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Veröffentlicht am 27.09.2024

Eine schillernde Figur im Schatten der Krone

Wallis Simpson
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Die Biografie "Wallis Simpson" von Michaela Lindinger bietet einen tiefen Einblick in das fast 90-jährige Leben einer der umstrittensten Frauen der britischen Geschichte. Wallis Simpson, die zweifach geschiedene ...

Die Biografie "Wallis Simpson" von Michaela Lindinger bietet einen tiefen Einblick in das fast 90-jährige Leben einer der umstrittensten Frauen der britischen Geschichte. Wallis Simpson, die zweifach geschiedene Amerikanerin, die den britischen König Edward VIII. dazu brachte, 1936 zugunsten seines Bruders abzudanken, steht im Mittelpunkt dieser detailreichen Darstellung. Das Buch beleuchtet nicht nur das Leben von Wallis und Edward, sondern auch die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe der damaligen Zeit.

Lindingers Werk zeichnet sich durch sorgfältige Recherche aus und bietet den Lesern neue Einblicke in die schillernde und kontroverse Persönlichkeit Wallis Simpsons. Zahlreiche Fotografien lockern den Text auf und versetzen den Leser in die Atmosphäre der damaligen Epoche. Der Einstieg in die Biografie, der unmittelbar nach Edwards Abdankung ansetzt, könnte jedoch für Leser ohne Vorkenntnisse etwas verwirrend sein. Erst nach einem längeren Abschnitt wird die Erzählung chronologisch aufgebaut, was den Zugang zur Geschichte erleichtert.

Die lebendige und flüssige Erzählweise der Autorin macht das Buch unterhaltsam, jedoch gibt es Aspekte, die kritisch betrachtet werden sollten. Zum einen wirkt die subjektive Meinung der Autorin oft zu dominant, was der nötigen Objektivität einer Biografie abträglich ist. Auch das häufige Einstreuen von englischen Begriffen wie "Royal Family" oder "Celebrity" mag manchen Lesern unpassend erscheinen. Dies gibt der Biografie teilweise den Anschein eines populären Klatschmagazins, anstatt eines seriösen Sachbuchs.

Nichtsdestotrotz vermittelt die Biografie einen umfassenden Eindruck von Wallis Simpson und Edward VIII., wobei auch die Schattenseiten der Figuren, wie Edwards Sympathien für das Nazi-Regime, nicht verschwiegen werden. Kritiker bemängeln, dass gelegentlich Spekulationen über die Gedanken und Gefühle der Protagonisten ohne klare Quellenangaben formuliert werden, was den wissenschaftlichen Anspruch des Buches mindert.

Für Royal-Fans und diejenigen, die an einer tiefergehenden Auseinandersetzung mit der britischen Monarchie interessiert sind, ist das Buch dennoch empfehlenswert. Es zeichnet ein unverklärtes Bild von Wallis Simpson, das zwar wenig Sympathie für die Protagonistin aufbringt, aber ihre Bedeutung für die Geschichte der britischen Krone nicht mindert. Vergleiche mit aktuellen Ereignissen, wie der Beziehung von Meghan Markle und Prinz Harry, bieten zudem interessante Parallelen, die das Buch in einen aktuellen Kontext setzen.

Insgesamt ist Lindingers "Wallis Simpson" eine informative, wenn auch teils unsachliche Biografie, die sich gut lesen lässt, aber nicht alle Erwartungen an Objektivität und Tiefe erfüllt. Das Werk überzeugt durch seine detailreiche Darstellung und die umfassende Beleuchtung der historischen Hintergründe, während die fehlende Neutralität und die Stilbrüche den Gesamteindruck etwas trüben.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Erschreckend Reslistisch

EDEN - Wenn das Sterben beginnt
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Ich bin zwiegespalten, wie ich das Buch bewerten soll. Thematisch sind es 5/5 Sternen, allerdings bin ich bis zum Schluss mit dem Schreibstil nicht warm geworden. Durch die zum Großteil sehr kurzen Kapitel ...

