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Veröffentlicht am 14.03.2026

Die vierzigste Gefangene kannte die Männer nicht

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Sie waren eingesperrt, ohne zu wissen, warum. 39 Frauen, die sich nicht oder nur sehr vage an das Davor erinnern können. Und da ist „die Kleine“, die vierzigste Gefangene, die von klein auf hier war, die ...

Sie waren eingesperrt, ohne zu wissen, warum. 39 Frauen, die sich nicht oder nur sehr vage an das Davor erinnern können. Und da ist „die Kleine“, die vierzigste Gefangene, die von klein auf hier war, die für sie alle als so etwas wie ein Zeitmesser fungiert. Jede hat ihren eigenen Käfig, den Tagesrhythmus bestimmen die Wärter, unter deren permanenter Aufsicht sie sind. Sie kommen immer zu dritt außer bei der Ablöse, da sind sie zu sechst - sie sprechen nie. Nicht mit ihnen und nicht miteinander. Eines Tages ertönt ein Alarm, die Wachen verschwinden, in der Tür steckt der Schlüssel. Die Frauen sind frei – aber sind sie das wirklich?

Aus Sicht der Kleinen schrieb die Psychoanalytikerin und Schriftstellerin Jacqueline Harpman diesen erstmals 1995 erschienenen Roman. Sie nimmt ihre Leser mit eine dystopische Welt, geprägt von allumfassender Überwachung, einhergehend mit dem Verlust von Freiheit und jeglicher Individualität.

Auch wenn gefühlt nicht viel passiert, passiert doch eine ganze Menge. Nun, da sie draußen sind, sind sie auf sich gestellt. Ihr ganzes Leben hatten sie sich danach gesehnt und jetzt scheinen sie überfordert zu sein mit dem Überleben, mit dem Weiterleben, das sie von nun an selbst in der Hand haben. Die einzelnen Persönlichkeiten kristallisieren sich heraus, es geht um das Miteinander, um das Frau-sein in all seinen Facetten, um das Alter, um Krankheit und den Tod, der unweigerlich zum Leben gehört. Von Hoffnung und Hoffnungslosigkeit lese ich, die Atmosphäre ist eher beklemmend. Es ist eine sonderbare Welt, in der sie lebten und auch jetzt leben, nachdem sie den unterirdischen Bunker verlassen konnten.

Trotz der düsteren Grundstimmung hat dieser Roman eine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann. Die Ich-Erzählerin kennt nichts außer Gefangenschaft, in der es galt, Regeln einzuhalten, in der keine Fragen gestellt werden durften, in der Berührungen verboten waren. Kann man sich davon befreien? Eine spannende Frage, ein fesselnder Roman, der sehr nachdenklich stimmt.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Trude Teiges erster Roman um eine starke Frau

Der Gesang der See
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Trude Teige ist als Tochter eines Fischers auf einer kleinen Insel an der norwegischen Westküste aufgewachsen, lässt die Autorin gleich mal wissen. Über ihre Ururgroßmutter Gertrud wollte sie ein Sachbuch ...

Trude Teige ist als Tochter eines Fischers auf einer kleinen Insel an der norwegischen Westküste aufgewachsen, lässt die Autorin gleich mal wissen. Über ihre Ururgroßmutter Gertrud wollte sie ein Sachbuch schreiben, bis ihr ihre Romanfigur Kristiane begegnet ist - eine taffe Frau, die sich in der Männergesellschaft behaupten musste, denn es ging um nichts weniger als den Lotsenposten, der in der Familie von Generation zu Generation weitergegeben wurde, es musste aber ein Mann sein, Frauen waren dafür nicht vorgesehen.

Kristiane war immer ein Papa-Mädchen, sie wollte aufs Meer, gemeinsam mit ihrem Vater. Er hatte sie rudern und segeln gelehrt, er hatte ihr beigebracht, wie man anhand der Landmarken navigiert. Auch bei den Lotsenfahrten hatte sie ihn begleitet, er hat ihr die Fischgründe gezeigt, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Als sie älter war, konnte sie auch schwere Männerarbeit auf dem Schiff verrichten. Wäre sie ein Mann, könnte sie auf jedem Boot anheuern, hat er nicht ohne Stolz verkündet. So aber waren die Begehrlichkeiten der anderen nach der familieneigenen Lotsennummer groß, als Vater starb. Kristiane heiratet ihre große Liebe, das Lotsenmandat bleibt am Hof. Als ihr Mann bei einem Sturm ums Leben kommt, wird ihr nicht lange Zeit für eine Wiederverheiratung gegeben, ansonsten wird ihr das Mandat entzogen.

