Profilbild von Rebecca1120

Rebecca1120

Lesejury Star
offline

Rebecca1120 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Rebecca1120 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.04.2026

Wo Vergangenheit auf Gegenwart trifft

Unter dem Strand
0

Cay soll einen Artikel zum 80. Jahrestag der Katastrophe der Cap Arcona in der Lübecker Bucht, bei der tausende von Menschen ums Leben kamen, schreiben. Sie plant dafür einige Tage für die Recherche ein ...

Cay soll einen Artikel zum 80. Jahrestag der Katastrophe der Cap Arcona in der Lübecker Bucht, bei der tausende von Menschen ums Leben kamen, schreiben. Sie plant dafür einige Tage für die Recherche ein und hofft vielleicht zusätzlich noch Material für ihr geplantes Buch zu finden. Aber jäh wird der Plan durchkreuzt, als sie gleich am Anfang beim Strandgang die Leiche einer jungen Frau findet. Die hatte sich aktiv für das Gedenken an die damaligen Opfer eingesetzt hat. Bis heute ist der genaue Ablauf des Untergangs und die Ermittlung eventueller Schuldiger ins Leere gelaufen. Dabei sollte man gerade bei den heutigen rechtsgerichteten Entwicklungen im Land dieser dunklen Seite deutscher Geschichte mahnend immer wieder Gehör verschaffen. In meinen Augen ist das der Autorin mit diesem Buch sehr gut gelungen. Die Rückblenden zu Häftling 5427, Leon Teitelbaum, haben einen eindringlichen Einblick in das Lagerleben und -leiden gezeigt. Ich fand es gut, dass hier nicht nur die Grausamkeit der SS-Mannschaft und der privilegierten Häftlinge im Mittelpunkt stand, sondern der Überlebenskampf und der Überlebenswille der Häftlinge. Zu dem auch ein wenig Galgenhumor, wie z.B. die Beschreibung Zugluft im Gebiss für Zähne ausschlagen, notwendig war. Wie Leons Geschichte im Buch dargestellt ist zeigt deutlich wie intensiv die Autorin sich mit dem nationalsozialistischen Völkermord an den Juden auseinandergesetzt hat. Es hat mir aber auch klargemacht, dass nicht Glück zum Überleben im KZ gehörte, sondern auch Feingefühl, Improvisationstalent und Zusammenhalt. Eines wird deutlich beim Lesen, entgegen der Beschreibung auf dem Cover ist dieses Buch mehr als ein Kriminalroman. Zudem fand ich, dass der aktuelle Mord an der jungen Frau, die Cay tot am Strand gefunden hat, leider etwas untergegangen ist. So kam er mir auch etwas losgelöst vor.
Insgesamt gebe ich 4 Lese-Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2026

habe mich schwergetan

Missing Page - Tödliche Worte
1

Antonia, Toni genannt, schleust sich mit einem Trick in die Gruppe der Workshop-Teilnehmer von Richard Griffan. Der erfolgreiche Schriftsteller will Nachwuchstalenten eine Chance bieten ihr Schreibtalent ...

Antonia, Toni genannt, schleust sich mit einem Trick in die Gruppe der Workshop-Teilnehmer von Richard Griffan. Der erfolgreiche Schriftsteller will Nachwuchstalenten eine Chance bieten ihr Schreibtalent zu verbessern. Allerdings ist Griffan, der auf seinem Herrensitz, Griffan Manor, dazu eingeladen hat, alles andere als umgänglich und geduldig. Wie er mit den Teilnehmern und seinem Personal umgeht, ist schon abschreckend.
Gleich am Anfang verkündet er, dass derjenige, dessen Arbeiten ihm am besten gefallen seinen gesamten Besitz und sein Vermögen erbt. Dann passieren seltsame Dinge auf Griffan Manor, die ich lange nicht einordnen konnte. Es war mir etwas verworren zwischen den Traumwandlungen von Toni, der Vorstellung der erledigten Aufgaben der Teilnehmer einen roten Faden zu erkennen. Dabei ist Toni die Einzige, deren Ziel nicht in der Verbesserung ihrer schriftstellerischen Fähigkeiten liegt. Sie verfolgt einen anderen Plan. Doch dann passieren seltsame Dinge auf Griffan Manor, blutige Dinge.
Zu allem Unglück ist das Anwesen wegen eines Unwetters von der Außenwelt abgeschnitten. Bei der Suche nach einem Ausweg aus der Isolation und der Bedrohung, durch wen auch immer, verweben sich immer mehr Realität und Traum. Es werden Allianzen eingegangen, denen man nicht unbedingt trauen kann. Welche Schlüsse Toni aus ihren Beobachtungen oder Träumen zieht, war dann doch auch etwas spannend für mich. Ich habe ihre Suche nach der Wahrheit wie das Ersteigen eines Turms empfunden. Je höher sie kam, um so mehr veränderte sich ihre Sicht und immer neue Bewohner gerieten in Tatverdacht. So auch sie selbst. Insgesamt betrachtet kann ich trotzdem nur 3,5 Lese-Sterne vergeben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.03.2026