Ich bin zwiegespalten, wie ich das Buch bewerten soll. Thematisch sind es 5/5 Sternen, allerdings bin ich bis zum Schluss mit dem Schreibstil nicht warm geworden. Durch die zum Großteil sehr kurzen Kapitel (meist nur 1-2 Seiten) kommt man beim Lesen schnell weiter und die über 700 Seiten fühlen sich weniger an (umwelttechnisch sicher auch eine interessante Frage, wie viel Papier man hätte sparen können, wenn nicht so viele Seiten mit nur 3-4 Zeilen „gefüllt“ wären).
Die Erde steuert auf eine Katastrophe zu – viele verschiedene ökologische Krisen summieren sich und sich kaum noch zu stoppen. Wir erfahren die Geschichte aus zahlreichen Perspektiven: Polotiker:innen, Investor:innen, Bäuer:innen, Biolog:innen, Journalist:innen, und mittendrin ein schwedischer Influencer, der sich vom sorglosen Surferboy zum „Ökoterroristen“ mausert.
Die KI „Vysyon“ trifft zwar sehr genaue Vorhersagen und warnt vor den herannahenden Krisen, viele Protagonist:innen wollen das aber nicht so recht wahrhaben
Es fiel mir etwas schwer, alles zu behalten, weil es SO viele Schauplätze und Protagonist:innen gibt. Ich weiß nicht, ob ich ein Buch in der Art, mit so vielen verschiedenen Perspektiven schon mal gelesen habe, zum einen entsteht auf diese Weise ein richtiger Sog, weil man immer wissen möchte, wie es weitergeht, zum anderen bleiben die Menschen selbst recht blass, weil sehr "beschreibend" erzählt wird. Mir fehlte etwas die Innensicht der Menschen; welche Gefühle und Sorgen haben sie? Was geht ihnen durch den Kopf? Mir fiel es schwer, eine Bindung zu den Protagonist:innen aufzubauen.
Die Story selbst ist sehr interessant (und auch erschreckend), denn so ein Szenario könnte durchaus jederzeit passieren. Eine Umweltkatastrophe bahnt sich an, manche haben den Ernst der Lage verstanden und wollen davor warnen, andere nehmen es (noch) nicht ernst und wieder andere wollen davon profitieren ...
Es ist richtig frustrierend, zu lesen, wie die Leute, die die Gefahren richtig erkannt haben, kaum gehört werden. Die meisten versuchen, die sich anbahnende Katastrophe herunterzuspielen oder sogar die Warnenden zu diskreditieren.
Insgesamt ist das Buch schon sehr spannend, wenn auch kein Thrill in dem Sinne entsteht, dass man mit konkreten Protagonist:innen mitfühlt, sondern eher aufgrund des durchgehend beklemmenden Gefühls beim Lesen – vor allem, weil alles so realistisch ist. Ich habe mir nie bewusst gemacht, wie diese ganzen Dinge zusammenhängen und wie "leicht" es ist, dass solche Krisen sich gegenseitig verstärken. Hier zu wenig Plankton wegen Überfischung, da zu viel Nitrat im Wasser, verunreinigte Böden ... zack brechen die ganze Wirtschaft und Energieversorgung zusammen.

Und wem soll man als "normale Bürger:innen" glauben? Es wird auf jeden Fall deutlich, wie wichtig es ist, wen man wählt und wo man sich informiert.
Ich kann mir (leider) immer besser vorstellen, dass wir tatsächlich auf so eine Katastrophe zusteuern ... zu viele Menschen versuchen, sich mit "wird schon nicht so schlimm werden" selbst zu beruhigen (oder keine Wählerstimmen zu verlieren), während für die breite Bevölkerung ja kaum ersichtlich ist, welche Erkenntnisse wirklich glaubwürdig sind.
Generell fand ich alle Szenen, in denen Tiere sterben, schlimm. Diese ganze Massentierhaltung, egal ob Land- oder Wassertiere, ekelt mich einfach an. Was das angeht, hoffe ich andererseits fast, dass es mal soweit kommt und die Menschen kapieren, wie scheiße es ist, Tiere für den eigenen Konsum derart auszubeuten!

