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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.03.2026

Wer ist hier der Wahnsinnige?

Wenn sie wüsste
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Nina braucht ein neues Hausmädchen, das im Haushalt mithilft und sich um ihre Tochter kümmert. Millie hingegen braucht eine neue Arbeitsstelle, um über die Runden zu kommen. Als Vorbestrafte hat sie es ...

Nina braucht ein neues Hausmädchen, das im Haushalt mithilft und sich um ihre Tochter kümmert. Millie hingegen braucht eine neue Arbeitsstelle, um über die Runden zu kommen. Als Vorbestrafte hat sie es nämlich nicht leicht, einen Job zu finden. Umso glücklicher ist sie, als sie sie Stelle kriegt, obwohl Nina etwas bipolar oder merkwürdig zu sein scheint.

Schnell wird klar, Nina verhält sich oft daneben und schiebt die Schuld daraufhin auf Millie. Die Handlung war durchweg spannend. Ich wollte wissen, weshalb Nina Millie komisch behandelt und ob Nina wirklich psychisch instabil ist, wie alle aus ihrem Umfeld behaupten. Im Verlauf der Geschichte kommen einige Ereignisse ans Licht, die zu einer Wendung in der Handlung führen. Dann ist da auch noch der Gärtner, der Millie zu warnen scheint, den Job zu kündigen. Viel mehr sollte zur Story gar nicht verraten werden. Einige Dinge konnte ich vorhersehen, andere wiederum haben mich völlig überrascht. Es gibt insgesamt ein paar verstörende Szenen, wo man nur den Kopf schütteln kann. Der Lesende stellt sich ständig die Frage, wer von den Figuren verrückt ist. Im Haus herrscht eine düstere Stimmung, man spürt regelrecht die Anspannung.

Für alle die viel Spannung und Twists lieben ist das das richtige Buch! Das war für mich ein Jahreshighlight.

Veröffentlicht am 14.03.2026

Seltsame und verstörende Vergangenheit

Seltsame Sally Diamond
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Sallys Adoptivvater stirbt. Das Erste was sie tut: Seine Leiche im Müll zu entsorgen - wie von ihm gewünscht. Dies zieht eine grosse Aufmerksamkeit auf die sonst isoliert lebende Sally. Ihre Nachbarschaft ...

Sallys Adoptivvater stirbt. Das Erste was sie tut: Seine Leiche im Müll zu entsorgen - wie von ihm gewünscht. Dies zieht eine grosse Aufmerksamkeit auf die sonst isoliert lebende Sally. Ihre Nachbarschaft sieht sie plötzlich mit anderen Augen, sie kommt ins Visier der Polizei und fängt selbst an, in ihre Vergangenheit durchzuwühlen (Ich würde es eher als Psychothriller statt als Roman betiteln).



Das war definitiv ein Jahreshighlight. Ich konnte das Buch nicht weglegen. Die Handlung hat zwei Erzählstränge, die sich gegenseitig abwechseln. Nach und nach wird dem Lesenden klar, was Sally in ihrer Kindheit erlebt hat und was für eine verstörende Familiengeschichte sie hat. Es gab einige unangenehme Szenen von Gewalt, Entführung und emotionaler Manipulation, für die man gewappnet sein muss. Das Buch behandelt die menschlichen Abgründe, aber auf einer ganz interessanten Weise!



Sally ist eine extrem interessante Figur. Sie ist sehr eigenartig, introvertiert, direkt und besitzt nicht die üblichen sozialen Fähigkeiten. Sie sieht die Welt mit ganz anderen Augen. Ihre Gedanken folgen einer anderen Logik und der Einblick in ihre Denkweise war extrem spannend. Ihr Mangel an Empathie und Feingefühl erzeugt einige lustige Situationen, welche mich zum Schmunzeln gebracht haben. Ihre Charakterentwicklung im Verlauf des Buchs ist unglaublich.



Eine klare Leseempfehlung, wenn man in einer psychisch guten Verfassung ist!

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Veröffentlicht am 07.01.2026

Aus dem Leben eines Sportlers

45 Sekunden. Meine Leidenschaft fürs Turnen – und warum es nicht alles im Leben ist
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Kim Bui "entführt" uns in diesem Buch auf eine Reise. Sie schafft es dabei sehr gut, das Leben eines Spitzensportlers hinter den Kulissen und die damit verbundenen Schattenseiten aufzuzeigen. Chronologisch ...

Kim Bui "entführt" uns in diesem Buch auf eine Reise. Sie schafft es dabei sehr gut, das Leben eines Spitzensportlers hinter den Kulissen und die damit verbundenen Schattenseiten aufzuzeigen. Chronologisch nimmt sie uns mit: von ihren ersten Turnstunden bis hin zu ihrem Karriereende. Ich konnte mit dem Schreibstil sehr schnell warm werden und es war so, als würde ich alles selbst erleben.



Abgesehen von ihrer Leidenschaft erzählt sie auch von der vietnamesischen Kultur und der Vergangenheit ihrer Eltern. Interessant ist dabei, wie sie aufwächst und welche Werte sie von ihrer Familie vorgelebt bekommt, was auch ihre Karriere als Turnerin massgeblich beeinflusst (z.B. Neigung zur Perfektion; ja niemanden enttäuschen; Anerkennung muss man sich erst verdienen).

