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Veröffentlicht am 16.03.2026

Familiengeheimnisse und Schicksale in Irland

Und das Glück duftet nach Wolken und Meer
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Kayla lebt in Berlin, weit weg von ihrer Heimat, einem kleinen Ort an der Küste Irlands. Der Weggang zum Studium war wie eine Flucht vor dem Leben dort, dass durch den Weggang ihrer Mutter im Kindesalter ...

Kayla lebt in Berlin, weit weg von ihrer Heimat, einem kleinen Ort an der Küste Irlands. Der Weggang zum Studium war wie eine Flucht vor dem Leben dort, dass durch den Weggang ihrer Mutter im Kindesalter geprägt war. Die Stimmung zu Hause war als Kind nicht einfach, doch ein Streit mit ihrem Bruder im Erwachsenenalter hielt sie in den letzten Jahren auf ihre Heimat inklusive Großmutter und Vater zu Besuchen. Doch die Rückkehr scheint durch einen Trauerfall unvermeidlich und Kayla nicht zuletzt dadurch verletzlich und unsicher. Läuft doch auch in Berlin nicht alles rund – geschäftlich und privat. Mit großer Unsicherheit reist Kayla in ihren Heimatort und wird mit der Vergangenheit konfrontiert. Manche Dorfbewohner reagieren verhalten. Auch bei Freundschaften müssen die letzten Jahre ohne physischen Kontakt aufgeholt werden Doch Kayla lernt auch interessante neue Leute kennen.

Eines vorneweg, der Roman bzw. die Themen sind leider nicht immer so leichtfüßig, wie das Cover suggeriert. Allerdings zahlt sich das Durchhalten dafür umso mehr aus, denn nicht jedes Leben ist immer Friede, Freude, Eierkuchen.

Susa Bartel nimmt uns vom quirligen Berlin, wo man als Trauerbegleiterin für Tiere anscheinend zumindest etwas Geld verdienen kann, ins doch eher bodenständigere Old Quay- einen kleinen Ort an der Küste Irlands. Man taucht ein in gut gelungene Landschaftsbeschreibungen und lernt auch so manches über irische Köstlichkeit. Garniert wird das ganze mit so manchem spannenden, vielleicht für ein kleines Dorf typischen Charakter wie der immer neugierigen älteren Nachbarin.

Das große Thema, bzw. der rote Faden des Romans sind die Überlegungen um das Familiengeheimnis – dem Verschwinden von Kaylas Mutter und wie dies alle Familienmitglieder geprägt hat. Eine Tatsache, die auch auf andere Probleme umgelegt werden kann und dadurch die Möglichkeit bietet auch für einen selbst etwas neue Hoffnung mitzunehmen. Man kann sein Glück finden, auch wenn die Situation traurig anmutet. Es bringt allerdings auch nichts eine traurige Situation komplett auszuklammern.

Etwas verwundert hat mich die Tatsache, dass Kayla die Familengeschichte nicht früher hinterfragt hat. Kayla erscheint zu Beginn des Romans auch etwas unreif zu sein, etwas das ihr von ihrem Freund auch vorgeworfen wurde. Das eine bedingt hier allerdings wahrscheinlich das andere und manchmal ist es einfacher mit dem Status quo zu leben und es zu verdrängen, als sich dem ganzen zu stellen.

Ein Roman der das Irland-Feeling wundervoll transportiert und auch sehr versöhnlich und rund endet.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Turbulenzen im Offshore-Windpark

Trügerisches La Rochelle
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Auf der Baustelle eines Offshore-Windparks nahe Rochelle wird ein Toter gefunden – Unfall, Selbstmord, Mord es ist nicht ganz klar. Commissaire Chevalier wird von seiner beschaulichen Arbeit mit seinem ...

Auf der Baustelle eines Offshore-Windparks nahe Rochelle wird ein Toter gefunden – Unfall, Selbstmord, Mord es ist nicht ganz klar. Commissaire Chevalier wird von seiner beschaulichen Arbeit mit seinem Schwager zum Einsatz auf dem Installationsschiff gerufen. Hier begegneter er einer eingeschworenen Crew, die durch die Distanz zum Festland isoliert ist, ist man doch einige Wochen am Stück auf dem Installationsschiff – ohne Empfang. Bald ist klar, dass es kein Unfall sein kann- trotz stürmischer See. Doch wer ist der Täter, er muss sich doch noch auf dem Schiff befinden.

Die Erzählung folgt dem klassischen Whodunit Prinzip der Kriminalromane: Ermittlungen des Teams um Commissaire Chevalier verlaufen in klassischer Polizeimanier. Man verfolgt Spuren, sucht Motive, landet in Sackgassen und wird durch so manche Entwicklung überrascht. Besonders spannend ist dabei die Tatsache, dass sich der Täter an Bord dieses Installationsschiffes befinden muss.

