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Veröffentlicht am 16.04.2026

Lügen, nichts als Lügen

Liars all around me
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„Am frühen Morgen wurde am Leuchtturm die Leiche einer unserer Schülerinnen gefunden. Den Ermittlungen zufolge handelt es sich um Sheila Parker. “

Alles beginnt damit, dass die Musterschülerin Avery ...

„Am frühen Morgen wurde am Leuchtturm die Leiche einer unserer Schülerinnen gefunden. Den Ermittlungen zufolge handelt es sich um Sheila Parker. “

Alles beginnt damit, dass die Musterschülerin Avery den ziemlich anrüchigen Ryle bittet, ihr eine Waffe zu besorgen. Was dieser jedoch ablehnt. Und nun ist Sheila tot. Erschossen. Die ersten Anzeichen deuten auf Suizid, jedoch bleiben Zweifel. Schon allein die Tatsache, dass Avery ein paar Tage zuvor eine Waffe will, spricht gegen sie. Sie versucht, Ryle davon zu überzeugen, dass sie mit Sheilas Tod nichts zu tun hat. Eine Woche gibt er ihr Zeit, ihre Unschuld zu beweisen. Mit ihrer besten Freundin Micah sucht sie nach Hinweisen. Sie findet heraus, dass Sheila, genau wie sie auch, Drohbriefe erhalten hat.

Sowohl Sheilas als auch Averys Umfeld werden durchleuchtet, auch bekomme ich Einblicke in Ryles Familie, die – im Gegensatz zu Sheila und Averys vermögenden Familien – am Existenzminimum ihr Dasein fristet.

Alle Eventualitäten werden durchgespielt, jeder wird durchleuchtet, was die Story dann doch ziemlich in die Länge zieht. Ein Jugendroman mit kriminalistischen Elementen, dem ich nach dem starken Anfang nicht viel abgewinnen konnte. Weitergelesen habe ich dennoch und – es hat sich gelohnt. Gut, erste zarte Bande gehören schon auch dazu, dann aber sind es auch ernste Themen wie Depressionen und psychische Erkrankungen, einhergehend mit Medikamentenmissbrauch, dazu sehr viele Lügen und Erpressung bis hin zu Stalking und noch so einiges mehr an menschlichen Abgründen. Aber auch von dem genauen Gegenteil lese ich. Von Freundschaft und Geborgenheit, von Vertrauen und vom Verzeihen. Dafür braucht es nicht mehr als Herzenswärme, egal ob reich oder arm.

Die Story endet mit einem letzten Knall. Ja, Liars all around me. Ein – wenn auch nicht durchgehend – spannender Roman im Jugendmilieu, untermalt mit Songs von Genesis, Lana Del Rey, Hurts, Taylor Swift und noch so einigen mehr. Die vollständige Playlist ist dem Geschehen vorangestellt.

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Veröffentlicht am 16.04.2026

Beklemmend, grausam, rachsüchtig

Bachelorette Party
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Der Prolog führt zurück ins Jahr 2012 und schon diese ersten Seiten haben es in sich. An diesem 12. Mai haben sich die vier Freundinnen Matilda, Anna, Evelina und Linnea verabredet, wie jedes Jahr auf ...

Der Prolog führt zurück ins Jahr 2012 und schon diese ersten Seiten haben es in sich. An diesem 12. Mai haben sich die vier Freundinnen Matilda, Anna, Evelina und Linnea verabredet, wie jedes Jahr auf eine kleine Schäreninsel überzusetzen – Isle Blind. Sie gehört Annas Eltern. Bald ist die erste der Freundinnen tot und kurz danach folgt die nächste… Bis heute fehlt jede Spur von ihnen, lediglich das verlassene Boot wurde gefunden.

