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Veröffentlicht am 21.03.2026

Perspektivwechsel

Katzenpfade
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In diesem Buch gehen ein Mensch – bewusst von der Autorin und Illustratorin geschlechts- und altersneutral gezeichnet, von der Größe her scheint es ein Kind zu sein – jeden Tag miteinander spazieren. Jedoch ...

In diesem Buch gehen ein Mensch – bewusst von der Autorin und Illustratorin geschlechts- und altersneutral gezeichnet, von der Größe her scheint es ein Kind zu sein – jeden Tag miteinander spazieren. Jedoch bestimmt der Mensch, wo es langgeht und wie lange sie gehen.

Doch eines Tages hat die Katze die Nase voll und fordert ihren Menschen heraus. Sie fragt: “Warum darfst immer du bestimmen?“ Als das Kind darauf nicht antwortet und einfach weitergehen will, „streikt“ die Katze.

Schließlich gehen sie am nächsten Tag dort entlang, wo die Katze hingehen will.

Dieses Bilderbuch fordert zu einem Perspektivwechsel auf: Wenn immer nur einer bestimmt, wo’s langgeht, verpasst man vieles, nimmt vieles gar nicht war. Die Wege der Katze und die Erfahrungen auf diesen Wegen sind ganz anders und bereichern das Kind.

Dabei sind die Bilder teilweise im Märchenhaften verhaftet: Die Menschen, die die Katze streicheln wirken besonders groß; als das Kind darauf wartet, dass die Katze ihm hinterherkommt, werden die als lang empfundene Zeitdauer und die Gefühle des Kindes auf den Bildern mit den Jahreszeiten
ausgedrückt: es regnet erst, dann fallen die Blätter, wie im Herbst, und zuletzt schneit es sogar, obwohl am nächsten Tag wieder Sommer ist und die Sonne scheint; und nicht zuletzt kann die Katze sprechen.

Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt: Im ersten führt das Kind, im zweiten die Katze. Am Ende schlägt das Kind einen Kompromiss vor, nämlich sich abzuwechseln mit dem Bestimmen des Weges.

Die Bilder sind meist einseitig mit weißem Rahmen und Text darunter oder zweiseitig mit eingebettetem Text gehalten. Dabei ist der Text stets viel kleiner als die Bilder und auch immer kurz und knapp. Doch es gibt auch immer wieder Ausnahmen, wie z. B. Seiten ohne Text. So zeigen die Bilder immer mehr als der Text aussagt und laden zum Entdecken ein.

Die Bilder sind leicht verwaschen, die Tiere naturnah, die Menschen eher verfremdet gemalt. Die gesamte Farbpalette wird dabei natürlich passend bespielt.

Ein leicht märchenhaftes Bilderbuch, dass dazu einlädt, die Welt auch mal aus den Augen der anderen zu sehen – einen Perspektivwechsel zu wagen!

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Wie entsteht ein "Kunstwerk der Superlative"?

Der Schrein der Könige
9

In ihrem neuesten, geschichtlichen Roman nimmt uns die Autorin mit in die Phase der Kreuzzüge und Doppelkaiser ins historische Köln, wo zu dieser Zeit der Goldschmied Nicolaus von Verdun den Auftrag bekam, ...

In ihrem neuesten, geschichtlichen Roman nimmt uns die Autorin mit in die Phase der Kreuzzüge und Doppelkaiser ins historische Köln, wo zu dieser Zeit der Goldschmied Nicolaus von Verdun den Auftrag bekam, einen Schrein für die Gebeine der „heiligen drei Könige“ zu bauen, um sie würdevoll im Dom präsentieren zu können.

Über die eigentliche Familie des Künstlers ist nichts bekannt, so dass sie im Roman von der Autorin fiktiv erschaffen wurde, was ihrer gefühlten Authentizität aber keinen Abbruch tut. Andere historische Personen, wie die Erzbischöfe von Köln, die ansässigen Goldschmiede und Kölner Einwohner, sind geschickt damit verwoben.

Die Geschichte beginnt als Prolog im März 1162 in Mailand, wo Rainald von Dassel sich die Gebeine durch Eroberung sichert. Danach kommt ein Zeitsprung ins Jahr 1189 zu Nicolaus in Verdun. Insgesamt zieht sich der Roman bis ins Jahr 1248, zum Ende jedoch mit größeren Zeitsprüngen.

Am Anfang des Buches findet sich ein sehr hilfreiches Personenregister und am Ende ein Glossar mit typischen Ausdrücken von damals. Ergänzend dazu wäre eine Karte des mittelalterlichen Kölns für die Vorstellung auch förderlich gewesen.

