanderreihung der Ereignisse. Ist ein Problem gelöst, erwächst daraus ein neues, und die unendliche Schnitzeljagd setzt sich fort. Das ist anstrengend, und oft hält man inne und fragt sich: Worum ging es grad nochmal? Aufreibend auch die Fülle der stark aufgeladenen Namensgebungen: Lebensader aller Welten, Meisterinnen des Weges, Trank der achtsamen Augen, Tinte des ewigen Lichts … Das ist so wild, dass der Autor es irgendwann selbst auf die Schippe nimmt.

Wegen der bereits angesprochene Qualität der Sprache, des gut plazierten Witzes und allein für die Figur des Gestaltenwandlers Rigor Mortis lohnt sich das Lesen dennoch.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Keine Jagd, keine Münzen, aber sehr stimmungsvoll

Die Jagd nach den magischen Münzen
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Schauplatz der Geschichte ist ein Fluss, und dieses ruhige Motiv spiegelt sich in der Erzählweise wider: Die Orte des Geschehens bleiben immer dieselben und die Ereignisse überschlagen sich nicht.

Das ...

Schauplatz der Geschichte ist ein Fluss, und dieses ruhige Motiv spiegelt sich in der Erzählweise wider: Die Orte des Geschehens bleiben immer dieselben und die Ereignisse überschlagen sich nicht.

Das Buch spielt in London im Jahr 1918. Reizvoll ist die Vermengung von Phantastik und historischem Ambiente, ebenso die Themenmischung aus Freundschaft und Verlust, Trauer, Hoffnung und Verrat.

Viel Lesezeit fließt die Themse herunter für Gespräche und Herumrätseln, ein Hin und Her aus Hättekönntewürde. Da muss man als junger Leser Geduld mitbringen, denn erst im letzten Drittel werden die Rätsel offengelegt und das Geheimnis des „Hidden Treasure“, den Bo am Flussufer gefunden hat, gelüftet. Es handelt sich um kleine Scheiben aus Edelmetall, bedeckt mit Perlen und Edelsteinen. Münzen, wie im Titel angegeben, sind das übrigens nicht, was beim Lesen anfangs durchaus irritiert.

Wie schon in ihren anderen Büchern belässt die Autorin vieles im Rätselhaften und bietet nicht für jedes Vorkommnis eine plausible Lösung. Das ist entweder unbefriedigend oder inspirierend, auf jeden Fall aber besonders.

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Veröffentlicht am 27.12.2025

Herleitung der Menschenrechte

Alexander
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Die Einwohner von Kaliste senden einen Jungen aus, der gerechte Gesetze finden soll. Weil Alexander clever ist und als Kind noch unvoreingenommen, erscheint er ihnen für diese Aufgabe geeignet. So kommt ...

Die Einwohner von Kaliste senden einen Jungen aus, der gerechte Gesetze finden soll. Weil Alexander clever ist und als Kind noch unvoreingenommen, erscheint er ihnen für diese Aufgabe geeignet. So kommt er mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch. Er begegnet ihnen arglos, beharrlich, diplomatisch und immer mit Toleranz. Auf seiner Reise trägt er die grundlegenden Menschenrechte zusammen, darunter die Würde des Menschen, die Gleichheit vor dem Gesetz und die Meinungsfreiheit. Er legt einem festgefahrenen Philosophen die Karten und entlarvt mit einer Putzfrau das Blendwerk des Übersinnlichen. Auch einer Sphinx begegnet er und dem Pferd Bukephalos. „Alexander“ ist ein reizendes Buch, in dem viel geredet und gedacht wird, und das zum Denken und Reden anregt. Eine Schwierigkeit ergibt sich bei der Bestimmung der Zielgruppe. Für Kinder ab zehn, wie empfohlen, könnte die Geschichte zu ereignisarm sein. Eine Idee wäre begleitetes Lesen ab zwölf.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Sind wir nicht alle ein bisschen magisch begabt?

Felina Fingerhut und das verhexte Schwarze Loch
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Felina ist mit ihren elf Jahren ein ziemlich naives Ding. Ihr Hobby: Hexen, Hexen und noch mehr Hexen. Am liebsten wäre sie selber eine. Tatsächlich verfügt sie über 53,79 Gramm Magie. Das ist verhältnismäßig ...

Felina ist mit ihren elf Jahren ein ziemlich naives Ding. Ihr Hobby: Hexen, Hexen und noch mehr Hexen. Am liebsten wäre sie selber eine. Tatsächlich verfügt sie über 53,79 Gramm Magie. Das ist verhältnismäßig viel für ihr Gewicht, und die Menge kann sie auch gebrauchen, schließlich muss sie es irgendwie schaffen, ihre Eltern aus dem Schwarzen Loch zurückzuholen, in das sich die beiden glücklosen Restaurantbetreiber gestürzt haben. Praktischerweise ist nebenan gerade die patente Junghexe Wolke Donnerwetter eingezogen. Ein Spitzen-Vorbild für den Fast-Teenager, denn die lässt sich von niemandem etwas sagen, schon gar nicht von dem bierernsten Zauberer Ignatz Stecknadel, dessen Untermieterin sie ist und der mit seinem Gemeckere an Mr. Yunioshi aus Frühstück bei Tiffany‘s erinnert. Das Buch wirft interessante Fragen auf, unter anderem: Wie spießig können moderne Eltern sein, wieviele Katzen braucht man zum Glück und sind wir nicht alle ein bisschen magisch begabt? Für Felina Fingerhut gibt es bereits eine Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Spannung im Ungesagten

Jakob und Jelena
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Jelena und Jakob gehen in dieselbe Klasse und beide haben ein Problem: Jelenas beste Freundin Lotte ist jetzt auf einer anderen Schule und kreuzunglücklich da. Die Mädchen sehen sich kaum noch. Jakob kann ...

Jelena und Jakob gehen in dieselbe Klasse und beide haben ein Problem: Jelenas beste Freundin Lotte ist jetzt auf einer anderen Schule und kreuzunglücklich da. Die Mädchen sehen sich kaum noch. Jakob kann nicht schwimmen, und das belastet ihn sehr, denn nach den Herbstferien soll er es können. Weil der Schwimmunterricht wie so oft kein Schwimmunterricht, sondern ein Zeig-mal-wie-gut-du-schwimmen-kannst-Unterricht ist.

Die Tagesabläufe sind verschränkt ineinander beschrieben. Berichtet Jakob noch vom Ende der Sportstunde, geht es im nächsten Kapitel weiter mit Jelena in der Umkleidekabine. Das ist technisch sehr gut und verleiht der Geschichte, die ohne große Sensationen auskommt, eine angenehme Grundgeschwindigkeit.

Sprachlich plaudert sich das Buch so weg, die Sätze kommen, wie die Kinder sie eben rauslassen würden. Das macht es umso spannender, die Konflikte und Entwicklungen zu erkennen, die oft im Ungesagten stecken.

Konsequent verfolgt das Buch die Sicht der Kinder, dadurch bleiben sich aufdrängende Fragen nach den Familienkonstellationen, der Erwerbstätigkeit der Erwachsenen und der Motivation der Lehrer unbeantwortet.

Jakob und Jelena ist auch für junge Leser gut zu bewältigen und zeigt auf, wie Kinder ihre Situation selbst verbessern können, indem sie Wünsche artikulieren und eigene Forderungen stellen. Leider befeuert die Geschichte Vorurteile über das Gymnasium als Lernfabrik.

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