Zehn Jahre später dann will Anneliese das Ende ihres Singledaseins mit ihren Freundinnen feiern, dafür hat sie sich Isle Blind ausgesucht. Es gibt hier mittlerweile ein erstklassiges Hotel, das kurz vor der Eröffnung steht. Irene hat die Insel gekauft, sie bietet im Schärengarten ihr Yoga-Retreat, ein rundum Sorglos- und Wohlfühl-Paket, an. Zu Anneliese gesellen sich Mikaela, Theresa, die Tessa genannt wird, Caroline und Natalie. Letztere ist in ihrem Freundeskreis neu, sie kennt noch nicht alle. Neben den sechs Frauen ist lediglich ein Koch anwesend, sie können sich also vollkommen ungestört fühlen. Vier Tage liegen vor ihnen, es werden neben entspannenden auch alkoholgeschwängerte Stunden sein.

Gespannt folge ich den Frauen, zwischendurch dann lese ich von einer Schuld, die das Innerste Ich dieser Person auszureden versucht. „Nichts davon ist deine Schuld.“ Was es damit auf sich hat, ist bis ziemlich zuletzt nicht greifbar. Eine der Freundinnen musste weg – angeblich. Das Boot, mit dem sie gekommen sind, war fest vertäut – angeblich. Nun schwimmt es weit draußen. Auch im Haus geschieht Mysteriöses, die ganze Umgebung im Haus und auch außerhalb wird immer unheimlicher. Alles spitzt sich zu, man kann kaum atmen, bis dann eine der Frauen tot aufgefunden wird. Was ist hier los? Hat das Ganze mit den Ereignissen von vor zehn Jahren zu tun? Der Prolog lässt darauf schließen, aber dennoch mag sich ein Zusammenhang nicht recht erklären.

So leicht und locker der Titel daherkommt, umso mehr dreht sich die Story Richtung Albtraum - so fesselnd wie düster, so unterhaltsam wie nervenaufreibend. Spannend, mit nicht vorhersehbaren Wendungen. Trotz ihrer langen Freundschaft sind es ganz unterschiedliche Charaktere. Irene, die Besitzerin des Retreats und der Koch mit eingeschlossen. Zunächst scheint alles eitel Sonnenschein zu sein, es ist beinahe ein wenig langweilig. WLAN – gibt es nicht. Handy, Tablet und dergleichen werden bei Ankunft konfisziert, der Focus liegt darin, im Moment zu leben. Bald jedoch wendet sich das Blatt…

Camilla Sten hat schon als Kind Geschichten geschrieben, wie sie verrät – vielleicht ein wenig inspiriert von ihrer Mutter Viveca, zu deren Thrillern ich gerne greife. Die Familie besitzt ein Ferienhaus in den Stockholmer Schären und was liegt da näher für Camilla, ihre „Bachelorette Party“ dorthin zu verorten. Gerne bin ich ihr gefolgt, es war mein erstes, aber bestimmt nicht mein letztes Buch aus ihrer Feder. Sie hat mir intensive, schaurig-beklemmende Lesestunden beschert.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Eine Spurensuche

Ich möchte zurückgehen in der Zeit
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Auf die Frage, was den Anlass gab, dieses Buch zu schreiben, war Judith Hermanns Antwort, dass sie sich mit der SS-Vergangenheit ihres Großvaters auseinandersetzen wolle. Viel weiß sie nicht, da in der ...

Auf die Frage, was den Anlass gab, dieses Buch zu schreiben, war Judith Hermanns Antwort, dass sie sich mit der SS-Vergangenheit ihres Großvaters auseinandersetzen wolle. Viel weiß sie nicht, da in der Familie über ihn und sein Leben eher geschwiegen denn gesprochen wurde. Dass er Mitglied der Gestapo und während des Zweiten Weltkriegs im polnischen Radom stationiert war, ist ihr bekannt, also begibt sie sich auf dessen Spuren, fährt in diese polnische Stadt, quartiert sich dort ein.

„In Zwischen- und Untertönen spürt Judith Hermann das Verdrängte, die Leerstellen unserer Gesellschaft auf.“

Aber - wie sollte das gelingen? Ein schier unmögliches Unterfangen, über einen zu schreiben, dem man selber nie begegnet ist. Von der verräterischen Tätowierung auf seinem linken Arm etwa weiß ihre Mutter zu berichten. Es sind spärliche Infos, die lediglich erkennen lassen, dass er Mitglied der Waffen-SS war. Judith aber will mehr, in Radom liest sie Mitscherlich, liest von der wechselvollen Geschichte dieser Stadt und ja, sie findet ein Foto ihres Großvaters, der auf einem Motorrad der SS sitzt. Und sie lässt wissen, dass sie ihn in keinster Weise lieb hat, ihn eher feindselig bei sich trägt.

