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Veröffentlicht am 08.03.2026

Große Themen, zu wenig Tiefe

Real Americans
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Der Roman "Real Americans" von Rachel Khong hat mich zunächst sofort gepackt. In den ersten Kapiteln bin ich sehr gut in die Geschichte hineingekommen und habe den Einstieg in einem Rutsch gelesen. Der ...

Der Roman "Real Americans" von Rachel Khong hat mich zunächst sofort gepackt. In den ersten Kapiteln bin ich sehr gut in die Geschichte hineingekommen und habe den Einstieg in einem Rutsch gelesen. Der Schreibstil der Autorin ist atmosphärisch und sehr detailreich, was für lebendige Szenen sorgte, mir zum Ende hin aber doch zu detailreich-ausufernd wurde.

Im Mittelpunkt steht zunächst die Protagonistin Lily, die in ihren Zwanzigern in New York lebt und Kind chinesischer Einwanderer ist. Sie wirkte orientierungslos und ein wenig wie auf dem Abstellgleis ihres eigenen Lebens: beruflich wie privat isoliert, ohne klares Ziel vor Augen und mit einem geringen Selbstbewusstsein. Gerade diese Unsicherheit machte sie aber auch glaubwürdig. Sie hatte oft das Gefühl, nicht wirklich irgendwo dazuzugehören - weder gesellschaftlich noch kulturell.

Ein wichtiger Aspekt des Romans ist die Frage nach Identität. Der Titel deutet es bereits an: Wer ist eigentlich ein „echter Amerikaner“? Lily sieht sich selbst ganz selbstverständlich als Amerikanerin. Gleichzeitig wird sie im Alltag immer wieder mit Fragen und Erwartungen konfrontiert, die ihr signalisieren, dass andere sie wegen ihres asiatischen Aussehens nicht so wahrnehmen. Besonders interessant fand ich den Konflikt zwischen äußerer Wahrnehmung und eigener Identität – ein Thema, das leider bis heute viele Menschen betrifft. Umso enttäuschter war ich, dass dieses Thema nicht die Tiefe und Auseinandersetzung erhielt, die ich mir erhofft hatte. Eine Ursache hierfür war, dass Lily leider kein Selbstbewusstsein hat und in den entsprechenden Situationen schwieg statt Missstände anzusprechen und aufzudecken. Eine weitere, dass der Roman diverse Themenfelder öffnete und dieses Hauptthema dadurch oft aus dem Fokus geriet.

Als Lily den gleichaltrigen Matthew kennenlernt, der der Inbegriff des privilegierten weißen Amerikaners ist, spielt eben diese Frage nach Identität und Herkunft eine große Rolle. Trotzdem hatte ich lange den Eindruck, dass sie sich eigentlich gut tun könnten. Leider entstanden im Verlauf viele Konflikte bzw. verschärften sich durch beidseitiges Schweigen und mangelnde Kommunikation. Auch ihr gemeinsamer Sohn Nick, dessen Perspektive im 2. Abschnitt des Romans im Fokus steht, hat unter diesen Auswirkungen zu leiden.

Im weiteren Verlauf weitet sich die Geschichte zu einem generationenübergreifenden Familienroman, der insbesondere Lilys Mutter Mei in den Fokus nimmt, aus. Dabei werden Themen wie Herkunft, Migration, wissenschaftlicher Fortschritt und familiäre Erwartungen miteinander verknüpft. Besonders spannend fand ich die Fragen rund um Genetik und medizinische Möglichkeiten – hier wirft der Roman einige wichtige ethische Überlegungen auf.

Allerdings hatte ich auch einige Schwierigkeiten mit der Struktur des Buches. Die Handlung schreitet teilweise sehr schnell voran und wichtige Entwicklungen werden im Zeitraffer erzählt. Dadurch blieben manche emotionalen Momente doch sehr auf Distanz. Insgesamt wirkte der Roman auf mich stellenweise etwas chaotisch, da viele unterschiedliche Themen und Perspektiven gleichzeitig eröffnet wurden.

Gerade die großen Fragen, die das Buch aufwirft – etwa zu Identität, Herkunft, wissenschaftlichem Fortschritt oder familiären Prägungen – wurden für mein Empfinden zu oberflächlich behandelt. Ich hätte mir gewünscht, dass einige dieser Aspekte mehr Raum bekommen, statt nur angerissen zu werden.