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Berührend und authentisch

Narbenmädchen
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Lara ist 15 und in einer 4-wöchigen Kur gelandet, in der sie durch verschiedene Therapieangebote wieder „auf den rechten Weg“ gebracht werden soll. Ich fand die Perspektive der Teenagerin (auch wenn das ...

Lara ist 15 und in einer 4-wöchigen Kur gelandet, in der sie durch verschiedene Therapieangebote wieder „auf den rechten Weg“ gebracht werden soll. Ich fand die Perspektive der Teenagerin (auch wenn das bei mir schon ein paar Jahre her ist) sehr realistisch dargestellt, auch die teilweise Benutzung von Jugendsprache kam mir authentisch vor (soweit ich das eben beurteilen kann).
Zuerst findet Lara alles ziemlich scheiße, die Therapien unnötig und nutzlos und die anderen Patient:innen nerven sie zum Großteil auch. Nach und nach erfahren die Leser:innen, warum Lara und die anderen überhaupt in der Kur sind. Die Triggerwarnung am Anfang des Buches war dementsprechend auf jeden Fall angebracht. Lara hat vor einigen Monaten angefangen, sich in die Arme und Beine zu schneiden, weil sie kein anderes Ventil für ihre angestauten Emotionen gefunden hat. Ihre Eltern waren damit anscheinend überfordert und haben sie in die Kur „abgeschoben“.
Einige Probleme der Jugendlichen fand ich zu „extrem“ für diese Art von Kur (ich denke, in der Realität wären stark essgestörte oder suizidgefährdete Jugendliche nicht mehr in einer präventiven Maßnahme untergebracht).
Langsam freundet Lara sich aber mit Neo und Finn an und die drei beginnen, mehr über ihre Probleme zu sprechen. Die Gespräche fand ich sehr gut beschrieben, sehr nachvollziehbar, vor allem das Gefühl, nicht reinzupassen, gar nicht zu wissen, was man mit seinem Leben anfangen soll, etc. – was (vielleicht in abgeschwächter Form) wahrscheinlich jede:r kennt).
Etwas gefehlt hat mir die Auseinandersetzung von Lara mit ihren Eltern. Gerade als langsam herauskommt, warum ihre Probleme überhaupt angefangen haben. Hier habe ich gefragt, ob nicht auch die Therapeut:innen der Klinik in der Pflicht wären, die Eltern mehr einzubeziehen. Vor allem die Beziehung zur Mutter – wie schlimm muss es sein, dass sie der eigenen Tochter nicht glaubt, Lara zum Problem macht, ihr einredet, „krank“ zu sein und sie lieber wegschickt, als gemeinsam an den Problemen zu arbeiten.
Auch in die Therapiesitzungen hätte ich mir einen etwas konkreteren Einblick gewünscht, so bleibt sehr vage, was Lara in den 4 Wochen mit den Therapeut:innen konkret besprochen hat. Allerdings lag der Fokus ja auf der Freundschaft der Jugendlichen, und diese wurde sehr authentisch und intensiv dargestellt.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Romantische Komödie mit ernsten Hintergrundthemen

Say You’ll Remember Me
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Ich habe das Buch mit meinem Buchclub gelesen und muss ehrlich sagen, dass ich vorab sehr skeptisch war (bzw. generell gegenüber romantischen Komödien bin). Daher muss ich sagen, dass es zwar nicht mein ...

Ich habe das Buch mit meinem Buchclub gelesen und muss ehrlich sagen, dass ich vorab sehr skeptisch war (bzw. generell gegenüber romantischen Komödien bin). Daher muss ich sagen, dass es zwar nicht mein Lieblingsbuch wird, mich aber positiv überrascht hat. Ich würde 3,5/5 Sternen geben.