Irgendwann dann reist sie weiter über Krakau und Wien zu ihrer Schwester nach Napoli. Diese Tage muten direkt sonnendurchflutet an, fern der Schwere Radoms.

Es ist ein leises Buch, eine Geschichte über das Schweigen einer Familie. Eine Familie, wie es sie unendlich viele gibt. Sollte man dem Vergangenen nachspüren? Um damit abschließen zu können? Dabei sollte man bedenken, dass Leerstellen bleiben, anderes wäre gar nicht möglich.

Es ist Judith Hermanns Buch, sehr persönlich, vielleicht zu persönlich. Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen – aber was hab ich mitgenommen? Diese Frage drängt sich mir unweigerlich auf, zumal ich über den Zweiten Weltkrieg, über die Nationalsozialisten, über die Täter und auch über die Mitläufer und über sie alle, die irgendwie dazwischen waren, viel gelesen habe und noch immer sehr viel darüber wissen möchte. Es ist ein nicht alltäglicher Blickwinkel auf eine Zeit, die nie vergessen werden darf, eine fast private Spurensuche.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Ein Spionageroman, der schmunzeln lässt

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Kristof Magnusson hat mit seiner „…Reise ans Ende der Geschichte“ einen Spionageroman vorgelegt, der trotz der Vorkommnisse zuweilen schmunzeln lässt.

Schon der Prolog wirft mich geradewegs hinein in ...

Kristof Magnusson hat mit seiner „…Reise ans Ende der Geschichte“ einen Spionageroman vorgelegt, der trotz der Vorkommnisse zuweilen schmunzeln lässt.

Schon der Prolog wirft mich geradewegs hinein in das Agentenmilieu. Ein vergifteter Cocktail ist es, der zunächst dieses Klischee bedient, da eine unbekannte, eine faszinierende Welt sich mir genau so darbietet, wie ich sie mir vorstelle. Jakob Dreiser, ein international gefeierter Dichter und Dieter Germeshausen, seines Zeichens Doppelagent, haben hier ihren ersten Auftritt. Mit dabei sind noch so etliche geheimnisvolle Personen und Persönlichkeiten, unter anderem Francesca Aquatone, die sich mir als Italienischlehrerin präsentiert.

Wir sind dann in Rom im Garten der Botschaft der Russischen Föderation. Hier sind sie dabei, „das Ende vom Ende der Welt“ zu feiern. Dass sie hiermit entschieden zu früh dran sind bzw. dass es diesen Weltfrieden so nicht geben wird, ist mittlerweile eine nicht zu leugnende Tatsache. Noch aber sind wir in den 1990er Jahren und wie es den Anschein hat, will Germeshausen den Dichter anwerben, um aus ihm, Jakob Dreiser, einen Spion zu machen.

Für die beiden geht es direkt nach Kasachstan, in die Vereinten Hubschrauberbetriebe Sergei Danilowitsch Luganski in Almaty, weiter soll es dann gen Kolumbien gehen, auch fliegen sie nach Sankt Petersburg, um so einige Stationen ihrer abenteuerlichen Reise zu benennen. Und selbstredend sind sie so manch Gefahr ausgesetzt. Wobei mir der junge Jakob Dreiser schon etwas naiv und unbedarft vorkommt, er scheut vor nichts und niemanden zurück. Im Gegenteil, er ist ein Draufgänger, ein Machertyp, der nicht einen Hubschrauber kauft, wie von Germeshausen anvisiert, nein. Sechs Stück sind es, die er mal so nebenbei ordert.