Am stärksten fand ich jene Passagen, die sich intensiver mit der Familiengeschichte und den Erfahrungen der älteren Generation rund um Lilys Mutter Mei beschäftigten. Hier bekam der Roman endlich eine emotionale Tiefe und historische Dimension, die mich wirklich sehr berührt hat.

Insgesamt fühlte sich das Buch für mich stellenweise an wie drei unterschiedliche Romane in einem: eine Art Liebesgeschichte, eine Familienchronik über mehrere Generationen und ein gesellschaftlicher Roman über Wissenschaft, Identität und Privilegien. Viele dieser Aspekte waren interessant, aber sie griffen nicht so nahtlos ineinander, wie ich es mir gewünscht hätte und verloren sich leider im Potpourri der vielen Themen. Hinzu kam eine Art Fantasy-Element, dessen Bedeutung sich mir bis zuletzt leider nicht erschloss.

"Real Americans" wirkte daher auf mich wie ein Roman-Experiment mit spannenden Ideen und wichtigen Fragen über Zugehörigkeit, Herkunft und darüber, was Familien – genetisch wie emotional – miteinander verbindet, der es aber wegen seiner partiellen Oberflächlichkeit nur zum Teil schaffte, Emotionen bei mir hervorzurufen.

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Veröffentlicht am 06.03.2026

Fantasievolle Fortsetzung mit kleinen Schwächen

House of War and Bone - Die Goldene Stadt 2
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Nachdem Fallon bei ihrem Rettungsversuch an Ende von Band 1 versehentlich ihre Kräfte mit Ariyon getauscht hatte, muss sie nun alles daransetzen, ihn aus dem Land der Toten zu retten, bevor er sich vollständig ...

Nachdem Fallon bei ihrem Rettungsversuch an Ende von Band 1 versehentlich ihre Kräfte mit Ariyon getauscht hatte, muss sie nun alles daransetzen, ihn aus dem Land der Toten zu retten, bevor er sich vollständig in einen Nachtwandler verwandelt. Gleichzeitig steht sie vor mehreren weiteren Herausforderungen: Sie muss weiterhin versuchen, das Vertrauen der Königin zu gewinnen, sie muss ihre neu entdeckten Heilkräfte verstehen und kontrollieren und sich auch noch mit ihrer leiblichen Mutter auseinandersetzen...

Ich habe mich wahnsinnig auf die Fortsetzung der Trilogie rund um die goldene Stadt gefreut und war entsprechend gespannt, wie es nach dem Ende von Band 1 weitergeht. Die Handlung knüpft nahtlos an die Ereignisse des ersten Teils an – so nahtlos, dass ich am Anfang tatsächlich einen Moment gebraucht habe, um wieder richtig in die Geschichte hineinzufinden.

Die Kapitel wechseln zwischen den Perspektiven der Hauptfiguren Fallon und Ariyon, wobei Fallon deutlich häufiger zu Wort kam. Der Schreibstil ist leicht und eher einfach gehalten, was gut zur jüngeren Zielgruppe der Reihe passt und sich flüssig lesen ließ.

Insgesamt wirkte dieser Teil auf mich leider etwas unrund. Es gab viele fantasievolle Ideen und spannende Ansätze, und auch Fallons Rabe Yanric war wieder ein echtes Highlight. Mit seinen frechen Kommentaren und seinem mutigen Herzen sorgte er immer wieder für unterhaltsame Momente und ich hatte ihn bereits in Band 1 sehr ins Herz geschlossen.

Trotz einzelner spannender Szenen hatte ich jedoch das Gefühl, dass es ziemlich viele Baustellen gleichzeitig gab. Manche Entwicklungen wirkten dadurch etwas oberflächlich abgehandelt, und an einigen Stellen hätte ich mir mehr „Show, don’t tell“ gewünscht. Obwohl das Hauptziel Ariyon zu befreien klar war, fehlte mir zwischendurch etwas der rote Faden. Die Handlung plätscherte für mein Gefühl stellenweise ein wenig vor sich hin.

Das Ende wartete allerdings mit einem gemeinen Cliffhanger auf, der definitiv neugierig auf Band 3 macht. Diesen werde ich sicherlich auch lesen - ich will ja schließlich wissen, wie es ausgeht! Insgesamt hat mich dieser zweite Teil aber leider nicht ganz so begeistert, wie ich es mir nach dem starken Auftakt erhofft hatte.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Liebe und Täuschung

Illusion – A Lie Worth Believing
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Stella hangelt sich in Seattle als Sängerin und Barkeeperin mehr schlecht als recht durch. Als ihr eines Tages der mysteriöse Levin das Angebot macht, Hauptact in seiner Illusionsshow in Las Vegas zu werden, ...

