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Veröffentlicht am 15.04.2026

Die Kraft der Gemeinsamkeit

Pina fällt aus
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Pia und ihr autistischer Sohn Leo leben in Symbiose zusammen, es gibt nur sie beide und ihre kleine Welt funktioniert gut. Als Pia plötzlich ins Krankenhaus muss, steht Leo alleine da. Schnell verstehen ...

Pia und ihr autistischer Sohn Leo leben in Symbiose zusammen, es gibt nur sie beide und ihre kleine Welt funktioniert gut. Als Pia plötzlich ins Krankenhaus muss, steht Leo alleine da. Schnell verstehen die Mitbewohner ihres Hauses, jeder auf seine eigene Art schrullig und einzigartig, dass ihre Hilfe nun gefragt ist. Und sie packen an! Gemeinsam schaffen sie es, dass Leos Welt wieder. gerade gerückt wird. Die Zeit bis zu Pias Wiederkehr wird für alle 4 eine nie geahnte Herausforderung, die sie aber zusammen schweißt und ihnen zeigt, wie viel sie gemeinsam erreichen können.

"Pia fällt aus" ist ein großartiger Roman über die Kraft des Zusammenhaltes, über Nächstenliebe und über das Überwinden von Vorurteilen. Es schafft Verbundenheit, wenn eine gemeinsame Sache in den Mittelpunkt gestellt wird und die einzelnen Personen aufhören, sich selbst am wichtigsten zu nehmen. Die ungewöhnliche WG der Hansastraße 22 wächst an ihrer Aufgabe - alle gemeinsam und jeder für sich noch einmal ein Stückchen mehr und schließlich gelingt es ihnen, Leo Luxen die Sicherheit zu geben, die er braucht, während Pia im Krankenhaus alle Kraft braucht, um wieder gesund zu werden.

Die Protagonisten, allen voran Leo, habe ich sofort ins Herz geschlossen, jeden auf seine Art und Weise. Man fühlt sich von Anfang an in die Geschichte eingebunden und ist fast Teil der besonderen WG. Schade, dass man dennoch nur von außen zusehen und nicht aktiv eingreifen kann, manchmal hat man während des Lesens das Gefühl, auch mithelfen zu wollen, damit Leo die Trennung von seiner Mutsch ein bisschen leichter verkraften kann. Es ist eine Freude, die Gemeinsamkeit und das Miteinander mitzuverfolgen und zu sehen, welche Kraft Zola, Wojtek und Inge entwickeln und wie sehr Leo Seite für Seite einer von ihnen wird.

Das Buch behandelt schwierige Themen, die nachwirken und ist dennoch ein ganz großes Lesevergnügen. Der Stil Vera Zischkes verleitet immer wieder zum Schmunzeln, wodurch das Buch trotz der Schwere einen enormen Unterhaltungswert gewinnt. "Pia fällt aus" ist für mich eines der Lesehighlights des Jahres und es freut mich, dass ich es weiterempfehlen darf.

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Die Suche nach dem Leben - und wie man "was wird"

Statt aus dem Fenster zu schauen
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Aus einer Laune heraus kauft Sophie ein altes, verfallenes Haus im Osten Deutschlands und ehe sie sich versieht, findet sie sich in der absoluten Einöde wieder, mit einer Ruine, die nur mehr entfernt an ...

Aus einer Laune heraus kauft Sophie ein altes, verfallenes Haus im Osten Deutschlands und ehe sie sich versieht, findet sie sich in der absoluten Einöde wieder, mit einer Ruine, die nur mehr entfernt an ein Haus erinnert. Nach anfänglichen Zweifeln beschließt Sophie, diese zu renovieren und sich dem Landleben zu stellen und mit jeder Herausforderung, die sich ihr stellt, lernt sie Dinge, mit denen sie zuvor nie konfrontiert war. Fernab der Zivilisation entdeckt Sophie nach und nach, was im Leben wirklich zählt und während sie ihr neues Leben in Angriff nimmt und mit dem Unverständnis ihrer leistungsorientierten Mitmenschen kämpft, stellt sie sich immer wieder die Frage, wie man denn wirklich "was wird".

Anna Katharina Scheidemantel hat mit "Statt aus dem Fenster zu schauen" einen sehr tiefgründigen, zugleich aber unglaublich unterhaltsamen Roman geschrieben. Von Beginn an gewinnt die Protagonistin Sophie die Sympathie der Leser*innen und während man anfangs wohl eher zu der Fraktion der verständnislosen Mitmenschen zählt, taucht man nach und nach mit Sophie in ihr neues Leben ein. Mit viel Wortwitz schildert Scheidemantel die Situationen, in denen sich die Studentin Sophie wiederfindet und Seite für Seite wächst die Bewunderung für die junge Frau, die sich ihren Herausforderungen stellt, bis man ihren neuen Lebensweg immer besser nachvollziehen kann.

