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Veröffentlicht am 21.03.2026

Die Ungerechtigkeiten der "Herrenmenschen" sehr gut dargestellt

Nelka
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Nelka lernt viel von ihrem Vater. Bis er von den Aggressoren erschossen wird. Ohne Grund. Alle im Ort haben Angst vor den Deutschen. Die benehmen sich nämlich als seien sie die Herren der Welt. Auch Nelka ...

Nelka lernt viel von ihrem Vater. Bis er von den Aggressoren erschossen wird. Ohne Grund. Alle im Ort haben Angst vor den Deutschen. Die benehmen sich nämlich als seien sie die Herren der Welt. Auch Nelka wird verschleppt. In den hohen Norden des Deutschen Reiches. Als Zwangsarbeiterin. Auf einen Bauernhof mit vielen weiteren Menschen, die der Willkür fremder Machthaber ausgesetzt sind. Sie erlebt Grausamkeiten, die sie nie vergessen wird. Muss aber schnell feststellen, wie sie ihren Körper einsetzen kann, um Vorteile für sich und ihre Mitgefangenen zu erreichen.

Nelka merkt recht schnell, dass sie dem Gutsverwalter gefällt. Das liegt nicht alleine an ihrem Äußeren. Auch von ihrem Wissen um Apfelbäume will er profitieren. Sie führt ihn ein in die Kunst des Veredelns und erklärt ihm, wie er eine Obstplantage aufbauen sollte. Während ihrer Zeit auf dem Gutshof lernt sie auch Iwan kennen. Wenn er nicht wäre, hätte sie die Qualen und Ungerechtigkeiten wohl nie überlebt.

Immer wieder begegnen mir Bücher, die sich mit den Ungerechtigkeiten des Zweiten Weltkriegs beschäftigen. Auch dieser Roman lässt mich an der Menschheit zweifelnd zurück. Was versprachen sich die Herrscher damals, als sie Menschen aus dem Osten Europas als Zwangsarbeiter rekrutierten? Nicht nur junge Frauen wie #Nelka wurden aus ihrer Familie gerissen. Ohne Begründung verschleppt. Wie vogelfrei behandelt. Und dann gibt es wieder Menschen, die keinen Skrupel haben, wenn sie rechtsextreme Parteien wählen? Dieses Vergessen ist beängstigend und leider gibt es bisher keine wirksamen Maßnahmen, die dem entgegenstehen.

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Veröffentlicht am 20.03.2026

Auch dieser Roman der Autorin konnte mich restlos überzeugen

Stunden wie Tage
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Martha muss sich etwas einfallen lassen. So geht es nicht weiter. Ihr Vater ist alt und krank. Er ist nicht mehr in der Lage, das Auskommen der Familie zu sichern. Jetzt liegt es an ihr, sich eine Arbeitsstelle ...

Martha muss sich etwas einfallen lassen. So geht es nicht weiter. Ihr Vater ist alt und krank. Er ist nicht mehr in der Lage, das Auskommen der Familie zu sichern. Jetzt liegt es an ihr, sich eine Arbeitsstelle zu suchen. Zaghaft und keineswegs von sich überzeugt, sitzt sie dann vor den Brüdern Berkowitz. Die suchen eine Hausbesorgerin für ihr Schöneberger Mietshaus. So viele Bewerberinnen gibt es für die Stelle. Vornehme Damen, die verächtlich auf Martha blicken, lassen sie an ihrem Vorhaben zweifeln. Sie würde gerne flüchten aber dann wird sie ins Büro gebeten. Und ja, sie bekommt die Stelle.

Martha nimmt ihre Tätigkeit sehr ernst. Die Brüder sind zufrieden mit ihr und einer der Brüder lässt sogar zu, dass seine kleine Tochter Liane ein häufiger Gast bei ihr ist. Leider wird das Leben in Berlin immer mehr von Gewalt und Ungerechtigkeit bestimmt. Seit Hitler die Macht an sich riss, sind seine Anhänger außer Rand und Band. Besonders Juden leben gefährlich und auch Homosexuelle müssen sich vor der Gestapo verstecken.

Nach ihrem ersten Roman Isidor freute ich mich sehr auf "Stunden wie Tage". Ich wurde nicht enttäuscht. Wieder einmal nahm mich die Autorin gefangen. Ihre Sprache ist einzigartig und niemals langweilig. Die kurz gehaltenen Kapitel handeln nicht nur vom Leben Marthas. Viel mehr beschreibt die Autorin äußerst überzeugend von Schicksalen rund um das Mietshaus. Aber auch ihre Eigentümer und deren Familie sind Thema.

Für mich kann es gar nicht genug Bücher geben, die sich mit dem Thema „Drittes Reich“ befassen. Wenn sie dann auch noch die Erlebnisse von Zeitzeugen wiedergeben, dann sind sie für mich perfekt.

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Humorvolle Beschreibung des Dorflebens

Mirabellentage
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Wie gut, dass Tote nicht mehr laufen müssen. Sonst hätte Anna ihrem Pfarrer Josef nicht seine Lackschuhe anziehen können. Als sie ihn wusch und mit seinem besten Anzug ankleidete. Er sollte doch stattlich ...