Ich konnte für mich persönlich viele Parallelen ziehen mit der Sportart Eiskunstlauf. Da ich mich sehr „gerne“ und intensiv mit dem Fall Kamila Valieva an den Olympischen Winterspielen 2022 beschäftigt habe, war es umso erschreckender zu erfahren, dass dieselben Erlebnisse auch im Turnen vorkommen - oder wahrscheinlich in (fast) allen Leistungssportarten. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich an Kim’s Stelle so viel Druck standgehalten hätte.

Schön finde ich, dass sie eine differenzierte Betrachtung auf die gesamte Situation wirft und nicht nur eine Partei (z.B. die Trainer) beschuldigt, sondern präzise aufzeigt, wo die Schwachstellen des Systems sind. Dass Trainer Schmerzen/Verletzungen ignorieren oder kleinreden, beim Thema Essen zu weit gehen oder den Sportler nicht ernst nehmen, geht gar nicht! Aber gleichzeitig sind die Trainer auch Opfer des Systems, die nicht viel alleine bewirken können.

Stellenweise, vor allem in der Mitte, fand ich einige Szenen langwierig. Aber das Ende fand ich dann wieder stark. Ihr letzter Auftritt als Turnerin. Und der hoffnungsvolle und positive Blick auf ein Leben ohne den Leistungssport.

Das Buch ist auf jeden Fall nichts für schwache Nerven, da auch das Thema Essstörung intensiv thematisiert wird. Aber nichtsdestotrotz spricht sie sehr viel wichtiges an!

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Veröffentlicht am 07.01.2026

Süchtigmachender Psychothriller

Der Nachbar
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Das war mein erster Fitzek - und ich bin absolut begeistert! Sarah lebt alleine mit ihrer Tochter, weit weg von ihrem inhaftierten Exmann. In ihrem Haus geschehen kleine Dinge, die sie stutzig machen. ...

Das war mein erster Fitzek - und ich bin absolut begeistert! Sarah lebt alleine mit ihrer Tochter, weit weg von ihrem inhaftierten Exmann. In ihrem Haus geschehen kleine Dinge, die sie stutzig machen. Eigentlich hat Sarah grosse Angst, alleine zu sein. Doch scheinbar hat sie jemand, der ihre Einkäufe tätigt und sie stets beobachtet.



Die ersten Kapitel waren für mich verwirrend und ich konnte noch nicht alles einordnen. Gleichzeitig beginnt die Geschichte mit viel Spannung, sodass der Leser gleich vollkommen in die Handlung hineingezogen wird. Durch die kurzen Kapitel, die alle mit einem Cliffhanger enden, konnte ich das Buch gar nicht mehr auf die Seite legen. Ich habe wann immer möglich weitergelesen. So stark gepackt hat mich ein Buch schon lange nicht mehr.

Vorsicht: Es gibt einige explizite und verstörende Beschreibungen.

Die Ereignisse überschlagen sich ständig. Das Erzähltempo ist durchgehend hoch. Besonders gegen Ende kommt ein Paukenschlag nach dem anderen (fast wurde es zu viel). Dennoch hat mich die Geschichte vollkommen überzeugt.



Für alle, die noch keinen Fitzek gelesen haben, empfehle ich „Der Nachbar“ wärmstens.

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Veröffentlicht am 26.12.2025

Über den Kosovokrieg

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Dieses Werk wird durch eine namenlose Ich-Erzählerin getragen, die durch Rückblicke ihres eigenen Lebens und die ihrer Vorfahren dem Leser die politischen Konflikte und Kriegsschilderungen des Kosovos ...

Dieses Werk wird durch eine namenlose Ich-Erzählerin getragen, die durch Rückblicke ihres eigenen Lebens und die ihrer Vorfahren dem Leser die politischen Konflikte und Kriegsschilderungen des Kosovos nahebringt.

Die Erzählerin selbst hat den Kosovokrrieg Ende der 90er nicht unmittelbar selbst erlebt. Dennoch zeigt der Roman auf, wie auch die folgenden Generationen unter den Folgen leiden. Eindrücklich ist hier, dass es auch sehr unterbewusste oder tief verankerte Folgen sein können, wie bei der Ich-Erzählerin das starke Zähneknirschen, was der Zahnarzt unwissend auf erhöhten Stress zurückführt.

Einzigartig an dem Werk ist, wie die Autorin Sprache und Krieg zusammenführt. Die Einschübe der Zahnarztbesuche, bei denen das Zähneknirschen im Zentrum steht, drücken die sprachlichen Schwierigkeiten sowie die Sprachlosigkeit der Ich-Erzählerin aus. Dies zeigt, wie stark nachhallend Kriegserlebnisse von Familienmitgliedern sein können.

Das Werk leistet einen wichtigen Beitrag zur Sichtbarkeit vergessener Kriege und vergessener Opfer.

Ein aussergewöhnlicher Roman, der für den Leser lehrreich und bewegend ist.

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