Neben der Hauptermittlung taucht man auch in einem gewissen Maße in das Privatleben des Ermittlerteams ein. Man lernt einerseits ein doch entspannteres Privatleben des Commissaires kennen, andererseits aber auch private Ermittlungen in der eigenen Familiengeschichte. Damit lernt man den Ermittler auch von einer anderen Seite kennen und lernt ihn sehr zu schätzen.

Der Schreibstil des Autors ist angenehm und auch sehr bildhaft. Man nimmt die geschilderte Atmosphäre in der wundervollen Stadt Rochelle gut war, ein maritimes Lebensgefühl, dass gleich Urlaubslüste weckt. Aber auch der Windpark und die technischen Details sind detailliert, aber auch verständlich dargestellt, so dass man auch gleich etwas fürs Leben lernt. Gelungen fand ich, wie das alles miteinander verknüpft wurde.

Für mich war dies der erste Roman aus dieser Krimiserie. Auch wenn dieser ohne Probleme für sich alleine gelesen werden konnte, werde ich bei Gelegenheit die restlichen Bände ansehen, um besser in die Geschichte um den Commissaire einzutauchen.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

ein internationaler Regionalkrimi der auch die Ermittler persönlich fordert

Solothurn ruft nach Vergeltung
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Es sind Filmtage in Solothurn und der auszuzeichnende Regisseur taucht nicht auf. Von Pia, Tochter des Chefermittlers Dominik Dornach wird er getötet in seinem Zimmer aufgefunden. Doch was ist das Motiv? ...

Es sind Filmtage in Solothurn und der auszuzeichnende Regisseur taucht nicht auf. Von Pia, Tochter des Chefermittlers Dominik Dornach wird er getötet in seinem Zimmer aufgefunden. Doch was ist das Motiv? Hat es mit seinem Film über Femizide und Frauenhass zu tun. Hat es mit seiner eigenen Herkunft zu tun. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, da die Spuren gering sind. Hat alles mit einem spektakulären Fall in der Vergangenheit zu tun.

Eines vorneweg - auch wenn dies bereits der siebente Band einer Reihe um den Ort Solothurn und den Ermittler Dominik Dornach ist, viel mir der Einstieg leicht. Man lernt die Charaktere und ihre Geschichte peu à peu kennen und erkennt, dass viele der Personen eine lange und turbulente Geschichte verbindet.

Auch wenn dies ein Regionalkrimi ist, mit einer tiefen Verflechtung im Ort, hat er überraschend viele internationale Züge. So gesellen sich zu regionaltypischen Ausdrücken und eine schon fast pittoreske Beschreibung der Gegend, Ausflüge ins Ausland, aktionreiche Szenen und Hintergrundinformationen in verschiedenste internationale Ermittlungseinheiten, die man so vielleicht nicht erwartet.

Auch die Themen, die aufgegriffen werden, sind sehr aktuell – Femizide sind in vielen Ländern ein großes Problem. Weiters Mobbing, Belästigung und häusliche Gewalt. Alles von großer gesellschaftlicher Bedeutung. Als Leser ist man versucht, gleich einen bestimmten Personenkreis zu verdächtigen, doch man darf sich als Leser auf die ein oder anderen überraschende Wendung einstellen. Doch in diesem Netz aus Ehrenmord, Hass, Schuld, Lüge und Misstrauen ist nichts so einfach wie es zunächst scheint.

All dies lässt das Buch dann doch auch temporeich und düster erscheinen, präsentiert allerdings mit einem flüssigen und leichten Schreibstil. Man befindet sich als Leser im Strudel der Ermittlungen und Wendungen und bekommt schließlich aber eine schlüssige Aufklärung präsentiert.

Ich werde in nächster Zeit sicher auch noch die Vorgängerbände lesen.

Veröffentlicht am 24.02.2026

Spurensuche in der Vergangenheit, Spionage und etwas Okkultismus

Das Antiquariat am alten Friedhof
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Das titelgebende Antiquariat am Friedhof liegt im berühmten Graphischen Viertel von Leipzig, ein Stadtviertel in dem wie der Name vermuten lässt viele Unternehmen der Buchbranche angesiedelt waren. Und ...

Das titelgebende Antiquariat am Friedhof liegt im berühmten Graphischen Viertel von Leipzig, ein Stadtviertel in dem wie der Name vermuten lässt viele Unternehmen der Buchbranche angesiedelt waren. Und es wirkt im Großen und Ganzen als Dreh- und Angelpunkt der unterschiedlichen Erzählebenen.

Im Jahr 1930 trifft sich hier eine Gruppe von vier Freunden aus wohlhabenden Häusern in einem Antiquariat eines dieser Freunde Vadim. Um all dies zu finanzieren, stielt man ab und an wertvolle Bücher, die an geheime Sammler verkauft werden. Zu den Freunden stößt nun auch Eva, Schwester eines Mitglieds. Doch all dies bleibt nicht dauerhaft ohne Konsequenzen, und so mancher neue Raub bringt mehr Risiko als der vorherige. Die Mitglieder des Clubs hadern immer mehr mit der Situation und den Beziehungen untereinander.