Die Story ist – wie meistens in ähnlichen Büchern – natürlich relativ vorhersehbar und das Ende ist klar. Die Entwicklung der Geschichte, vor allem die Probleme, mit denen sich die Hauptfigur Samantha konfrontiert sieht, war aber sehr gut und nachvollziehbar beschrieben.
Kaum haben sich Samantha und der Tierarzt Xavier in Minnesota kennengelernt, zieht sie auch schon 3000 km weit weg in ihre alte Heimat Kalifornien, um gemeinsam mit ihren zwei Geschwistern, ihrem Vater und ihrer Großmutter ihre demenzkranke Mutter (im anscheinend riesigen Haus der Großmutter, in dem alle zusammenleben) zu pflegen. Die Demenz und die damit einhergehenden Symptome bzw. Verhaltensweisen fand ich gut beschrieben, auch die Familiendynamik und -konflikte haben mir gut gefallen und scheinen realistisch zu sein.

Teilweise konnte ich Handlungen der Familie aber nicht nachvollziehen, bspw. dass sie die Mutter keinesfalls in ein Heim geben, sondern sie zuhause pflegen wollen (löblich), dann aber einen Kredit aufnehmen, um das Haus zu renovieren, während sie die Mutter mit Medikamenten vollpumpen, damit sie mehr schläft (fragwürdig). So hat doch niemand etwas davon. Ein Argument gegen das Heim ist auch, dass es zu teuer wäre – dafür hätte man doch das Geld nehmen können? Eine neue Küche kann man auch später noch kaufen.
Da Xavier seine Praxis nicht einfach zurücklassen kann (um seinen toxischen Eltern zu beweisen, dass er kein Versager ist), versuchen die beiden es nach ein paar gescheiterten Versuchen, sich zu trennen, mit einer Fernbeziehung (weil dies natürlich die unsterbliche große Liebe ist). Auch die Gedanken der beiden (da die Kapitel abwechselnd aus beiden Perspektiven geschrieben sind) fand ich gut und nachvollziehbar beschrieben. Trennen und ein Leben ohne den bzw. die andere:n leben oder zusammenbleiben, aber dafür quasi nonstop arbeiten und nur noch für die wenigen Tage alle paar Monate leben, in denen man sich sieht? Dieses Schwanken zwischen Herz und Kopf kennen bestimmt viele Leser:innen. Hier kann man sich natürlich fragen, wie realistisch es ist, dass die beiden sich nach einem einzigen Date so unsterblich ineinander verliebt haben, dass sie diese ganzen Strapazen auf sich nehmen.

Was mich aber gestört hat war – wie es auch typisch in diesen Büchern ist – dass Xavier einfach ZU perfekt ist. Natürlich wird hier vor allem eine weibliche Fantasie bedient, aber der Mann hat ja wirklich keine einzige Schwäche. Nicht nur ist er optisch (natürlich) über 1,90 groß, durchtrainiert (mit Sixpack, obwohl er quasi nie Sport macht), hat kristallblaue Augen und verstrubbelte (was sonst) blonde Haare – nein, er opfert sich als Tierarzt für seinen eigenen Patienten auf und arbeitet ehrenamtlich im Tiernotdienst.

Er arbeitet 80 Stunden die Woche, um die Flüge zu Samantha zu finanzieren und wenn er da ist, ist er der geduldigste, verständnisvollste und fürsorglichste Mensch der Welt, kümmert sich um alle, denkt an alles, hat für alles eine Lösung. Außer ein paar Augenringen zeigt er keine Anzeichen von Überforderung – das ist doch nicht realistisch, große, unsterbliche Liebe hin oder her.

Abgesehen von seiner Tätigkeit als Tierarzt fand ich den Umgang mit Tieren aber sehr fragwürdig. Zum einen geht er an einer Stelle in den Zoo (gerade Tierärzten sollte klar sein, dass Zoos die letzten Orte sind, an denen es Tieren gut geht), auch sein privater Hund wird nur hin und her geschoben und Samanthas Katze ist die ganze Zeit sich selbst überlassen. Ab und zu wird erwähnt, dass sie sie füttert, ansonsten scheint sie aber viel zu oft weg oder beschäftigt zu sein, um das Tier artgerecht zu halten (Einzelhaltung kann sowieso nicht artgerecht sein). Dass beide Fleisch essen finde ich persönlich vor dem Hintergrund auch inkonsequent.