Trude Teiges Bücher kenne und schätze ich sehr, jedes einzelne hat mich tief bewegt. „Der Gesang der See“ ist ihr erstes Buch, das 2002 in Norwegen erschienen ist und jetzt, im Jahre 2026, von Günther Frauenlob ins Deutsche übersetzt wurde. Trude Teige schreibt über Frauen, die trotz aller Widrigkeiten ihr Leben meistern. Starke Frauen, die sich nicht unterkriegen lassen. Es ist die Zeit, in der die traditionellen Geschlechterrollen gelten, eine Frau hatte sich um Kind und Hof zu kümmern, das Sagen hatten jedoch die Männer. Auf rauer See hatte eine Frau nichts verloren, Kristiane aber hat ihnen die Stirn geboten, die Lorbeeren jedoch sollte sie nicht ernten - was ihr so gar nicht zusagte. Dunkle, sorgenvolle Zeiten waren es voller Schmerz und doch gab es auch helle Momente voller Leidenschaft und Freude. Dem Balanceakt zwischen Familie und der knallharten Realität auf See hat sie sich gestellt. Kristianes Geschichte geht unter die Haut, eine Geschichte über eine patriarchale Gesellschaft, eine Geschichte, auch über Liebe und Verrat.

Die nächste Generation steht schon parat, Kristianes Sohn Anders soll die Familientradition fortführen. Aber will er das? „Hinaus in den Wind“ erscheint im August 2026, ich werde auch seinen Weg gespannt verfolgen.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Spannender Einblick in die Erschaffungsgeschichte des Dreikönigenschreins

Der Schrein der Könige
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Sabine Weiss nimmt ihre Leser in ihrem neuesten historischen Roman „Der Schrein der Könige“ mit nach Köln ins ausgehende 12. Jahrhundert. Zunächst jedoch sind wir in Mailand, als Erzbischof Rainald von ...

Sabine Weiss nimmt ihre Leser in ihrem neuesten historischen Roman „Der Schrein der Könige“ mit nach Köln ins ausgehende 12. Jahrhundert. Zunächst jedoch sind wir in Mailand, als Erzbischof Rainald von Dassel die Gebeine der Heiligen Drei Könige an sich bringt, um diese dann nach Köln zu schaffen. Und hier ist es der Goldschmied Nicolaus von Verdun, der den Auftrag für den Dreikönigenschrein erhält.

Die Autorin versteht es, historisch Verbürgtes mit fiktiven Elementen anzureichern. Das Historische schwingt in ihrer Geschichte um Nicolaus von Verdun immer mit, wobei wir viel von der Goldschmiedekunst an sich erfahren. Auch sind es die Anfänge der Zunft der Goldschmiede, die sich in jener Zeit in Bruderschaften zusammenfinden. Der Lothringer Goldschmied und Emailmaler Nicolaus hatte dabei einen schweren Stand, galt er doch als Zugezogener und einer, der den Kölnern die Arbeit wegnimmt. Ihm werden neben dem Dreikönigenschrein etliche andere Werke zugeordnet wie etwa dem Marienschrein in Tournai (Belgien), der hier auch Erwähnung findet.

Die Goldschmiedekunst an sich mit all den edlen Materialien wie Gold, Silber, Edelsteine und mehr und die Erschaffung der filigranen, sehr lebendigen Figuren wird anschaulich beschrieben, daneben ist es die historische Figur Nicolaus und seine fiktive Familie mitsamt mehr oder weniger Gleichgesinnten, denen ich gespannt folge. Mit seiner früh verstorbenen Frau hatte er fünf Kinder, zwei davon sind ebenfalls schon gegangen. Mit Louis, Anne und Bastien zieht er des Auftrags wegen nach Köln, auch spielt sein Bruder Charles eine ziemlich finstere Rolle. Wir verfolgen den Weg von jedem einzelnen Mitglied der Familie, jeder hat auf seine ureigene Weise mit sich und so manch Unwägbarkeiten zu kämpfen. Wobei Louis eher dem leichtlebigen Charles gleicht, sich gerne mit halbseidenen Gestalten einlässt, Bastien dagegen hat schon in ganz jungen Jahren gesundheitliche Probleme und Anne ist es, die die Familie zusammenhält. Auch weiß sie viel über Kräuter und deren Heilwirkung, sie hat auch ein großes Herz für die Abgehängten, für diejenigen, die am Rande der Stadtgemeinschaft ihr kärgliches Dasein fristen. Durch diese fiktive Geschichte erfahren wir viel über das Leben anno dazumal, es ist ein kurzweiliger Einblick in die gesellschaftlichen Schichten und selbstredend dürfen die realen Begebenheiten und die damals lebenden Persönlichkeiten hier nicht fehlen.