Im Jahr 1945, kehrt nach Kriegsende jener Felix wieder nach Europa zurück, nachdem er in die USA ausgewandert war. Aber er kommt nicht zum Spaß, er tourt im staatlichen Auftrag durch verschieden Länder Europas, um Buchschätze zu sichern. Doch der Auftrag wird erweitert, da in Leipzig eine Person aufgegriffen wird, die angibt der Vorleser von Hitler gewesen zu sein. Als Felix diesen Mann mit einer Maske trifft, wird ein Tor in die Vergangenheit geöffnet, gibt er doch vor Felix zu kennen.

Kai Meyer schafft es uns die Geschichte sehr geschickt Atmosphäre der jeweiligen Orte einzufangen, sei es das Kloster mit Bibliothek auf der Insel Patmos, das zerstörte Nachkriegsleipzig oder eine Villa im schönen Italien. Eine sehr bildhafte Sprache fängt den Leser ein und erlaubt es wirklich sich zu fühlen, als wäre man dabei. Schrittweise, mit einem kapitelweisen Wechsel der Erzählzeit, taucht man tiefer in die Geschichte ein, und erfährt, wie es zum Bruch im Jahr 1930 kam.

Die historischen Elemente waren sehr spannend und auch lehrreich. Wie Geschichtsunterricht nur nicht in trocken. Wo hätte ich sonst über die Tatsache gelernt, dass es offiziell autorisierte Buchdiebe auch auf Seiten der USA gab. Dass im Nazireich Kunstschätze geraubt wurden, war mir schon bekannt. Auch die Tatsache, dass manche Personen Lenin wieder aufwecken wollen, kannte ich vorher noch nicht.

Durch diese leichte Spannung, einen gewissen übernatürlichen Einschlag und dem leicht melancholischen Blick auf die Vergangenheit, wurde ich regelrecht vom Buch gefesselt und habe die Zeit wirklich genossen. Es ist gewiss schon auf Grund der länge kein Buch für zwischendurch, und hätte in manchen Bereichen vielleicht gestrafft werden können, aber es liest sich sehr stimmig.

Da ich die Vorgänger Bände noch nicht kannte, werde ich diese bestimmt auch in absehbarer Zeit lesen.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Ist denn nichts heilig? Ein toter Pater in der Kirche

Vino, Mord und Bella Italia! Folge 8: Unheilige Geschäfte
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Ein Pater aus dem Vatikan besucht Fonteneia um Kunstschätze der Kirche zu katalogisieren. Mit seinem Charme versucht er den Ort zu bezaubern. Doch dann wird es turbulent. Don Benedetti der Pfarrer des ...

Ein Pater aus dem Vatikan besucht Fonteneia um Kunstschätze der Kirche zu katalogisieren. Mit seinem Charme versucht er den Ort zu bezaubern. Doch dann wird es turbulent. Don Benedetti der Pfarrer des Ortes wird von Tameo und seinem Hund Peppo gefunden - er wurde niedergeschlagen. Dann findet man auch noch den Pater aus dem Vatikan ermordet gefunden und ein Kunstwerk aus der Kirche scheint verschwunden zu sein. Auch privat wird es für Anna etwas turbulenter als bisher, ist doch ihre Mutter Paola endlich einmal wieder zu Besuch.

Für alle Kenner der Serie sei gesagt - auch dieser Band ist es wieder als wäre man bei alten Freunden zu Besuch. Man ist rasch drinnen in der Geschichte und trifft alte Bekannte wieder. Eben wie ein Urlaub bei Freunden, in der Toskana, die wir nun in einem Herbstsetting erleben dürfen. Annas Privatleben wird dieses Mal zum großen Nebenthema.

Wie immer kommt man leichtfüßig durchs Buch - Beschreibungen des Alltags in Fontenaia wechseln sich mit kriminalistischen Ermittlungen. Die Charaktere des Buches tragen das Werk und es ist besonders schön ihre Entwicklung mitzuerleben - allen voran bei Comissario Vico, der nun vollkommen im kleinen Ort angekommen zu sein scheint. Auch an der kriminalistischen Front wird es nicht langweilig - bringt die doch auch hier so manche unerwartete Wendung und Höhepunkt hervor.

Für alle die diese Serie noch nicht kennen, kann ich nur sagen, probiert die Serie aus - es ist jedes Mal wie ein Kurzurlaub. Eine schöne Auszeit aus dem Alltag und die Charaktere und der Charme wachsen einem ans Herz. Und ja eigentlich kann man mit jedem Band beginnen. Man darf sich auf eine Mischung von Humor, etwas Crime und viel Urlaubsstimmung freuen.

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