Der Autorin gelingt es wieder gekonnt, den Lesenden eine historische Zeit anhand des Lebens eines einzelnen Menschen und seiner Familie spannend nahezubringen und sie ihnen verständlich zu machen. So kann man damalige Verhaltensweisen, Glauben zu dieser Zeit, Kleidung, Essen, Wohnen, etc. sehr gut nachvollziehen und sich in die Figuren hineinversetzen.

Beeindruckend und sehr aufschlussreich sind auch die historischen Anmerkungen der Autorin mit einem anschließenden Quellenverzeichnis ganz am Ende des Buches. In diesen klärt sie über die Bedeutung des Schreins im Laufe der Jahrhunderte bis heute auf und berichtet über ihre Herangehensweise an diesen Roman und seine Entstehungsweise.

Wieder ein spannender, aufschlussreicher historischer Roman der Autorin über ein „Kunstwerk der Superlative“!

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Sehr nachdenklich!

Melken
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Ellen flieht, nachdem sich ihre Freundin von ihr getrennt hat, zurück ins Dorf ihrer Kindheit. Dort nistet sie sich in ihrem Elternhaus ein, dass schon lange anderen gehört, die gerade auf Urlaub sind. ...

Ellen flieht, nachdem sich ihre Freundin von ihr getrennt hat, zurück ins Dorf ihrer Kindheit. Dort nistet sie sich in ihrem Elternhaus ein, dass schon lange anderen gehört, die gerade auf Urlaub sind.

Die Tage fließen für sie mit Gedanken an ihre Kindheit und ihre jetzige Situation einfach so dahin. Auch ihr Freund aus Kindertagen Max ist wieder im Ort und die beiden nähern sich etwas an.

Die Autorin lässt uns in ihrem Debütroman an dem harten Leben der Milchbauern in Schweden teilhaben und da ist nichts so richtig wie in „Bullerbü“. Ellen hat zwar ihre freie Kindheit als Einzelkind auf dem Hof, in Wiesen und auf Feldern genossen, aber genauso gesehen, dass ihre Eltern von morgens bis abends schuften mussten, ihre Mutter in ihrer Rolle feststeckte, und ihre eigene Stigmatisierung als unkultiviert und stinkend in der Schule ertragen müssen.

Die Eltern mussten den Hof wegen der Herzkrankheit des Vaters schließlich aufgeben und so ist Ellen in der Stadt gelandet, aber auch dort „Arbeitstier“ geblieben.

Im Wechsel der Erzählzeit von „Jetzt“ zu „Früher“ und zurück lässt uns die Autorin auch mit zahlreichen Metaphern in ruhigem Erzähltempo sehr nah an Ellens Gefühlsleben teilhaben. Sie kann nicht so richtig aus ihrer alten Haut, fühlt sich nicht wie sie selber und kämpft mit ihrer selbst empfundenen Gefühlszurückhaltung, dem Sich-nicht-fallenlassen-können.

Trotzdem sucht sie nach ihren Wurzeln, verstanden werden und Geborgenheit, die sie in der Stadt bisher nicht gefunden hat, aber auch hier im Dorf ihrer Kindheit und bei Max nicht findet, weil sie sich bei sich selber auch noch nicht gefunden hat.

So lässt die Geschichte konsequenterweise am Ende offen, wie es für sie weitergehen wird, als sie wieder in die Stadt zurückfährt, gezwungenermaßen, weil die Urlauber zurückkommen.

Sie blickt auf der Rückfahrt über die Felder und Wälder. „In meinem Körper spürte ich die Steine, die ich hätte wegschaffen können, aber die Zeit hatte nicht gereicht. Genug Steine für vier Jahre. Land wird vererbt, aber auch die Steine. (S. 157)“

Ein sehr nachdenklich machendes Buch!

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Du darfst "nein" sagen!

Das Zauberwort heißt Nein!
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Mit diesem Bilderbuch kann man mit Kindern sehr leicht auf das wichtige Thema „Nein-Sagen“ stoßen und darüber mit ihnen niedrigschwellig ins Gespräch kommen.

Die kleine Katze Fiete ist sehr gutmütig. ...

Mit diesem Bilderbuch kann man mit Kindern sehr leicht auf das wichtige Thema „Nein-Sagen“ stoßen und darüber mit ihnen niedrigschwellig ins Gespräch kommen.

Die kleine Katze Fiete ist sehr gutmütig. Sobald sie jemand bittet, etwas für ihn zu tun, auch wenn es gefährlich ist, sagt er „ja“ und tut es für den anderen. Doch das nutzen die anderen kleinen Katzen gnadenlos aus. Sie bedanken sich nicht einmal bei ihm.

So bringt sich Fiete sogar selbst in Gefahr, bis ihn eine Maus mit Superman-Cape in rosa darauf hinweist, dass er auch „nein“ sagen darf und sich nicht selbst für die Wünsche anderer in Not bringen muss.
Für Fiete ist das ein neuer, aber sehr hilfreicher Gedanke und als er dann das erste Mal „nein“ sagt, sind die anderen sofort sauer auf ihn und die Maus.