Stella hangelt sich in Seattle als Sängerin und Barkeeperin mehr schlecht als recht durch. Als ihr eines Tages der mysteriöse Levin das Angebot macht, Hauptact in seiner Illusionsshow in Las Vegas zu werden, zweifelt Stella zunächst, ob sie sich wirklich ohne weitere Informationen darauf einlassen sollte. Aufgrund einer Räumungsklage, durch die sie innerhalb von 2 Tagen ihre Wohnung verlassen muss, und der Tatsache, dass sie nicht mehr als 2 Dollar besitzt, geht sie kurzerhand doch auf das Angebot ein. Umgehend befindet sie sich in einer glitzernden Welt voller Champagner, Privatjets und luxuriöser Hotelsuiten, die nicht zwischen Schein und Sein differiert. Stella fragt sich, ob sie das wirklich möchte und warum ausgerechnet sie von Levin erwählt wurde. Auch das Mysterium um die verschwundene Sängerin, deren Job sie nun einnehmen soll, ist bisher nicht geklärt. Und neben Erinnerungen an ihre durch einen Unfall verstorbenen Eltern, mit denen sie in Las Vegas gelebt hatte, ist da ja auch noch die große Anziehung zwischen ihr und Levin...

"Illusion – A Lie Worth Believing" startet sehr rasant, vielleicht sogar ein bisschen zu rasant. Denn der Einstieg wirkte auf mich überhastet, wodurch es mir schwerfiel, emotional nachzuvollziehen, warum sich die Protagonistin Stella so schnell auf den von Levin angebotenen Deal einlässt, auch wenn die Räumungsklage und die finanziellen Probleme von Stella direkt dargestellt wurden. Ich kam einfach gefühlt nicht so schnell mit. Trotz dieser Schwäche entfaltete der Beginn aber eine gewisse Sogwirkung: Man möchte weiterlesen, weil die Geschichte neugierig macht und viele Fragen aufwirft.

Besonders spannend empfand ich den Handlungsstrang rund um die verschwundene Sängerin Fia, die nun von Stella ersetzt werden soll. Die Frage, was mit ihr passiert ist, ob sie noch in Las Vegas ist und welche Rolle die Show dabei spielt, sorgte für echten Spannungsaufbau. Auch das Rätsel, warum ausgerechnet Stella von Levin, dem Macher der Show, ausgewählt wurde, trug zur Neugier bei. Immer wieder blitzten Hinweise auf, dass die Vergangenheiten der beiden Hauptfiguren miteinander verknüpft sein könnten – was allerdings relativ früh vorhersehbar wirkte.

Das Potential des Romans mit grundsätzlich vielen verschiedenen Aspekten (Vorgeschichte der weiblichen und männlichen Hauptfigur, Rätsel um Besonderheit von Stella, verschwundene Vorsängerin etc.) wurde jedoch nicht richtig genutzt. Häufig im Fokus stand die Beziehung zwischen Stella und Levin, die sich für meinen Geschmack zu schnell entwickelte. Statt einer langsamen Annäherung oder eines echten Konflikts ist von Anfang an eine starke körperliche Anziehung zwischen den beiden vorhanden gewesen. Der beworbene Trope "Haters to Lovers" passt hier meiner Meinung nach nicht, da kein wirklicher Hass oder echte Ablehnung bestand. Stellas Vorsicht wirkte auf mich eher oberflächlich und wurde sofort von Anziehungsgedanken überlagert, was der Dynamik die Tiefe nahm.

Levin blieb als Figur schwer einschätzbar, was grundsätzlich reizvoll war. Gleichzeitig wirkten seine Geheimnisse und Motive stellenweise künstlich aufgebaut. Dass man sehr früh erfuhr, dass er Stella gezielt nach Las Vegas geholt hat, nahm der Handlung etwas von ihrer Spannung. Insbesondere seine unklaren Beweggründe und dazu gehörigen Gedankenkreise führten zudem dazu, dass sich der rote Faden für mich zwischendurch verlor.

Sehr positiv hervorzuheben ist der Schreibstil: angenehm, leicht zu lesen und mit vielen bildlichen Vergleichen. Besonders gelungen ist auch der aufgebrochene Text durch SMS-Nachrichten, Zeitungsartikel und Kartenabbildungen. Diese Elemente erhöhten mein Lesetempo deutlich und lockerten die Geschichte auf. Auch die wechselnden Ich-Perspektiven der beiden Hauptfiguren wurden gut umgesetzt.