Der Roman hat einen durchaus ernsten Hintergrund, dem der Autor mit einer gehörigen Prise Humor seine Schwere nimmt, trotzdem weiß man um seine Botschaft. Es ist die Zeit, als der Kalte Krieg vorbei schien, es herrscht Aufbruchstimmung. Die Geschichte lebt von der Lust am Abenteuer, so mach Situation ist mit einem Augenzwinkern zu betrachten, zuweilen wird es herrlich skurril, gelegentlich ist manch Szenerie überzeichnet wie auch einzelne Figuren und deren Handlungsweise.

Ein Abenteuerroman, der zum Denken anregt. Beim Lesen hatte ich die heutigen Krisenherde vor Augen und auch wenn damals der Eiserne Vorhang mit der Fall der Mauer weg war, so ist er mittlerweile höher und undurchdringlicher denn je. Eine Wirklichkeit, an der man nicht vorbeikommt und doch ist „Die Reise ans Ende der Geschichte“ mit einer Leichtigkeit ausgestattet, die gut unterhält, die ich gerne gelesen habe.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Auf dem Weg zum Erwachsenwerden – intensiv erzählt

Amokalarm
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H.C. Nachtnebel ist Kobe Bryant-Fan durch und durch. Er hat sogar ein Originaltrikot, getränkt mit Kobes Spielerschweiß, das ihn über so manch Tief hinweghilft. Auch ist H.C. selber ein Basketball-Ass, ...

H.C. Nachtnebel ist Kobe Bryant-Fan durch und durch. Er hat sogar ein Originaltrikot, getränkt mit Kobes Spielerschweiß, das ihn über so manch Tief hinweghilft. Auch ist H.C. selber ein Basketball-Ass, außerdem ist Mathe für ihn easy, ganz anders als seine Bros Mateo und Julian, die auf dem Gebiet nix checken.

So weit, so okay. Bis Keira mitten im Schuljahr in ihre Klasse kommt. Sie hat gleich mal ihren ganz besonderen Auftritt in der 10., als in ihren Augen ein Lehrer einem Mitschüler gegenüber ungerecht handelt. Sie ist überhaupt so anders als die anderen. Und sie sieht H.C., zieht sich wieder zurück, macht ihm Hoffnung. Nun ja, irgendwann schleicht sich zu dem spielerischen Miteinander mehr ein, doch weit gefehlt – es kommt ganz anders, als man denkt.

Die fiktive Story bietet jedoch sehr viel an Realität. Zunächst lese ich einen Jugendroman mit einer Sprache, die ich zwar (ansatzweise?) verstehe aber eben nicht spreche. Digga und aggro und safe und weird und sowas halt. Das geht ne ganze Weile so mit verknallt sein und sowas eben, Basketball geht voll ab, die Jungs machen ihr Ding. So ein Selbstfindungsding, ein Erwachsen-werden-Ding. Alle sind sie happy, als sie einen Lehrer bekommen, der locker drauf ist, der sie versteht.

Und dann kommt es zum Eklat, ab da geht’s rund. Was der Auslöser dafür ist, werde ich jetzt nicht breittreten, der AMOKALARM aber kündigt sich langsam an, die Story wird immer intensiver, jetzt bin ich voll dabei, es kommt so einiges zusammen, bis es richtig knallt.

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, zunächst sind die Kapitel mit Vorher, Davor, Raum 24 und Jetzt übertitelt, später dann sind es einzelne Personen, aus deren Sicht der Vorfall geschildert wird, der H.C. komplett aus der Bahn zu werfen droht.

H.C. ist sechzehn, ein ganz normaler Jugendlicher, der dabei ist, seinen Weg zu finden. Uli Black zeigt hier all die Gefühle eines Heranwachsenden auf bis hin zur Orientierungslosigkeit und der Verzweiflung, auch um die Verlogenheit der Menschheit. Und ja, es geht um Missbrauch, um Gewalt und Traumatisierung und dem Umgang damit. Um Halt, um Individualität und Selbstfindung geht es auch.

Ein starker Roman, ein wichtiges Thema, das der Autor hier anspricht. Er beginnt etwas zäh, was mich nicht unbedingt ins Buch gezogen hat, das Dranbleiben aber hat sich dann sehr gelohnt.

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