Sie verlangen von ihm nach Katzenmanier, die Maus zu fressen, doch Fiete sagt „nein“, denn er hat erkannt, wer sein wahrer Freund ist.

Die Tiere sind hier stark vermenschlicht dargestellt, damit sich Kinder sofort mit ihnen und der Geschichte identifizieren können. Dabei sind sie aber verniedlicht gemalt (,bis auf den bösen Hund).

Die Anzahl der Bilder auf den Seiten schwankt zwischen einem großen über eine Doppelseite bis zu sechs kleinen auf einer Seite. Die Farben sind von der Illustratorin dabei knallig bunt gewählt und Tiere und Objekte sind leicht schwarz umrandet.

Die Schrift variiert sowohl in der Schriftart als auch in ihrer Größe. Der erzählende Text ist stets klein, besondere Aussagen sind groß in anderer Schrift hervorgehoben, wie z. B. „Ich hab eine Idee!“ oder „Friss die Maus!“.

Die Aussage des Buches, die den Autorinnen sehr wichtig ist, steht auf der letzten Seite der Geschichte. Auf dieser sieht man Fiete und die Maus mit in die Hüfte gestellten Armen und dazu in Anführungszeichen den Text „Ich hör auf mein Gefühl und sag, was ich nicht mag. Das Zauberwort heißt NEIN. Und dadurch bin ich stark.“

Im hinteren Deckel des Bilderbuches wird Rebecca Mir für vorlesende Erwachsene als Botschafterin von „Schieb deine Verantwortung nicht weg““, einer Kampagne der Unabhängigen Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen und des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, vorgestellt.

Darunter gibt es den Hinweis, dass Nein-Sagen nur ein Baustein von vielen ist und zwei QR-Codes zu weiteren Aktionen der Kampagne und eine Telefonnummer.

Ein Bilderbuch mit einer wichtigen Botschaft für alle Kinder!

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Was ist "Das gute Leben" für mich?

Das gute Leben
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Dieser Roman erstreckt sich über vier Frauen-Generationen einer rumänisch-deutschen Familie und jede der einzelnen Protagonistinnen sucht für sich „Das gute Leben“.

Die Urgroßmutter scheint es in ihrem ...

Dieser Roman erstreckt sich über vier Frauen-Generationen einer rumänisch-deutschen Familie und jede der einzelnen Protagonistinnen sucht für sich „Das gute Leben“.

Die Urgroßmutter scheint es in ihrem Haus und der Nachbarschaft in Rumänien gefunden zu haben, aber es fehlt ihr etwas daran, als ihre Tochter Annie schwanger aus dem kommunistischen Land nach Deutschland zu Onkel und Bruder flieht.

Denn Annie findet das Leben in diesem Rumänien alles andere als gut. Im Wirtschaftswunderland Deutschland baut sie sich ein neues Leben als Alleinerziehende auf, denn Onkel und Bruder sind ihr keine wirkliche Hilfe. Bei ihrer Arbeit bei Quelle in Fürth fühlt sie sich wohl. Trotzdem ist das neue Leben für Annie hart und für ihre Tochter Helene noch mehr, da die Mutter sie mehr als Belastung denn als Freude empfindet und sie dies auch zu spüren bekommt.

So verlässt auch Helene ihre Mutter, um das gute Leben in Amerika zu suchen. Doch dafür lässt sie ihre eigene Tochter Christina nach der Grundschulzeit bei ihrer Mutter in Deutschland zurück, damit diese nicht so allein ist, aber wohl auch der Freiheit wegen.

Dass das für Christina, aber auch für sie selbst, dann auch nicht das „gute“ Leben sein kann, ist augenscheinlich. Christina geht später nach Berlin.

Nach Annies Tod erbt Christina ihr Haus und fährt dorthin. Hier reißen alte Wunden wieder auf und brechen sich alte, unbeantwortete Fragen Bahn. Haben sie das gute Leben gefunden? Oder haben sie zu viel riskiert und es verpasst? Und was ist das überhaupt „Das gute Leben“?

Dieses Buch bringt den Lesenden die Suche nach dem guten Leben und die Unzufriedenheit mit dem jetzigen Leben seiner Protagonistinnen sehr nah. Man leidet mit ihnen mit, wie sie aus ihren - trotz Neuanfängen - ausgetretenen Beziehungspfaden nicht herauskommen.

Doch Christina schöpft Hoffnung, als sie nach Berlin zurückfährt, denn zum ersten Mal fühlte sie sich ihrer Mutter wieder näher. So nimmt sie einen Trieb des Weinstocks, der ursprünglich aus Rumänien vom Haus der Urgroßmutter stammt, mit nach Berlin, damit er dort auf ihrem kleinen Balkon Wachsen und Klettern kann.

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