Während mich die Handlung um die verschwundene Sängerin fesselte, überzeugte mich alles rund um die Illusionsshow deutlich weniger. Die Beschreibungen der Show blieben vage, ich konnte mich da nicht richtig reindenken und -fühlen, und warum Stella angeblich so besonders sein soll, erschloss sich mir lange nicht – vor allem, da sie zum Zeitpunkt der Lobhudelei noch nicht einmal gesungen hatte. Diese Passagen wirkten überflüssig und bremsten die Geschichte eher aus.

Die Nebenfiguren sind solide ausgearbeitet. Besonders Cam, der Kostümdesigner, stach positiv hervor und wuchs mir schnell ans Herz – auch wenn ständig das Gefühl blieb, dass man niemandem vollständig trauen kann.

Insgesamt ist "Illusion – A Lie Worth Believing" ein Buch mit starken Momenten, guter Atmosphäre und spannenden Ansätzen, das jedoch unter Tempo-Problemen, einer zu schnellen Romance und einem unausgewogenen Fokus leidet.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Wichtiges Thema, zu wenig Tiefe

Hazel sagt Nein
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In „Hazel sagt Nein“ erzählt Jessica Berger Gross die Geschichte der 17-jährigen Hazel, die mit ihrer Familie von New York nach Riverburg in Maine zieht. Der Umzug erfolgt aus pragmatischen Gründen: Hazels ...

In „Hazel sagt Nein“ erzählt Jessica Berger Gross die Geschichte der 17-jährigen Hazel, die mit ihrer Familie von New York nach Riverburg in Maine zieht. Der Umzug erfolgt aus pragmatischen Gründen: Hazels Vater hat dort eine Professur angenommen, die finanziell mehr Sicherheit verspricht und unter anderem das College für beide Kinder ermöglichen soll. Für Hazel bedeutet das jedoch, ihr letztes Schuljahr in einer fremden Kleinstadt zu verbringen.

Am ersten Schultag wird Hazel vom Schuldirektor zu sich zitiert. Dort eröffnet er ihr schockierend offen, dass er sich jedes Jahr eine Schülerin für eine sexuelle Beziehung aussucht und dass sie dieses Jahr seine Wahl sei. Hazel ist entsetzt, sagt aber Nein. Von diesem Moment an geraten nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das ihrer Familie und der gesamten Stadt aus den Fugen.

Der Roman wird in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven der vier Familienmitglieder erzählt. Besonders Hazel und ihr Bruder Wolf waren für mich emotional gut greifbar. Ihre Reaktionen wirkten authentisch und nachvollziehbar. Die Eltern empfand ich hingegen oft als anstrengend und stark auf sich selbst bezogen. Trotz ihrer Sorgen um die Kinder bleiben sie in meinen Augen zu wenig im offenen Austausch mit ihnen, was mich stellenweise genervt hat.

Generell behandelt das Buch viele wichtige Themen, die über den Missbrauchsskandal hinausgehen. Leider wirkt das manchmal wie ein Potpourri: Antisemitismus, Cancel Culture und weitere gesellschaftliche Fragestellungen werden angesprochen, bekommen jedoch nicht die Tiefe, die sie verdient hätten. Das führte zudem dazu, dass das zentrale Thema immer wieder in den Hintergrund trat und nicht die Tiefe erhielt, die ich mir gewünscht hätte.

Positiv hervorzuheben ist der Schreibstil: Trotz des schweren Themas gelang es der Autorin, humorvolle Elemente einzubauen, sodass die Geschichte nicht zu bedrückend wurde. Die Figurenzeichnung, vor allem von Hazel und Wolf, ist gelungen, und das Buch regt zum Nachdenken über Machtmissbrauch, Mut und familiäre Dynamiken an.

Insgesamt ist „Hazel sagt Nein“ ein wichtiges und lesenswertes Buch, das durch seine sympathische Erzählweise überzeugt. Dennoch hätte ich mir eine klarere Fokussierung auf das zentrale Thema gewünscht – das Aufwerfen zahlreicher Nebenaspekte wirkte stellenweise etwas überladen.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Faszinierende Ideen, unruhige Umsetzung

Royal Houses – Haus der Drachen
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Kerrigan ist Halb-Fae und wird deshalb in einer Gesellschaft, die die Fae als die einzig wertvollen Mitglieder erachtet, strukturell diskriminiert. Um Teil der Gesellschaft zu werden, arbeitet sie am Berg ...