Der historische Bezug ist stets gegeben, angefangen von Kaiser Friedrich I., als Barbarossa wohlbekannt, auf dessen Anweisung Rainald von Dassel, der auch Erzkanzler von Italien war und besagte Gebeine nach Köln holt über Nicolaus und seinem Entschluss, dem Kölner Domkapitel einen Entwurf für den Schrein zu präsentieren und seiner (fiktiv dargestellten) Reise nach Köln, bei dem er sich dem Tross eines Gewürzhändlers anschließt bis hin zur Ankunft und den anfänglichen Schwierigkeiten, eine Unterkunft zu finden und später dann seine Werkstatt einzurichten. Der Thronstreit nach dem Tod Heinrich IV. zwischen dem Staufer Philipp von Schwaben und dem Welfen Otto von Braunschweig mitsamt der Rolle, die Papst Innozenz III. dabei inne hat, ist ausreichend thematisiert. Wir begegnen noch so einigen historischen Persönlichkeiten, auch werden die Kinderkreuzzüge erwähnt bis hin zu Franz von Assisi, der hier aber eher als Randfigur fungiert. Dies ist lediglich ein kurzer Abriss dessen, was Sabine Weiss sehr eindrucksvoll in ihrem „Schrein der Könige“ beschreibt.

Das gut gegliederte Personenverzeichnis mit den historisch gekennzeichneten Figuren ist der perfekte Einstieg ins Buch, abgerundet durch das Glossar und die historischen Anmerkungen zum Schluss bildet der gut recherchierte Roman ein lesenswertes Gesamtbild um den goldenen Schrein, der auch heute noch in all seiner Pracht im Kölner Dom besichtigt werden kann.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Schaurig-mystisches Moor

Moorland. Die Zwillinge
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Alles beginnt am Nachmittag des 1. Februars 2026. „Am frühen Nachmittag war der Nebel aufgezogen, angekündigt von einem tiefroten Sonnenaufgang am Morgen. Dicht und wattig und weiß hüllte er die Landschaft ...

Alles beginnt am Nachmittag des 1. Februars 2026. „Am frühen Nachmittag war der Nebel aufgezogen, angekündigt von einem tiefroten Sonnenaufgang am Morgen. Dicht und wattig und weiß hüllte er die Landschaft um das Namenlose Moor ein und befeuchtete alles…“ Und dann diese Schreie, die Toma hört. Er ist mit dem Fahrrad unterwegs, stoppt – aber nein, da war nichts, auch wenn sein Gefühl ihm etwas anderes sagt…

Andreas Winkelmann hat schon nach diesen ersten Seiten meine volle Aufmerksamkeit. „Die Zwillinge“ ist der absolut gelungene Auftaktband seiner neuen Thriller-Reihe „Moorland“. Schon der erste, visuelle Eindruck zieht einen förmlich an und die Story dann hält, was das Cover verspricht.

Die 18jährigen Zwillinge Nike und Jana beitreiben ihren TikTok-Kanal „Moormaid“ und wie der Name schon sagt, sind sie dafür im Moor unterwegs. Ihr Vater erscheint aufgeregt bei der Polizei, da die beiden seit zwei Stunden überfällig, eigentlich aber sehr zuverlässig sind. Losgefahren sind sie, bevor der Nebel aufzog, um Bilder zu machen und nun ist es schon ne Weile dunkel. Mit ihren Rädern waren sie unterwegs, sie wollten zu einem Hochsitz. An diesem Fleckchen im Moor sind sie oft, er eignet sich hervorragend für ihre Zwecke.

Die Kommissarin Malia Gold hat sich hierher versetzten lassen und kaum angekommen, wird sie mit diesem Fall konfrontiert. Sie ist hier aufgewachsen, war aber seit fünfzehn Jahren nicht mehr hier, was den schwierigen Familienverhältnissen geschuldet ist. Und nun trifft sie unweigerlich auf ihre Mutter. Ruth Sichler. Die das Moor kennt wie sonst niemand, sie ist die Fährtenleserin schlechthin und somit unverzichtbar bei der Suche nach den Zwillingen.