Wie gut, dass Tote nicht mehr laufen müssen. Sonst hätte Anna ihrem Pfarrer Josef nicht seine Lackschuhe anziehen können. Als sie ihn wusch und mit seinem besten Anzug ankleidete. Er sollte doch stattlich ausschauen, wenn er im Sarg liegt. Das mit den Schuhen ist eigentlich lustig. Die kaufte der sparsame Geistliche nämlich, weil sie im Angebot waren und er nicht an diesem Schnäppchen vorbeigehen konnte. Dass sie zwei Nummern zu klein sind? Nun ja, das merkte er erst, als er wieder zuhause war. Da war es zu spät. Gut, dass sie jetzt ihren Zweck erfüllen.

Mirabellentage ist eine Sammlung von kurzweiligen und humorvollen Geschichten aus dem Leben von waschechten Dorfbewohnern. Anna erzählt aus ihrem Leben und wie sie der gute Geist im Haus des Pfarrers Josef wurde. Immer für ihre Mitmenschen da, vergaß sie ihre eigenen Wünsche und Hoffnungen. Aber, vielleicht ändert sich das ja, wenn sie den letzten Wunsch Josefs erfüllt?

Nach dem ersten Roman der Autorin war ich gespannt auf ihr zweites Werk. Auch das gefiel mir sehr gut. Das Ende ist aber für meinen Geschmack nicht wirklich vollständig. Es bleiben doch einige Fragen zurück. Das schmälert aber nichts an meiner Empfehlung für dieses Buch. Ich habe wirklich immer wieder herzhaft gelacht und danke der Autorin für unbeschwerte Lesestunden.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Hier spricht die Liebe zur See aus jeder Zeile

Der Gesang der See
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Kristiane will es nicht wahrhaben. Ihr geliebter Mann ist tot. Er starb auf dem Meer. Und er lässt sie alleine. Wo sie doch sein Kind unter dem Herzen trägt. Wie grausam kann das Leben nur sein? Aber ihre ...

Kristiane will es nicht wahrhaben. Ihr geliebter Mann ist tot. Er starb auf dem Meer. Und er lässt sie alleine. Wo sie doch sein Kind unter dem Herzen trägt. Wie grausam kann das Leben nur sein? Aber ihre Verzweiflung währt nicht lange. Sie ist sich ihrer Stärke bewusst und will, nein muss, nach vorne schauen. Das ist sie ihrem Mann und auch ihrem Vater schuldig. Weder von ihrer Mutter noch von der Schwester kann sie Hilfe erwarten. Und trotzdem ist sie völlig am Ende und bereit aus dem Leben zu scheiden. Wie gut, dass ihr Freund aus Kindertagen Kristiane findet und sie vor dem sicheren Tod rettet.

Alle Bücher von Trude Teige las ich und auch "Der Gesang der See" gefiel mir ausgesprochen gut. Erneut geht es um eine starke Frau, die dem Schicksal die Stirn bietet. Die Geschichte spielt in Norwegen und erzählt vom rauen Alltag der Fischer. Sie leben vom Kabeljau und sind wie kaum ein anderer Beruf von der Natur abhängig. Um sich gegen die Männer zu behaupten, muss Kristiane heiraten. Dann hätte ihr Baby auch einen Vater und sie könnte mutig in die Zukunft schauen.

Die Autorin versteht es immer wieder, mich mit ihren Büchern in den Bann zu ziehen. Die Liebe zu Norwegen und dem Meer ist jederzeit spürbar. Klare Empfehlung gibt es daher von mir.

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Veröffentlicht am 06.03.2026

Spannend und niemals vorhersehbar

The Exes
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Natalie hat Pech mit ihren Männern. Sobald eine Beziehung länger dauert, stirbt ihr Freund. Dabei träumt sie doch von einem dauerhaften Glück. Von Ehe, Kindern und einem kleinen Häuschen. Mit James hat ...

Natalie hat Pech mit ihren Männern. Sobald eine Beziehung länger dauert, stirbt ihr Freund. Dabei träumt sie doch von einem dauerhaften Glück. Von Ehe, Kindern und einem kleinen Häuschen. Mit James hat sie nun endlich ihren Traummann gefunden. Bis, ja bis er von einem gemeinsamen Bekannten erfährt, was mit Natalies Ex-Freunden geschah. Er wird misstrauisch und fragt sich, ob er Natalie vertrauen kann oder sie doch etwas mit den Todesfällen zu tun hat.

Ein raffinierter Thriller, der mit gut gefiel. Die Ereignisse werden zunächst aus der Sicht Natalies erzählt und sie klingen schlüssig. Im weiteren Verlauf der Story gibt es Rückblicke auf die Vergangenheit der Frau und schon hatte ich meine Zweifel. "The Exes" überzeugte mich durch einen eigensinnigen Plot. Zudem lassen sich die Charaktere nicht fassen, da es immer wieder andere Perspektiven ihres Naturells gibt. Das Zuhören war mir ein Genuss. Die drei Vortragenden konnten mich durch ihre kompetente Wiedergabe absolut überzeugen.

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