Ohne Strom, fließendes Wasser und mit einem undichten Dach über dem Kopf kämpft sich Sophie in ihr neues Leben und sie macht das großartig. Während sie diese äußeren Umstände nach und nach zu regeln vermag, tun sich für Sophie immer mehr Zweifel an ihrer bisherigen Lebensführung auf und je länger sie das tut, desto mehr Zweifel kommen ihr, ob denn ihr bisheriger Weg, wo ihr Ziel war "etwas zu werden", der einzig wahre war. Schnell beginnt sie Definitionen zu hinterfragen und mit Stolz kann sie plötzlich auf Dinge zurück blicken, die sie zuvor nicht zu meistern in der Lage gewesen wäre.

"Statt aus dem Fenster zu schauen" ist ein Roman über die Dinge, die im Leben wirklich zählen. Er lässt Oberlächliches unbedeutend erscheinen und lässt die Normen der Gesellschaft neu hinterfragen. Auf kurzweilige Art und Weise und mit pointierten Aussagen, die oft zum Schmunzeln anregen, bringt der Roman immer wieder zum Nachdenken. So vieles findet sich zwischen den Zeilen, das bewegt und das einen anregt, auch selbst zu überdenken, ob weniger nicht manchmal mehr wäre, ob ein anderer Weg nicht ebenso gut und richtig wäre und ob es wirklich so wichtig ist, einmal "das" zu werden, was die Gesellschaft von uns erwartet.

Anna Katharina Scheidemantel belehrt nicht in ihrem Roman, sie unterhält. Sie tut das aber mit einer Präzision und einer Offenheit, die "Statt aus dem Fenster zu schauen" zu einem ganz großen Lesevergnügen machen. Das Buch hat mit seiner Offenheit, Tiefgründigkeit und seiner absolut großartig gewählten Sprache das Potential ein ganz großes Lesehighlight zu werden und ich empfehle es sehr gerne allen weiter, die nicht nur unterhalten werden wollen, sondern ein Buch lesen wollen, das auch noch nachwirkt.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Und plötzlich war alles anders

Unter Wasser
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"Unter Wasser" ist die bewegende Geschichte der Freundschaft zwischen Marissa und Arielle. Seit ihrer Kindheit sind die beiden beste Freundinnen, sie wachsen mit viel Freiheit direkt am Meer auf und erleben ...

"Unter Wasser" ist die bewegende Geschichte der Freundschaft zwischen Marissa und Arielle. Seit ihrer Kindheit sind die beiden beste Freundinnen, sie wachsen mit viel Freiheit direkt am Meer auf und erleben eine unbeschwerte Zeit. Alles hätte so weitergehen können, wäre nicht 2004 der verheerende Tsunami über Asien hereingebrochen, der die beiden Freundinnen auf brutalste Weise entzweit hat. Während Marissa mit wenigen Narben davon kommt, wird Arielle von dem einst so geliebten Ozean mitgerissen.

In "Unter Wasser" schildert Tara Menon die besondere Freundschaft zwischen den beiden Mädchen aus der Sicht von Marissa. Jahre nach dem Unglück kehrt sie in ihre Heimatstadt New York zurück und versucht, sich fernab vom Unglücksort wieder niederzulassen. Zu tief ist jedoch die Trauer um die geliebte Freundin, als dass ihr das wirklich gelingt, zu sehr holen sie die Erinnerungen an Arielle in den unterschiedlichsten Situationen immer wieder ein.

Das Buch ist trotz seiner Tragik wirklich faszinierend. Geschickt jongliert Menon mit den beiden Zeitebenen, schildert das Leben vor und nach der Katastrophe und lässt Marissa den Raum, den sie braucht um zu trauern, auch wenn das von ihrer Umwelt nicht immer verstanden wird. Sind die beiden Handlungsstränge am Anfang noch getrennt in die Zeit in Thailand und die Zeit in New York, so fließen sie mit Fortgang des Buches immer mehr in einander über.

Die Geschichte ist tragisch, aber sie ist wunderschön erzählt, sie ist fesselnd und packend, sodass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte. Man fiebert mit Marissa mit und auch wenn man ungefähr weiß, was passiert, so zittert man mit ihr dem Unglück entgegen. Die Verzweiflung der Menschen nach dem Tsunami werden eindrücklich geschildert und gleichzeitig wird man mitgerissen, von der gegenseitigen Hilfsbereitschaft und der Kraft, die die Leute aufbrachten, um nicht an ihrem Schicksal zu zerbrechen.