atmosphärisch mit viel Geschichte

Moorgold - Ein Erzgebirgskrimi
0

Annalena Krest arbeitet für die Kripo Chemnitz. Leben tut sie in Ehrenfriedersdorf, einem Dorf nahe der tschechischen Grenze, gemeinsam mit ihrem zweijährigen Sohn Patrick. Auch wenn der tägliche Arbeitsweg ...

Annalena Krest arbeitet für die Kripo Chemnitz. Leben tut sie in Ehrenfriedersdorf, einem Dorf nahe der tschechischen Grenze, gemeinsam mit ihrem zweijährigen Sohn Patrick. Auch wenn der tägliche Arbeitsweg nach Chemnitz weit ist, ist es ihr wichtiger, dass ihr Sohn in der Natur und ohne Großstadtlärm aufwächst. Annalena liebt die Berge, die Wanderwege und auch die vielen Sagen und Geschichten über die Geister des Erzgebirges. Erst kürzlich war sie mit ihrem Sohn beim Gauklerfest auf Burg Wolkenstein, wo beide begeistert dem Puppenspieler zugesehen haben. Doch nun ist der tschechische Puppenspieler tot, in die Tiefe gestürzt und Annalena muss, nachdem die Rechtsmedizin Abwehrspuren gefunden hat, seinen Mörder finden.
Es war für mich spannend von Marzebilla und Schakagerl, den erzgebirgischen Sagengestalten zu lesen. Gleiches gilt für die Vertreibung Anwohner im Grenzgebiet. Die mussten nach dem Krieg ihre Häuser und Höfe nur mit dem Nötigsten verlassen und haben auf dem Fluchtweg teilweise ihre Schätze vergraben. Ein Gerücht, dass über Jahrzehnte viele Schatzsucher anzog. Als in diesem Frühjahr nach der Schneeschmelze ein Erdrutsch auslöst wird, werden die sterblichen Überreste eines Menschen freigelegt. Schnell wird klar, dass es sich um den seit 30 Jahren vermissten deutschen Unternehmer handelt, der sich ebenfalls der Schatzsuche verschrieben hatte.
Somit sind es zwei Tote, deren Mörder die Chemnitzer Kripo finden muss. Bei ihren Ermittlungen fand ich Annalena sehr engagiert und gleichzeitig aber auch unsicher, da ihr Chef und Mentor, Hauptkommissar Lorenz, eine berufliche Auszeit genommen hat. Der steht ihr zwar stets beratend zu Seite, doch oft will sie ihn auch nicht um Rat bitten. Oft entscheidet Annalena sich oft spontan zu Alleingängen, die sie in größte Gefahr bringen. Mir hat das Spannung gebracht, ließ mich aber auch an ihrer Professionalität zweifeln. Insgesamt betrachtet gibt’s von mir 4 Lese-Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.03.2026

Romy kann sich auf Bauchgefühl verlassen

Rügenmord
0

Romy Beccare und ihr Team sollen den Mörder des in einer Scheune verbrannten Buchhalters aufklären. Kein leichter Fall, denn Tom Kappler um den es sich bei der Brandleiche handelt, hat ein recht undurchschaubares ...