Das Ende war wie zu erwarten recht kitschig, aber durchaus halbwegs realistisch gelöst. Generell mag ich persönlich den „Die Frau ist ohne den Mann, der sie retten muss, lebensunfähig und mit allem überfordert“-Plot einfach nicht. Natürlich würde sie alles auch ohne ihn schaffen, es braucht keinen Mann, der die Frau in Nöten rettet. Klar ist es schön, Unterstützung zu haben, es war mir am Schluss aber zu pathetisch à la „Wir haben uns schon in einem anderen Leben geliebt“.

Alles in allem aber ein kurzweiliger Roman, der auch ernste Töne hat, wodurch (zumindest Samantha) nahbarer wirkt. Der Schreibstil (bzw. die Übersetzung) hat mir auch gut gefallen. Aber (sorry) die Senf-Posts waren alle absolut nicht witzig (das lag hier wahrscheinlich dann doch an der Übersetzung, vielleicht sind die Originale wirklich funny).

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Guter Thriller, der mich aber nicht zu 100 % überzeugen konnte

ANGST
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Nachdem ich von Ivar Leon Mengers Debütroman wirklich begeistert war, musste ich das Zweitwerk natürlich auch lesen! Der Schreibstil ist sehr flüssig, man befindet sich sofort mitten im Geschehen. Ich ...

Nachdem ich von Ivar Leon Mengers Debütroman wirklich begeistert war, musste ich das Zweitwerk natürlich auch lesen! Der Schreibstil ist sehr flüssig, man befindet sich sofort mitten im Geschehen. Ich muss aber sagen, dass ich bei diesem Buch nicht so sehr mitgerissen wurde wie beim ersten. Vielleicht, weil ich Mia manchmal schon nervtötend naiv fand, wie sie sich im Verlauf von wenigen Wochen in verschiedene Männer verliebt, sich sofort auf einen Verdacht versteift und außer einem Vorsprechen ganz am Anfang des Buches die ganze Zeit irgendwie überhaupt nichts zu machen scheint, außer sich mit verschiedenen Leuten zu treffen und unüberlegte Aktionen zu starten. Nicht falsch verstehen, die Thematik finde ich sehr gut, auch, weil ich im Bekanntenkreis selbst Fälle von Stalking hatte.
Leider wird Stalking in der Realität wirklich zu oft nicht ernst genommen und natürlich ist dies ein Buch - aber wie Mia sollte man die Sache bitte nicht angehen. Wirklich echte Situationen, die ihr hätten gefährlich werden können, gab es kaum, sie steigert sich von Anfang an in eine Idee hinein, die sich am Ende ja auch als falsch herausstellt. Was der wahre Stalker treibt, bleibt ihr völlig unklar, stattdessen sieht sie an falschen Stellen Gespenster - das fand ich etwas unglaubwürdig, weil es in der Realität eben meist nicht so ist, sondern Betroffene sehr genau wissen, wer sie stalkt, da die Person die direkte Konfrontation sucht.
Mir blieben die anderen Charaktere auch viel zu wenig greifbar. Warum hat sie Yvonne das Zimmer gegeben, wenn Mia sie eigentlich gar nicht wirklich mag? Wirkliche Freundschaft spürt man zwischen den beiden nicht, mir hat auch eine logische Erklärung gefehlt, warum Victor ihr das ganze Geld gegeben hat. Nur, damit sie ein gutes Wort für ihn einlegt?
Die Auflösung am Ende fand ich für den ganzen Aufbau davor viel zu schnell, das hätte ich mir in "Echtzeit" gewünscht, nicht als Rückblick in Form des Films. Auch ein paar mehr Infos darüber, was mit Viktor und Philipp/Timo genau passiert ist, hätte ich gut gefunden, bzw. mehr Hintergrundinformationen über die Geschehnisse in Mias Kindheit.
Und, wenn man den Klappentext genau gelesen hat, wusste man leider von Anfang an, wer der Stalker ist. Den Satz würde ich ehrlich gesagt vom Buch nehmen ...
Alles in allem ein Buch, das sich auf jeden Fall gut lesen lässt. Aber wirkliche Spannungsmomente und Überraschungen haben mir ein bisschen gefehlt. Trotzdem werde ich dem Autor treu bleiben und bin schon gespannt auf das nächste Buch!

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