"Unter Wasser" ist ein erschütterndes und unglaublich berührendes Buch. Es ist gleichzeitig spannend und bestürzend und in seiner ganzen Tragik dennoch ein großes Lesevergnügen. Ich empfehle es sehr gerne weiter!

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Das Moor gibt seine Geheimnisse preis

Spiegelland
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Eine Familiengeschichte in mehreren Zeitebenen, eingebettet in eine Moorlandschaft als zentraler Schauplatz - das ist der neue Roman von Rebekka Frank. Und er ist gelungen - sehr sogar.

Bildhaft und in ...

Eine Familiengeschichte in mehreren Zeitebenen, eingebettet in eine Moorlandschaft als zentraler Schauplatz - das ist der neue Roman von Rebekka Frank. Und er ist gelungen - sehr sogar.

Bildhaft und in schönster Sprache schildert Frank in "Spiegelland" die Geschichte einer Familie. Ausgehend davon, was vor 25 Jahren geschah, ziehen sich die Parallelen bis in die Gegenwart und der außergewöhnliche Fund von Moorleichen hat seine Wurzeln tief im 18. Jahrhundert.

Jede Zeitebene hat ihren eigenen Handlungsstrang und ihre Personen, die einen von Anfang an in den Bann ziehen. Sympathisiert man eingangs mit der einen Ebene, wechselt das Interesse während des Lesens immer wieder und von Anfang an fiebert man mit den Protagonisten mit. Während die Zusammenhänge im Verlauf immer klarer werden, bleiben dennoch die einzelnen Geschichten für sich auch spannend. Frank gelingt es aber sehr gut, sie mit einander zu verweben und schließlich zu einem Ganzen zusammen zu führen.

"Spiegelland" ist ein faszinierender Roman, der sowohl durch seinen Schauplatz im Moor überzeugt, als auch durch die handelnden Personen Tiefgang bekommt, die auf großartige Weise ihre Schicksale bewältigen. Es ist ein Roman voll Atmosphäre und Faszination, voll Sympathie und Spannung.

Ich habe "Spiegelland" mit großer Begeisterung gelesen und es hat Freude gemacht, das Moor aus unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen. Es war spannend, sich in die Situationen der Protagonisten der verschiedenen Zeiten hineinzuversetzen und mit ihnen mitzufiebern und ich empfehle das Buch sehr gerne an alle weiter, die Familiengeschichten mögen, für die das Drumherum aber ebenfalls faszinierend ist und die über oberflächliche Beziehungen hinaus eine Familie über Generationen begleiten möchten.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Neuanfang mit Gefühl

Mathilde und Marie
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Wie der Zufall es will, landet Marie an einem Wendepunkt ihres Lebens im kleinen Dorf Redu - dort, wo die Uhren langsamer gehen, die Menschen noch Zeit für einander haben und das Internet noch nicht den ...

Wie der Zufall es will, landet Marie an einem Wendepunkt ihres Lebens im kleinen Dorf Redu - dort, wo die Uhren langsamer gehen, die Menschen noch Zeit für einander haben und das Internet noch nicht den Alltag beherrscht. Schnell gewinnt sie die Sympathien der Dorfbewohner für sich und als sich auch die reservierte Mathilde ihre Vorbehalte ad acta legt und sich öffnet, fühlt sich Marie zunehmend als ein Teil der Gemeinschaft. Als sie schließlich gebeten wird, einen Buchladen in Redu zu übernehmen, tut sie das nur allzu gerne.

Torsten Woywod ist mit "Mathilde und Marie" ein wunderschönes, atmosphärisches Buch gelungen. Die Charaktere sind unglaublich sympathisch und da das Buch jedem von ihnen genug Raum lässt, hat man während des Lesens das Gefühl, sie Seite für Seite besser kennenzulernen. Redu ist verschlafen, man spürt die Ruhe, die der Ort ausstrahlt und man fühlt sich auch irgendwie "angekommen".

"Mathilde und Marie" ist kein Buch der großen Handlungen, es ist eher ein Buch der Gefühle, der Stimmungen, des Miteinanders. Es ist ein Buch, das durch eine wunderschöne Sprache überzeugt und das die Ruhe spüren lässt, die in dem kleinen Dorf herrscht. Manchmal braucht es nicht viel um glücklich zu sein. Die Menschen um einen und die Situationen, die man teilt sind oft so viel mehr als die großen Abenteuer. Und genau das strahlt das Buch aus.

Für mich war "Mathilde und Marie" ein ganz großes Lesevergnügen, ein Buch des Genusses und der schönen Worte, das ich sehr gerne allen empfehle, die gerne zwischen den Zeilen lesen und für die weniger manchmal mehr ist.

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