Romy Beccare und ihr Team sollen den Mörder des in einer Scheune verbrannten Buchhalters aufklären. Kein leichter Fall, denn Tom Kappler um den es sich bei der Brandleiche handelt, hat ein recht undurchschaubares Leben geführt. Vielfach hat er Aufträge als Auftragsbuchhalter übernommen, aber viel wichtiger waren ihm die Musik, das Feien fröhlicher Partys. Obendrein fühlte er sich zu Männern hingezogen, was nicht überall gut ankam. Geld stand bei ihm nie im Vordergrund. So stellt es sich für Romy dar. Aber warum zieht Tom, der sich ein Leben in Berlin aufgebaut hat, wieder in seine alte Heimat zurück? Nur wegen seiner hilfsbedürftigen Mutter?
Auch in diesem 15. Band der Romy Beccare-Reihe gibt es wieder übergreifende Zusammenarbeit zwischen BKA, LKA und den Kollegen in Schwerin. Nett fand ich es, dass sogar Emma Klar eine kleine Rolle zukam. Aber was die Ermittler am Anfang an Hinweisen für Wirtschafts- und Drogenkriminalität gedeutet haben, lässt Romy nicht als Motiv für den Mord an Tom Kappler gelten. Ihr Bauchgefühl sagt ihr, dass da ein anderer Grund vorliegen muss. Und dafür habe ich sie bewundert, denn sie liegt damit vollkommen richtig. Allerdings müssen sie den Fall noch einmal ganz von vorn aufrollen, was mir nicht unbedingt Spannung gebracht hat, da es zu vielen Wiederholungen und wenig neuen Erkenntnissen kam. Auf jeden Fall finde Gregor Reymann, vor dessen ruppiger Art und nicht vorhandener Zurückhaltung immer gewarnt wird, gar nicht schlecht. Die Zusammenarbeit mit Romy klappt in meinen Augen gut und manchmal muss man einen Zeugen oder Beschuldigten ein wenig aus der Reserve locken. Dafür ist Reymann der Richtige. Ich mag ihn.
Insgesamt gibt’s von mir 4 Lesse-Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.03.2026

exzellent charakterisierte Figuren

Einatmen. Ausatmen.
0

Marlene ist ein Erfolgsmensch, Effizienz und berufliches Weiterkommen sind ihr einziger Lebensinhalt. Das Zwischenmenschliche bleibt dabei auf der Strecke. So bringen sie leichte Denkanstöße von Alex Graw, ...

Marlene ist ein Erfolgsmensch, Effizienz und berufliches Weiterkommen sind ihr einziger Lebensinhalt. Das Zwischenmenschliche bleibt dabei auf der Strecke. So bringen sie leichte Denkanstöße von Alex Graw, dem Coach ihres von Vorstand aufgedrückten Achtsamkeitsseminars, gleich am ersten Tag aus dem Gleichgewicht. Sie flieht aus der Diskussion, denn an ihren Kern, ihre Gefühle lässt sie niemanden heran. Im Buch spricht der Autor von äußerem und inneren Erfolg. Der äußere, das sind die Zahlen, die Ergebnisse. Das beherrscht Marlene uneingeschränkt. Beim inneren soll man sich fragen, wie geht es mir damit, was macht das mit mir? Aber genau diese Fragen lässt Marlene nicht zu, sie bleiben unbeantwortet. Ganz allmählig und ohne Druck von außen lernt auch Marlene in sich hineinzuhören. Die ländliche Gegend, die Nähe zur Natur sind einfach dafür geschaffen. Marlene, jahrelang kopfgesteuert, fängt hier im Brandenburgischen an aus dem Bauch heraus zu agieren. Manchmal, ohne dass sie lange darüber nachdenkt. Unaufdringliche Helfer auf diesem Weg sind die offenherzige Kerstin und der Hausmeister, der seine krebskranke Mutter pflegt.
Am Anfang des Buchs habe ich sehr viel Ähnlichkeit zwischen Marlenes und meinem Verhalten festgestellt. Bin ich wirklich so schlimm, waren meine Gedanken. Irgendwie hat mich das nachdenklich gestimmt. Aber was Marlene schafft …..
Wie der Autor die unterschiedlichen Charaktere, den stillen Hausmeister, die 14jährige Umweltaktivistin, die von zu Hause weggelaufen ist, und natürlich Marlene, deren einziger Lebensplan beruflicher Erfolg ist, in diesem Buch als sehr unterhaltsame aber auch zum Nachdenken anregende Geschichte verbindet, hat mir sehr gut gefallen. Sie hat mich beim Lesen zur Selbstreflektion gebracht. Von mir gibt’s 4 Lese-Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere