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Veröffentlicht am 15.12.2023

Interessante Figuren und Geschehnisse in der Lebensgeschichte einer Frau, die man ihren Weg nicht gehen ließ Ein wichtiger Beitrag über Nationalsozialismus und Emanzipation

Und am Ende die Freiheit
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Die Darstellungsweise und die Handlung haben mich rasch dazu gebracht, mich für den Roman zu interessieren und die Geschichte verfolgen zu wollen.
Einerseits fand ich die Zeitsprünge zwischen Helenes Gegenwart ...

Die Darstellungsweise und die Handlung haben mich rasch dazu gebracht, mich für den Roman zu interessieren und die Geschichte verfolgen zu wollen.
Einerseits fand ich die Zeitsprünge zwischen Helenes Gegenwart in 1957 und ihrer Studienzeit sehr interessant. Im Vergleich der beiden Zeitstränge erkennt der Leser deutlich, was Helene im Lauf der Zeit verloren hat oder ihr genommen wurde. Zudem fallen Kleinigkeiten auf, die den weiteren Verlauf von Helenes Leben andeuten.
Andererseits haben mir die Figuren sehr gut gefallen. Die wichtigen Figuren haben sowohl Stärken und Schwächen und es gibt keine Schuldzuweisungen. Wenn die Autorin Verena Rabe in dieser Geschichte, in der es auch um eine Emanzipation geht, Partei ergreift, dann nicht für Frau oder Mann, sondern für eine Gesellschaft, die das Individuum respektiert. Den Charakter der Hauptfigur Helene fand ich sehr spannend und sie erinnert mich an Figuren von Judith Merkle Riley, die ebenfalls eine Berufung spüren und diese in stillem Kampf verfolgen; die zum Spielball der Ereignisse werden und am Ende ihr Ziel trotzdem erreichen.

Sehr gefallen hat mir die Darstellung der Ereignisse im Nationalsozialismus aus der Sicht von Helene; diese finde ich sehr wichtig. Man erkennt durch Helenes Blickwinkel, dass eine Dikatur für alle Menschen gefährlich ist. Die, die zunächst von der Diktatur begünstigt werden, glauben, dass etwas Gutes passiert. Aber Helenes Sicht zeigt, dass jede*r zum Ziel der Unterdrückung durch eine Diktatur werden kann, weil man keinen Einfluss darauf hat, welche Agenda der Staat verfolgt. Wie Verena Rabe schrieb: "es fehlt das demokratische Korrektiv".
Der Roman zeigt eindrucksvoll, wieviel weibliches Potential die Gesellschaft durch die Rollenzuweisung auf die Geschlechter verschleudert hat und wie weitreichend der Nationalsozialismus im Einzelnen unterdrückt hat. Das Regime mischte sich zuerst in ureigenste Lebensbestandteile ein wie die Versorgung von Neugeborenen. Dann lebte nach dem Ende des Nationalsozialismus diese Einschränkung von Frauen weiter, so dass Helene und die erwachsenen Kinder noch 1957 ihrem Ehemann und Vater untergeordnet und in allem von ihm abhängig waren. So lebt Helene 12 Jahre nach dem Krieg immer noch in einer privaten Diktatur, in der sie ihren Ehemann um alles bitten muss und vor ihm steht wie der kleinste Azubi vor dem höchsten Direktor. Das Ende der Geschichte fand ich etwas zu glatt. Andererseits habe ich Helene ihr Happy End sehr gegönnt.

Ich fand die historischen Bezüge sehr geschickt eingearbeitet. Ob es sich um Lokalitäten wie die "Eierschale" und das "Romanische Café" oder um historische Persönlichkeiten wie die Professoren von Mise und Goldschmidt handelte oder um die Band "Spree City Stompers" oder um ein Kochrezept, das, wie ich annehme, aus der Familie stammt; das alles fügte sich ganz natürlich und unaufdringlich in das Geschehen ein. Es hat alles so gut zusammengepasst.

Der Roman wirkte auf mich auch sprachlich harmonisch. Es wurde mir an keiner Stelle zuviel. Der Umfang von Beschreibungen war genauso stimmig wie die Wortwahl. Allerdings sind dem Lektorat ein paar Fehler durchgegangen.

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Veröffentlicht am 15.12.2023

Ich finde Jan Weilers Kolumnen großartig - Sie amüsieren durch Lebhaftigkeit, Abwechslungsreichtum und Überraschungen

Mein Leben als Mensch
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Mir scheint, der Autor habe Dinge, die ihm so passiert sind, lediglich überspitzt, dafür umso unterhaltsamer dargestellt.

Seine Storys muten irgendwie ausgedacht und trotzdem real an. Seine Charaktere ...

Mir scheint, der Autor habe Dinge, die ihm so passiert sind, lediglich überspitzt, dafür umso unterhaltsamer dargestellt.

Seine Storys muten irgendwie ausgedacht und trotzdem real an. Seine Charaktere wirken auf mich sehr lebendig und sympathisch, vor allem sein Schwiegervater, sein kleiner Sohn und das Kindermädchen Natalya. Bei ihr habe ich immer die Nastya aus der Lindenstrasse vor Augen und der Schwiegervater liegt mir, bei allem, was er sagt, sofort mit einem angenehmen weichen Singsang in den Ohren. Die Texte amüsieren durch Überraschungen, denn die Charaktere sind schlagfertig und Jan Weiler springt von einem Thema ins nächste, um dann plötzlich auf irgendetwas zurückzukommen. Über alle Kolumnen hinweg wurden sehr viele, unterschiedliche Themen bearbeitet. Das macht dieses Buch abwechslungsreich. Die Sprache ist anschaulich, enthält viele eingängige Bilder, ist eine frische Mischung aus Alltagssprache und einem gehobenen Schreibstil, wie man ihn für Veröffentlichungen erwarten würde.

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Veröffentlicht am 15.12.2023

Wunderbar - abwechslungsreiche, lebensechte Geschichten zum Lachen. Neue Geschichten, gewohnt lustig.

Mein neues Leben als Mensch
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Auch den zweiten Teil der Serie mit Jan Weilers Kolumnen gefiel mir wunderbar. Wieder finden sich die bekannten Figuren, die eben zu seiner Familie gehören. Wieder hat der Erzähler in der Familiendynamik ...

Auch den zweiten Teil der Serie mit Jan Weilers Kolumnen gefiel mir wunderbar. Wieder finden sich die bekannten Figuren, die eben zu seiner Familie gehören. Wieder hat der Erzähler in der Familiendynamik eine eher untergeordnete Rolle, aus der er sich kaum herauskämpfen kann. Etliches an Komik entsteht daraus. Wie gut, dass es Jan Weiler gelingt, es sportlich zu nehmen. Viele Dinge kann er nicht verändern, er kann sie nur in seinen Kolumnen beschreiben. Wenn auch sehr überspitzt, wirkt vieles darin irgendwie lebensecht. Bis es dann wirklich abstrus wird wie beim Erdzwerg. Auch die Sprache ist fantasievoll und arbeitet mit vielen Bilder. Man bekommt sehr gut eine Vorstellung der Figuren und der Geschehnisse. Besonders den Schwiegervater Antonio habe ich immer schnell vor Augen und im Ohr. Thematisch ist das Buch sehr abwechslungsreich. Obwohl es immer um die Familie geht, hat es der Erzähler mit sehr unterschiedlichen Problemen zu tun. Da muss er seinem verstiegenem Schwager ein Geschenk kaufen oder soll sich von seinem Lieblingsmöbel trennen. Er ist zu einer Hochzeit eingeladen, die anstrengend spektakulär werden soll, und die christlichen Feste sind traditionell zu feiern, wobei Antonio nach Leibeskräften unterstützt. Der Autor hat in seinen Kolumnen viele überraschende Ideen verarbeitet. Es gibt viel zu lachen, manchmal leidet man ein bißchen mit. Die Illustrationen sind hübsch bunt. Vom Stil her wie das Cover holzschnittartig. Ich verstehe sie nur manchmal nicht und hätte sie nicht gebraucht. So viele sind auch gar nicht enthalten.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Viel Einfühlung in die Hauptfiguren spürbar, überraschend, braucht etwas mehr Konzentration

Das Leben in meinem Sinn 1
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Jetzt habe ich schon wieder den Beginn eines auf mehrere Veröffentlichungen aufgeteilten Romans erwischt. Obwohl mir diese Konzept nicht liegt und beim vorliegenden Buch der erste Teil am Schluss krass ...

Jetzt habe ich schon wieder den Beginn eines auf mehrere Veröffentlichungen aufgeteilten Romans erwischt. Obwohl mir diese Konzept nicht liegt und beim vorliegenden Buch der erste Teil am Schluss krass abgeschnitten wurde, habe ich mir trotzdem den Beginn eines weiteren Romans von Susanna Ernst heruntergeladen. Denn ich mochte Das Leben in meinem Sinn sehr. Der Anfang der Geschichte ist etwas geheimnisvoll mit dieser mysteriösen Entität, die sagt, sie sei kein Engel, jedoch Milliarden Schutzbefohlene hat und deren Geschick sacht zu lenken scheint. Ich wurde schnell neugierig, zumal die Handlung immer wieder überraschte mit einem Wechsel zwischen der Gegenwart und einer anderen Ebene. Ich brauchte etwas mehr Konzentration, um mich durchzufinden: Was ist das Jetzt und was ist die Vergangenheit, ein Traum oder eine Filmszene? Teils überlappen sich diese Ebenen sogar. Ich musste stellenweise etwas genauer lesen, damit alles klar bleibt. Dieses Verflochtene hat mir aber gefallen, nicht nur, weil es Abwechslung mit sich brachte, sondern auch Einfühlung in die Hauptfiguren, aus deren Perspektive heraus die Geschichte erzählt wird. Beide waren mir sympathisch. Sprachlich kommt die Autorin mit wenig Redewendungen aus, was den Text ehrlich und persönlich klingen lässt. Die Inhaltsangabe des Verlags halte ich für einen Missgriff, denn dieser Teil geht bei Weitem nicht so weit. Dass Ben sich verliebt haben könnte, klingt nur an. Er selbst hält es für Befangenheit. Am Film-Set hält sich die Geschichte nicht ganz so viel auf, wie man glauben würde, denn dieser Teil erzählt erst einmal von Ben, seinem bisherigen Leben und wie es passiert, dass er zu dieser Serie kommt. Die "ungeahnten Wege" sind noch gar nicht in Sicht. Insgesamt möchte ich diese Geschichte mit 4 Sternen bewerten.

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Einfühlsam wird die Situation zwischen einem alten Leben und dem Neuanfang beschrieben

Wenn dein Herz woanders wohnt – Sehnsuchtsträume
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Mir gefällt das Konzept der Vorgeschichte besser, um einen Autoren kennenzulernen, als das Konzept, dass ein Roman in mehrere Teile zerlegt wird. Hier jedoch wurde der Schnitt gut gewählt: Ich hatte den ...

Mir gefällt das Konzept der Vorgeschichte besser, um einen Autoren kennenzulernen, als das Konzept, dass ein Roman in mehrere Teile zerlegt wird. Hier jedoch wurde der Schnitt gut gewählt: Ich hatte den Eindruck, Leonie hätte am Schluss die erste Hürde, eine Etappe auf ihrem Weg hinter sich gebracht; auch wenn sich der Text, wäre er eine Kurzgeschichte, zu ausführlich mit den Figuren beschäftigt und zu viele Handlungsstränge angelegt wurden. Die Inhaltsangabe des Verlags ist eigentlich falsch, da sie auf das Ende des Textes fokussiert und ignoriert, dass er hauptsächlich die Situation der beiden Hauptfiguren, aus deren Sicht die Story erzählt wird, darstellt. Den Anfang fand ich etwas unglücklich, weil für mich zu esoterisch mit den affirmativen Sätzen/Beschwörungsformeln am Spiegel und den Farbnamen. Das hat sich jedoch bald verwachsen und für mich harmonisch in die Geschichte eingefügt. Ich fand sie bald einnehmend, weil ich zunächst Leonie und später Thies in ihrer Situation sehr gut verstehen konnte und die Geschichte ohne Klischees auskommt. Ich fand sie sehr individuell, auch sprachlich entwickelte Judith Wilms ihren eigenen, persönlichen Stil. Und auch das, was ihre Figuren denken, wie sie erleben, wirkte auf mich individuell und damit glaubwürdig und berührend. Ich bin nicht abgeneigt, die Story weiter zu verfolgen, und bewerte sie mit 4 Sternen.

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