Kerrigan ist Halb-Fae und wird deshalb in einer Gesellschaft, die die Fae als die einzig wertvollen Mitglieder erachtet, strukturell diskriminiert. Um Teil der Gesellschaft zu werden, arbeitet sie am Berg für die hohe Gesellschaft des Hauses der Drachen. Sie steht kurz vor Abschluss ihrer Ausbildung und erhofft sich ein freies Leben, indem sie von einem herrschenden Haus erwählt wird. Zeitgleich findet am Berg eines der berühmten Drachenturniere statt. Sogar 5 Drachen werden bereit sein, zu binden. Um sich diese Ehre zu erkämpfen, treten Mitglieder der verschiedenen Häuser in mehreren Wettkämpfen gegeneinander an. Doch niemand hat mit Fordham aus dem geächteten und verstoßenen Haus der Schatten gerechnet, der Anspruch auf einen Drachen erhebt und am Turnier teilnimmt. Und ausgerechnet Kerrigan wird ihm zur Unterstützung zugeteilt.

Ich bin ehrlich: Der Einstieg in „Royal Houses – Das Haus der Drachen“ von K.A. Linde fiel mir richtig schwer. Ich hatte auf ein actionreiches Turnier gehofft, stattdessen stolperte ich von Szene zu Szene, ohne wirklich einen roten Faden zu erkennen. Es tauchten ständig neue Häuser, politische Begebenheiten, Namen und Szenarien auf, die für mich zunächst kaum greifbar waren. Ich habe mich oft gefragt: Wer ist wer, und warum passiert das eigentlich gerade? Ich verstehe zwar, dass man sich bei einer Reihe viele Geheimnisse für die folgenden Bücher bewahren möchte, ich hätte ich mir dennoch eine bessere Übersicht über die grundsätzlichen Begebenheiten und Zusammenhänge gewünscht. Denn so war es für mich einfach sehr undurchschaubar und unruhig.

Auch fiel es mir schwer, mir anfangs die Welt vorzustellen. Orte, Drachen, Personen – vieles blieb vage, und es dauerte, bis ich wirklich „drin“ war. Gerade die Drachen fand ich faszinierend, aber ihre Rolle und Motivation waren mir bis zuletzt nicht klar. Zudem war ihr prozentualer Anteil an der Geschichte für meinen Geschmack zu klein. Zeitsprünge und schnelle Szenenwechsel erschwerten mir zusätzlich den Überblick und rissen mich manchmal regelrecht aus der Geschichte.

Kerrigan ist eine starke Hauptfigur, aber ihre widerborstige Art war für mich zu Beginn doch eher anstrengend. Dies verlor sich zum Glück mit der Zeit. Ich hatte ferner den Klappentext so interpretiert, dass Kerrigan aktiv am Turnier teilnehmen würde, um sich einen Drachen zu erspielen. Dies war leider nicht der Fall, was mich sehr enttäuschte. Ich hatte hier auf einen kleinen Fourth Wing-Moment gehofft und empfinde den Klappentext auch im Nachgang als irreführend. Auch Kerrigans Freunde blieben stellenweise eher blass, und emotionale Momente zwischen den Figuren wirkten auf mich oft zu kurz oder abrupt. Häufig bediente sich die Autorin des Prinzips des Erzählens, dass die Figuren eine Situation erlebten, statt die Situation zu schildern und mich teilhaben zu lassen, weshalb ich emotional oft hinterherhinkte. Positiv hervorheben möchte ich dagegen fantasievolle Szenen rund um Drachen und das Turnier, die mich wirklich neugierig auf den weiteren Verlauf machten.

Insgesamt habe ich das Gefühl, dass sehr viel passieren will, die Story aber noch nicht rund ist. Die Handlung wirkte zerfasert, die Figuren konnten kaum durchatmen, und ich hatte oft mehr Fragen als Antworten. Trotzdem wollte ich immer weiterlesen, weil die Ideen der Geschichte mich reizten – aber emotional richtig packen konnte mich das Buch leider nicht.

Fazit: Für mich ist „Royal Houses – Das Haus der Drachen“ ein Buch mit viel Potenzial, das aber noch deutlich an Struktur und Tiefe mangelt. Wer Geduld mitbringt und komplexe, undurchschaubare Fantasy mag, kann seinen Spaß haben, ich persönlich bin eher zwiegespalten.

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