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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.03.2026

Ein überzeugender Roman über Generationen und ihre Fragen

Real Americans
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Rachel Khong – Real Americans
Ein Familienroman über drei bis vier Generationen, erzählt in drei Teilen aus unterschiedlichen Perspektiven. Mutter, Tochter, Enkel, und erst im dritten Teil, mit der Geschichte ...

Rachel Khong – Real Americans
Ein Familienroman über drei bis vier Generationen, erzählt in drei Teilen aus unterschiedlichen Perspektiven. Mutter, Tochter, Enkel, und erst im dritten Teil, mit der Geschichte der Großmutter, klärt sich vieles. Für mich war genau dieser Abschnitt der dichteste.
Mei wächst in China auf, erlebt die Kulturrevolution und will raus aus der Enge ihres Dorfes. Sie ist tough, studiert Biologie und geht nach Amerika, auch wenn sie dafür die Liebe ihres Lebens zurücklässt. Später wirkt sie als Mutter eher kühl und distanziert.
Ihre Tochter Lily heiratet einen weißen Multimilliardär, fühlt sich in dieser Welt aber nie wirklich wohl. Sie verlässt ihn und lebt mit ihrem Sohn Nick auf einer kleinen Farm in den USA. Auch hier wieder dieses Gefühl von Nicht-Dazugehören.
Nick sucht schließlich seinen Vater und findet ihn auch. Matthew ist überglücklich, während Nick eher auf Distanz bleibt. Diese Dynamik zieht sich durch die Generationen.
Es geht immer wieder um Entfremdung, um Rassismus, um Arm und Reich, um die Unterdrückung von Frauen und die Frage, wer eigentlich die „Real Americans“ sind.
Mich hat das total gefesselt. Gerade weil sich vieles erst im Verlauf erschließt und die Perspektiven ineinandergreifen.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Unterhaltsam, aber mit Längen

Das Gehöft
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Als Thriller angekündigt, bin ich mit einer gewissen Erwartung in Das Gehöft von Leo Brandt gestartet. Ganz erfüllt hat das Buch diese Erwartung für mich allerdings nicht – auch wenn die Grundidee durchaus ...

Als Thriller angekündigt, bin ich mit einer gewissen Erwartung in Das Gehöft von Leo Brandt gestartet. Ganz erfüllt hat das Buch diese Erwartung für mich allerdings nicht – auch wenn die Grundidee durchaus spannend ist.
Im Mittelpunkt steht Lara, die Hamburg verlässt und auf eine kleine Hallig bei Pellworm zieht. Dort kauft sie ein Gehöft, um gemeinsam mit ihrem Freund Henry, ihrem Bruder Malte und einem befreundeten Paar ein ökologisches Projekt aufzubauen. Doch dann verschwindet Malte in einer stürmischen Nacht spurlos. Lara fühlt sich zunehmend beobachtet, seltsame Dinge passieren – und von der Hallig kommt sie ohne Boot nicht mehr weg. Ein unheimlicher Fremder taucht auf, und irgendwann gerät sogar Henry in Verdacht.
Die Atmosphäre ist dabei sehr dicht: Sturm, Dunkelheit und die raue Landschaft prägen die Geschichte und vermitteln gut das Gefühl von Isolation. Gleichzeitig entwickelt sich die Handlung deutlich ruhiger als erwartet. Es gibt zwar immer wieder spannende Momente, insgesamt hat der Roman für mich aber auch einige Längen.
Im Verlauf hatte ich stellenweise sogar den Eindruck, dass sich bestimmte Situationen fast ein wenig wiederholen: Es ist wieder stürmisch, wieder dunkel und wieder gefährlich, Lara ist orientierungslos oder begibt sich in riskante Situationen, die mir teilweise nicht ganz logisch erschienen. Das wirkte auf mich gelegentlich sogar leicht unfreiwillig komisch. Gleichzeitig passt genau dieses Verhalten aber auch zum Setting – zur Unsicherheit, zur Isolation und zu den extremen Bedingungen auf der Hallig – und wirkt deshalb im Grundgedanken durchaus realistisch.
Mit der Hauptfigur Lara bin ich persönlich nicht ganz warm geworden. Einerseits wirkt sie forsch und direkt, andererseits fehlt ihr in manchen Momenten die nötige Durchsetzungskraft. Dadurch blieb ich emotional etwas auf Distanz.
Sehr gut gefallen hat mir dagegen die Sprecherstimme des Hörbuchs. Das Lesetempo ist angenehm und gut hörbar. Ein wenig schwierig wurde es für mich nur dann, wenn der Sprecher Frauenstimmen im Dialog nachgeahmt hat – das wirkte teilweise etwas übertrieben. Insgesamt ist das Hörbuch aber sehr solide gelesen.
Eine interessante Idee, eine starke Atmosphäre und ein sehr besonderes Setting – als Thriller hätte ich mir allerdings mehr Spannung gewünscht.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Viel erhofft, am Ende nicht bekommen

Tödliche Freundinnen
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Ich habe mich an dieses Buch mit einer gewissen Erwartung gesetzt, auch weil ich vorab unterschiedliche Stimmen dazu gelesen hatte. Am Ende gehöre ich eher zu denen, bei denen es nicht wirklich gezündet ...

Ich habe mich an dieses Buch mit einer gewissen Erwartung gesetzt, auch weil ich vorab unterschiedliche Stimmen dazu gelesen hatte. Am Ende gehöre ich eher zu denen, bei denen es nicht wirklich gezündet hat.

Die Ausgangssituation fand ich eigentlich spannend. Mel und Chloe waren früher unzertrennlich, bis Chloe plötzlich verschwindet. Jahre später soll Mel sie im Auftrag ihrer Familie finden. Als sie Chloe tatsächlich aufspürt, wirkt diese allerdings nicht so, als hätte sie auf genau diese Begegnung gewartet. Da ist sofort eine Spannung drin, die neugierig macht.

Was mich dann aber zunehmend rausgebracht hat, war die Art des Erzählens. Viele Zeitsprünge, viele Perspektivwechsel, dazu Ortswechsel. Ich mag das eigentlich, wenn sich dadurch nach und nach etwas zusammensetzt. Hier wirkte es auf mich eher wie ein ständiges Neuansetzen. Ich musste mich immer wieder orientieren, statt tiefer in die Geschichte reinzukommen.

Auch die Figuren blieben für mich auf Abstand. Mel und Chloe standen zwar im Zentrum, aber ich hatte selten das Gefühl, wirklich nah an ihnen dran zu sein. Vieles wird eher beobachtend erzählt, fast nüchtern, sodass emotionale Momente bei mir nicht richtig ankamen. Dadurch blieb auch die Spannung für mich gedämpft, selbst in Szenen, die eigentlich intensiver sein könnten.

Es gab durchaus interessante Ansätze in der Geschichte und ich kann verstehen, wenn andere gerade die Konstruktion und die Wendungen mögen. Für mich hat sich das Ganze aber nicht zu einem Sog entwickelt, sondern eher zu einem distanzierten Mitgehen.

Am Ende bleibt ein Buch, mit dem ich mich schwergetan habe.

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