Andreas Winkelmann beschreibt das Moor in seiner ganzen Unheimlichkeit, das dennoch eine gewisse Faszination ausübt. Um diese angst- und auch respekteinflößende Kulisse rankt sich die Suche nach Nike und Jana. Die Zeit sitzt ihnen im Nacken, denn es ist bitterkalt, zudem weiß man nicht, ob die beiden verletzt sind, ob sie gefangen gehalten werden und wenn ja, unter welchen Bedingungen und vor allem – wo sind sie? Es gibt mehrere Verdächtige, die sich ziemlich auffällig verhalten. Jeder könnte der Übeltäter sein, alle scheinen sich in Widersprüche zu verstricken.

Man spürt diese beklemmende Atmosphäre, die das Moor ausstrahlt. Und da sind die ganz eigenen Charaktere, von kauzig und exzentrisch bis geheimnisvoll, jeder für sich ist authentisch, jedem einzelnen nehme ich seine Eigenheiten ab.

Und wiederum weiß ich, warum ich zu Winkelmanns Büchern immer wieder greife. Er schafft ein Szenario – hier ist es die Moorlandschaft – das für sich schon allein dieses Bedrohliche, dieses Schaurig-mystische ausstrahlt. Dazu die spannende Story, die bis zuletzt fesselt. Der Auftakt von „Moorland“ verlangt nach mehr, nach sehr viel mehr. Ich bin dabei. Unbedingt.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Ein hochbrisanter Agententhriller

Dunkelmann
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Maja Birk und Daniel Hartmann ermitteln in ihrem ersten Fall. Sie ist Führungsoffizierin, er Analyst beim dänischen Geheimdienst, beide sind sie liiert, ihr Job erfordert jedoch Stillschweigen über ihre ...

Maja Birk und Daniel Hartmann ermitteln in ihrem ersten Fall. Sie ist Führungsoffizierin, er Analyst beim dänischen Geheimdienst, beide sind sie liiert, ihr Job erfordert jedoch Stillschweigen über ihre Einsätze, was ihren jeweiligen Partnerschaften nicht unbedingt zuträglich ist. Dieses Private schwingt immer wieder durch, der Focus aber liegt schon auf ihrer Arbeit.

„Dunkelmann“ ist in drei Teile gegliedert. Zunächst folgen wir Maja und Ramin, ihrem Informanten, zu einem gefährlichen Einsatz in die Türkei, den Maja gerade mal so übersteht. Was mit Ramin geschieht, weiß sie lange nicht. Der zweite Teil dann führt zurück nach Dänemark und beim letzten, finalen Abschnitt spitzt sich die Lage nochmal dramatisch zu.

Es gilt, eine chinesische Delegation unter die Lupe zu nehmen. Ein hochbrisantes, äußerst vielschichtiges Unterfangen, wie sich schon nach den ersten Seiten herausstellt. Es geht um falsche Identitäten - nicht nur ihre Gegner arbeiten damit. Und um die Umsetzung einer neuen Seidenstraße - die sogenannte Belt-and-Road-Initiative zielt darauf ab, China mit den einzelnen Kontinenten zu verbinden. Was auch die Arktis und damit Grönland mit einschließt.

Grönland weckt Begehrlichkeiten, wir wissen es. Nicht nur die USA wollen sich diese an Rohstoffen so reiche Insel einverleiben, auch andere Nationen sind durchaus interessiert, auch wegen der strategisch günstigen Lage.

Lars Findsen, der frühere Chef des dänischen Geheimdienstes, hat zusammen mit Jacob Weinreich diesen rasanten Agententhriller vorgelegt, der nicht nur mit Brisanz und Aktualität punktet, der auch dank des einnehmenden Schreibstils seine Leser nicht loslassen will. „Dunkelmann“ verlangt jedoch ein konzentriertes Lesen, auch der vielen Namen und der wechselnden Identitäten wegen. Die einzelnen Figuren sind anschaulich dargeboten, angefangen von den Hauptakteuren und den in Abstufungen vorkommenden Nebencharakteren, die mir bisweilen dann doch zu viele waren. Abgesehen davon hat mich dieser hochaktuelle Thriller bestens unterhalten und – ich bin gespannt auf weitere Fälle für Maja und Daniel im Agentenmilieu.

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